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Freies Geleit für Martin Luther
Historischer Krimi

Freies Geleit für Martin Luther

Autor: Eckoldt, Matthias und Rese, Tatjana Rese, Tatjana

lieferbar


Produktart: Buch

Seiten: 224

Größe: 21,0 x 13,8 cm

Sprache: deutsch

Auflage: 1 Originalausgabe

Verlag: acabus Verlag

ISBN: 9783862824854

Einband: Paperback

zum eBook

EUR 13,00

Artikel


  • Inhalt
  • Leseprobe
Worms 1521: Ein Reichstag, der in die Geschichte eingehen wird. Vorgeladen ist der Theologe und Augustinermönch Martin Luther. Kaum hat er seine beiden Anhörungen vor den Mächtigen Europas ohne den Widerruf seiner Thesen überstanden, wird ein Toter in der Stadt gefunden. Luther gerät unter Verdacht. Rasch kursiert ein Haftbefehl. Zusammen mit seinem Ordensbruder Petzensteiner gelingt dem Wittenberger die Flucht vor den Söldnern. Fieberhaft versuchen sie, den wahren Schuldigen zu finden. Doch die Drucker und Mönche, die Adligen und hohen Geistlichen, zu denen sie ihre Ermittlungen führen, hüten ihre Geheimnisse gut. Die Wahrheit scheint immer tiefer vergraben. Die Zeit läuft unerbittlich gegen Luther, denn seine Feinde versuchen alles, um den abtrünnigen Mönch auf den Scheiterhaufen zu bringen.  
Die Autoren haben die Lücken in den historischen Überlieferungen  genutzt, um sie  mit einem fesselnden Kriminalfall zu füllen, in dem Fakten und Fiktion verschmelzen.  Alles könnte so geschehen sein, und vielleicht war es auch so …

Leseprobe als PDF

Leseprobe aus Kapitel 1:

Petzensteiner packte sein Bündel und zögerte: „Sag mal Martin, mir geht diese Begegnung mit dem Priester eben vor der Herberge nicht aus dem Kopf. Er war doch recht aufdringlich.“
Martin lachte: „Er hat die Gelegenheit genutzt und mir etwas zugeflüstert.“
„Etwas Geheimes?“
„Er sagte, er sei ein Anhänger von mir und gehöre zu einer Gruppe von Priestern hier in Worms, die längst schon die reformatorischen Gedanken lebten und predigten. Und er versicherte mich seines Beistandes, wann immer ich ihn brauche. Er ist einer der Domprediger.“ 
Petzensteiner nickte nachdenklich. Warum hatte der Priester das für nötig gehalten? Würde es in Worms so gefährlich werden?
„Ach ja, und rate mal, was er noch sagte?“, fragte Martin verschmitzt.
Petzensteiner zuckte mit den Schultern.
„Diese Stadt ist eine Schlangengrube.“
„Das ist aber kein Grund zur Freude“, sagte Petzensteiner und ging mit seinem Packen auf die Tür zu. Da klopfte es. Er öffnete sie einen Spalt breit. Vor ihm stand ein beleibter Mann und verbeugte sich: „Lieber Augustinerbruder. Ich bin Conrad Peutinger und möchte den verehrten Doktor Martin Luther, den ich in diesem Zimmer wähne …“ Weiter kam er nicht, denn Martin rief von drinnen: „Nur herein, mein lieber Mitverschwörer. Ich freue mich, dich hier zu treffen.“ 
Petzensteiner hieß den Besucher mit einer freundlichen Geste eintreten und half ihm aus seinem mit kostbarem Pelz besetzten Mantel. 
Die beiden Männer umarmten sich und nahmen am Tisch Platz. Petzensteiner wusste nicht so recht, wohin mit sich. Er zog sich einen Stuhl heran und setzte sich neben die Tür. Falls noch mehr Besuch kam, würde er den Zerberus geben. Bestimmt war der Gast ein reicher Kaufmann, dachte er. Doch offensichtlich war er ein Gelehrter und ein sehr gewichtiger Politiker obendrein. Conrad Peutinger, so entnahm er dem Gespräch, hatte Martin das Leben gerettet, als er vor drei Jahren schon einmal zu einem Disput mit einem päpstlichen Kardinal in Augsburg erscheinen musste. 
„Das Verhör war nicht ungefährlich“, erinnerte sich Peutinger.
„Ich konnte mich gegen die Finten der Kurie nur schützen, indem ich mich noch und noch auf die Bibel berief. Und so werde ich‘s auch diesmal tun“, sagte Luther und tat einen großen Zug aus seinem Becher. 
„Ich befürchte, dass es hier in Worms keinen Disput geben wird. Die wollen sich nicht auf eine Diskussion mit dir einlassen, sondern dich lediglich verhören“, antwortete Peutinger besorgt, doch Martin schien ihm gar nicht zuzuhören. Die Erinnerung hatte ihn wohl noch fest in ihren Klauen: 
„Revocco! Revocco! Revocco sollst du sagen, dieses eine Wörtchen nur!“
„Lieber Luther!“ 
Peutinger sprach jetzt lauter. 
„In Augsburg habe ich dir noch zur Flucht verhelfen können. Hier werde ich das nicht wieder tun.“
„Jetzt kannst du dir so etwas nicht mehr leisten, du bist ja auch Berater des Kaisers.“ 
„So nahe bin ich nicht an ihm“, sagte Peutinger ruhig. 
„Aber Besonnenheit, das ist mein Rat für dich, ist mitunter mehr wert als Sturm und Drang.“
„Jetzt klingst du wie Erasmus!“, rief Martin aus.
„Ja, den Erasmus von Rotterdam verehre ich.“
Petzensteiner stand auf und schenkte Martin noch einmal Wein nach. So würde er sich wieder beruhigen, hoffte er. 
„Du bist doch dabei, wenn die Causa Lutheri verhandelt wird?“, fragte Luther seinen Gast.
„Gewiss. Und eines verspreche ich dir: Ich werde genaues Protokoll führen, damit die Wahrheit für alle Zeit erhalten bleibt.“
Während sich die beiden verabschiedeten und Petzensteiner Peutinger in seinen Mantel half, rief eine Stimme von draußen: „Kaum angekommen, steckt man schon die Köpfe zusammen.“
Die drei schauten sich verblüfft an. Die Tür wurde aufgerissen und ein schwer atmender, aber forsch dreinblickender Herr stand in der Kammer.
„Die Verbündeten aus Augsburg wollen auch in Worms gemeinsame Sache machen. Das überrascht mich nicht.“
Petzensteiner trat zur Seite, ging um den Neuankömmling herum und schloss hinter ihm die Tür. Den lautstarken Auftritt musste ja nicht das ganze Haus mitverfolgen. Der fremde Besucher schritt ohne Umschweife zum Tisch, warf seinen Mantel über einen Stuhl und setzte sich.
„Ich habe Euch doch nicht etwa bei wichtigen Vorabsprachen gestört?“, fragte er provozierend. 
Peutinger fand als erster seine Sprache wieder: „Ich war gerade im Begriff zu gehen, verehrter Conrad von Gingen. Aber ich muss sagen, Eure Auftritte werden von Jahr zu Jahr eindrucksvoller.“
„Mit der Bedeutung eines Mannes steigt auch seine Wirkung. Nicht wahr, lieber Doktor Luther, das kennt Ihr doch? Und bitte, meine Herren: Conrad Albrecht von Gingen. Und der Vollständigkeit halber Geheimsekretär des Johann IV. von Leuchtenberg.“ 
„Wir haben Eure Arbeit als Geheimsekretär in Augsburg nachdrücklich erfahren dürfen“, konterte Peutinger. 
„Ich bitte die Herren mich jetzt zu entschuldigen. Ich bin in den Bischofssitz gerufen.“
„Ihr habt Euch kräftig hochgedient, Peutinger.“
„Aufs Dienen verstehe ich mich nicht so gut wie Ihr. Aber ja, der Kaiser hat mich berufen.“
Peutinger verbeugte sich knapp und verließ rasch den Raum.
Petzensteiner setzte sich wieder auf seinen Stuhl neben der Tür. Was für ein unangenehmer Besucher. Erwartungsvoll schaute er zu seinem Bruder. Martin setzte sich ruhig dem Geheimsekretär gegenüber an den Tisch.
„Der Volksmund sagt ja, man trifft sich immer zweimal, verehrter von Gingen. Offensichtlich ist das die Wahrheit. Obgleich ich gestehe, dass ich manch einem Landsmann lieber nur einmal oder besser gar nicht begegnet wäre.“
„Lieber Doktor, ich komme nicht ganz freiwillig zu Euch.“
Von Gingen holte ein gesiegeltes Schreiben aus seinem Mantel. „Ich soll Euch diesen gemeinsam verfassten Brief von meinem Herrn, Johann IV. von Leuchtenberg und seinem Freund, Reichardt von Bayern, dem Burggrafen zu Amberg-Sulzbach, überbringen.“
Er schob den Brief über den Tisch. 
„Man fordert Euch – zum wiederholten Male, darf ich hinzufügen – zur sofortigen Umkehr auf. Allerdings sähen es die beiden Herren gern, wenn man miteinander in Verhandlung träte. Ich darf Euch also versichern, dass das ein sehr wohlwollendes Schreiben ist.“
Luther hielt den Brief abwägend in der Hand und sagte dann: „Wenn ich mich recht an Eure Rolle in Augsburg vor zwei Jahren erinnere, dann möchtet Ihr die Forderung an mich sicher nicht so wohlwollend formuliert wissen?“
„Das ist richtig. Ich genieße das volle Vertrauen der beiden Herren und darf mich durchaus zu den Freunden des Reichardt von Bayern zählen, aber mir steht die Anklage gegen Euch viel konsequenter vor Augen. Eure Geringschätzung der kirchlichen Gewalt und die mangelnde Ehrerbietung gegenüber dem päpstlichen Schlüsselamt tun ihr Übriges. Da gibt es kein Vertun. Ich bin in diesen Fragen ganz mit dem päpstlichen Nuntius.“
Von Gingen stand auf und nahm seinen Mantel.
„Ich hoffe, dass ich auch meinen Herrn und den Reichardt noch davon überzeugen kann, dass mit unerbittlicher Härte gegen Häretiker wie Euch vorgegangen werden muss.“
Martin blieb sitzen und schien nichts erwidern zu wollen. Er schaute nur auf den gesiegelten Brief in seiner Hand. Von Gingen schritt ebenso schneidig wie er eingetreten war zur Tür und öffnete sie. 
„Seit Augsburg habt Ihr die Zeit gut genutzt und habt den giftigen Odem Eurer Gedanken unter den Leuten verströmt. Aber verlasst Euch nicht auf den lauten Beifall des gemeinen Volkes. Das ist unberechenbar. Der Heilige Stuhl bleibt das Nonplusultra.“
Von Gingen hatte den letzten Satz mit bebender Stimme gesprochen. Er verließ das Zimmer und schlug die Tür hinter sich kräftig ins Schloss. Petzensteiner klebte fassungslos auf seinem Stuhl fest und konnte sich nicht rühren. Er blickte zu Martin hinüber, der mit dem Rücken zu ihm am Tisch saß. Martin schenkte sich Wein aus dem Krug ein und nahm einen kräftigen Zug. 
„Sendungsbewusstsein ist eine gefährliche Sache.“
Petzensteiner fand endlich die Kraft aufzustehen und trat zu seinem Bruder an den Tisch. „Mir läuft es kalt den Rücken herunter.“
„Von Gingen scheint nur ein eitler Affe, aber hinterrücks wetzt er die Messer“, sagte Martin nachdenklich.
„Auch er hat die Zeit genutzt, um seinen Einfluss zu vergrößern. Schon bei meinem ersten Verhör in Augsburg hat er im Hintergrund die Zähne gefletscht und als Sozius des Erzbischofs von Mainz agiert.“
Martin erzählte ihm von der Anzeige gegen ihn, die der Mainzer Erzbischof bereits vor knapp drei Jahren an den Papst gesandt und die den Stein ins Rollen gebracht hatte. Damals war von Gingen durch den Papst zum Mitverfasser der Anklageschrift bestellt worden. Er hatte seinerzeit bereits Johann von Leuchtenberg als Sekretär gedient. Dessen Freund, Reichardt von Bayern, wiederum hatte dem Hauptankläger Cajetan aus dem Hintergrund assistiert.
„Dort in Augsburg haben sie ihr Bündnis geschmiedet.“
Petzensteiner schaute auf den Brief, der immer noch ungeöffnet auf dem Tisch lag.
„Willst du den Brief nicht aufbrechen?“, fragte er.
„Später vielleicht.“
Martin schob den Brief von sich. Petzensteiner verstand seinen Gleichmut nicht. Er selbst war zu neugierig darauf, was darin stand.
„Aber von Gingen hat sich doch von dem Schreiben distanziert, oder?“ 
„Ja, das war unüberhörbar. Offensichtlich gehören Reichardt und von Leuchtenberg zu meinen eher gemäßigten Gegnern.“
Schlagartig merkte Petzensteiner, wie müde er war. Er nutzte die Gelegenheit, da Martin in Gedanken vertieft zu sein schien, und trat leise durch die Tür. Seine schmerzenden Knochen musste er jetzt unbedingt auf einem Lager ausstrecken. Über den Hof gelangte er in das Seitengebäude. Seine Kemenate lag unter der Treppe. Sie war kleiner als seine Klause im Kloster. An der Wand standen mehrere Besen und ein Kehrblech. Daneben lag ein Strohsack. Als er die Tür schloss, wurde es so dunkel, dass er keinen Unterschied merkte, wenn er die Augen schloss oder öffnete. Er tastete sich zu seinem Lager und legte sich nieder. Endlich! Wie gut er es doch hatte, während Luther weiter mit Adligen, Geistlichen und Gelehrten debattieren musste. Wer weiß, wie viele noch kamen. Wenn sich Martin nur nicht übernahm. Schließlich hatte er morgen einen schweren Gang zu gehen.

Über den Autor

Eckoldt, Matthias und Rese, Tatjana

Eckoldt, Matthias und Rese, Tatjana

Matthias Eckoldt debütierte 2000 mit dem Roman „moment of excellence“ im Eichborn Verlag. Seither veröffentlichte er den Prosaband „TopIdioten“, den Roman „Letzte Tage“ sowie mehrere Sachbücher (2016 erscheinen zwei Bücher in den Verlagen... mehr über den Autor

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