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Black Heart. Der Sturz ins Ungewisse
Spin-Off 1

Black Heart. Der Sturz ins Ungewisse

Autor:

voraussichtlich lieferbar ab März 2020


Produktart: Buch

Seiten: 168

Größe: 12,5x19,0

Sprache: deutsch

Verlag: Lindwurm Verlag

ISBN: 978-3-948695-03-3

Einband: Paperback

EUR 18,00

Artikel


  • Inhalt
  • Leseprobe
Yanis Martel ...
... kann sich nicht entscheiden. Steht er auf Frauen oder auf Männer? Liebt er seine beste Freundin Julie oder doch eher den Cafébesitzer Gabriel, der ihm im Nu den Kopf verdreht hat?
Das Schicksal nimmt ihm jedoch die Entscheidung ab. Yanis rettet Julie vor dem sicheren Tod und wird damit zu ihrem Wächter. Denn Julie ist eine Hexe, und sie zieht ihn in eine Welt der Magie, die sein Leben komplett auf den Kopf stellt …
EIN SPIN-OFF AUS DEM BLACK-HEART-UNIVERSUM VON KIM LEOPOLD!
Sonntag. Yanis (zur PDF-Leseprobe)
Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich denken, der Typ an der Theke flirtet mit mir. Unsicher erwidere ich sein charmantes Lächeln und murmle ein leises »Danke«. Mein Wechselgeld packe ich in die Hosentasche und balanciere dann das Tablett mit den Tassen an den Tisch, an dem bereits meine beiden Freundinnen sitzen.
Mel greift ungeduldig nach ihrem Milchkaffee. »Warum hat das so lange gedauert? Musstest du dich bei Gabriel erst wieder freikaufen?«
Julie verdreht die Augen und verteilt die restlichen Heißgetränke, bevor sie mir das Tablett abnimmt und es ans Tischbein lehnt.
Ich halte inne und blinzle überrascht. »Was?«
»Gabriel ist der Kellner, und er steht auf dich«, erklärt Mel mir.
»Du spinnst doch!«, winke ich nervös lachend ab und lehne mich auf der Holzbank zurück.
Doch ich kann nicht verhindern, dass mein Blick zurück zur Theke wandert.
Seit dieses Café vor einigen Monaten komplett renoviert wurde, treffen wir uns hier regelmäßig. Natürlich ist mir auch Gabriel direkt aufgefallen.
Er dürfte etwas älter sein als ich, ich schätze ihn auf dreiundzwanzig, vielleicht vierundzwanzig. Er sieht mit dem langen dunklen Haar und dem kurzen Bart in diesem schmalen Gesicht wie ein Franzose aus. Was mich aber vom ersten Moment an völlig fasziniert hat, sind seine blauen Augen. Immer, wenn sich unsere Blicke begegnen, fühle ich mich ans Mittelmeer erinnert, an blaues Wasser und endlose Weite.
Ich muss über mich selbst schmunzeln. Ich klinge wie eine der Frauen in den Kitschromanen, über die Julie und Mel andauernd reden. Die, in denen der Kerl angeschmachtet und auf seine atemberaubenden Augen und den sexy Körper reduziert wird.
Ich bin aber keine Frau.
Ich heiße Yanis, und ich bin ein Mann.
Viel zu spät merke ich, dass ich von drei Augenpaaren angestarrt werde. Julie und Mel haben ihr Gespräch unterbrochen, weil ihnen aufgefallen ist, dass ich ihnen gar nicht zuhöre. Schlimmer ist allerdings, dass Gabriel nun meinen Blick erwidert.
Ich spüre, wie mir die Hitze in die Wangen steigt. Fuck. Schnell wende ich mich Julie zu und halte mir schützend die Tasse Kaffee vors Gesicht. Wie peinlich. Sie hebt nur die Augenbrauen und wiederholt ihre Frage. »Bleibt es dabei, dass du zum Con mitkommst und uns fährst?«
»Klar. Hab ich doch versprochen.«
»Hast du denn ein Kostüm? In Jeans und Schlabbershirt nehme ich dich nicht mit.«
»Genaugenommen nehme ich ja euch mit. Aber reg dich ab. Mike hat mir geholfen, ihr werdet staunen.« Selbstsicher grinse ich die beiden an. Tatsächlich hoffe ich, dass mein Kumpel Wort hält und mir das Kostüm mitbestellt hat, das ich mir ausgesucht habe. Dann muss es nur noch rechtzeitig ankommen.
»Wo ist er eigentlich? Wollte er nicht auch herkommen?« Mel zieht ihr Handy aus der Tasche und wischt darauf herum.
»Keine Ahnung«, erwidere ich. »Schätze, er arbeitet, wie immer.«
»Hauptsache, er kann sich am Wochenende mal loseisen. Also dann bleibt es wie besprochen: Wir fahren Samstag um acht los. Quatsch, Sonntag. Dann sind wir um zehn da und haben genug Zeit für alles. Boah, ich freue mich wahnsinnig. Ich bin so froh, dass es geklappt hat.« Julies Wangen röten sich vor Aufregung. Ihr ganzes Gesicht strahlt, weil sie es kaum erwarten kann, endlich auf das Event des Jahres zu gehen.
»Wie hast du das eigentlich hinbekommen, dass du deswegen frei hast?«, fragt Mel.
Julie winkt ab. »Ich habe ja nicht deshalb frei, sondern weil Philippe hier ist. Ihr wisst doch, dass er darauf besteht, Quality time mit der Familie zu haben.« Sie verdreht genervt die Augen, und ich erinnere mich daran, dass sie mir am Telefon erzählt hat, wie schwierig es war, durchzusetzen, dass ihre Eltern sie den ganzen Sonntag weglassen.
Die Harry-Potter-Convention ist schon seit Wochen Gesprächsthema Nummer eins in der Clique. Eigentlich kann ich mit so was ja echt nichts anfangen, aber als Julie feststellte, dass das Event genau in der Zeit liegt, in der sie und ihr Stiefvater gemeinsam Urlaub zu Hause verbringen, hat sie mich tagelang bekniet, dass ich mitkomme.
»Das wird irre. Ich weiß nur noch nicht, wie ich meine Haare machen soll. Wollen wir uns Dienstag zu einer Generalprobe treffen?«, fragt Mel.
Julie klatscht begeistert in die Hände. »Das machen wir! Was ist mit euch, Yanis, kommt ihr dazu? Wir wollen doch sehen, was ihr anzieht.«
Ich zucke mit den Schultern. »Keine Ahnung, wann der Kram ankommt. Mike hat bestellt. Laut Sendungsverfolgung sollte es spätestens morgen da sein.«
»Ach, das würde ja gut passen!« Mel hält Julie das Handy hin. »Schau mal, die Frisur finde ich ganz nett. Oder so was?«
Ich trinke meinen Kaffee aus und verspüre ein Knurren im Magen. Kurz muss ich überlegen, wann ich das letzte Mal etwas gegessen habe. Mir fällt das Frühstück mit meinen Eltern ein, das ist eindeutig zu lange her. Immerhin ist schon Nachmittag. Ich schaue zur Theke, lese die Tafeln, die die Speisekarte darstellen sollen, und entscheide mich dafür, mir einen Salat zu bestellen. Für Kuchen bin ich nicht so zu haben.
»Ich hol mir was, wollt ihr auch?«, unterbreche ich meine Freundinnen, die in Fachsimpeleien über ihre Kostüme vertieft sind.
»Vernasch doch Gabriel«, meint Mel und stupst Julie an. Die beiden beginnen zu kichern.
»Sehr witzig.« Ich verdrehe die Augen und schlendere betont lässig auf die Theke zu.
Keine Ahnung, was die Mädels immer haben. Aber jedes Mal, wenn mich ein Mann einen Moment zu lange anschaut (oder ich ihn), dichten sie mir direkt was an. Dabei wissen sie eigentlich genau, dass ich mit meinen Neigungen sehr sparsam umgehe und mich weder an Mann noch Frau so richtig rantraue, schon gar nicht in Begleitung meiner beiden kichernden Freundinnen.
Besonders dann nicht.
Vor mir stehen zwei junge Männer, die sich nicht entscheiden können, was sie bestellen wollen, und so habe ich Zeit, Gabriel ein wenig zu mustern – und für seine Gelassenheit zu bewundern, die er den beiden Idioten gegenüber an den Tag legt.
Sein Lächeln wirkt einstudiert, einen Tick zu freundlich. Ich kenne ihn lange genug, ich weiß, wie er aussieht, wenn er wirklich freundlich ist. Und seine Augen lächeln nicht mit. Die Hände hat er flach auf den Tresen gelegt, lange, schmale Finger, an einem davon trägt er einen Siegelring. Eigentlich finde ich die Dinger ja echt protzig, aber bei ihm sieht es irgendwie edel aus.
»Also, ich hätte ja gern einen zuckersüßen, quietschrosa Kuchen. Hast du so was?«, fragt der eine mit süffisanter, näselnder Stimme und schaut Gabriel provokant an.
Der verzieht keine Miene und deutet gelassen auf die Vitrine mit den Kuchenstücken. »Erdbeer-Sahne oder Himbeer- Joghurt kann ich dir anbieten.«
»Ach. Eigentlich hätte ich vielleicht doch lieber … was Warmes.« Er deutet mit dem Finger auf Gabriel, und beide Typen fangen laut an zu lachen.
Ich ziehe die Augenbrauen hoch. What the fuck?
»Okay, ich hab’s begriffen. War echt lustig. Wollt ihr weiter den Verkehr aufhalten oder darf ’s wirklich was sein? Sonst macht euch vom Acker, andere Leute wollen auch bestellen.« Seine Stimme ist souverän, er lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, doch ich ahne, dass er hier schon mehr als einmal einen dummen Spruch kassiert hat.
Seltsam. Für mich sieht Gabriel nicht typisch schwul aus. Woran haben die Typen vor mir das erkannt? Haben sie überhaupt recht mit ihrer Annahme, dass er auf Männer steht? Außerdem: Was ist schon typisch schwul?
Ich verdrehe die Augen über mich selbst, weil ich mal wieder in Schubladen denke.
Die beiden Idioten entscheiden sich für zwei Cokes, und als sie endlich bezahlt haben und unter blödem Gegrinse abziehen, schiebe ich mich vor Gabriel.
»Hi.« Ich kann gar nicht anders, als ihn in diesem Moment anzulächeln. Wahrscheinlich kann er ein freundliches Gesicht gerade gut gebrauchen.
»Hi.« Vielleicht bilde ich es mir ein, aber seine Haltung entspannt sich etwas. Er schaut den beiden nicht einmal nach, sondern erwidert mein Lächeln warmherzig. »Was darf ’s für dich sein?«
»Ich nehme die dreizehn, bitte, den Salat mit Hähnchen und Sesam.«
Er nickt und tippt meine Bestellung in seinen Computer ein, und da ich weiß, dass es nun einen Moment dauert, bis das Essen aus der Küche kommt, bleibe ich einfach stehen. Hinter mir ist niemand, der etwas bestellen will.
»Passiert dir das häufiger?«
Gabriel schaut mich überrascht an, und ich kann es gut verstehen. Bisher ist es zwischen uns bei Blicken und Bestellfloskeln geblieben – dabei bin ich mindestens zweimal die Woche hier. Das Gespräch haben wir noch nie gesucht. Ich, weil ich so was nicht gut kann, und er … keine Ahnung. Weil Mel sich vermutlich einfach irrt und Gabriel kein bisschen auf mich steht. Was schade wäre.
»Die meisten Gäste benehmen sich.«
»Souveräne Ansage eben.« Ich nicke ihm aufmunternd zu, und seine Augen blitzen vor Überraschung auf. Er nickt langsam, bevor er mit den Schultern zuckt.
»Ich versuche gelassen zu bleiben. Es wird immer Idioten geben, die sich lustig machen. Ich hab gelernt, das nicht persönlich zu nehmen.«
»Aber es ist doch persönlich. Wie kannst du es anders sehen?« Mich interessiert das wirklich. Ich bin noch nie mit einer solchen Abneigung konfrontiert worden, aber zugegebenermaßen gehe ich auch nicht sonderlich offen mit meinem Privatleben um.
Gabriel mustert mich einen Moment, bevor ein Klingeln hinter ihm ihn ablenkt. Er lächelt entschuldigend. »Moment.«
Er dreht sich um und nimmt zwei Teller aus der Durchreiche, die die Theke mit der Küche verbindet, bevor er eine Nummer ruft und die Teller an den dafür vorgesehenen Platz neben mir stellt. Ein junger Mann kommt und holt seine Bestellung ab. Ich schaue ihm nach und sehe, wie er sie zu seinem Tisch trägt, einen der Teller vor einer jungen Frau abstellt und ihr einen Kuss auf die Stirn gibt, bevor er sich hinsetzt.
Als ich mich wieder zu Gabriel drehe, begegnen sich unsere Blicke, und für einen Moment verhaken sie sich ineinander. Seine Mundwinkel ziehen sich hoch, und dieses Lächeln erreicht auch seine Augen. Und es macht mich nervös.
»Yanis, ich denke, das hier ist nicht der richtige Ort für so eine Unterhaltung.« Er öffnet die Schublade vor sich und nimmt einen Zettel und einen Stift heraus. Kurz schaut er mich an, bevor er etwas aufschreibt. »Ich geb dir meine Nummer, und wenn du wirklich Interesse hast, ruf mich an.«
Bevor ich etwas antworten kann, steht Kundschaft neben mir. Er schiebt das Papier über die Theke, ich nehme es an mich und rutsche ein Stück zur Seite, damit die Leute Platz haben, um ihre Bestellung aufzugeben. Gabriel lächelt mich kurz an, bevor er sich ihnen widmet.
Auf dem weißen Stück Papier steht sein Name, daneben eine Handynummer. Doch es ist das, was da noch steht, das mich verdammt dumm grinsen lässt.

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