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Sportstadtmord
Tatort Steilshoop. Ein Hamburg-Krimi

Sportstadtmord

Autor: Struck, Klaus


lieferbar


Produktart: Buch

Seiten: 292

Größe: 21,0 x 13,8 cm

Sprache: deutsch

Auflage: 1 Originalausgabe

Verlag: acabus Verlag

ISBN: 9783862822805

Einband: Paperback

zum eBook

EUR 13,90

Artikel


  • Inhalt
  • Leseprobe
Der mysteriöse Tod eines beliebten Ausbilders am Hamburger AFA Umschulungsinstitut in Steilshoop sorgt für Aufregung. Nicht nur der Fundort und Todeszeitpunkt, sondern auch die ungewöhnliche Drapierung des Toten stellen die Kripo vor eine schwierige Aufgabe. Erst mithilfe von Cybercrime-Spezialisten werden ungeahnte Machenschaften am Institut aufgedeckt.
Das Opfer nutzte das firmeneigene Penthouse für besondere Soirées mit bekannten Kiez-Größen, und die bisher unentdeckte Anwesenheit eines Militariavereins in der fast vergessenen, ungenutzten U-Bahn-Station unterhalb der Anlage erweitert das potenzielle Täterumfeld. Doch Kommissar Schrenk und sein Team werden den Verdacht nicht los, dass der Mord nur ein Mittel für einen ganz anderen Zweck war.
Prolog:

Das ganze Chaos begann mit Schmierereien an den Wänden des Übergangs von Gebäude A1 zu Gebäude B2. Jemand hatte den alten Merkspruch zu den Donauflüssen an die Wand geschrieben: Iller, Lech, Isar, Inn fließen nach der Do… hin. Altmühl, Naab und Regen, kommen ihr entgegen. Für ‚Donau‘ stand nur ein ‚Do‘ und einige Punkte, ‚Regen‘ war unterstrichen.
Eine Woche später spielte jemand im Partyraum, der sich im ersten Stock gegenüber der Kantine befand, bei offenem Fenster und voll aufgedrehter Musikanlage in einer Endlosschleife den 80er Jahre Politsong von Joseph Bouys Wir wollen Sonne statt Reagen. Immer wieder von vorn. Es dauerte über eine halbe Stunde, bis man die Musik abstellen konnte. Die Tür zu dem Raum war verschlossen und der Schlüssel nicht auffindbar. Erst der Hausmeister mit dem Generalschlüssel konnte helfen. Der dritte Vorfall bescherte der Bildungsstätte wieder beschmierte Wände. Diesmal ein Gedicht: Der Regen hält noch immer an! So klagt der arme Bauersmann; doch eher stimm’ ich nicht mit ein, es regne denn in meinen Wein.
Bis zu diesem Zeitpunkt reagierte man auf die Vorfälle vonseiten der Institutsleitung nur intern: Rundmails, Krisensitzung mit den Abteilungsleitern, verstärkter Wachdienst, Androhung von Strafanzeige. Dann kam jedoch heraus, dass unter den Bewohnern des Wohnheimes mindestens zwei Personen in letzter Zeit mit K.o.-Tropfen oder Ähnlichem betäubt  und dann irgendwo im Gelände, bei strömendem Regen, völlig durchnässt und verwirrt aufgefunden worden waren. Man beauftragte den Hausjuristen mit der Einleitung von strafrechtlichen Maßnahmen und Kontakten zur Polizei. Alles sollte jedoch unauffällig geschehen, da man befürchtete, dass die Vorfälle Auswirkungen auf den Ruf der Bildungsstätte hätten. Die Mehrzahl der Umschüler wurde von der Arbeitsagentur, den Berufsgenossenschaften oder anderen Institutionen mit entsprechender Förderung an das Umschulungs- und Weiterbildungsinstitut vermittelt. Von diesen Zuweisungen hing der wirtschaftliche Erfolg, die weitere Existenz des Unternehmens ab. Die Konkurrenz war groß. Deshalb musste alles unternommen werden, damit diese Vorfälle nicht an die Öffentlichkeit gelangten.
Die Ereignisse beeinträchtigten jedoch die Zusammenarbeit aller in der Fortbildungsstätte. Besonders das lockere Verhältnis der Dozenten zu den Teilnehmern litt, denn eines war klar: Es konnte nur ein Insider für die Taten verantwortlich sein. Alle fragten sich: Wer steckt hinter diesen Aktionen und was sollen sie bezwecken? War es ein Einzeltäter oder war eine Gruppe dafür verantwortlich?
Als eine Woche nichts passierte, hoffte man, dass alles überstanden sei, doch das war ein großer Irrtum. Am Sonntagmorgen, ca. 6.30 Uhr, die Sonne war noch nicht vollständig aufgegangen, fand man den Abteilungsleiter Integrationsmanagement in einer Blutlache unterhalb der Penthouse-Wohnung auf den Gehwegplatten liegen. An den Wänden der umstehenden Gebäude war mehrfach ‚Weine nicht, wenn der Regen fällt gesprüht‘. An einer Stelle stand noch: ‚Es gibt einen, der zu dir hält.‘


Aus: Lagebesprechung mit Nachwehen

Schrenk hatte wieder seine obligatorische, allseits berühmt-berüchtigte Aufstellung auf das Smartboard übertragen. Er begann mit einer allgemeinen Einschätzung der AFA-Mitarbeiter: Die Ge-schäftsleitung und die Abteilungsleiter mauerten, wussten angeblich von nichts und hatten auch nichts gehört. Gruppenleiter waren unsicher, schienen nichts sagen zu wollen oder zu dürfen und wussten nur von allgemeinen Gerüchten. Dozenten und Angestellte äußerten sich offener, wobei auch hier einige scheinbar nichts gewusst oder gehört haben – oft Einzelgängertypen. Andere wurden konkreter. Bei den Wochenendtreffen waren von der AFA scheinbar nur Regens direkte Mitarbeiter dabei. Die Anlässe für die Treffen hatte Schrenk nach Brisanz und Glaubwürdigkeit der Aussagen sowie zeitlichem Ablauf sortiert. Es begann mit den offiziellen Mitarbeiterschulungen. Hierzu lagen 12 Teilnehmeraussagen vor, zu denen er keine Anmerkungen hatte. Die folgenden lockeren, sogenannten ‚After-Work-Workshops‘ mit Gruppenspielen und dem ausgiebigem Genuss von alkoholischen Getränken sind gemäß Teilnehmeraussagen zumindest einmal aus dem Ruder gelaufen. Er hatte hierzu den Begriff ‚Komasaufen‘ zitiert. Bei den Skatturnieren handelte es sich scheinbar wieder um seriöse Veranstaltungen, dies galt auch für die erste Pokerrunde. Danach wurde es spekulativ, denn zu den angeblichen Pokerrunden mit Kiezgrößen und leichten Mädchen hatten sie ebenso wenig Zeugenaussagen wie zu den Computer-Strategiespiel-Sessions und den Militär-Strategie-Diskussionsrunden. Alles nur Hörensagen.
„Einiges davon ist wohl erklärungsbedürftig“, begann Schrenk seinen Vortrag, „denn eigentlich kann man nur den Aussagen der Leute trauen, die dabei gewesen sind. Trotzdem sollten wir auch die Aussagen gemäß Hörensagen beachten, da diese unabhängig voneinander mehrfach geäußert wurden. Hinzu kommt die Beobachtung eines Dozenten, der an einem Sonnabend eine Gruppe von Leuten auf dem Gelände gesehen hat, die garantiert nicht hier hingehörten. Es handelte sich seiner Meinung nach um fünf Zuhälter mit ihren ‚Bräuten‘. Sie kamen teils mit Harleys, teils mit amerikanischen Protzkisten. Er hat jedoch eindeutig gesehen, wie Regen sie auf den Parkplatz eingewiesen und begrüßt hat. Das passt doch zu Position fünf.
Die offiziellen Veranstaltungen hat es dreimal gegeben, jedoch nur einmal von Freitag bis Sonntag. Sonst immer nur freitags. Die Namen der Teilnehmer entnehmen Sie bitte dem Protokoll.
Die Treffen des lockeren Beisammenseins fanden auch immer freitags statt. Einige Teilnehmer schliefen jedoch danach im Penthouse ihren Rausch aus. Auch hierzu finden Sie Namen im Protokoll.
Skatturniere hat es zweimal gegeben. Sie liefen jeweils über zwei Tage – Sonnabend und Sonntag. Daran sollen sowohl Martin sowie Klinger teilgenommen haben. Klinger hat sogar einen Schinken gewonnen. Was ist daran so geheimnisvoll, dass er das nicht gleich erzählt hat?
An der ersten Pokerrunde hat neben Martin auch Herr Heimholdt aus Regens Abteilung teilgenommen. Die Gerüchte über diese Veranstaltung gehen weit über Berichte der beiden Teilnehmer hinaus. Laut der Aussage Heimholdts betrug der Mindesteinsatz 20 Euro. Heimholdt berichtete weiter, dass sie zu Spielbeginn von Regen jeweils Jetons im Wert von 50 Euro erhalten hätten. Nur hiermit durfte gespielt werden. Am Ende gab es jedoch Bargeld für eingelöste Jetons. Woher der Einsatz kam, blieb das Geheimnis von Regen. Heimholdt hat alles verspielt, Martin hat 80 Euro rausgekriegt. Angeblich hat einer, den die beiden nicht kannten, der von allen nur ‚Addi‘ genannt wurde, alle anderen abgezockt und ist mit über 300 Euro rausspaziert. Eine weitere derartige Runde hat es danach scheinbar nicht gegeben.
Die Ankunft der ‚Zuhältertypen‘ zur Pokerrunde haben außer diesem einen neuen Mitarbeiter nur Internatsbewohner mitbekommen. Kein Angestellter und auch kein Sicherheitsdienst – angeblich. Da fassen wir aber noch einmal nach. Die Autos und Harleys haben aber viele gesehen, und zwar mindestens an zwei Wochenenden. Einer hat die Autos sehr genau beschrieben: Fabrikat, Farbe, Besonderheiten. Damit müssten unsere Leute aus dem Milieu etwas anfangen können.
Die Aussagen zu den letzten Punkten sind sehr diffus. Diese Computerspiel-Sessions waren wohl nicht ohne Beteiligung der IT möglich. Den Administrator knöpfen wir uns noch einmal vor. Die Strategiegeschichten kommen von einem ehemaligen Mitarbeiter, der schon im Vorruhestand ist, aber trotzdem immer noch die Sportmöglichkeiten der AFA nutzt. Man muss sich das einmal vorstellen: die haben ’ne Squashhalle, ein Schwimmbad, Tennisplatz, Sauna und was weiß ich nicht noch alles und da lassen es sich die Ehemaligen gut gehen. Dieser Frührentner kannte Regen noch aus seiner aktiven Zeit und er meinte, sie hätten schon damals einen Verein gehabt, in dem ehemalige Soldaten sich an historischen Schlachten hochgezogen hätten und stundenlang über das ‚was wäre wenn‘ diskutierten. Kollege Meiersson, was habe ich noch vergessen?“
„Na ja, ich habe hauptsächlich die Bewohner des Internats und einige Mitarbeiter befragt. Hier ist besonders zu erwähnen, dass die exotischen Teilnehmer der Pokerrunden fast allen Internatsbewohnern aufgefallen sind. Der Chef des Sicherheitsdienstes, ein Holger Spieß, hat ausgesagt, dass Regen den Besuch dieser Leute angekündigt habe und alles seine Ordnung hätte, das heißt, der Sicherheitsdienst hat die also doch bemerkt. Wir konnten auch die Zeiten rekonstruieren. Die Motorräder haben die Sicherheitsleute gut beschrieben und ein Internatsbewohner hat sogar ein Foto mit seinem Handy gemacht. Es ist ein auffälliges Trike, ein Dreirad, vorn wie ein Motorrad und hinten mit Sitzbank zwischen den zwei Hinterrädern. Das Nummernschild ist leider nicht drauf, aber das Ding ist so speziell, da finden wir den Besitzer schnell. Die Autos hat der neue Dozent, Herr Bauske, am besten beschrieben. Sowohl die Marken als auch die Besonderheiten. Auch hier dürfte es nicht schwierig sein, die Besitzer zu finden.“
An dieser Stelle wurde Meiersson von Krieger unterbrochen: „Wie heißt der neue Dozent? Bauske? Doch nicht etwa Fred Bauske?“
Meiersson guckte in seine Aufzeichnungen. „Ja, so heißt er, kennen Sie den? Hat der bereits eine Akte bei uns?“
„Wir hatten gerade vor einem Jahr mit einem Fred Bauske zu tun, aber das muss ein anderer sein. Der arbeitete als Ingenieur im Außendienst bei einem Automobilzulieferer. Wobei, der Name dürfte nicht so häufig sein. Alter: Anfang 40, so’n südländischer Typ.“
Meiersson nickte: „Das passt. Hat der was auf dem Kerbholz, ist der gewalttätig oder so?“
„Nee, aber den würde ich gerne noch einmal sprechen. Das ist aber eine andere Geschichte, hat mit diesem Fall wahrscheinlich nichts zu tun.“ Krieger schaute zu Schrenk. „Was meinst du, Heinz, eigentlich war der ganz umgänglich, wenn er es ist.“
„Ja, ist schon spannend. Da kann man mal sehen, wie klein die Welt ist, gestern noch als Ingenieur in Polen, heute bei der AFA. Aber die alten Geschichten haben höchstwahrscheinlich nichts mit den Vorfällen hier zu tun.“ Heinz Schrenk übernahm wieder die Moderation: „Benno, was hast du über Regen in Erfahrung bringen können?“

Über den Autor

Struck, Klaus

Struck, Klaus

Klaus Struck wurde 1953 in Hamburg geboren und wuchs am Stadtrand der Hansestadt auf. Nach einer Ausbildung zum Flugzeugmechaniker bei der Lufthansa, studierte er Maschinenbau und ist seitdem als Ingenieur im Bereich Luftfahrt und Automobilbau tätig. Ein Aufenthalt in einem... mehr über den Autor

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