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Phantomspuren
Das Phantom von Heilbronn

Phantomspuren

Autor: Hetzner, Michael


lieferbar


Produktart: Buch

Seiten: 240

Sprache: deutsch

Auflage: 1 Erstauflage

Verlag: ACABUS Verlag

ISBN: 9783862822232

Einband: Paperback

zum eBook

EUR 12,90

Artikel


  • Inhalt
  • Leseprobe

3. Platz beim SAMIEL Award 2014




Der Leipziger Kommissar Mike Brand hat viel Geld, aber keine Freunde. Als bei einer Schießerei sein Arm zerfetzt wird und seine Kollegin und Verlobte Susan bei einem Einsatz in Heilbronn einem Mordanschlag zum Opfer fällt, tritt Mike blind vor Hass einen Rachefeldzug an. Doch die Mordkommission verfolgt ein Phantom, das seine Spuren in ganz Europa hinterlässt. Der beurlaubte Mike ermittelt auf eigene Faust und trifft auf undurchsichtige Schausteller, zwielichtige Obdachlose und wütende Raubkatzen. Die Jagd nach dem Phantom führt den Leipziger Kommissar von der Heilbronner Theresienwiese ins tschechische Drogen- und Mafiamilieu. Seine eigene schuldhafte Vergangenheit wirft einen langen Schatten auf das Geschehen – Mike und der Mörder sind sich ähnlicher, als es zunächst scheint. Inmitten eines gefährlichen Gespanns aus Menschen, die alles  verloren haben, droht Mike die Kontrolle zu entgleiten und selbst zum Gejagten zu werden …
Leseprobe aus Kapitel 18: Heilbronn, Donnerstag, 1. Mai 2008

Mike zwängte sich durch die Masse auf der Theresienwiese und lief um den Gitterzaun herum. Die Rückseite des Zauns grenzte an einen schmalen Fußweg, der am Fluss entlang führte. Hier war weit und breit niemand zu sehen. Vor dem Eisentor hing ein schweres Vorhängeschloss, aber darauf war Mike vorbereitet. Am Tag zuvor hatte er einen kleinen Spaziergang gemacht und dabei die Rückseite des Käfigs in Augenschein genommen. Mike griff zu dem Lederetui an seinem Gürtel. Dann ging er in die Knie und hielt das Schloss mit seinem Gipsarm fest, während er mit der rechten Hand ein paar Schlüssel ausprobierte. Kurz darauf sprang das Schloss auf. Nun holte Mike aus der anderen Tasche seiner Jeans eine kleine Maglite hervor und kroch unter Bagiras Käfig. Rasch leuchtete er den Boden aus dicken Holzbohlen ab. Danach untersuchte er das eiserne Fahrgestell und klopfte die Wände ab, aber nirgends fand er einen Hohlraum. Rasch kroch er unter dem Wagen hervor, lehnte die Gittertür an und hastete über die Asphaltstraße. Gerade rechtzeitig, denn nur ein paar Sekunden später kam die Loopingbahn mit zischendem Geräusch zum Stehen.
Mike wartete zehn Minuten, dann schlich er sich erneut zu dem Käfig. Es gab noch ein mögliches Versteck. Der Raum unter den Strohballen. In einem Löwenkäfig würde wahrscheinlich niemand Rauschgift vermuten. Geduckt stieg Mike die Stufen zu dem Käfig empor. Da sich der Eingang auf der schmalen Seite des Wagens befand, konnte man ihn vom Festplatz aus sehen. Aber trotzdem war die Gefahr, dass sich jemand etwas dabei dachte, jemand in den Käfig ging, äußerst gering. Die Käfigtür war mit einem einfachen Vorhängeschloss gesichert. Kein Problem für Mike. Als die Tür aufsprang, ging er zu den beiden Ballen in der Ecke. Das Stroh, mit dem der Boden ausgelegt war, raschelte unter seinen Füßen und der Geruch nach Dung war unverkennbar. Ein paar Schritte vor den Strohballen stieß sein Fuß an einen harten Gegenstand auf dem Boden. Ein scharfer Schmerz schoss in seinen Knöchel und Mike fluchte leise. Er taumelte, riss den Arm hoch und ruderte damit in der Luft. Er schaffte es gerade noch, das Gleichgewicht zu halten. Auf dem Boden stand ein Napf, in dem ein großes Stück Fleisch lag. Mike biss die Zähne zusammen und humpelte weiter. Die Ballen wurden mit einem dünnen Nylonseil zusammengehalten. Als Mike den oberen Ballen herunter hievte, schnitt ihm das Seil in die Hand. Er schob den Ballen ungefähr von der Ecke weg, packte den zweiten Ballen und zog ihn ebenfalls zur Seite. Er leuchtete die Ecke aus. Nichts. Mikes Euphorie verflog. Er hatte vermutet, dass er hier ein Versteck finden würde. Aber da war absolut nichts. Mike klopfte die Stelle mit der Maglite ab, vielleicht gab es ja irgendeinen verborgenen Hohlraum, doch er konnte nicht das Geringste entdecken. Mike untersuchte die beiden Strohballen. Aber auch hier konnte er nichts entdecken. Kein Anzeichen dafür, dass in ihrem Inneren etwas verborgen war. Also schob er den unteren Strohballen wieder in die Ecke und hievte dann den zweiten darauf. Er musste mit den Knien nachhelfen und als der Ballen wieder an Ort und Stelle lag, ging Mikes Atem heftig. Es war noch gar nicht so lange her, da hätte ihn diese Anstrengung nicht einmal seinen Puls beschleunigt. Doch seit er seinen Arm verloren hatte, hatte Mike nicht ein einziges Mal trainiert. Er hielt einen Augenblick inne, dann wandte er sich zur Tür, um den Käfig zu verlassen. Da erstarrte er. Aus der Dunkelheit funkelten ihn zwei Augen gefährlich an. Am Ende des eisernen Laufgangs, genau vor der Rampe, die in den Käfig führte, stand – Bagira. Auch ohne seine beiden künstlichen Köpfe sah er nicht weniger gefährlich aus. Bagira fauchte leise und sah Mike bedrohlich an. Mike wagte nicht zu atmen, mit einem Schlag war er vollkommen nüchtern. Das also war das Ende. Er stand da wie festgenagelt. Auch wenn es nur ein paar Schritte bis zur Käfigtür waren, er würde sie nicht schaffen. Die Starre, die ihn befallen hatte, machte jede Bewegung unmöglich und so war er eine leichte Beute für das wilde Tier.
„Keine Angst“, hörte er da eine flüsternde Stimme. Wie aus dem Nichts tauchte Jana neben dem Laufgang auf. Der Abstand zwischen dem Gang und dem Zaun war gerade so breit, dass sie mit ihrem Rollstuhl hindurch passte. Sie griff durch die Gitterstäbe und hielt Bagira an der Mähne fest. Dabei sprach sie leise auf ihn ein. Auch wenn Mike nicht verstehen konnte, was sie sagte, konnte er hören, dass ihre Stimme sanft und beruhigend klang.
„Geh los, aber ganz langsam“, forderte ihn Jana auf.
Mike bewegte sich ganz langsam in Richtung Tür. Er hatte gerade die Tür erreicht und öffnete sie Millimeter um Millimeter, da machte der Löwe einen gewaltigen Satz nach vorn und schoss auf die hölzerne Rampe zu, die in den Käfig führte. Mike blieb wie versteinert stehen. Janas Hände griffen verzweifelt zu und erwischten das Schwanzende der Bestie. Mit der Kraft der Verzweiflung hielt sie das Tier für einen Augenblick zurück.
„Lauf“, schrie sie Mike zu.

Über den Autor

Hetzner, Michael

Hetzner, Michael

Michael Hetzner, Jahrgang 1955, studierte Deutsch, Musikerziehung und Pädagogik an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg; anschließend Germanistik und Pädagogik an der Uni Stuttgart. Promotion zu Dr. phil und Dr. paed. Veröffentlichungen: Gestörtes Glück im... mehr über den Autor

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