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Kommentare zu: '' Nordland. Hamburg 2059 - Freiheit''

keinekeinekeinekeinekeinekeine | 15.07.2019 17:20 | Sabine Bender https://sabinebe.blogspot.com/

Im Jahr 2059 ist in Deutschland nichts mehr, wie es einmal war. Die Bundesrepublik Deutschland existiert nicht mehr. Es gibt nur noch vereinzelte unabhängige Staaten. Einer davon ist Nordland, ein Zusammenschluss der nördlichen Bundesländer.
In Nordland herrscht eine reiche Minderheit, die in Luxus schwelgen kann. Die Gesellschaft ist hochtechnisiert, aber auf sozialer und moralischer Ebene in einer Rückentwicklung begriffen. Arme Menschen sind Ballast. Frauen zählen in der Gesellschaft nur noch als Luxusobjekt und Handelsware ohne eigene Meinung und ohne eigenes Leben.
Eine dieser Frauen ist Lillith, eine junge Frau, die sich ihre Unabhängigkeit bewahren möchte, und sich gegen eine Zwangsheirat wehrt.
Als ein Unschuldiger aus den Reihen der Armen für ein Verbrechen hingerichtet wird, das er nicht begangen hat, beginnt sich alter Widerstand unter der Bevölkerung zu regen. Lillith, die die Ungerechtigkeit hinter dem herrschenden System sieht, schließt sich dem Widerstand an.
Nordland zeigt auf erschreckend realistische Art, wohin die Reise unserer Gesellschaft gehen kann. Anhand aktueller Ereignisse wird hier aufgezeigt, welche Folgen möglich sind. Viele Geschehnisse, wie die Vertreibung der armen Bevölkerung aus ihren Häusern und ihre Umquartierung wecken Erinnerungen an frühere Bereiche aus unserer Vergangenheit.
Anhand der Geschichte von Lillith Civetta führt uns die Autorin durch diese düstere Welt, in der nur noch die Gier nach Geld und Macht eine Rolle zu spielen scheinen. Doch die Bekanntschaft mit den Menschen aus dem Widerstand, allen voran Bo, Sunna und Johanna, zeigen, dass es auch noch Menschlichkeit gibt. Und dass die Hoffnung auf ein besseres menschlicheres Leben vielleicht doch noch nicht aufgegeben werden muss.
Obwohl dieses Buch mit seinem Umfang von mehr als 600 Seiten erst einmal einen dicken Eindruck hinterlassen hat, muss ich sagen, dass es sich dennoch sehr gut und flüssig hat lesen lassen. Vor allem ist man gleich im Leben und den Gedanken von Lillith so eingebunden, dass man einfach weiterlesen muss. Man erlebt die Höhen und Tiefen hautnah mit und hält den Atem an in Situationen wie einer ansteigenden Flut, in der nicht nur Lillith zu ertrinken droht.
Der Roman von Gabriele Albers ist nicht nur eine perfekte Dystopie, er ist vor allem eine Mahnung, dass es so mit unserer Gesellschaft, wie im aktuellen Jahrzehnt, nicht weitergehen kann. Am besten trifft dies wohl eines meiner Lieblingszitate aus dem Roman, der auch unsere aktuelle Situation und die in Nordland 2059 beschreibt: Was bleibt von einem Rechtsstaat ohne Staat? Recht? Oder nur das Recht des Stärkeren?
Da das Ende doch ein bisschen offen bleibt, kann man sich schon jetzt auf die angekündigte Fortsetzung freuen.

gutgutgutgutgutgut | 26.06.2018 23:03 | Lia48

INHALT:

Wir befinden uns 2059 in Hamburg. Die nördlichen Länder haben sich mittlerweile zu "Nordland" zusammengeschlossen.
Mehrere Senatoren bilden die über das Volk herrschende Obrigkeit. Diese besteht ausschließlich aus Männern. Geld regiert die Welt und Eheschließungen dienen zu politischen Zwecken. Frauen haben in Nordland keinerlei Rechte und müssen sich den Männern unterordnen.
Auch öffentliche Hinrichtungen werden wieder praktiziert.
Gleichzeitig hat die Technik viele Fortschritte gemacht. So gibt es inzwischen z.B. selbstfahrende Autos, oder auch spezielle Kontaktlinsen, die Computer und Handys ersetzen.

Das "einfache" Volk lebt gleichzeitig an der Armutsgrenze und wird immer mehr den Schikanen der Obrigkeit ausgesetzt.
Als eines Tages ein unschuldiger Bürger aus der Bevölkerung hingerichtet wird, regt sich im Volk der Widerstand. Und auch Lillith, die Tochter eines Senatoren, befindet sich plötzlich mitten unten den Rebellen. Auf welche Seite wird sie sich stellen? Schließlich wird jeder, der das System hinterfragt, aus dem Weg gräumt...


MEINUNG:

Zunächst hatte ich aufgrund der Dicke des Buches Bedenken, dass sich die Geschichte in die Länge ziehen könnte. Dem war aber nicht so, das Buch hatte immer wieder auf's Neue tolle Spannungsmomente!
Die Geschichte an sich fand ich sehr interessant gestaltet. Die Technik hat sich weiterentwickelt, auf eine Weise, wie ich sie mir auch tatsächlich bei uns in ein paar Jahren vorstellen könnte. Gleichzeitig gibt es gesellschaftliche Rückschritte: Hinrichtungen wie im Mittelalter, Zwangsehen und die Unterdrückung der Frauen - keine Zukunft, die man sich ausmalen möchte. Auch wenn ich nicht glaube, dass es bei uns in ein paar Jahren so weit kommen wird, konnte ich mich gut in die Situation hineinversetzen.
Während die Obrigkeit im Geld schwimmt, muss die "normale" Bevölkerung an der Armutsgrenze und unter schrecklichen Bedingungen leben. Die Schere zwischen Arm und Reich ist groß geworden - etwas das man bei uns heute auch immer wieder hört.
Im Buch wird auch einige Male ein Bezug zu unserer heutigen Zeit gestellt. So wird z.B. Angela Merkel erwähnt (jaa, es gab tatsächlich auch mal eine Frau, die regiert hat), was die Geschichte noch realer erscheinen lässt.
Der Schreibstil war flüssig und gut zu lesen.
Und mit Lillith und den Rebellen konnte ich immer wieder auf's Neue mitfiebern.
Bei Lillith hätte ich mir allerdings in ein paar (Außnahme-) Situationen noch mehr emotionale Reaktion gewünscht, weil es zu ihrer Person gut gepasst hätte. Es wurde zwar beschrieben, dass sie sich in diesen Momenten zusammengerissen hat, aber ich hätte diesen inneren emotionalen Kampf gerne noch etwas deutlicher gespürt, weil es für mich dann glaubhafter gewesen wäre.
Das Ende war die einzige Stelle, die mir ein bisschen in die Länge gezogen vorkam.

FAZIT: Sonst insgesamt eine tolle, dystopische Geschichte, mit vielen Spannungsmomenten und einer interessanten Handlung!

sehr gutsehr gutsehr gutsehr gutsehr gutsehr gut | 25.07.2018 19:26 | dorli

In ihrem dystopischen Roman „Nordland. Hamburg 2059 – Freiheit“ nimmt Gabriele Albers den Leser mit in eine Stadt, die ganz anders ist, als das Hamburg, das wir heute kennen. Die Autorin hat die heutige politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Situation einer drastischen Entwicklung unterworfen und katapultiert den Leser in eine Welt, in der eine skrupellose, gierige Minderheit das Zepter schwingt. In Sachen Technik wurden große Fortschritte gemacht, aber auf sozialer Ebene hat man den Rückwärtsgang eingelegt.

Die Schere zwischen Arm und Reich klafft in Nordland nicht nur meilenweit auseinander, sie scheint in zwei Teile zerbrochen – die Birds haben alles, alle anderen haben nichts. Frauenrechte? Gibt’s nicht mehr. Über Jahrzehnte hart erkämpft, sind diese zumindest in den Reihen der reichen Birds wie weggewischt.

Die hochsensible Lillith gehört zu den Birds. Die Tochter des Senators und Nordland-Mitbegründers Davide Civetta träumt von einer selbstbestimmten Zukunft, doch ihr kaltherziger Vater sieht sie nur als Wertgegenstand und will sie in Kürze verheiraten. Lillith sucht einen Ausweg aus ihrer Misere und findet sich plötzlich inmitten einer Widerstandsgruppe wieder: den Omegas. Hier erfährt sie, wie es außerhalb des Kreises der Reichen und Mächtigen in Nordland wirklich aussieht: Armut, Unterdrückung und Elend soweit das Auge reicht. Lillith will Freiheit, für sich selbst und für die geschundene Bevölkerung Nordlands – in beiden Fällen ein Kampf gegen die sprichwörtlichen Windmühlen.

Auch in Nordlands Oberschicht läuft nicht alles in ruhigen Bahnen. In dem ursprünglich gleichberechtigten Team aus Senatoren gibt es einige, die heimlich ihr eigenes Süppchen kochen und damit das bestehende System ins Wanken bringen – eine Chance für den Widerstand? Oder der Untergang aller?

Gabriele Albers hat einen angenehm zu lesenden Schreibstil und versteht es ganz ausgezeichnet, den Leser in den Bann ihrer Geschichte zu ziehen. Schon nach wenigen Seiten war ich gefesselt von den Ereignissen und habe gespannt das Geschehen verfolgt. Die Autorin hat eine interessante Welt kreiert, alles ist sehr gut durchdacht und ausgeklügelt. Die Beschreibungen sind detailreich, die Schilderungen lebhaft und mitreißend. Die Handlung wirkt sehr authentisch und beschert einem eine Gänsehaut, wenn man auf Szenarien trifft, die denen ähneln, die in unserer Historie noch nicht allzu weit zurückliegen.

Trotz der Fülle an Figuren fällt es nicht schwer, den Überblick zu behalten, da alle Akteure mit Eigenarten und Besonderheiten ausgestattet sind und einen hohen Wiedererkennungswert haben. Besonders gut gefallen hat mir, dass Gabriele Albers eine Hauptprotagonistin ins Rennen schickt, die zwar couragiert handelt, aber nicht zur Superfrau mutiert. Lillith muss Fehlschläge hinnehmen und zudem akzeptieren, dass sie nicht jeden lieb gewonnenen Wegbegleiter retten kann.

Zahlreiche Überraschungen und Wendungen sorgen dafür, dass die Geschichte immer wieder neuen Schwung bekommt und die Sogwirkung bis zur letzten Seite nicht abreißt.
Das Buch endet mit einem Paukenschlag – ich habe absolut nicht mit diesem Twist gerechnet und bin jetzt mehr als neugierig, was im zweiten Band dieser fesselnden Dystopie alles auf Lillith & Co. zukommen wird.

„Nordland. Hamburg 2059 – Freiheit“ hat mich durchweg begeistert – absolute Leseempfehlung für alle, die gut und spannend unterhalten werden wollen und gleichzeitig einen Blick auf ein düsteres, aber äußerst realitätsnahes Zukunftsszenario unserer Gesellschaft werfen möchten.

 
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