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Samson und die STADT des bleichen Teufels
Ein STADTroman

Samson und die STADT des bleichen Teufels

Autor: Dresen, Andreas

lieferbar


Produktart: Buch

Seiten: 372

Größe: 20,5 x 14,0 cm

Sprache: Deutsch

Auflage: 1 Erstauflage

Verlag: acabus Verlag

ISBN: 9783862820559

Einband: Paperback

zum eBook

EUR 14,90

Artikel


  • Inhalt
  • Leseprobe
  • Rezension
Die STADT versinkt im Chaos. Nach Mortons Sturz kämpfen nun andere um die Macht, und die entfesselten Hexen scheinen diesen Kampf zu gewinnen ... Verzweifelt schickt der zerstrittene STADTrat nach Fahrat, doch der Schwertler ist im sagenumwobenen Dschungel von Tarda Tekbat verschollen. Da wird Samson, ein ungepflegter, junger Außenseiter, unversehens zum Spielball der rivalisierenden Kräfte. Er gerät mitten hinein in den Kampf um die STADT, von deren Existenz er bislang nicht den blassesten Schimmer hatte. Doch warum haben es der Unterweltkönig Devil Malone, hungrige Krenken, Bluthunde und rachsüchtige Hexen auf den Jungen abgesehen? Hat es mit seiner mysteriösen Herkunft zu tun? Als Fahrat endlich auftaucht und sich auf die Seite des Jungen schlägt, läuft ihnen bereits die Zeit davon, denn der Hexensabbat naht ... Der neue STADTroman von Erfolgsautor Andreas Dresen führt die Leser noch tiefer hinein in die Straßenschluchten und die Geheimnisse der STADT und ihrer fantastischen Bewohner. Fahrats Abenteuer ist noch längst nicht vorüber, und er muss es mehr denn je mit seiner eigenen Familiengeschichte und seinen Ängsten aufnehmen, um dem jungen Samson - und einer alten Freundin - beizustehen.
Devil Malone:
Devil Malone wartete geduldig. Er hatte Zeit. Alles lief, wie er es wollte. Er starrte in die Dunkelheit. Es tropfte von der Decke. Das stetige Rauschen des Flusses übertönte die meisten Geräusche, trotzdem hörte Devil die Tropfen auf den kalten Stein aufschlagen. Er nahm einen tiefen Zug von seiner Zigarette, ließ den Rauch um sein Gesicht wabern. Es war ungemütlich kalt hier. Obwohl der nächste Ausgang zur oberen Welt kilometerweit fort sein musste, pfiff ein eisiger Wind durch diese Höhle. Er rückte den weißen Schal zurecht, den er sich um den Hals geschlungen hatte. Der dunkle Anzug war kein wirklicher Schutz gegen die beißende Kälte, auch das dünne, weiße Hemd mit der schmalen, eleganten Krawatte nicht. Doch darauf kam es auch nicht an. Devil zog erneut an der Zigarette, die Glut erleuchtete die Dunkelheit um ihn herum. Er konnte nur wenig erkennen, da es stockfinster war, aber er wusste, nur ein paar Meter hinter ihm war der Eingang nach Dark Vegas, der Weg zurück zum Licht. Auch wenn es nur ein schummriges, flackerndes, ewig künstliches Licht war. Der Gedanke an Licht und Helligkeit ließen Devil unruhig werden. Er rutschte von einem Fuß auf den anderen. Kurz blickte er sich um, aber hier war niemand. Nur er, der Fluss und die Kälte in der Dunkelheit. Schnell schnippte er den Zigarettenstummel in die reißenden Fluten und griff in die Innentasche seines Jacketts. Heraus zog er ein kleines Päckchen, das durch eine dunkle Schutzfolie schwach schimmerte. Noch einmal vergewisserte Devil sich, dass ihn niemand sah. Eine solche Schwäche würde hier unten schnell ausgenutzt werden, das wusste er. Trotzdem, er brauchte das jetzt. Er schloss die Augen und riss mit einem energischen Ruck die Schutzfolie von dem Päckchen. Ein gleißender Lichtstrahl brach aus dem Pack hervor und erhellte Devils Gesicht in einem warmen Glanz. Er brauchte das. Schnell und heimlich legte er sich die kühle Lichtkompresse auf die Augen. Durch die geschlossenen Lider flutete kurz und heftig ein helles Strahlen. Es erfüllte sein gesamtes Blickfeld. Devil spürte, wie das Licht seinen Körper erwärmte. Es floss durch seine Adern, kleine chemische Reaktionen auslösend, umspülte sein Herz, verkrampfte seinen Magen in der Sehnsucht nach mehr und enthob ihn für einen kurzen Augenblick allen irdischen Daseins. Er atmete tief ein, gerade so, als wollte er das Licht aufsaugen. Er stöhnte leise, als seine Muskeln sich entspannten und seine Lippen sich zu einem leichten Lächeln verzogen. Dann ließ die Wirkung viel zu schnell nach. Devil öffnete die Augen und blickte verschämt um sich, ob ihn jemand beobachtete hatte. Bald schon, dachte er, bald bin ich nicht mehr auf diese Instantlösung angewiesen. Sie werden mich nicht auf ewig in diesem Loch halten können. Ich werde kommen und mir holen, was mir zusteht. Dann war es vorbei. Das Licht war aufgebraucht und die Dunkelheit kroch umso stärker wieder zurück. Devil schauderte. Ich habe es unter Kontrolle, dachte er. Kein Problem. Er blinzelte und richtete seinen Blick wieder auf den Fluss. War da was? Er war sich nicht sicher, ob ihm seine Augen einen Streich spielten und er durch den Lichtschuss nun Flecken vor den Augen hatte, oder ob er wirklich ein Licht sah. Dort drüben am anderen Ufer des Flusses, oder besser gesagt dort, wo er das andere Ufer des Flusses vermutete. Devil war natürlich noch nie drüben gewesen und er hoffte, diesen Besuch auch noch sehr lange hinausschieben zu können. Er sah noch einmal genauer hin. Na endlich, dachte er, als er sicher war, dass sich dort, schwankend auf den tosenden Fluten, ein kleines, aber helles Licht näherte. Devil wartete, behielt das Licht im Auge. Er fragte sich schon lange nicht mehr, wie der alte Mann sein Boot mit nur einem Stab über den reißenden Fluss übersetzen konnte. Das war und blieb das Geheimnis des Fährmanns. Hallo, alter Mann , sagte Devil, als das Boot vor ihm am Ufer anlegte. Die Wellen tosten an seinem Rumpf, aber das kleine Schiff blieb so ruhig, als triebe es an einem Sommernachmittag auf einem friedlichen Tümpel. Ich möchte dir ein Geschäft vorschlagen. Ich bin der Fährmann, ich bin unbestechlich , sagte der Fährmann. Devil seufzte. Er hörte diesen Spruch nun jedes Mal, wenn er einen Toten in Empfang nahm. Das schien für den Alten zum Spiel zu gehören. Schließlich war es eigentlich seine Aufgabe, die Verstorbenen auf die andere Seite des Flusses zu bringen – und nicht wieder zurück. Doch jeder hat seine Schwachstellen. Aber du bist käuflich , lachte Devil Malone böse und drückte ihm etwas Geld in die Hand. Ich will dein Blutgeld nicht. Der Fährmann verzog das Gesicht, ließ das Geld aber nicht los. Was soll ich damit auch hier unten? Wenn du mich nicht in der Hand hättest … Ach komm, lass doch die alten Geschichten. Du könntest gelegentlich in meine Räumlichkeiten kommen. Nette Gesellschaft ist garantiert! Du bist doch so allein. Und bei uns werden die Karten immer wieder neu gemischt. Gespielt wird immer und der Einsatz ist manchmal zu hoch – und das obwohl die meisten schon ihre Seele verspielt haben. Devil lachte dreckig. Als er merkte, dass der Fährmann keine Miene verzog, lachte er noch etwas lauter. Los, steig aus. Der Fährmann hatte sich umgedreht und sprach nun mit seinem Gast. Der Mann, der bisher irritiert auf der Rückbank gesessen hatte, stand unsicher auf und trat nach vorne. Vorsichtig kletterte er auf den rutschigen Felsen, stand dann unschlüssig neben Devil Malone. Man hat für dich bezahlt. Der Verstorbene blickte Devil nur verständnislos an. Deine Familie hat alles, was sie hatte, gegeben, damit ich dich vom Tod errette. Und du siehst, ich habe ein weiches Herz. Ich habe meine Beziehungen spielen lassen und habe dich dem Tod abgekauft. Der Mann blickte ihn immer noch an, als würde er überhaupt nicht verstehen, was hier vor sich ging. Vor wenigen Stunden noch war er bei seiner Familie gewesen. Seine fünf Kinder hatten gebrüllt, waren durch die kleine Zwei-Zimmer-Wohnung getobt. Seine Frau hatte abwechselnd geweint oder geschrien und die Nachbarn standen im 10-Minuten-Takt vor seiner Tür und beschwerten sich. Er war nur mal kurz vor die Tür gegangen, um zum Kiosk zu laufen. Dort, wo der Verrückte mit dem schäbigen Hut immer stand. Hatte er die Straße überquert? War er überfahren worden? Er konnte sich nicht daran erinnern. Er wusste nur, dass es plötzlich dunkel geworden war. Stimmen hatte er noch gehört, aufgeregte, aber auch ruhige. Aber da hatte ihn die Dunkelheit schon so angezogen, dass er nicht mehr darauf gehört hatte. Stille war über ihn geschwappt, wie eine Woge dunklen, warmen Wassers. Als er zu sich gekommen war, saß er bereits im Boot des Fährmanns. Bist du mir dankbar? Devil lächelte ihn freundlich an. Er nickte. Das solltest du auch sein. Malone machte eine kleine Pause und führte den Verstorbenen vom Fluss weg. Langsam gingen sie auf den Ausgang zu. Das leichte Flackern von Neonröhren durchdrang die Dunkelheit. Ich habe dich vor dem Tod, vor der Dunkelheit und der ewigen Verdammnis gerettet, weil deine Familie mich darum gebeten hat. Weißt du, ich habe ein gutes Herz und tue anderen gerne einen Gefallen. Verstehst du das? Der Verstorbene nickte. Er verstand überhaupt nichts. Wieso durfte er nicht in der Dunkelheit bleiben? Dort, wo es warm und ewig war? Dort hatte er sich aufgehoben gefühlt. Die Erinnerung an seine Familie war bereits blasser geworden, wie alle Erinnerungen an sein Leben. Seine Frau war schön gewesen, auch ihr Name passte zu ihr … Doch er konnte sich bereits nicht mehr wirklich daran erinnern. Nun bist du hier. Leider … Devil hob bedauernd die Augenbrauen leider deckte das Vermögen deiner Familie nicht ganz die Ausgaben, die ich hatte, um dich da rauszuholen. Du warst nicht besonders sparsam, oder? Der Verstorbene räusperte sich, erinnerte sich kurz an sein altes Leben. Die Kinder … fünf Stück … und dann war der Job weg … Ja, ja, so hat jeder sein Päckchen zu tragen. Aber ich möchte dir helfen. Ich möchte dir ein Geschäft vorschlagen. Du wirst verstehen, dass ich dich so nicht einfach wieder nach oben lassen kann. Ich bin das finanzielle Risiko eingegangen und habe für dich gebürgt. Bevor du zu deiner Familie zurück kannst, fände ich es schön, wenn du dich an unserer kleinen … Transaktion beteiligen würdest. Schließlich hast du die ganze Unruhe verursacht, nicht wahr? Devil lachte. Sie waren durch einen langen, gekachelten Korridor gegangen, hell erleuchtet durch Neonröhren. Devil war stehengeblieben und griff nach einer der beiden Türen am Ende des Korridors, hielt aber noch kurz inne. Also abgemacht? Du hilfst mir, deine Schulden abzutragen. Danach … kannst du gehen, wohin du willst. Ok? Der Verstorbene nickte. Wie lange? Viel kürzer als die Ewigkeit. Vielleicht ein-, zweihundert Jahre? Aber dann ist doch meine Familie längst tot! Devil lachte. Das ist doch nicht meine Schuld. Wenn du willst, kann ich sie für dich freikaufen, wenn du dann Geld hast. Er öffnete die Tür. Hitze schlug ihnen entgegen, ließ den Verstorbenen zurücktaumeln. Doch Devil packte ihn an der Schulter und drückte ihn hinein. Der Schrei des Mannes wurde gedämpft, als sich die schalldichte Tür schnell und fest wieder schloss. Er hatte heute ein gutes Geschäft gemacht. Devil lachte dreckig und überlegte, ob er sich die Kompresse schnell noch einmal auflegen sollte. Er hatte das Gefühl, dass die Wirkung des Lichtes immer schneller verging. Ich habe es unter Kontrolle, sagte er sich und steckte die Kompresse in die Tasche. Ich werde in die STADT zurückkehren und dann kann ich jeden Tag in der Sonne liegen. Und sie können nichts dagegen tun! Sie werden mich auf Knien bitten zu kommen! Und der Junge wird mir dabei helfen. Wieder lachte er dreckig. Dann, als er sich überzeugt hatte, dass ihn niemand sah, legte er sich doch schnell noch einmal die Kompresse auf die Augen.

Auf lesendes-katzenpersonal.blogspot.de, von Kerstin Stutzke (24.08.2012)


Eine gelungene Fortsetzung! Der Plot wurde sehr detailliert und facettenreich ausgearbeitet und auch in diesem Band tauchen wieder die herrlichsten Wesen ala Hausgötter, Maschinenwesen und ähnliches auf. Den Schreibstil empfand ich als sehr verständlich und ansprechend gehalten, sodass ich mir die jeweiligen Szenen jederzeit bildlich vorstellen konne. Auch die Figuren, allen voran die Anti-Helden Fahrat und Samson, wurden mir sehr viel Tiefe und Liebe zum Detail ins Szene gesetzt. Das Ende des Buches lässt in diesem Fall auf eine Fortsetzung hoffen, die hoffentlich bald erscheinen wird, ich bin nämlich unheimlich gespannt, wie die Geschichte zwischen Fahrat und seinem Vater ausgehen wird.

5 von 5 Katzenpfoten.

Online: http://lesendes-katzenpersonal.blogspot.de/2012/08/rezension-andreas-dresen-samson-und-die.html


Im Fandom Observer Nr 278, von Manfred Müller (August 2012)

 
Tötet die Hexe! Rettet die Hexe!
 
Ohne seinen Rucksack wäre Fahrat, der Schwertler, aufgeschmissen. Womit sollte er sonst die gesammelten Köstlichkeiten transportieren, die ihm als Vorrat dienen und die er wie beiläufig unterwegs aufsammelt und zubereitet? Mitten im Dschungel, auf der Flucht vor tödlichen Maschinen, die nach dem großen Krieg ein magisches Eigenleben entwickelt haben. Beneidenswert: wofür unsereins zumindest ein Survival-Messer Marke Rambo bräuchte, um bei karger Dschungelnahrung notdürftig zu überleben, das erledigt Fahrat so nebenbei und das kulinarisch durchaus akzeptabel.
Der Autor kennt sich aus: Andreas Dresen pflegt einen eigenen Gemüsegarten, um den Speisezettel aufzubessern und möchte auch unbedingt wissen, was man vom Wegesrand so essen kann. Überhaupt hat er einige Merkmale mit seiner Hauptfigur gemeinsam, das Besonnene zum Beispiel. Nur eines nicht: Anders als Fahrat hat er keinen Wohlstandsbauch.

Nein, dieser zweite STADT-Roman ist kein Dschungelabenteuer. Fahrat wurde im ersten Band in die Stadt der Maschinen verschlagen und kehrt nun mit etwas zurück, das mit „deus ex machina“ ganz treffend beschrieben ist, sowohl dramaturgisch als auch funktional.
Eigentlich geht es um Samson und der hat es gar nicht gut erwischt: Vater unbekannt, Mutter früh verstorben, diverse Pflegefamilien, ein Verlierer, wie er im Buche steht. Er wird rumgeschubst und hat keine hohe Meinung von sich selbst. Schließlich lernt er die unangenehme Emily LaGrange kennen, die nicht nur etwas über seine verstorbene Mutter zu wissen scheint. Die Begegnung mit ihr beschert ihm noch etwas: die Sicht auf die STADT in der Stadt, auf die Wesen der Anderswelt, Schindellecker zum Beispiel, die auf den Dächern sitzen, oder den Hausgott in seiner Mietskaserne. Erschreckend!

Es fügt sich, daß sich Fahrat und Samson über den Weg laufen. Fahrat will eine Hexe retten, seine vom Tode bedrohte Freundin Baddha, die wir aus dem ersten Teil kennen, Samson jedoch erfährt Dinge, die ihn alle Vorsicht vergessen lassen und ihn mit einem einzigen Wunsch erfüllen: Emily zu töten. Die jedoch ist auch eine Hexe und so leicht lassen sich Hexen nicht töten, zumal, wenn sie mächtige Verbündete haben wie den undurchsichtigen Kriminellen Devil Malone, der in die Unterwelt verbannt wurde. Zu allem Unglück bleibt unseren Helden nicht viel Zeit …

Dieser zweite STADT-Roman ist fast doppelt so umfangreich wie der erste und der Autor hat den Raum genutzt, um seinen Figuren, den bekannten wie den neuen, mehr Leben einzuhauchen. „Ava“, sein Debüt, zehrte noch von der Idee der STADT in der Stadt, von den aberwitzigen Schauplätzen und den verrückten Nebenfiguren allein. Der Nachfolgeband muß da schon ein Scheit nachlegen und das gelingt Andreas Dresen vor allem in der Tiefe seiner Charaktere.

Wieder legt er einen Parcours durch ein skurriles Panoptikum an – ein Pfund, mit dem er wuchert –, wieder verblüfft er mit alltäglichem Dekor wie der STADTkarawane, den Kreaturen im Devils Inn oder liebenswert verrückten Nebenfiguren wie dem Wirren Walter, doch die tragende Idee ist ja nun bekannt, wir Leser wissen, daß diese Stadt eine weitere Wirklichkeitsebene besitzt. Da schaut man auch schon mal am irrwitzigen Dekor vorbei auf die Geschichte und wie sie so läuft:
Zwei Jungs treffen sich, der eine will sein Mädchen retten, während er von einem anderen verfolgt wird, der andere hat kein Mädchen und entpuppt sich hinter der Maske des verschüchterten Feiglings als blindwütiger Draufgänger, der nur ein Ziel kennt: Rache. Das ist die Geschichte. Genügt das?
Erstaunlicherweise ja. Die Dramaturgie hat ihre hanebüchenen Wendungen und haarsträubenden Übergänge, aber man nimmt es der Geschichte nicht krumm, weil die ganze Szenerie haarsträubend ist. Das bügelt sich beim Lesen glatt, weil man die nächste Szene sehen will, die nächste liebevoll ausgestaltete Figur, den nächsten irren Schauplatz. Und davon hätte es noch viel mehr gegeben, wäre dem Lektorat nicht ein Fünftel des Textes zum Opfer gefallen – Dresen zufolge hat der Schnitt der Geschichte gutgetan, sie geradliniger gemacht. Das glaubt man gern, denn vor so einem Hintergrund abzuschweifen muß sehr einfach sein.

Es nimmt kein wirklich böses Ende, jeder kriegt, was er verdient. Es gibt auch keine wirklich Bösen. Nun, es gibt schon sehr böse Figuren, aber sie sind nicht wirklich bedrohlich. Also, eigentlich sind es echte Fieslinge, aber sie haben auch ihre Probleme … Es ist schwierig.
Das Problem erinnert ein wenig an Pratchett. Auch da fällt es schwer, die Antagonisten abscheulich zu finden. Der ironische Unterton ist im Weg. Davon hat Dresen nicht soviel, aber es gibt Stellen, da möchte man ihm zu mehr Ironie raten, da möchte man ihm empfehlen, vollends zur Groteske überzugehen, denn immer dann, wenn er Gegebenheiten aus unserer Wirklichkeit vor dem Hintergrund der STADT konterkariert, Bürokratie zum Beispiel, wird er amüsant und stilistisch überzeugend.

So hat man das Gefühl, als seien wir noch nicht am Ende des Weges angelangt, als sei das Potential nicht ausgeschöpft. Dresen ist oft zu nett zu seinen Figuren. An mehreren Stellen läßt er sie umfänglich ihre Motive darlegen, anstatt den Konflikt oder das Ab­surde einfach stehenzulassen. Das tut nicht jeder Figur gut. Fahrat kommt noch unbeschadet davon, weil er ohnehin viel redet, doch warum sollte ein abgebrühter Typ wie Devil Malone gegenüber einem Feind so viel über seine Gefühle reden? In einem Super­heldencomic wäre das der Augenblick, wo der Held zum finalen Schlag ansetzt …
Viele Stimmen in der Szene tun sich schwer, Kleinverlagstiteln wie diesem einen eigenen Stellenwert einzuräumen. Andreas Dresen ist sowohl von den Sujets als auch vom schriftstellerischen Vermögen her jedoch einen großen Schritt weiter als andere, die vor den Zeiten von ebook und print-on-demand ausschließlich in Fanzines veröffentlichen konnten. Er hat sich kontinuierlich weiterentwickelt und schon zwischen seinem Debüt und diesem zweiten STADT-Roman – dazwischen erschien auch noch der postapokalyptische Titel „Das Buch des Hüters“ – hat eine erkennbar positive Entwicklung stattgefunden.

Stilistisch gibt es hier wenig zu bekritteln, dramaturgisch gibt es noch Luft nach oben, aber was die Ausgestaltung angeht, da ist Dresen schon ganz vorn mit dabei. Das Etikett des „Hieronymus Bosch der deutschen Urban Fantasy“ hat er sich jedenfalls jetzt schon verdient.
 
Online: http://www.fandomobserver.de/pdf/278.pdf

Auf Buchwelten.wordpress.com, von Marion Gallus (16.07.2012)


Nach dem Sturz des schwarzen Engels Morton herrscht Chaos in der STADT. Die Hexen haben ihren Anführer verloren und sind außer Rand und Band. Schuld geben sie Baddah, der Hexe aus dem ersten Teil, und sie versuchen sie dementsprechend zu bestrafen.

Der STADTrat ruft nach Fahrat, er soll helfen wieder Ordnung in die STADT zu bringen, doch der ist derzeit im Dschungel unterwegs und folgt den Spuren seines legendären Großvaters. Doch Meera, seine „grüne“ Bekannte schafft es, ihn aufzuspüren und zurück in die STADT zu bringen.

In etwa zur gleichen Zeit eröffnet sich dem jungen Mann Samson der Blick auf die STADT, aufgewachsen ist er in der Stadt der Menschen, die Wesen der Zwischenwelt konnte er nie sehen. Als er plötzlich die neue Sicht auf die STADT innehat, ist er zunächst einmal kurz davor den Verstand zu verlieren. Seltsame Wesen hocken auf den Dächern und schlecken die Schindeln ab, im Badezimmer kreuzt auf einmal eine seltsame Figur auf, die sich ihm als Hausgott vorstellt.

Als hätte Samson mit diesen vielen neuen Eindrücken nicht schon genug zu tun, wird er auf einmal von dunklen Wesen verfolgt. Plötzlich muss er erkennen, dass seine Nachbarin eine Hexe ist, die offensichtlich irgendetwas mit dem ominösen Tod seiner Mutter zu tun hat.

Fahrat und Samson treffen aufeinander und machen sich gemeinsam auf den Weg, die STADT vor großem Unheil zu bewahren. Denn zeitgleich mit dem Jahrmarkt findet der Hexensabbat statt und dort wird es den entscheidenden Endkampf um die Zukunft der STADT geben. Und wenn diese Entscheidung hervorbringt, dass der düstere Unterweltler Devil Melone wieder an die Oberfläche der STADT gelangt, darf einfach nicht passieren.
Die zwei Männer haben ein Abenteuer zu bestreiten, dass eigentlich viel mehr ist: Ein gefährlicher Kampf gegen das Böse der STADT und sie sind dabei nicht wenigen Gefahren ausgesetzt …

Dieser zweite Teil des STADT-Romans knüpft nahtlos an die Handlung des ersten Romans „AVA und die Stadt des schwarzen Engels“ an.
Schreibtechnisch hat sich der Autor aus meiner Sicht gesteigert, wie ich vermutet und erwartet hatte. Er hat hier noch ausführlicher geschrieben, sich viele verrückte Wesen ausgedacht und auch schöne Schauplätze erschaffen.

Zuviel möchte ich nicht verraten, denn auf diese fantastische Reise sollte sich jeder begeben, der gerne Fantasy liest. Nein, es gibt keine Trolle und Elfen auch nicht ;-).
Heftige Kampfszenen wechseln sich mit ruhigen ab. Es gibt liebevolle Momente, die wiederum von dunklen Szenen abgelöst werden.

Andreas Dresen erzählt diesen zweiten Teil zunächst in zwei Handlungssträngen. Der erste beschreibt den Weg des jungen Samson und der zweite begleitet den schon bekannten Schwertler Fahrat.
Später verknüpfen sich diese Handlungsstränge, als sich die beiden zusammentun und gemeinsam unterwegs sind.

Langeweile kommt nicht auf, dafür gibt es zuviel Abwechslung auf den 368 Buchseiten.
Ich hatte großen Spaß beim Lesen und die verrückten Figuren, die Dresen erschaffen hat, gefallen mir sehr. Es gibt z.B. Schildkrötenkarawanen, Kuschelbälle, die echt garstig sind und schöne grüne Frauen.

Auch die alte griechische Mythologie hat der Autor sehr gut in die Handlung eingebaut. So trifft der Leser auf den Fährmann des Styx und ist nicht einmal verwundert. Er ist so stimmig in die Handlung verknüpft, dass es einfach passt.
Diese ganze Geschichte wirkt für mich nicht einmal völlig fantastisch abgedreht, wahrscheinlich weil Dresen diese Zwischenwelt der STADT so nahtlos in die Welt eingebaut hat, die wir kennen und sehen (wollen?).

Der Roman wird vom ACABUS Verlag wieder als Taschenbuch präsentiert. Das Cover ist fast identisch mit dem des ersten Teils. Die Farbe ist nun lediglich ein knalliges gelb und auf dem Jahrmarkt ist ein Riesenrad hinzugekommen.
Die Kapitel sind wieder in einer angenehmen Länge geschrieben. Da dieser zweite Teil um einige Seiten stärker ist, als der erste, fällt das Taschenbuch leider größer aus. Für Sammler macht es sich optisch nicht unbedingt so schön, wenn zwei Bücher der selben Reihe in unterschiedlichen Größen nebeneinander im Regal stehen.
Der Verlag hat die Seiten auch wieder komplett ausgenutzt und in einem recht engen Zeilenabstand sehr voll geschrieben. Die Schrift ist zudem ziemlich klein. Hätte man das ganze etwas aufgelockert, wäre es angenehmer zu lesen gewesen aber das Buch bestimmt um etwa 100 Seiten stärker. Hier wird wohl leider das Budget der mittelständischen Verlage eine Rolle spielen, die einfach darauf angewiesen sind, ihre Druckkosten im Rahmen zu halten.

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für den zweiten Teil der STADT-Romane. Fantasy vermischt mit Mythologie die abwechslungsreich, bunt und ausgefallen ist. Wer sich auf diese Reise einlässt wird großes Vergnügen haben, sich in diese andere Welt mitnehmen zu lassen!

Online: http://buchwelten.wordpress.com/2012/07/16/samson-und-die-stadt-des-bleichen-teufels-von-andreas-dresen-55/

Über den Autor

Dresen, Andreas

Dresen, Andreas

Andreas Dresen, Jahrgang 1975, lebt und arbeitet in seiner Heimatstadt Aachen. Schon immer war er von fremden Welten fasziniert - von der wilden Atlantik-Küste Südirlands genauso wie von den Sagen und Legenden seiner Heimat. Bereits in seinem Debütroman 'Ava und die STADT des... mehr über den Autor

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