. .
BUCHstäblich NEU
Sie sind hier:

Christine Bernard. Das Mädchen aus einer anderen Welt
Krimi

Christine Bernard. Das Mädchen aus einer anderen Welt

Autor: Vieten, Michael E.

lieferbar


Produktart: Buch

Seiten: 276

Größe: 19,5x13,2

Sprache: deutsch

Auflage: 1 Originalausgabe

Verlag: acabus Verlag


Weitere Ausgaben / Einbände

ISBN: 9783862827398

Einband: Paperback

EUR 14,00

Artikel


  • Inhalt
  • Leseprobe
Sie kommen in der Nacht und stehlen Menschen.
Lina hat einen von ihnen getötet.
Sie werden ihn rächen.
Nun ist Lina allein und nirgendwo sicher.
Ein verängstigtes Mädchen, ihr wirres Mordgeständnis, viel Blut, aber keine Spur von der Leiche. Die Beamten der Trierer Kriminalpolizei ermitteln bis an den Rand des Vorstellbaren. Als sie ein grausames Netzwerk aufdecken, blicken sie in einen Abgrund und erkennen die Grenzen ihrer eigenen Macht.
Kommissarin Christine Bernards neuer Fall führt sie in eine fremde Welt und rüttelt an ihren persönlichen Überzeugungen.

Von Mäusen und Männern (zur PDF-Leseprobe)

Der schwere Audi brauste heran und hielt in zweiter Reihe. Rita stieg hinten ein. Hauptkommissar Kluge gab Gas. An der nächsten roten Ampel war die Fahrt bereits wieder vorbei.
„Die Kollegen von der Streife konnten Sebastian Ahlers nicht festnehmen. Er ist flüchtig. Die Fahndung ist raus.“
„Na ja, hat ja auch geregnet“, gab Rita von der Rückbank zu bedenken und spielte kurz und treffend auf die Aussage der beiden Polizeibeamten in ihrem Streifenwagen an.
Lauthals platzte es aus Christine heraus. Sie erschrak selbst darüber und hielt sich ihre Hand vor den Mund. Rita gackerte im Fond des Wagens.
Torsten Kluges Blick wechselte verstört von seiner Kollegin zu der Praktikantin im Innenspiegel auf der Rückbank.
„Habe ich was verpasst?“
Christine nickte mit Tränen in den Augen und erklärte die Situation.

Plötzlich meldete sich die Einsatzzentrale über Digitalfunk. „Häusliche Gewalt mit verletzten Personen. Zwei Kollegen bereits vor Ort. Opfern droht Lebensgefahr. Achtung! Täter ist bewaffnet!“
Verfügbare Einsatzkräfte wurden um Unterstützung gebeten. Es folgten die Adresse und noch einmal die Warnung, dass es sich um einen bewaffneten Täter handelte.
Hauptkommissar Kluge reagierte sofort. Er schaltete das Sondersignal ein und stellte das Blaulicht auf das Dach. Dann scherte er aus der Schlange wartender Fahrzeuge aus und tastete sich in die Kreuzung hinein. So vorsichtig wie möglich und so bestimmt wie nötig zwang er den Querverkehr zum Bremsen und gab kräftig Gas. Rita wurde in die Sitzbank gedrückt. Christine teilte der Zentrale per Funk mit, dass sie zur Einsatzstelle unterwegs waren.
Der schwere Wagen donnerte über die Moseluferstraße. Vorbei an abgedrängten Fahrzeugen oder über die Gegenfahrbahn.
Kommissarin Bernard kontrollierte ihre Dienstwaffe. Torsten warf den Audi in die nächste Kurve. Rita klammerte sich an den Haltegriff am Dach des Kombis.

Der Einsatzort war nicht zu übersehen. Menschentrauben hatten sich vor dem Haus gebildet. Der Streifenwagen der Kollegen stand quer auf der Straße. Hauptkommissar Kluge bremste hart.
Christine sprang aus dem Wagen und steckte ihren Kopf noch einmal hinein.
„Du bleibst da sitzen!“, befahl sie. „Du steigst nicht aus! Egal, was passiert! Hast du mich verstanden?“
Rita nickte, etwas blass im Gesicht.
Kommissarin Bernard warf die Tür zu und folgte dem vorauseilenden Torsten Kluge.
Mit der Waffe im Anschlag betraten sie das Haus.
Von oben hörten sie Gebrüll. Offenbar der unbekannte Täter. Kommandos wurden gerufen, in einer anderen Stimmlage. Wahrscheinlich die Kollegen von der Streife.
„Polizei!“, brüllte Torsten.
„Erster Stock“, kam sofort die Antwort. „Achtung, Schusswaffengebrauch!“
„Ich knall euch alle ab!“, mischte sich eine fremde Stimme darunter.
Zwei Schüsse fielen.
Christine dachte an ihre schusssichere Weste.
Mist. Die lag im Kofferraum.

Sie stiegen die Stufen hinauf.
Auf dem Treppenabsatz lag ein Beamter. Zusammengekrümmt und blutend. Er stöhnte und schwitzte stark.
Auf der Straße vor dem Haus dröhnten Martinshörner. Reifen quietschten.
„Polizei!“, rief ein Streifenpolizist unter ihnen im Hausflur.
„Kollege mit schwerer Schussverletzung. Wir brauchen einen Arzt. Sofort!“, rief Christine.
Ihre Hände zitterten. Ihr Körper flutete sie mit Adrenalin. Sie lud ihre Pistole durch, entsicherte sie, stieg die Stufen weiter hinauf und sicherte Torstens Rücken.
Aus der Wohnung auf der linken Seite fielen wieder Schüsse. Zwei. Drei. Vier. Die letzten beiden klangen anders. Der Kollege schoss zurück.
Hauptkommissar Kluge betrat den ersten Raum und verschwand somit für einen Moment aus Christines Blickfeld. Schnell schloss sie auf und warf einen kurzen Blick in die Wohnung. Sie sah einen Flur. Blutspuren auf dem Boden. Dahinter befand sich eine Küche. Eine blutende Frau in einem schwarz-weißen Kostüm lag dort, bekleidet mit einem knappen Rock. Zwei Mausohren steckten auf ihrem Kopf. Die Nase war schwarz geschminkt, der Mund knallrot. Sie hatte sich Schnurrhaare auf die Wangen gemalt.
„Karneval?“, rätselte Kommissarin Bernard.
Aber es war Juli.

Der Blick der Maus war leer. Blaue Augen starrten an die Decke.
Unten rückten die Kollegen nach. Den Geräuschen nach zu urteilen, war ein Notarzt eingetroffen und kümmerte sich um den verletzten Polizisten.
Hauptkommissar Kluge arbeitete sich in das Wohnzimmer vor. Hinter einem Sofa kauerte der Beamte. In dem Raum nebenan brüllte ein Mann.
„Ich leg sie um. Verschwindet!“
Christine blieb an der Tür zur Küche stehen und zielte auf den Durchgang zum Nebenraum. Ein Spiegelschrank ermöglichte ihr einen Blick in das Zimmer. Dort stand ein Bett. Die Ecke einer Kommode und das Fenster waren zu sehen. Hinter dem Bett kauerten ein bärtiger Mann und eine Frau. Die Frau war wie eine Katze verkleidet und geschminkt. Doch Kommissarin Bernard hatte keine Zeit, darüber nachzudenken, was der seltsame Aufzug der beiden Frauen zu bedeuten hatte.

Torsten gab ihr zu verstehen, dass er auf die andere Seite des Durchgangs zum Schlafzimmer wechseln wollte. Das bedeutete, er würde für einen Moment ungeschützt sein. Und der Schütze im Raum nebenan wartete bestimmt nur auf einen solchen Fehler.
Christine musste also aufrücken und den Mann in Schach halten und damit Torsten Deckung geben.
Sie betrat das Wohnzimmer und drückte sich in der Nähe der Tür an die Wand zum Schlafzimmer.
„Ich bin Kommissarin Bernard. Wie ist Ihr Name?“, versuchte sie, die Aufmerksamkeit des Mannes auf sich zu lenken.
„Leck mich!“
„Geben Sie auf. Das Haus ist umstellt.“
„Eher leg ich sie um!“
„Lassen Sie sie gehen. Sie stirbt vor Angst.“
„Die Schlampe stirbt sowieso!“
„Wer ist die Frau in der Küche?“
„Auch ’ne Schlampe!“
„Was bedeutet die Verkleidung?“
„Was geht’s dich an? Verpiss dich!“
Hauptkommissar Kluge entschied, dass nun der richtige Moment sei, die Seite zu wechseln. Zwei schnelle Schritte brachten ihn in die gewünschte Position.
„Ihr Schweine! Haut endlich ab!“
Der Mann im Schlafzimmer brüllte, aber er hatte nicht geschossen.
Was konnte das bedeuten?
Ging ihm die Munition aus? Wollte er Munition sparen? Wofür? Um die Frau noch erschießen zu können?
Sie mussten schnell handeln! Torsten Kluge war offenbar zu der gleichen Überzeugung gelangt.
Christine hasste solche Momente. In wenigen Sekunden würde sich entscheiden, wer diese Wohnung lebend verließ. Wer blieb unversehrt? Wer nicht? War sie es diesmal, die sich den Rest des Lebens mit den Folgen einer schweren Verletzung abfinden musste oder gar mit Schlimmerem?
Sie holte tief Luft. Sie spürte ihren Blutdruck im Nacken. Sie schaute zu Torsten. Verheiratet. Vater zweier Kinder.
Und sie? Verliebt. Sie dachte an Torben. Das vor ihr liegende Leben mit ihm. Sie erinnerte sich an die Zuversicht ihres Vaters und an die Zweifel ihrer Mutter, nachdem sie entschieden hatte, zur Polizei zu gehen.
Torsten zählte mit den Fingern vor. Drei, zwei, eins …

Sie stellte sich in den Durchgang. Die Dienstwaffe auf den Mann gerichtet. Hauptkommissar Kluge stürmte in das Zimmer und rempelte sie an. Für einen Moment verlor sie ihr Ziel aus dem Visier. Plötzlich zielte ihre Pistole auf die Frau. Christine erschrak und zuckte mit dem Finger vom Abzug weg, aus Angst vor einem unbeabsichtigt abgegebenen Schuss. Die verweinten Augen der Frau erschienen über dem Lauf ihrer Dienstwaffe, Schminke lief ihr schwarz über die Wangen. Sofort korrigierte Kommissarin Bernard ihre Körperhaltung und richtete ihre Waffe wieder auf den Mann. Der riss seine Pistole hoch und zielte auf sie. Neben ihr löste sich ein Schuss. Torsten feuerte! Der Mann war getroffen. An der Schulter. Blut spritzte auf das Bett und in das Gesicht der Frau. Eine große Arterie war offenbar verletzt worden. Er fiel nach hinten und zog dabei den Abzug seiner Pistole durch. Christine sah den Pulverdampf auf sich zurasen. Das Projektil verfehlte sie um einen Hauch von einer Haaresbreite. Sie spürte es heiß an ihrem linken Auge vorbeizischen. Dann schlug es in den Türrahmen, riss Holzsplitter und Lack mit sich und Putz aus der Wand, der auf sie nieder rieselte.
Der wütende Mann blieb auf dem Rücken liegen und richtete seine Pistole gegen die Frau. Sie duckte sich weg. Christine stürmte nach vorn. Noch bevor sie zielen konnte, schoss der Mann auf die Frau und verletzte sie am Oberarm. Blut und Gewebe spritzten Kommissarin Bernard ins Gesicht. Dann waren sie bei ihm. Torsten warf sich auf den Schützen und sie sich auf dessen Arm mit der Waffe in der Hand. Der Verschluss stand offen. Es war vorbei. Keine Munition mehr. Sie entriss der Hand die Pistole und warf sie hinter sich.
Der Mann unter ihr tobte und trampelte mit den Füßen. Er traf ihr linkes Knie. Sie schrie vor Schmerz. Der Hauptkommissar presste ihn zu Boden.

Über den Autor

Vieten, Michael E.

Vieten, Michael E.

Michael E. Vieten. Jahrgang 1962. Aufgewachsen in Düsseldorf und Ratingen. Hat danach den Großteil seines Lebens im Norden Deutschlands verbracht. Lebt und arbeitet heute im Hunsrück mit Blick auf den Hochwald. Gelernter Hotelkaufmann, später Wechsel in die IT-Branche.... mehr über den Autor

Bewerten und Kommentieren

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus.

 
Design by MKD Mediengestaltung