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Mohrenkopf. Kriminalroman im Bremer Kunstmilieu

Mohrenkopf. Kriminalroman im Bremer Kunstmilieu

Autor: Rädisch, Bärbel

lieferbar


Produktart: Buch

Seiten: 144

Größe: 19,0 x 12,5 cm

Sprache: Deutsch

Auflage: 1 Erstauflage

Verlag: acabus Verlag

ISBN: 9783941404243

Einband: Paperback

zum eBook

EUR 10,90

Artikel


  • Inhalt
  • Leseprobe
Eine Bremer Galerie ersteigert bei Christie´s in London einen Trinkpokal der Berner Zunft zum Mohren in Form einer silbernen Mohrenfigur. Doch beim Kunden angekommen, fehlt plötzlich der Kopf dieser Figur. Oberkommissar Bratke aus Bremen übernimmt den Fall. Er vertieft sich in die Geschichte der Schweizer Zunft. Bei seinen Recherchen stößt er auf ein seltsames Phänomen: In früheren Zeiten war es Mode, sich des Kopfes einer berühmten Persönlichkeit zu bemächtigen. Die Geschichten verlorener, verschwundener und gestohlener Köpfe von Petrarca über Schiller bis zum Haupt eines Apachen laufen Bratke bei diesen Ermittlungen über den Weg. Ein Krimi ohne Mord und Totschlag, dessen Idee eine Anzeige der Polizei im Bremer Weser-Kurier über den dubiosen Diebstahl des Kopfes eines Schweizer Zunftpokals gab. Auf Kommissar Bratkes Spuren erlebt der Leser die kopflose Jagd durch das Bremer Kunstmilieu.
Aus Kapitel 4: In den nächsten Tagen war Bratke kaum noch zu bremsen. Er arbeitete sich tiefer und tiefer mit der ihm eigenen Gründlichkeit in die Geschichte der Zunft zum Mohren ein. Spoeri hatte ihm weiteres Material über das Schweizer Zunftwesen und Informationen über die Geschichte Berns zur Verfügung gestellt. Wann immer er ein paar Minuten erübrigen konnte, las er darin. Den Kopf in die Hand gestützt, murmelte er: Der Silberpreis wird beim Diebstahl wohl keine Rolle gespielt haben. Mit 4,06 Dollar erzielt das Edelmetall zur Zeit den niedrigsten Stand seit dem Herbst 1993. Das hatte er nach einem Anruf bei seiner Bank erfahren. Eine weitere Option wäre, überlegte er weiter, die Spur der Besitzer zurückzuverfolgen! Nicht nur ein vorzüglicher Tropfen aus dem Anbau der Rothschilds ist möglicherweise schon einmal aus dem Pokal getrunken worden, wie Spoeri mutmaßte, nein, der Mohr war außerdem als Sammelobjekt im Besitz der Familie gewesen. Neben dem Barvermögen, Gold- und Silberreserven stützte sich ein Teil ihres Reichtums auch auf Kunstobjekte. Ach ja , seufzte Bratke und kratzte sich ausgiebig am Kopf, wie sehr würde ich mir wünschen, mit dem Wichtigsten ausgestattet zu sein, auf das die Rothschilds dank ihrer Kontakte bauen konnten: Auf ein exzellentes Netz von Informationen. Wobei die Betonung auf exzellent liegt. Er hatte in einer SZ-Serie über den Aufstieg der Familie gelesen, ihre Boten tummelten sich in der ganzen Welt. Sie berichteten umgehend von kriegerischen Verwicklungen, Siegen und Niederlagen, Regierungskrisen und diplomatischen Eskapaden. Zuträger von Meldungen, seien es Verwandte, Geschäftspartner oder Journalisten, saßen in Rom, Odessa, Petersburg, New York, San Francisco und wer weiß, wo sonst noch überall. Dank ihrer Hilfe wuchs der Reichtum maßgeblich schon allein durch den Vorsprung an Wissen. Bratke hatte sich köstlich amüsiert, als er las, in der englischen Grafschaft Kent und an der Bergstraße in Deutschland wurden Brieftauben im Auftrag der Rothschilds gezüchtet, die Meldungen weitertrugen, lange bevor sie in den Zeitungen standen. Ihre Gegner setzten vergeblich Falken und Habichte an der Kanalküste ein, um die Geheimnisträger abzufangen. Was für ein schönes altmodisches Bild, fast friedvoll. Tauben als Boten für schnelle Meldungen. In der heutigen Zeit von Internet und Paparazzi etwas zum Schmunzeln, dachte Bratke. Dann seufzte er wieder vernehmlich. Lowinski schaute von seinem Aktenberg auf und fragte: Was stöhnst du denn so zum Erbarmen? Ich male mir gerade aus, ob unser Mohrenpokal wohl zur Zierde irgendwo in einem Salon der Rothschilds gestanden hat. So wie unsereins beispielsweise einen Kerzenleuchter aufstellt. Die werden mit ihren Kunstwerken nicht hinter dem Berg gehalten haben. Vielleicht haben sie sich gegenseitig sogar übertrumpft mit ihren Schätzen, die waren doch alle reiche Banker. Plötzlich lachte Bratke amüsiert. Wusstest du, dass sich ausgerechnet ein paar dieser Banker mit Insektenforschung befasst haben? Bienen, Käfer und Schmetterlinge? , fragte Lowinski, gähnte und sagte dann: Trinkst du einen Kaffee mit? Bratke schüttelte den Kopf. Sie forschten über Flöhe. Flöhe? Na ja, das ist ja auch ’ne Umschreibung für Geld. Quatsch! Tatsächlich diese Plagegeister. Besonders Miriam Rothschild ist damit zu mehreren Ehrendoktorhüten gekommen. Weil sie sich eine Beschäftigung suchte, die sie als Hausfrau und Mutter unter einen Hut bringen konnte, hatte sie angefangen, sich im Gästebad ihres Landsitzes bei Cambridge eine Art Labor einzurichten, um sich unzähligen Floharten zu widmen. Anfangs hat sie in allen möglichen Behältern und Gefäßen Zuchtstationen eingerichtet. Also , Lowinski stemmte sich aus seinem Schreibtischstuhl hoch, gähnte noch ausgiebiger und knurrte: Ich geh jetzt in die Kantine auf einen Kaffee. Kommst du mit? Als er keine Antwort bekam, zuckte er mit den Schultern und verließ den Raum. Dann kam er aber noch einmal zurück und sagte: Wolfgang, du machst bitte neben deinen vermaledeiten Köpfen jetzt nicht ‘ne neue Baustelle mit Ungeziefer auf und denkst dir aus, diese Trulli hat die Floheier womöglich in unserem Pokal gezüchtet und, als der dann veräußert wurde, alle Hebel in Bewegung gesetzt, um an den Kopf zu kommen. Verscheißern kann ich mich selber , grummelte Bratke und verfiel wieder in Nachdenken. Ich könnte ja das Profil eines Kunsträubers erstellen, sinnierte er. Es wurzelt eventuell im Geist des Kunstwerks. Dabei gilt es ja, nicht nur Beweise zu sammeln, sondern über Wahrscheinlichkeiten nachzudenken. Ich stelle mir vor , dozierte er jetzt, stand auf und fing an hin und her zu gehen, dass jemand, der einen Pokal stiehlt, an Gemälden zum Beispiel gar kein Interesse hat, praktisch in einer anderen Liga spielt. Warum soll, was man gerade als Nonplusultra zum Beispiel bei Mördern oder Gewaltverbrechern anwendet, ein Profiling, nicht auch in diesem Fall von Nutzen sein? Gerade hatte ihm ein Kollege, der sich mit Fallanalysen im Zusammenhang mit Profiling befasste, vom Mord an einem kleinen Mädchen im Rheinland erzählt. Der Profiler vertrat die Meinung, es sei nur ein Zufall gewesen, dass der Täter das Kind getroffen hätte. Der Mord geschah in einer wenig bewohnten Gegend, wo Jugendliche in ihrer Freizeit ihre Langeweile abreagierten und die Landstraße als Rennstrecke benutzten. Ein paar von ihnen waren CB-Funker. In diesem Kreis nach dem Täter zu suchen, hatte der Profiler vorgeschlagen. Er war aber damit auf taube Ohren bei seinen Vorgesetzen gestoßen, weil er diese Vermutung zwar mit Eifer vortrug, aber keinerlei Beweise beibringen konnte.

Über den Autor

Rädisch, Bärbel

Rädisch, Bärbel

Bärbel Rädisch liebt es, historische Geschehnisse mit Fakten der Gegenwart zu verbinden. Im Fall 'Mohrenkopf' gab eine Anzeige der Polizei im Bremer 'Weser-Kurier' den Anstoß zum Roman. In Wuppertal geboren, lebte sie nach dem Mauerbau einige Jahre in Berlin, weil... mehr über den Autor

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