. .
BUCHstäblich NEU
Sie sind hier:
  • Neue Bücher
  • 2019
  • Schwefel, Tran und Trockenfisch. Wie Hamburger Kaufleute Island eroberten

Schwefel, Tran und Trockenfisch. Wie Hamburger Kaufleute Island eroberten

Schwefel, Tran und Trockenfisch. Wie Hamburger Kaufleute Island eroberten

Autor: Bjarnason, Brigitte Rühl, Kirsten

voraussichtlich lieferbar ab September 2019


Produktart: Buch

Seiten: 270

Größe: 21,0 x 13,3 cm

Sprache: Deutsch

Auflage: 1 Originalausgabe

Verlag: acabus Verlag

ISBN: 9783862827244

Einband: Paperback

EUR 15,00

Artikel


  • Inhalt
  • Leseprobe
Dieser historische Reiseführer führt uns zu den Schauplätzen der Hanse auf Island. Dort kämpften im Spätmittelalter Hamburger Kaufleute um den begehrten isländischen Trockenfisch. Der Bogen spannt sich von der Hansezeit bis zum heutigen wirtschaftlichen und kulturellen Leben der Isländer.
Parallel verfolgen wir die abenteuerliche Geschichte des Kaufmannssohnes Henrick Rode, der gegen den Willen seines Vaters im 15. Jahrhundert mit einer Kogge von Hamburg nach Island segelt ...

Die Autorin Brigitte Bjarnason und Reiseleiterin Kirsten Rühl sind gebürtige Hamburgerinnen und leben in ihrer Wahlheimat Island. In Schwefel, Tran und Trockenfisch wecken sie mit nützlichen Reisetipps und geschichtlichen Infos unsere Neugier auf die Feuerinsel, die schon vor mehr als 500 Jahren norddeutsche Kaufleute in ihren Bann zog.

Hafnarfjörður: Die isländische Hansestadt (zur PDF-Leseprobe)


Mit dem Slogan »Die Elfenstadt in der Lava« wirbt der Vorort südlich von Reykjavík um Touristen. Dass Hafnarfjörður während der Hansezeit eine starke Verbundenheit mit Deutschland hatte, ist fast schon in Vergessenheit geraten. Die kleine Stadt am Meer hat eben mehr zu bieten als Elfen, Lava und Wikinger. Die Einwohnerzahl ist seit dem Jahr 1908, als Hafnarfjörður das Stadtrecht erhielt, von 1.400 auf knapp 30.000 gestiegen.
Neue Wohnviertel wurden gebaut und zahlreiche Firmen, wie z. B. die isländische Fluggesellschaft Icelandair, haben sich hier niedergelassen. Die am Ortsausgang liegende Aluminiumfabrik in Straumsvík, die 2018 von dem norwegischen Konzern Norsk Hydro aufgekauft wurde, gilt mit ihren riesigen rotweiß gestreiften Silos fast schon als Wahrzeichen der Stadt.
Das Stadtzentrum von Hafnarfjörður mit seinen engen Gassen, bunten Wellblechhäusern und gemütlichen Cafés lädt ebenso zum Bummeln ein, wie die Strandpromenade und der Hafen. Lässt der Besucher seinen Blick vom Felsmassiv Hamarinn über die Stadt, die im südlichen Teil der Stadt gelegene Landzunge Hvaleyrarholt und den Fjord schweifen, wird er den Charme der Hafenstadt spüren und sich mit ein bisschen Fantasie in eine Zeit, in der die Hamburger mit ihren Koggen in den Hafen einfuhren, zurückversetzen können.

Die Wikinger kommen
Ende des 9. Jahrhunderts brach der Wikinger Flóki Vilgerðarson mit seiner Familie von Norwegen auf, um das unbekannte Land, von dem er gehört hatte, zu erkunden. Mit auf dem Schiff waren die Bauern Herjólfur und Þórólfur. Der Sage nach nahm Flóki drei Raben mit auf sein Schiff. Als er die Färöer-Inseln hinter sich gelassen hatte, ließ er den ersten Raben frei. Dieser flog in die Richtung, aus der sie gekommen waren. Die Wikinger segelten weiter und ließen den zweiten Raben frei. Dieser flog hoch in die Luft und wieder zurück auf das Schiff. Es schien, dass sie immer noch zu weit entfernt von ihrem Ziel waren. So segelten sie weiter. Dann schenkten sie dem dritten Raben die Freiheit. Er flog geradeaus vor dem Schiff, bis er in der Ferne verschwand. Nun waren sich Flóki und seine Leute sicher, dass sie auf dem richtigen Weg waren. Bald erreichten sie die Nordwestküste Islands und siedelten sich im Vatnsfjörður an. Zum Frühjahr waren die Heuvorräte aufgebraucht und das Vieh starb. Flóki stieg auf einen Berg, blickte über den mit Treibeis bedeckten Fjord und die schneebedeckten Berge und nannte das Land Island. Dann bereitete er seine Rückkehr nach Norwegen vor. Im Spätsommer brach er auf. Während der Reise über das Meer trennten sich die Wege von Flóki und Herjólfur, der zusammen mit Flóki nach Norwegen segeln wollte. Die Herbststürme zwangen Flóki, den Winter im Borgarfjörður zu verbringen. Im darauffolgenden Frühjahr machte sich Flóki wieder auf die Reise und legte in Hafnarfjörður an. Dort traf er Herjólfur wieder. Der Platz, an dem Herjólfur an Land ging, wurde Herjólfshöfn genannt. Man nimmt an, dass
es dort war, wo sich heute das Haff Hvaleyerarlón befindet. Der Sage nach entdeckte Flóki in der Nähe einen gestrandeten Wal. Von daher stammt der Name Hvaleyri (Wal = hvalur), welcher der älteste bekannte Flurname in Hafnarfjörður ist. Beide Wikinger kehrten wieder nach Norwegen zurück. Dort erhielt Flóki den Beinamen Hrafna-Flóki (Raben-Flóki). Hrafna-Flóki kehrte später wieder nach Island zurück und lebte bis zu seinem Tod im Skagafjörður.
In Hafnarfjörður tragen drei Straßen die Namen bekannter
Landnehmer: Flókagata, Þórólfsgata und Herjólfsgata. Ásbjörn Össurarson, der Neffe des ersten Landnehmers Islands Ingólfur Arnasrson, ist offizieller Landnehmer von Hafnarfjörður. Er lebte auf dem Hof Skúlastaðir, der vermutlich auf der Nordseite des Fjordes gestanden hat.
Zur Erinnerung an Flóki haben die Bewohner von Sveio in Norwegen auf dem Hügel oberhalb des Golfplatzes Keilir bei Hvaleyrarholt einen Gedenkstein, der eine Nachbildung einer Steinwarte (varða) darstellt, errichtet. Das Original steht in Ryarden, dem Ort von dem Flóki nach Island aufgebrochen ist. Von hier hat der Besucher einen guten Ausblick über Hafnarfjörður bis nach Reykjavík, in Richtung Süden nach Keflavík und bei klarer Sicht taucht die majestätische Silhouette des schneebedeckten Gletschers Snæfellsnesjökull in der Ferne aus dem Meer auf.
Die Landzunge Hvaleyri war 1395 im Besitz des Klosters von Víðey. 1765 wurde die dortige Kirche auf den Befehl des Dänenkönigs abgerissen. Auf der Spitze der Landzunge befinden sich Runensteine. Diese Dolerit-Steine tragen eingeritzte Zeichen und Initialen, die überwiegend aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammen. Einige der Zeichen ähneln der nordischen Runenschrift und wurden mit dem Landnehmer Hrafna-Flóki in Verbindung gebracht.


Reiseschriftsteller berichten
»Nach einer halben Stunde langten wir in Hafnarfjörður an, und ich muß sagen, daß ich von dem im Halbkreis um das innere Ende des stillen Fjordes weit schöner als Reykjavík gelegenen Ort mit seinen sauberen weißen Häuschen und seiner ländichen Stille geradezu entzückt war. Durch eine sich weit hinziehende hohe Lavawand im Hintergrunde vor den scharfen Ostwinden geschützt, liegen die Häuschen zum Teile mitten zwischen gewaltigen Lavablöcken eingekeilt, mit großen Fischnetzen umhangen, die auf die Hauptbeschäftigung der Einwohner hindeuten, und von mächtigen Haufen aufgeschichteter getrockneter Fische umgeben, welche noch der Ausfuhr, namentlich nach Spanien und Italien harren.«

Aus »Unter der Mitternachtssonne durch die Vulkan- und Gletscherwelt Islands« von Carl Gottlob Friedrich Küchler (1869-1945), Nordistik Forscher und Reiseschriftsteller.

Der Deutsche Carl Küchler hat Island im Sommer 1908 bereist und neben anderen Orten auch Hafnarfjörður besucht. Schon in früheren Zeiten waren die Islandbesucher begeistert von der andersartigen Landschaft. Ihre Abenteuerlust wurde durch das hautnahe Erleben der Naturgewalten angefacht. So ergeht es auch heute noch den Besuchern der Feuerinsel. Allerdings wurden die Einheimischen oft als Naturvolk beschrieben. Ihre armseligen dunklen Torfhäuser, die fremden Essgewohnheiten und mangelnde Sauberkeit weckten Erstaunen und teilweise Abscheu. Das hat sich im Laufe der Zeit glücklicherweise geändert. Isländer sind moderne aufgeschlossene Menschen, die bereit sind, Neues zu lernen und mit Enthusiasmus am weltweiten technischen Fortschritt teilhaben wollen.

Eine der wenigen Frauen, die Island bereist haben, war die Österreicherin Ida Pfeiffer (1797–1858), die das Land im Jahre 1845 besuchte. Sie ging, von schlimmer Seekrankheit geschwächt, zuerst in Hafnarfjörður an Land. Sie beschreibt ihre Eindrücke in ihrem Bericht Reise nach dem skandinavischen Norden und der Insel Island im Jahre 1845:
»… ich mußte gleich hinaus, und Alles untersuchen und prüfen. Ganz Havenfjord fand ich nur bestehend aus drei hölzernen Häusern, einigen Magazinen von demselben Material erbaut, und mehreren Kothen (Bauernhäusern). Die hölzernen Häuser sind von Kaufleuten oder ihren Factoren bewohnt, und bilden nur Erdgeschosse mit vier bis sechs Fenstern Fronte.«


Die aus vier bis sechs Zimmern bestehenden Häuser wohlhabender Kaufleute sind laut Ida Pfeiffers Reisebericht mit dänischen Möbeln und Gegenständen geschmackvoll eingerichtet. Die Wohnungen der Bauern dagegen sind klein, niedrig und aus Lavagestein und Erde gebaut. Das Ganze überlegte man mit Grassoden. Trotz der ärmlichen Einrichtung befindet sich in den Erdhäusern oft ein Regal mit einigen Büchern darauf. In den dunklen Räumen gibt es nur eine Feuerstelle, wo die Kleider zum Trocknen und die Fische zum Räuchern aufgehängt werden. Man lebt auf beengtem Raum und die Luft in den Häusern ist schlecht.

»Tritt man in eine solche Kothe, so weiß man wirklich nicht, was schrecklicher ist, im Vorraume der erstickende Rauch oder in der Wohnstube die durch die Ausdünstung und Unreinlichkeit so vieler Menschen verpestete Luft.«

Aber auch Ida Pfeiffer ist entzückt über die Lage der Stadt am Fjord:

»Die Umgebung Havenfjord bildet eines der schönsten, pittoresktesten Lavafelder, daß sich anfänglich hügelförmig erhebt, dann wieder in Niederungen verläuft und endlich in einer großen Ebene bis zu den nächsten Bergen fortläuft. Da sieht man Massen, oft schwarz und nackt, in den verschiedenartigsten Formen sich 10 bis 15 Fuß aufthürmen. Sie bilden Wände, Säulentrümmer und kleine Grotten und Vertiefungen, über welche letztere oft wieder große Platten wie natürliche Brücken liegen. Alles, Alles besteht aus plötzlich erstarrten, angehäuften Lavamassen, die auch stellenweise mit Gras und Moos bis hoch in die Spitzen bedeckt sind, und so von ferne gesehen, jenen bereits beschriebenen Gruppen verzwergter Bäume glichen – Pferde, Schafe und Kühe kletterten da herum und suchten emsig nach jedem grünen Plätzchen. – Auch ich ward des Kletterns nicht müde; ich konnte diese fürchterlich schöne Verwüstung nicht genug anstaunen und bewundern.«

Wussten Sie, dass es Witze über die Bewohner von Hafnarfjörður gibt, die den Ostfriesenwitzen und den Hamburger Klein Erna Witzen ähneln? Zum Beispiel: Warum nehmen die Leute aus Hafnarfjörður immer eine Leiter mit zum Einkaufen? Weil die Preise so hoch sind!

Über den Autor

Bjarnason, Brigitte

Bjarnason, Brigitte

Brigitte Bjarnason (geb. 1959) wuchs in Hamburg auf und machte dort eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau. Während eines Austauschjahres 1982/83 lernte sie ihren Mann in Island kennen. Seit 1992 lebt sie auf der Insel, davon mehrere Jahre in den Ostfjorden. In Borgarfjördur eystri,... mehr über den Autor

Bewerten und Kommentieren

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus.

 
Design by MKD Mediengestaltung