. .
BUCHstäblich NEU
Sie sind hier:

Obiad - Mehr als nur Mittagessen
Mein Jahr in Polen mit Überlebenden des Holocaust

Obiad - Mehr als nur Mittagessen

Autor: Biakowski, André


Lieferbar in 48 Stunden


Produktart: Buch

Seiten: 172

Abbildungen: 24

Sprache: deutsch

Auflage: 1 Erstausgabe

Verlag: ACABUS Verlag

ISBN: 9783862821983

Einband: Paperback

zum eBook

EUR 12,90

Artikel


  • Inhalt
  • Leseprobe
  • Rezension
Der Reisebus hielt und ich war da. Lodz, meine Heimat auf Zeit. Mitten in Polen. Ein Jahr als Freiwilliger lag vor mir. Und dann war da diese polnische Sprache. Zungenbrecher. Ein ewiges Nachschlagen im Wörterbuch. Doch ein Wort begleitete mich täglich – Obiad. Ohne anfänglich zu wissen, was dieses Wort bedeutet, wurde es zur Überschrift für mein Jahr. Öffnete mir Türen und ließ mich durch meine tägliche Arbeit mit Überlebenden verschiedener Ghettos und Konzentrationslager hinter die Kulisse deutsch-polnischer Geschichte blicken. Fakten – anonyme Jahreszahlen –, die ich bisher nur aus Büchern kannte, bekamen auf einmal Gesichter und wurden bei meinen Besuchsdiensten konkret, stellten mir unausweichliche Fragen. Warum ist Schweigen die Sprache des Schmerzes? Welche historische Hypothek trage ich als junger Mensch?

Polen auf seine Geschichte – den Holocaust – zu reduzieren, wird diesem wunderschönen Nachbarn nicht gerecht. Ich packte meinen Rucksack, reiste in meinem Jahr als Freiwilliger und lernte dabei dieses Land lieben. In monatlichen Briefen zu den verschiedensten Themen schrieb ich an Freunde und Bekannte über meine Eindrücke und tiefen Begegnungen. Heute weiß ich, Obiad bedeutet mehr als nur Mittagessen!
Einleitung:

„Obiad!“ – „Tak!“ Ein Summen. Die Wohnungstür springt auf. Der Geruch von feuchtem Putz und Reinigungsmittel liegt in der Luft. Im ersten Stock schreit ein Kind. Ein Mann in fleckiger Jacke kommt mir entgegen. Sagt etwas. Ich versteh’ nichts. „Obiad, Obiad, Obiad“, brabble ich mich synchron zu meinen Schritten Stufe für Stufe die Treppe hinauf. Zweiter Stock, schaue auf das Klingelschild an der Tür. Kann den Namen vor lauter SZ- und CZ-Kombinationen nicht aussprechen. Zungenbrecher. Weiter – dritter Stock. In der Ecke eine leere Bierflasche. Etikett abgepult. Staub auf den ausgetretenen Holzstufen. Ihr Knarren suggeriert Nostalgie. Geschichte. Ein Damals.
„Obiad, Obiad“, geht es mir über die Lippen. Das „I“ vorm „A“ wird rund und mit jeder Wiederholung mehr und mehr ein „J“. Keine Ahnung, was das Wort bedeutet. Kriminologisch, ohne dafür wirkliches Talent zu besitzen, versuche ich mir „Obiad“ zu erschließen. Klingeln … „Obiad!“, das „Tak!“ aus der Sprechanlage, ein kurzes Summen, die Tür geht auf – logisch, es muss „öffnen“ heißen. „Open … Opien … Obian … Obiad“, moduliere ich das Wort aus dem Englischen so lange, bis ich im Polnischen bei „Obiad“ angekommen bin. Ganz klar „öffnen“. Imperativ. Ich bin mir sicher!
Mit einer impulsartigen Bewegung dreht die kleine faltige Hand einer Frau den Deckel des weißen Thermobehälters gegen den Uhrzeigersinn. Ihr Ehering verschiebt sich dabei und drückt sich an den benachbarten Mittelfinger. Die aufgebrachte Kraft zwingt sie, den rotgeschminkten Mund zu verziehen. Mit einem stöhnenden „Ah“ betrachtet sie ihr dampfendes Essen. Heute: Kartoffeln, Rote Beete und ein Stück Fleisch. Danach schraubt sie den Thermobehälter wieder zu, stellt ihn in der Ecke ihrer Küche ab und gibt mir fürs Vorbeibringen eine Tafel Schokolade. Lächelt mich an und winkt mir beim Verlassen der Wohnung nach. Obiad muss irgendetwas mit Öffnen heißen!, geht es mir durch den Kopf.

Wenn man eine Sprache so wie ich nicht versteht, so reduziert sich die gesamte Umgebung auf Zeichen. Oft kleine. Solche, die schnell übersehen werden. Ich habe oft versucht, alltägliche Kleinigkeiten zu hinterfragen, und stellte fest, welche Komplexität hinter vielem Kleinen steckte. Die Menschen, die ich in Łódź in meinem Jahr als Freiwilliger betreute und denen ich dieses Buch aus tiefer Dankbarkeit widme, sind Überlebende aus unterschiedlichen Ghettos sowie Konzentrationslagern. Viele von ihnen sind heute wacklig auf den Beinen. Gehstock und Brille die Insignien ihres Alters. Die Wohnungen, in denen sie jeden herzlich willkommen heißen, sind kleine Museen ihrer Geschichte. Eine alte Tasse im Schrank, innen vom Tee schwärzlich verfärbt, beginnt etwas von einem Damals zu erzählen. Von einer Zeit, die ich nur als eine Auflistung auswendig zu lernender Fakten aus meinem Geschichtsbuch kenne. Steht man aber in ihren ‚Museen‘, so beginnen die Überlebenden zu erzählen. Ich verstehe nur Zischlaute und etwas mit ego. Doch ab und an fliegen einzelne Worte an mir vorbei, die mich auf den Inhalt schließen lassen: Höss … Auschwitz … Matka … Dachau. Tränen füllen ihre Augen. Sie schlucken trocken, sind stark und sprechen weiter.
„Obiad“ heißt nicht „öffnen“. Nein, Mittagessen! Jeden Tag. Zwischen 10 und 14 Uhr ein Klingeln, eine Männerstimme an der Sprechanlage, „Obiad!“, ein junger deutscher Mann, der zehn Minuten Zeit hat, lächelt, das Essen im Thermobehälter abstellt und sich etwas Zeit nimmt. Einer, der die Sprache nicht versteht und doch versucht, sie im Kleinen zu sprechen. Für viele der Überlebenden liegt in diesem Moment eine Verbindlichkeit. Der junge Mann kommt jeden Tag zu mir. Zehn Minuten nicht alleine. Abwechslung für einen Moment. Ich bin alt. Er ist jung. Ich habe Geschichte, er Zukunft.
Wenn ich heute, fast eineinhalb Jahre später, an meine Zeit in Łódź zurückdenke, so war ich von Anfang an mit der polnischen Sprache überfordert. Um mich herum verstanden sich alle, lachten, wurden traurig, ernst und ich wusste nie, warum. Ich war außen vor und konnte einfach nichts sagen. Verstehen Sie? Nichts. Nicht fragen, wann eine Straßenbahn fährt. Nicht fragen, wie spät es sei. Nichts, einfach Nichts – sprachlich im luftleeren Raum. Ich hoffte einfach, dass mir niemand eine Frage stellte, die ich nicht beantworten konnte. Ich war abhängig von Menschen, die sich meiner mit Geduld annahmen. Langsam sprachen. Jedes Wort wiederholten. Ania, Sekretärin im sozialmedizinischen Zentrum, sprach ganz gut Deutsch. So, wie man eine Fremdsprache halt spricht, wenn man nie für längere Zeit im jeweiligen Ausland gearbeitet hat. Judytha, Ordensschwester im Habit und Krankenschwester aus Leidenschaft, sprach fast perfekt Deutsch und übersetzte am Anfang alles. Doch hinter der Hilfsbereitschaft beider wollte ich mich nicht verstecken. Ich hätte es mir sehr leicht machen können. Nein, mir wurde klar: André, wenn du das Land und damit seine Geschichte und Kultur in Ansätzen verstehen willst, dann kaufe dir Karteikarten und lerne. Lerne jeden Tag die neuen Wörter. Sprich und mach’ Fehler, aber versuch’, Polnisch zu sprechen! Wie fange ich an? Zeit zum Lernen nur ein knappes Jahr.
Jeden Morgen fuhr ich mit Jurek, einem Mitarbeiter des Zentrums, zur Großküche, um die 20 – 25 Mittagessen abzuholen. „Obiad“ für Menschen, Überlebende der NS-Diktatur, die sich, um ihr nacktes Leben zu schützen, in Ghettos versteckten und in den Konzentrationslagern wie Auschwitz, Dachau, Mauthausen, Ravensbrück und Groß-Rosen unter physischer und psychischer Folter als Kinder und Jugendliche um ihr Leben bangten.

Auf puhlswritinglife.blogspot.de, von Widmar Puhl, SWR2 Aktuelle Kultur (07.02.2013)


Die Zahl der Deutschen, die sich Zeit für die unselige NS-Vergangenheit nehmen und zugleich versuchen, die Opfer des Holocaust zu verstehen, ist leider überschaubar. Noch kleiner ist die Zahl derer, die dazu in unser Nachbarland Polen reisen und doch Überlebende von Auschwitz besuchen. Verschwindend klein ist die Zahl derer, die im Bemühen um ein besseres Verständnis der Geschichte Polnisch lernen. André Biakowski hat all dies getan und ein ganzes Jahr als Freiwilliger beim Maximilian-Kolbe-Werk in Lódz gearbeitet, um Überlebende der deutschen Vernichtungsorgie an den Juden zu betreuen. Wer kann schon sagen, er habe ein Jahr lang polnischen KZ-Opfern Essen auf Rädern gebracht? - Da steht dieser junge Mann aus Halberstadt mit Lebensmittelpunkt im schwäbischen Nürtingen ziemlich einmalig unter seinesgleichen da.
Er ist der fremden Situation und der fremden Sprache nicht ausgewichen, hat standgehalten und ein sehr persönliches Buch über seine Begegnungen mit diesen alten, oft hinfälligen und gezeichneten, aber niemals verbitterten Menschen geschrieben. Und besonders am Anfang muss das sehr schwer gewesen sein, wie Biakowski überzeugend schildert: „Nichts, einfach Nichts - sprachlich im luftleeren Raum. Ich hoffte einfach, dass mir niemand eine Frage stellte, die ich nicht beantworten konnte. Ich war abhängig von Menschen, die sich meiner mit Geduld annahmen. Langsam sprachen. Jedes Wort wiederholten.“ Es war und ist wohl eine der ganz entscheidenden Erfahrungen in Biakowskis Buch, die schon auf den ersten Seiten den Leser buchstäblich in das Erlebte hineinzieht: „Essen und Sprache scheinen mir der Schlüssel zu den Menschen zu sein“. Er wollte diese Menschen verstehen, und ich glaube, es ist ihm gelungen.
Am stärksten ist dieses Buch, wenn es um die unmittelbare Beschreibung dieser menschlichen Begegnungen geht. Sie haben den Autor dermaßen erschüttert und intensiv beschäftigt, dass er begann, davon in Rundbriefen an seine Freunde zu erzählen, aus denen dann dieses Buch entstanden ist. Da man eine schwierige Sprache wie Polnisch nicht in wenigen Wochen oder gar Tagen lernt, nahm der Autor Zuflucht zum genauen Beobachten - gleichgültig, ob geniale Technik oder instinktive Reaktion. Das Ergebnis ist ein überzeugendes Zeitzeugnis, das so oder ähnlich bald nicht mehr möglich sein wird. Und es ist ein praktisches Beispiel gelebter Vergangenheitsbewältigung, die nicht mit großen Sprüchen daherkommt.
„Die Sprache der Wohnungen ist eine von Bescheidenheit. Wertschätzung mit auffälliger Sorgfalt. Diese zeigt sich am deutlichsten in den kleinen Dingen und Gesten der Menschen. Die Art und Weise, wie viele der Überlebenden Deine Hand drücken, wie sie achtsam den Thermobehälter mit dem Essen öffnen, um zu sehen, was es heute für Suppe gibt“. Da spüre ich als Leser noch den Hunger, den diese Menschen überstanden haben. Sein Dienst als Essensfahrer hat Biakowski ganz nah an diese Menschen herangebracht, und das war sicher nicht immer schmerzfrei. Er stellt sich auch diesem Schmerz und kommt zu Einsichten, die ungewöhnlich sind für die Generation der heute 30-40-jährigen Deutschen. So fragt er sich beispielsweise mit sehr persönlicher Aufrichtigkeit und Offenheit, was es für ihn bedeutet, einfach zu leben:
„Einfacher Lebensstil, aus zwei Wörtern bestehend. Wie ist das Einfach gemeint? Im Sinne von leicht? Banal? Unkompliziert? Fokussiert oder reduziert? In meinem Leben bewerte ich nur wenig aus mir selbst heraus. Ich vergleiche mich und alles ständig. Wie leben andere? Wie ich? Immer mit latent neidischem Unterton. Wenn ich hier nun in diesem Lódz diesem bisherigen Gedankenmuster treu bleibe, so stelle ich auf einmal fest, wie gut es mir eigentlich geht. Stelle fest, wie wenig materielle Armut mit geistigem Reichtum zu tun hat.“
Die Nagelprobe für seine Erfahrungen kam für Biakowski erst beim Abschied am Ende seines Jahres in Lódz - und danach. Besonders überzeugend finde ich daher auch ein späteres Nachwort über seine Rückkehr. Mit einem Freund machte er sich nach zwei Jahren im Urlaub wieder auf, um seine polnischen Freunde zu besuchen. Dabei machte er auch neue Bekanntschaften und lernte Polen nun etwas systematischer, d.h. auch „touristischer“ kennen. Aber keine Sekunde lang ist dieser Autor bloß einfach Tourist. Er wird nie vergessen, was er da erlebt hat, er wird diese Freunde aus Lódz, die anfangs nur Kollegen waren, bleibend in sein Leben integrieren. Selbst seine Trauer über einen der alten Männer, den er betreut hat und der inzwischen gestorben ist, ist auch ein Stück weit stellvertretende Trauer eines Deutschen über so viel namenloses Leid, das Deutsche angerichtet haben. Eine Trauer, die auch jeder Besuch in Gedenkstätten wecken möchte, ohne jemals so persönlich sein zu können. Deshalb ist sein Buch ein Geschenk an die Deutschen von heute und ein aktiver Beitrag zur Versöhnung der Völker.

Online: http://puhlswritinglife.blogspot.de/2013/02/zeit-fur-eine-personliche-begegnung-mit.html


von Horst Fesseler (Januar 2013)


Eindrucksvolle Schilderungen mit philosophischem Tiefsinn


Das Maximilian-Kolbe-Werk engagiert sich seit rund 40 Jahren für die Überlebenden der NS-Konzentrationslager und Ghettos in Polen und anderen Ländern. Etwa 25.000 ehemalige Häftlinge leben heute noch. Viele von ihnen sind krank und pflegebedürftig, leiden an den Spätfolgen ihrer Inhaftierung und an traumatischen Erinnerungen. Das Maximilian-Kolbe-Werk setzt sich für die Überlebenden ein und hilft ihnen, ihren Alltag und ihren Lebensabend würdig zu gestalten.

Zu dieser Arbeit gehört auch der Dienst von jungen deutschen Freiwilligen, zu denen auch der Autor von „Obiad – mehr als nur Mittagessen“, der ein Jahr als „Jesuit European Volunteer“ in Lodz, Polen, arbeitete. Auf überwältigende Art schildert er seine Eindrücke und Erfahrungen im Umgang mit den Hinterbliebenen, Zeitzeugen einer schrecklichen Epoche.

Der Autor lernte Polen und seine Bewohner in dem Jahr seiner Freiwilligenzeit auf beachtliche Weise kennen, wie er es vorher nicht erwartet hätte. Die Menschen brachten ihm Freundschaft, Herzenswärme, Gastfreundlichkeit und Güte entgegen. So drückt er es auch in seinen Erfahrungsberichten – in Form von Rundbriefen an Freunde, Bekannte und Verwandte – aus. All seine Begegnungen mit den Zeitzeugen sind detailgenau beschrieben, mit vielen Emotionen und Fragen hinterlegt, so dass ein Bild entstand, das nachvollziehbar und verständlich ist. Durch seine stilistische Ausdrucksweise wird man zum Begleiter des Autors bei all seinen Gesprächen mit den Betroffenen, aber auch seinen Erlebnissen auf seinen Reisen quer durch Polen. Es ist sehr einfühlend, wie er über die Besuche in Breslau, Krakau, Zakopane sowie vielen anderen Orten und Städten berichtet. Es ist leicht, sich in die einzelnen Szenen und Erlebnisse hineinzudenken … und zu fühlen: man spürt die Kälte, die er bei der Ersteigung des Kasprowy Wierch empfindet oder wie die Hitze an heißen Sommertagen in der Tram zur Qual wird.

Der Autor benutzt in seinen Schilderungen sehr gekonnt passende Metapher, die es dem Leser ermöglichen, ein realitätsnahes Bild entstehen zu lassen. Ausgesprochen rührend beschreibt der Autor in seinen Begegnungen mit den Zeitzeugen deren Gestik und Mimik, ihre Ausdrucksweise in Gesprächen, ihre Gefühle und Erinnerungen. Dabei muss der Autor zu seiner Überraschung erfahren, dass ihm keine Vorwürfe oder Bitterkeit entgegengebracht werden. Er beschreibt die Betroffenen – wie auch die anderen Menschen in Polen – als gastfreundlich, herzlich und hilfsbereit. Attribute, wie ich sie aus Erfahrung im Umgang mit den polnischen Bürgern kenne. Andre Biakowski verfügt über die Gabe, Feinheiten zu erkennen und auf beeindruckende Art für den Leser festzuhalten und lebendig wirken zu lassen. Viele der Passagen seinen Buches sind zudem mit einer Prise Humor gewürzt und machen das Lesen zu einem Vergnügen.

Alles in allem ist das Buch sehr empfehlenswert, auch für Menschen, die mit der Vergangenheit nichts am Hut haben oder denen Polen als Reiseland völlig schnurz ist. Wer „Obiad – mehr als nur Mittagessen“ gelesen hat, wird Gefallen an einem Besuch in Polen finden. Es gibt dort viele – restaurierte – Kulturdenkmäler und Orte, die zum Verweilen einladen, um Land und die Menschen kennen zu lernen.

Online: http://www.amazon.de/review/R18IIM4TGJP4TJ/ref=cm_cr_dp_title?ie=UTF8&ASIN=3862821986&channel=detail-glance&nodeID=299956&store=books


von Rainer Tamson (Dezember 2012)


Der Autor des Buches OBIAD-MEHR ALS NUR MITTAGESSEN, André Biakowski wagt sich in seinem recht jungen Alter an das Thema des Holocaust heran. Gerade an ein Thema, dass geschichtlich zwar immer präsent bleibt, aber generationsbedingt leider immer weiter an Bedeutung verliert.

Wie jeder andere habe auch ich in der Schule im Rahmen des Geschichtsunterrichts den Ersten und Zweiten Weltkrieg, die Judenverfolgung sowie den Holocaust vermittelt bekommen. Diese Themen sind durchaus präsent, dennoch werden sie in vieler Menschen Gedächtnis weit in den Hintergrund verdrängt!

Ich als Nachkriegskind kann doch nicht die Verantwortung für diese tragische und schlimme Zeit tragen. Oder? Meine Mutter war damals eine sogenannte Trümmerfrau und mein Vater bis zum Ende des 2. Weltkrieges in polnischer Kriegsgefangenschaft. Ich kann den Polen nur danken, denn ohne meinen Vater könnte ich jetzt nicht schreiben!

Ich hätte mir in der heutigen Zeit niemals ein Buch über den Holocaust  gekauft. Erst durch den persönlichen Kontakt mit André Biakowski via facebook, wurde mein Interesse erweckt das Buch „Obiad“ zu kaufen und natürlich auch zu lesen.

Meine ersten Befürchtungen waren, dass es sich bei diesem Buch um eine Überlieferung historischer Tatsachen handelt. Ich musste mich eines Besseren belehren lassen! Der Autor unternimmt eine Reise
nach Polen zu den letzten noch lebenden Zeitzeugen des Holocaust. A. Biakowski geht in den direkten Kontakt mit historisch betroffenen Personen, erlernt mühsam von ihnen die schwierige polnische Sprache und wird dabei gerade als Deutscher aus meiner Sicht äußerst positiv aufgenommen. Die Geschichten derer sind Gold wert! In wenigen Jahren wird es keine Zeitzeugen mehr geben! Dieses Thema wird ausdruckstark im Buch von A. Biakowski beleuchtet.

Das Buch „Obiad“ ist in einer Art und Weise geschrieben, die den Leser schon nach wenigen Seiten derart fesselt, als wäre man selbst mitten im Geschehen. Stünde man in Lodz. In Polen. Mehrfach bin ich den beschriebenen Gefühlen des Autors so nahe, dass es mir die Tränen in die Augen trieb und nicht weiterlesen konnte. Aber der Drang des Weiterlesens war stärker! Gerne hätte ich noch mehr dieser Gefühlsbeschreibungen und Gedankengänge des Autors gelesen, aber auch in der veröffentlichen Form ist dieses Buch absolut als lesenswert zu empfehlen!

Ich freue mich auf ein weiteres Buch des Autors.

Online: http://www.amazon.de/product-reviews/3862821986/ref=dp_top_cm_cr_acr_txt?ie=UTF8&showViewpoints=1

Über den Autor

Biakowski, André

Biakowski, André

André Biakowski (geb. 1980 in Halberstadt) wuchs in Wernigerode auf und studierte ab 1999 in Nürtingen Malerei und Grafik an der Freien Kunstakademie. Nach einer sich daran anschließenden Ausbildung zum Werbekaufmann und Leitung einiger Kommunikationsprojekte im In- und Ausland... mehr über den Autor

Bewerten und Kommentieren

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus.

 
Design by MKD Mediengestaltung