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Nebula Convicto. Grayson Steel und die Magische Hanse von Hamburg
Fantasyroman

Nebula Convicto. Grayson Steel und die Magische Hanse von Hamburg

Autor: Weitze, Torsten

lieferbar


Produktart: Buch

Seiten: 432

Sprache: deutsch

Auflage: 1 Originalausgabe

Verlag: acabus Verlag

ISBN: 9783862826445

Einband: Paperback

zum eBook

EUR 18,00

Artikel


  • Inhalt
  • Leseprobe
Quaestor Grayson Steel hat Gefallen an der Arbeit als Ermittler in der magischen Gemeinschaft, der Nebula Convicto, gefunden. Seine Quadriga und er suchen weiterhin nach den Hintermännern rund um Sophias Entführung, welche beinahe zu einem Zusammenbruch der magischen Weltordnung geführt hätte.

Während sie im Schwarzwald nach einem entlaufenen Basilisken suchen, werden Grayson und sein Team plötzlich unfreiwillig in eine abenteuerliche Schnitzeljagd hineingerissen. Bis zum nächsten Neumond sollen sie ein gestohlenes Artefakt zurückholen. Die Spur des Diebesguts führt quer durch Deutschland bis nach Hamburg. Dort steht Grayson Steel schließlich den Dienern eines totgeglaubten, uralten Wesens gegenüber, das die Welt schon einmal verfinstert hat. An Meermenschen und Klabautermännern vorbei, muss er die Erweckung eines Altvorderen verhindern, sonst wird Hamburg in einem Sturm aus Gewalt und Feuer untergehen. Und mit der Stadt die Magische Hanse, die Lebensader der Nebula Convicto

Leseprobe aus dem Kapitel „Schwingen am Horizont“ (zur PDF-Leseprobe)

Irgendetwas hatte ihn geweckt. Ob es nun ein ungutes Gefühl war oder eine Luftturbulenz, konnte er nicht sagen, aber Grayson schreckte in seinem gepolsterten Ledersessel hoch, den er in die Schlafposition ausgefahren hatte, um den Rest des Fluges ein wenig Kraft zu tanken und den Scotch zu verdauen. Er orientierte sich und stellte fest, dass alles ruhig zu sein schien. In der luxuriösen Kabine des Jets war nur das leise Summen der Turbinen zu hören und das Tippen von Morgans Fingern auf der Tastatur seines Laptops. Der Magus hatte sich auf die andere Seite des Flugzeugs gesetzt, um Grayson nicht zu stören und nickte ihm nun gedankenverloren zu, bevor er weiter an dem Rechner arbeitete.
Zweifellos tippt er gerade einen Bericht über den Basilisken, dachte Grayson und beschloss, den Magus nicht davon abzuhalten. Der Ermittler war froh, dass Morgan ihm den bürokratischen Teil der Arbeit abnahm und würde einen Teufel tun, sich da einzumischen.
Unruhig trommelte Grayson mit seinen Fingern auf der Lehne des breiten Passagiersitzes. Er war sich sicher, von etwas geweckt worden zu sein, also stand er auf und sah sich genauer um. Er entdeckte nichts Auffälliges und so trat er an die offenstehende Tür des Pilotencockpits. Er spähte zu Richard hinüber, der kerzengerade dasaß und mit gelassenen Bewegungen die Instrumente bediente, die den Jet in der Luft hielten. Der Custos spürte wohl Graysons Blick, denn er drehte den Kopf ein wenig in seine Richtung und lächelte ihm zu. »Wollen Sie sichergehen, dass ich uns nicht abstürzen lasse?«, fragte er gelassen.
Grayson schüttelte den Kopf und blickte an ihm vorbei hinaus in den wolkigen Himmel. »Ich habe so ein merkwürdiges Gefühl. Das hat mich wohl auch geweckt. Irgendetwas stimmt nicht.«
Eigentlich hatte der Ermittler nun ein paar beruhigende Worte des Kreuzritters erwartet, aber der legte einige Schalter um und blickte auf das Radar hinab, das sich mitten in der Front des Cockpits wie ein geisterhaftes Auge aus den übrigen Anzeigetafeln hervorhob. »Ich kann hier nichts erkennen, aber die meisten Quaestoren entwickeln eine hervorragende Intuition oder sterben früh. Also schauen Sie sich ruhig ein wenig um, schaden kann das nicht«, sagte Richard ernst.
Grayson wollte sich gerade bedanken, als ein leises Piepen von der Instrumententafel ertönte und ein winziger Fleck auf dem Radar auftauchte, der sofort wieder verschwand. Richard runzelte die Stirn und drehte sich dann vollends zu Grayson um. »Das war gerade ein Kontakt auf sieben Uhr«, sagte er angespannt. »Schauen Sie bitte mal aus einem der hinteren Seitenfenster, ob Sie etwas erkennen können.«
Graysons Puls schoss in die Höhe. Hier in dieser fliegenden Dose in mehreren tausend Metern Höhe war er vollkommen wehrlos und wenn die Verschwörer sie aufgespürt und eine Rakete auf sie abgeschossen hatten …
Er stürzte an das hinterste Fenster der linken Seite, den überraschten Morgan ignorierend, und presste sein Gesicht an das kühle Glas, um möglichst weit hinter sie spähen zu können.
Dichte Wolkenbänder zogen sich über den Himmel und die schier unendliche Weite des Horizonts lag ruhig und verlassen da.
»Sehen Sie was, Grayson?«, erscholl Richards Ruf aus dem Cockpit. »Das Signal ist immer noch da und kommt in einer unregelmäßigen Flugbahn näher.« Echte Sorge lag in der Stimme des Custos, und Grayson erkannte auch, warum. Raketen oder andere Flugzeuge hatten keine unregelmäßige Flugbahn. Nur Tiere.
Der Ermittler verdoppelte seine Anstrengungen und sah dann zwei dunkle Flecken in den Wolken hinter ihnen. Irgendetwas kam ihm an diesem Bild vertraut vor und als die Umrisse in verspielten Bögen durch die weißen Bänder glitten, erkannte er auch, woher. Im Verhangenen Rat gab es eine magische Illusion, die einen solchen Anblick darstellte, über den Sitzen der Fraktion der Freien.
Eiswasser schien durch Graysons Adern zu fließen, als er sich klar machte, was diese Illusion genau zeigte: einen Drachen, der durch die Wolken fliegt.
In diesem Moment brachen die beiden echsenhaften, grazilen Körper mit den ledrigen Schwingen und den langen, geschwungenen Hälsen aus dem Wolkenband hervor und flogen in träge erscheinenden, eleganten Spiralen und Bögen weiter auf sie zu.
Grayson riss sich von dem Anblick los und drehte sich zu Morgan um, der mittlerweile mitbekommen hatte, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmte. »Da kommen zwei Drachen auf uns zu!«, rief der Quaestor laut, damit Richard ihn auf dem Pilotensitz ebenfalls hören konnte. »Können Sie sie irgendwie abschütteln?«
»Ich kann es versuchen«, erklang Richards zögerliche Antwort. Grayson hörte deutlich heraus, dass der Custos nicht daran glaubte, den beiden Wesen entkommen zu können.
Grayson rief sich die spielerische Leichtigkeit vor Augen, mit denen die beiden Kreaturen durch die Wolken glitten und verglich dies mit der starren Geradlinigkeit ihres Jets.
Natürlich hatten sie keine Chance.
»Morgan, können Sie oder ich irgendetwas tun?« Während er fragte, machte das Flugzeug eine scharfe Linksdrehung und der Ermittler fiel schwer in einen der Ledersessel. Schnell schnallte er sich an und Morgan folgte seinem Beispiel, den Laptop eng an seine Brust gepresst.
»Ich wüsste nicht, was wir unternehmen könnten, Sportsfreund«, sagte der Magus mit weit aufgerissenen Augen. »Drachen dürfen eigentlich nur nachts fliegen oder fernab der Luftfahrtrouten. Die beiden dort hinten brechen über ein Dutzend Gesetze der Lex Nebula. Für so etwas würde die Unendliche Legion ausgesandt werden, um die Missetäter zur Strecke zu bringen.«
Grayson rollte mit den Augen. Nur Morgan brachte es fertig, in einer solchen Situation von »Missetätern« zu sprechen. »Also was soll das dann?«, fragte er. »Haben uns die Verschwörer erwischt? Sind wir so gut wie tot?« Er wollte weniger fatalistisch klingen, aber die Hilflosigkeit der Situation brach sich in seinen Worten Bahn. Erstaunlicherweise spürte Grayson, dass er mit jeder Faser seines Herzens leben wollte. Dies war etwas, was er in den letzten Jahren nicht immer hätte unterschreiben können. Aber er mochte sein neues, skurriles Leben und er wollte nicht im Magen eines Drachen enden!
Morgans Gesicht war zu einer Miene angespannter Konzentration verzogen. »Richard, halt die Maschine ruhig, ich muss mir die Drachen genauer ansehen!«, rief er nach vorne und sofort hörten die heftigen Schlingerbewegungen auf. Der Magus schnallte sich ab und schritt rasch zu dem Fenster hinüber, durch das Grayson vorhin zuerst die magischen Kreaturen erblickt hatte. Der Quaestor konnte sich nicht zurückhalten, sondern befreite sich ebenfalls vom Sicherheitsgurt und drückte sich an die nächstgelegene Scheibe. Die Drachen flogen nun dicht hinter und leicht neben ihnen, sodass Grayson ihre riesigen Körper im strahlenden Glanz der Sonne eingehend bewundern konnte. Grüne Schuppen glitzerten irisierend bei jeder Bewegung der Kreaturen und die mächtigen Schwingen trugen die echsenhaften Körper mit einer solchen Mühelosigkeit, dass Grayson den Atem anhielt. Alle drei Sekunden hoben und senkten sich die durchscheinenden Membranen der Flügel und doch hielten die Drachen mühelos mit der Geschwindigkeit des Privatjets mit. Wenn der Quaestor je einen Beweis für die Magie der Drachen benötigt hatte, sah er ihn gerade dort draußen. Eines der Wesen drehte seinen schmalen Kopf auf dem langen Hals und starrte ihm direkt ins Gesicht. Die gelben Augen mit der geschlitzten Iris schienen ihn wiederzuerkennen, denn das Wesen deutete mit dem Kinn in einer seltsam menschlichen Geste in seine Richtung und der zweite Drache schob sich mit zwei kräftigen Flügelschlägen über das Flugzeug. Grayson verdrehte den Kopf nach oben, als der schuppige Körper sich langsam immer weiter absenkte.
»Zurück in den Sitz und anschnallen!«, befahl Morgan, der anscheinend wusste, was dies zu bedeuten hatte. Zu verwirrt kam Grayson der Aufforderung sofort nach und kaum hatte er die breite Schließe des Sicherheitsgurts geschlossen, als auch schon die Welt um ihn herum unterzugehen schien. Ein heftiger Ruck fuhr durch das gesamte Flugzeug und eine Sekunde später hörte der Ermittler das schrille Kreischen protestierenden Metalls. Unterarmlange Krallen bohrten sich durch das Dach der Innenkabine und ein wütendes Zischen und Fauchen setzte ein, als der Druck im Flugzeug sich deutlich absenkte. Kleinere Gegenstände flogen durch den Raum, als ein heftiger Sog einsetzte, der in den Löchern in der Decke seinen Ursprung hatte, durch die der Drache seine Krallen in den Leib des Flugzeugs gebohrt hatte. Die Turbinen des Jets heulten gequält auf und im nächsten Moment rief Richard ihnen aus dem Cockpit zu: »Ich habe keine Kontrolle mehr über die Maschine. Was zur Hölle geht hier vor?« Noch nie hatte Grayson die Stimme des Custos so nahe am Rand einer Panik gehört, und als Morgan antwortete, traute er seinen Ohren nicht.
»Stell die Turbinen ab und komm zu uns nach hinten«, rief er unglaublicherweise. »Anscheinend wurde uns eine Einladung überbracht, die wir nicht ausschlagen können.«
»Sie wissen, was gerade mit uns passiert?«, hakte Grayson über das Kreischen des Windes nach und fixierte gleichzeitig den zweiten Drachen, der nun dicht neben ihnen flog und mit seinem Kopf direkt vor einem der Fenster innehielt, um sie genauestens zu beobachten. Während Richard dem Ratschlag des Magus tatsächlich nachkam und Grayson mit wachsendem Entsetzen hörte, wie der Antrieb des Jets mit einem kläglichen Aufheulen erstarb, antworte ihm Morgan mit einem hilflosen Gesichtsausdruck. »Das dort draußen sind Leibdiener des europäischen Erzdrachen. Wir haben wohl eine dringliche Audienz, wie mir scheint.«
Grayson starrte den Magus an, als wäre der verrückt geworden, bis er sich klar machte, dass sie in einem Privatjet an den Klauen eines Drachen hingen, der sie wer weiß wohin verschleppte. Plötzlich wollte er den Worten des Magus glauben, während das stete Rauschen der mächtigen Schwingen durch die Löcher im Rumpf zu ihnen hereindrang und endlich die Sauerstoffmasken aus den Decken fielen, als der Bordcomputer auf den stetigen Druckabfall in der Kabine reagierte. Richard setzte sich mit einem schicksalsergebenen Gesicht zu ihnen in einen der Ledersessel, und Grayson war geradezu dankbar dafür, dass sie unter den Masken schweigen mussten. Noch mehr Offenbarungen durften gerne warten, bis sie dort gelandet waren, wo immer so ein Erzdrache sie auch empfangen wollte.

Über den Autor

Weitze, Torsten

Weitze, Torsten

Torsten Weitze, Jahrgang 1976, ist in Krefeld geboren und lebt dort auch heute noch. Ursprünglich gelernter Verlagskaufmann zog es ihn nach jahrelangem Leiten einer Pen-und-Paper-Rollenspielrunde unaufhörlich auf die künstlerische Seite des Berufsfeldes. Nun verbringt er seine... mehr über den Autor

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