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Entscheidung im Wattenmeer
Die Geschichte einer Liebe in einer knallharten Geschäftswelt

Entscheidung im Wattenmeer

Autor: Hemeyer, Karl

lieferbar


Produktart: Buch

Seiten: 284

Größe: 19,5 x 13,2 cm

Sprache: deutsch

Auflage: 1 Originalausgabe

Verlag: acabus Verlag

ISBN: 9783862823079

Einband: Paperback

zum eBook

EUR 12,90

Artikel


  • Inhalt
  • Leseprobe
Die schwerste Entscheidung ist die, eine Entscheidung zu treffen. Das merkt auch der in Hamburg tätige Wissenschaftler und Unternehmer Dr. Dr. Joachim Breiter, dessen eigentlich heile Arbeitswelt aufgrund einer feindlichen Übernahme durch den amerikanischen Chemiegiganten BOAR Corporation jäh aus den Fugen gerät.
Der Junggeselle Anfang 40 stellt sich den Herausforderungen seiner plötzlich von Heuschrecken, Industriespionage, Betrug und Insidergeschäften geprägten Welt. Für eine Entscheidungsfindung reist er zu seinem Vater nach Sylt und dann nach Cuxhaven. Im winterlichen Wattenmeer zwischen Sahlenburg und Neuwerk nimmt sein Leben eine dramatische Wendung. Und er wird mit einem neuen Problem konfrontiert: Genmanipulationen. Wieder steckt der Chemiegigant dahinter. Breiter nimmt auch diesen Kampf auf. Im Frühjahr reist er erneut an die Küste. Diesmal mit Janina, der Ex seines größten Widersachers …
1. Überraschungen
„So, Schatz, jetzt kriegst du endlich deinen Willen!“ Allein die Art und Weise, wie Daniel mit besonderer Betonung diese Worte sprach und sie dabei kaum ansah, signalisierte Janina, dass tatsächlich etwas Besonderes passiert war.
Sie saß auf der von „ihrem Mann“, wie sie Daniel immer nannte, wenn sie irgendwo eingeladen waren, so geliebten schweren dunkelbraunen Ledercouch und schaute ihn schweigend so ungläubig an, dass er sich durch ihre Stummheit aufgefordert fühlte, einfach weiterzureden: „Ja, so ist es, wir gehen wieder nach Deutschland. Du brauchst gar nicht so zu gucken mit deinen großen Augen.“
Janinas rehbraune Augen wurden tatsächlich größer.
„Ich habe dir immer gesagt, der Tag wird kommen!“, fuhr er fort, schlich extrem aufrecht gehend um das Sofa herum und redete, mit hoch erhobenem Kopf zur Zimmerdecke blickend, einfach weiter: „Na, du hast mich doch genervt, seitdem wir hier sind. Jetzt geht es eben zurück. Wir haben einen Konzern gekauft und ich übernehme die Leitung!“, erklärte er mit sichtlichem Stolz. „Janina, das katapultiert mich einkommensmäßig auf einen Schlag in den Millionenbereich. Mit Tantiemen und einigen anderen Quellen, die sich daraus ergeben, wird es mindestens noch mal das Doppelte drauf geben.“
Janina erhob sich vom Sofa und nickte, bis Daniel, der weiterhin sehr entschlossen wirkte, endlich Janinas Blick erwiderte.
Und obwohl er auf Janina, die weiterhin schwieg, durchaus sehr selbstsicher wirkte, spürte Daniel in sich eine gewisse Unsicherheit aufsteigen. Und wie immer, wenn er das spürte, drehte er, für andere kaum bemerkbar, blitzschnell für einen ganz kurzen Moment seinen Kopf zur Seite und genauso schnell wieder zurück. „Du sagst ja gar nichts. Freust du dich nicht?“, fragte er.
Janina zögerte und schaute ihn einfach nur an. Da stand er nun. Der Schlacks, dachte Janina. Schon fast vierzig, aber immer noch genauso mager wie ein Oberprimaner. Aber in seinem Gesicht sieht man schon die ersten Spuren des Lebens. Wäre er da etwas dicker, würde man das wahrscheinlich gar nicht sehen, dachte sie weiter und erhob sich von der Couch. Sie ging die wenigen Schritte zu ihm, stellte sich auf die Zehenspitzen und schlang ihre Arme um seinen Hals. „Doch, Daniel, ich freue mich. Ich freue mich sogar sehr. Aber ich muss das für mich erst einmal registrieren.“ Sie löste ihre Arme und setzte sich wieder auf die Couch. „Du musst wissen, ich habe heute, nachdem ich meine Reportage geschrieben hatte, sehr viel nachgedacht. Wir sind jetzt sieben Jahre zusammen. Vor drei Jahren sind wir hierher nach New York gekommen. Da hast du mir erzählt, wenn wir uns eingelebt haben, dann heiraten wir. Was ist passiert? Nichts ist passiert. Und jetzt frage ich mich …“
Daniel spürte, dass es in Janina brodelte. Auch er hatte über die Jahre natürlich gemerkt, dass sie mit ihren momentanen Lebensumständen nicht zufrieden war. Aber irgendwie war es ihm in all den Jahren trotzdem immer wieder gelungen, die Sache nicht zu sehr hochkommen zu lassen. Zumindest sah er es so, dass für ihn alles so gekommen war, wie er es für sich geplant hatte. Er wollte immer nur eines: die ganz große Karriere machen. Und jetzt, kurz vor seinem achtunddreißigsten Geburtstag, sah er sich am Ziel dieses Weges. Okay …, dachte er, … dass eine Frau mit Anfang dreißig auch mal Mutter werden möchte …, ja, dafür hatte er sogar Verständnis. Aber er hatte auch Angst davor, durch einen Familienzuwachs eingeschränkt zu werden.
Mit schroffem Ton unterbrach er Janina. „Du musst dich gar nichts fragen, Janina. Ich weiß, was ich gesagt habe. Ich weiß aber auch, dass alles stimmig sein muss, wenn man einen so wichtigen Schritt geht.“ Er drehte sich um und wandte ihr den Rücken zu. Auch eines seiner taktischen Spielchen aus seinem Geschäftsleben. Wenn ihm etwas nicht gefiel, wandte er sich einfach ab. So rannte er förmlich zu seinem maßgefertigten, ebenfalls dunkelbraunen Sideboard, in dem er seine Bar, wie er es nannte, eingerichtet hatte. Mit einer lässig wirkenden Handbewegung öffnete er die linke Tür und holte aus dem Tiefkühlfach einige Eiswürfel, die er durch seine Finger in ein Glas rutschen ließ. Darüber goss er Campari. Er hob das Glas auf die Höhe seiner Augen und begutachtete den Inhalt, um dann, nachdem er einen kleinen Schluck getrunken hatte, zu fragen: „Möchtest du auch etwas trinken?“ Janina schüttelte sehr energisch den Kopf, so dass ihre über die Schultern ragenden, dunkelbraunen, gewellten Haare hin und her flogen und dann vor ihren Augen hängen blieben. Blitzschnell strich sie mit der Hand die Haare aus dem Gesicht. „Ich bin noch nicht fertig, Daniel! Ich habe dir gesagt, ich habe heute viel nachgedacht. Jetzt höre mir bitte zu!“ Die Vehemenz, mit der Janina sprach, ließ Daniel aufhorchen. Erneut zuckte sein Kopf ganz kurz, während er sich in einen zur Couch passenden Sessel setzte und seine langen, schlanken Beine übereinanderschlug: „Ich höre zu, Janina! Bitte. Du kannst beginnen!“
Janina stutzte. Es gefiel ihr nicht, wie Daniel wieder einmal seinen auf sie immer irgendwie arrogant wirkenden Managerstil an den Tag legte. Sie holte tief Luft und atmete gut hörbar aus. „Daniel. Wie lange wollen wir eigentlich noch warten?“, fragte sie und wurde lauter: „Ich bin zweiunddreißig, du wirst achtunddreißig. Willst du erst mit fünfzig dein Kind zur Einschulung fahren?“
Er fühlte sich in die Enge getrieben. Er, der in der Firma bekannt dafür war, knallhart zu sein und immer die richtigen Entscheidungen zu treffen, wand sich wie ein Aal, der versehentlich sein vertrautes Gewässer verlassen hatte und hielt vor lauter Erschrockenheit den Atem an, so dass sein Gesicht rötlich anlief. Mit der einen Hand führte er sein Glas und trank, mit der anderen versuchte er, Janina zu unterbrechen. Doch die ließ nicht locker. „Ich freue mich natürlich, dass wir zurückgehen. Aber ich sage dir auch ganz ehrlich, lange mache ich unser Katz-und-Maus-Spiel nicht mehr mit. Ob hier oder in Deutschland, lange warte ich nicht mehr!“
Daniel blies gut hörbar die angesammelte Luft aus. „Bist du jetzt fertig?“, fragte er gereizt. Janina nickte.
„Gut, dann kann ich jetzt ja reden“, begann er und erhob sich aus dem Sessel, trank im Gehen den letzten Schluck und stellte das leere Glas auf das Sideboard. „Janina, du hast in allen Punkten Recht. Aber ich muss mich jetzt um meinen neuen Job kümmern.“
Er redete sich in Rage. „Ich habe jahrelang dafür gekämpft, in solch eine Position zu kommen. Du weißt, dass die Corporation durch ein Tochterunternehmen, unter anderem in Indien, sehr viel Geld verloren hat.“
„Ja, ja, mit diesen Genmanipulationen“, warf Janina ein.
„Bitte unterbrich mich nicht“, forderte Daniel. „Und lass bitte deine unqualifizierten Kommentare bezüglich der Aktivitäten unserer Company. Wir kümmern uns um Möglichkeiten, die ständig wachsende Weltbevölkerung zu erhalten. Das erfordert nun mal neue Wege. Also überlasse es bitte Fachleuten, die davon etwas verstehen. Ich mische mich ja auch nicht in deinen ganzen Model- und Modebereich ein. Außer, dass wir auch diesen Zweig mit unseren Produkten beliefern, damit diese Branche sich in ihrem Glamour feiern kann und du darüber berichten darfst.“
Wütend fuhr er fort: „Janina, nur dank unserem Dünger können zum Beispiel die Baumwollbauern in Indien und Pakistan und wo auch immer, so viel ernten, dass überhaupt jeden Tag … ich nehme jetzt nur mal T-Shirts …, dass überhaupt so viele T-Shirts produziert werden können, dass jeder durchgeknallte Amerikaner oder Europäer oder wer auch immer mindestens zwanzig oder dreißig verschiedene von diesen Dingern im Schrank haben kann. Wir helfen eigentlich nur, dass weiterhin so billig produziert werden kann, damit die Kunden eurer Modemagazine zufrieden gestellt sind.“
Janina sprang vom Sofa. „Das muss ich mir nicht anhören. Jetzt gibst du mir noch die Schuld an diesen ganzen Dingen. Ich glaube, du spinnst!“
„Entschuldige bitte“, sagte Daniel und wiederholte: „Entschuldigung. Aber du solltest es nicht persönlich nehmen. Das wollte ich nicht.“
Janina setzte sich wieder auf das Sofa. „Nur wenn du dich auch wieder beruhigst, ja!“
Daniel nickte. Dann redete er, allerdings ganz ruhig, weiter: „Wir haben gerade eine strategische Meisterleistung abgeschlossen. Weißt du, schon seit vielen Jahren schielen wir auf die Forer AG. Das ist immerhin das größte und vor allen Dingen erfolgreichste Pharmaunternehmen in Deutschland. Die werden uns finanziell wieder auf den Weg bringen.“
„Ich kenne die Forer Arzneimittel AG“, warf Janina ein und fügte hinzu: „Schließlich hat mein Vater bis zu seiner Rente dort gearbeitet. Vergessen?“
„Nein, das habe ich nicht vergessen“, bemerkte Daniel wieder etwas ungehalten, führte sein Statement aber weiter: „Nur so viel. Wir haben sie gepackt. Jetzt gehört sie uns. Und jetzt wird es meine Aufgabe werden, daraus einen neuen, weltweit erfolgreich tätigen Konzern zu schmieden. Und das wird mir auch gelingen. Und dann können wir leben, wo wir wollen, mit so vielen Kin…“
Daniel brach seine Ausführungen plötzlich ab, denn Janina schaute auf ihre Armbanduhr und ging, für Daniel unverständlich „… ja, ja, wie immer, das ganz große Ding …“ vor sich hin murmelnd, in die Küche.
Das in einem der obersten Stockwerke des Gebäudes gelegene Appartement gewährte ihnen einen herrlichen Blick auf die Lichter der Millionenstadt New York. Es ist ja noch vor sieben, da kann ich mich ruhig noch melden. Ich rufe jetzt mal zu Hause an, dann wissen meine Eltern wenigstens, dass es uns auch noch gibt, dachte sie und rief ihre Eltern an, die sich allerdings schon ins Bett begeben hatten, so dass der Anruf nur sehr kurz ausfiel. So kam sie schon nach ganz kurzer Zeit zurück aus der Küche und schaute auf Daniel, der am Sideboard stand.
„Entschuldige bitte. Kommt manchmal einfach so hoch bei mir. Ich freue mich doch auch für dich.“ Sie ging zu ihm und legte wieder, diesmal aber ganz fest, ihre Arme um seinen Hals und gab ihm einen langen Kuss. „Wann soll es denn losgehen? Können wir vorher vielleicht noch ein bisschen Spaß haben?“, fragte sie und versuchte, Daniel in Richtung Couch zu dirigieren.
„Morgen Nachmittag geht die Maschine“, antwortete Daniel emotionslos und versuchte, sich aus der Umarmung zu lösen.
Janina lockerte ihre Arme. „Was morgen schon, wie stellst du dir das denn vor? Was ist denn mit der Wohnung hier? Und überhaupt, wo gehen wir hin und wo leben wir da?“
Daniel löste sich endgültig aus der Umklammerung und hob seine Stimme: „Janina! Schatz …“
Oh, dachte Janina. Immer wenn er die Stimme hob, dachte sie „Oh.“ Das war für sie wie eine Warnung, wie ein Verkehrsschild: Achtung! Aber sie lauschte Daniels Worten.
„Jetzt lass mal bitte dein kleinbürgerlich kariertes Denken sein, ja? Das Appartement hier behalten wir, das gehört eh der Firma. Die Möbel holen wir nach, wenn wir, das heißt, wenn du das von dir ersehnte kleine Häuschen im Grünen gefunden hast. Ich mische mich da nicht ein. Janina, das wird dein ‚Cup of Tea‘. Wobei, das Haus muss ja nicht ganz so klein sein, ein bisschen müssen wir ja auch repräsentieren. Vielleicht finden wir ja auch eine tolle Wohnung oder ein Penthouse mit Blick aufs Wasser. Du weißt, ich liebe das.“
Janina verdrehte derart vehement die Augen, dass Daniel seinen Redefluss unterbrach. „Ich höre dir zu, weiter“, ermunterte ihn Janina.
„Also, im Klartext. Wir fliegen morgen, kommen übermorgen an, wohnen zunächst in Hamburg im Hotel. Die Suite, übrigens mit Blick aufs Wasser, ist schon gebucht. Dann machst du dich auf die Suche nach unserer neuen Bleibe, während ich den Forer-Leuten die BOAR-Corporate-Identity beibringe und ihnen klarmache, dass zukünftig ein anderer Wind wehen wird. Wenn das alles steht, dann sollte auch unserem weiteren gemeinsamen Leben nichts mehr im Wege stehen. Und jetzt lade ich dich zur Feier unserer Rückkehr nach Deutschland zum Essen ein. Ich habe Appetit auf Japanisch. Gehen wir runter ins Restaurant oder lassen wir liefern?“
„Lass uns hier essen, ja?“, sagte Janina. „Dann muss ich mich nicht mehr umziehen. Und ich möchte mich noch etwas frisch machen. Und dabei kann ich mir dann einfallen lassen, wie ich es meinem Chef schmackhaft mache, dass ich zukünftig auch von Hamburg aus arbeiten möchte. Bestell doch einfach wie immer“, sagte sie und verschwand im Badezimmer, während Daniel per App von seinem Smartphone das Essen orderte.

***

Zur gleichen Zeit herrschte in der Betriebskantine der Forer Forschungs- und Entwicklungsgesellschaft, einer eigenständigen, nicht zur Aktiengesellschaft der Forer Arzneimittel AG gehörigen GmbH, die allerdings exklusiv für die Forer Arzneimittel AG, wie das Unternehmen offiziell hieß, Forschungs- und Entwicklungsarbeit leistete, noch reger Betrieb. Übermorgen, das hieß, da es in Deutschland ja bereits kurz nach Mitternacht war, morgen, wollte das Unternehmen sein zwanzigjähriges Betriebsjubiläum feiern. Und dafür wurden von einigen, das Festkomitee bildenden Mitarbeitern bis in die frühen Morgenstunden hinein die letzten Vorbereitungen getroffen.
Am Tag der Feier stand einer der beiden Gesellschafter des Unternehmens, Dr. Dr. Joachim Breiter, auf einer kleinen Bühne. Vor ihm seine versammelte Belegschaft. Der sportliche, mittelgroße Mann mit den halblangen Haaren hielt in der Hand ein Gläschen Sekt und sprach zu seinen Mitarbeitern: „Die ersten zwanzig Jahre hat unser Unternehmen überstanden. Und nun freue ich mich riesig auf die nächsten zwanzig Jahre. Wir haben nämlich durchaus noch die ein oder andere Entwicklung in der Pipeline, so dass mir um die Zukunft unseres Unternehmens nicht bange ist. Der von uns entwickelte Zellkiller Bertaform wird übrigens in den nächsten Wochen bei der AG in die Produktion gehen und uns somit ein weiteres, starkes Standbein im Markt sichern. Also, auf die Zukunft, auf uns. Prost!“ Breiter hob sein Glas und prostete seinen jubelnden, gut gelaunten Mitarbeitern zu, während die für den festlichen Abend engagierte Party-Band „The Shadoks“ den gesprochenen Worten einen musikalischen Tusch hinzufügte.
Danach ging es auf der Party hoch her. Lena Peters, die Frau seines langjährigen Büroleiters Philipp Peters, hatte sich Breiter geschnappt, um mit ihm zu den Klängen der überaus guten und fleißigen Band zu tanzen, die nun ein Medley von Songs aus den siebziger Jahren spielte, zu der zum Erstaunen von Breiter auch die jüngeren Mitarbeiter seiner Firma begeistert mittanzten.
„Ich bin ja mit dieser wilden Beatmusik, wie das damals von den Älteren genannt wurde, noch mehr oder weniger aufgewachsen und mag das sehr. Aber dass es auch unseren ‚Bambinis‘“, wie er scherzhaft alle unter Dreißigjährigen nannte, „so gut gefällt, das überrascht mich doch.“
„Mann, Doktor Breiter, die wollen feiern. Das tun Sie wahrscheinlich viel zu wenig. Deswegen wissen Sie gar nicht mehr, wie das ist“, entgegnete Frau Peters und wirbelte den Chef ihres Mannes über den extra zum Firmenjubiläum neu ausgelegten Kantinenboden. „Sie sollten den heutigen Tag auch mal so richtig genießen. Immer nur arbeiten ist auch nicht gut.“
„Sie haben ja Recht, Frau Peters. Morgen früh mache ich auch mal frei. Aber morgen Nachmittag sehen wir uns wieder. Ich bin um sechzehn Uhr bei Dr. Fischer“, fügte er hinzu, worauf ihm ein sehr lang gezogenes, fast gesungenes „Ich weiß, Herr Doktor Breiter, ich weiß. Schließlich ich bin seine Sekretärin!“ entgegenschallte.
Bis nach Mitternacht dauerte die Jubiläumsfeier. Jo Breiter, wie er sich selbst nannte, war froh, als er endlich in einem Taxi saß und sich nach Hause fahren ließ. Er schlief endlich einmal mehr als acht Stunden am Stück, um sich anschließend zur frühen Nachmittagszeit zu einem ausgiebigen Spätfrühstück in seinem Stammbistro Maribare blicken zu lassen.

Über den Autor

Hemeyer, Karl

Hemeyer, Karl

Der in Berlin lebende, in Altluneberg bei Bremerhaven geborene Karl Hemeyer schreibt nach dem Besuch schreibtechnisch orientierter Workshops sowie einem mehrmonatigen Einsatz in einer großen Hollywood-Produktion seit 2006 auch Drehbücher und spielt in Filmen, TV und Werbung. mehr über den Autor

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