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Dreizehn. Das Spiegelbild. Band 3
Roman (13. Dark Fantasy, Steampunk)

Dreizehn. Das Spiegelbild. Band 3

Autor: Wilckens, Carl

lieferbar


Produktart: Buch

Seiten: 460

Größe: 21,0 x 13,8 cm

Abbildungen: 1

Sprache: deutsch

Auflage: 1 Originalausgabe

Verlag: acabus Verlag

ISBN: 9783862827008

Einband: Paperback

zum eBook

EUR 16,00

Artikel


  • Inhalt
  • Leseprobe
Godric End, meistgesuchter Widerstandskämpfer Dustriens, erzählt den Insassen von Zellenblock 13 seine Geschichte:

Ich stehe im Hafen von Treedsgow. Der Wind zerrt an den Papieren in meiner Hand und Dunkelheit senkt sich über mich herab. Was auf der zweiten Seite von Williams Tagebuch steht, droht mich um den Verstand zu bringen. Die Worte öffnen in meinem Innern die Tore zu etwas Bösem und ich werde wieder zu dem, der ich auf der Swimming Island war. Zu einem Mörder. Zum Redscarf Butcher.
Mein Weg führt mich zur Universität und ich helfe, eine uralte Technologie zum Leben zu erwecken. Die Himmelsschiffe, die Gothin bombardieren, die Golems, die für uns auf dem Schlachtfeld kämpfen … sie alle entspringen der jahrtausendealten Technologie der Segovia.

Ihr sollt meine Geschichte hören. Von den Fortschritten an der Treedsgow University und von meinem Krieg gegen den König der Banditen. Wie ich beinahe dem Wahnsinn verfiel, von einem Wesen aus reiner Energie und dem Untergang der Welt.

End (zur PDF-Leseprobe)


Panik drohte, mich zu überwältigen. Ich setzte mich auf, sank aber sogleich zurück, als pochender Kopfschmerz hinter meiner Stirn explodierte. Ich wartete mit geschlossenen Augen darauf, dass er abklang, und lauschte meinem eigenen Atem. Wenigstens war das Stechen in meiner Brust verschwunden – vorerst.
»Wie gefällt dir meine Zelle?« Diese Stimme … das war Damon. Ich wagte einen zweiten Versuch, mich aufzusetzen – mit Bedacht – und erblickte ihn auf der anderen Seite des Durchgangs, der in den Raum führte. Ein verschiebbares Eisengitter versperrte ihn. »Als ich erfuhr, dass derselbe Mann, den ich zuletzt in den Rattensumpf geworfen habe, nicht nur der Mörder meiner Leute ist, sondern auch noch Godric End persönlich, wusste ich gleich, was eine angemessene Strafe für ihn wäre. Ich musste nur an deinen Gesichtsausdruck denken, als du in den Schacht zum Rattensumpf blicktest. Die Geschichten stimmen also. Du warst lange Zeit im Rumpf der Swimming Island eingesperrt. Ich hoffe …« Bei diesen Worten wies er mit großzügiger Geste in meine Zelle. »… du fühlst dich heimisch. Du bist im Keller des Whitehall Nord. Ich habe diesen Raum eigens für dich herrichten lassen.« Ich ließ den Blick schweifen. Damon hatte Wände, Decke und Boden mit genietetem Stahlblech verkleiden lassen. Eine nackte Glühbirne spendete gelbes Licht. Ansonsten gab es hier nichts. Nicht einmal einen Eimer zum Scheißen. Ich schluckte, vermochte den Kloß in meinem Hals jedoch nicht loszuwerden. Damon lächelte zufrieden. »Offenbar gefällt es dir.« Er warf die Tür ins Schloss; eine schwere Eisentür, die – war es Zufall oder wusste Damon genau über die Swimming Island Bescheid? – genauso aussah wie die Dealertür. Sie hatte sogar eine Klappe auf Augenhöhe. Deutlich hörte ich, wie er den Schlüssel mehrmals im Schloss herumdrehte. »Man sieht sich«, sagte Damon und seine Schritte entfernten sich.
Das ist nicht der Unterrumpf. Ich schloss die Augen und wiederholte die Worte in meinem Kopf. Im Rattensumpf hatte mir größere Gefahr gedroht, aber es war einfacher gewesen, sich nicht von Panik überwältigen zu lassen. Die Wände des Gängekomplexes waren aus Stein, der Geruch ein anderer gewesen. Das Fiepen der Ratten und das stete Tropfen hatten der Klangszene im Unterrumpf geähnelt, ja. Aber immerhin war etwas zu hören gewesen, das mir vergegenwärtigte, was fehlte: das stählerne Knarren, die Schreie der Süchtigen, das Brüllen des Pelzes …
In meiner Zelle war es still. Das Einzige, was ich hörte, waren die Geräusche aus meiner Erinnerung. Das ist nicht der Unterrumpf. Der metallische Geruch von rostendem Eisen stieg mir in die Nase. Die klamme Kälte, die der Stahl abstrahlte, schien bereits in meinen Körper einzuziehen. Ich rollte mich in der Mitte des Raumes zusammen und versuchte, an nichts zu denken. Ich nickte ein und als ich erwachte, spürte ich ganz deutlich das Wummern von Maschinen unter mir. Etwas zwickte mir ins Ohr – eine Ratte?! –, und ich setzte mich ruckartig auf. Aber da war nichts. Dafür fing mein Schädel erneut schmerzhaft an zu pochen. Ich stöhnte, sank zurück und lauschte dem Wummern. Irgendetwas stimmte damit nicht. Es kam von unten. Aber war da überhaupt ein Raum? Befand ich mich noch im Keller des Whitehall Nord? Träumte ich womöglich? Ich stieß einen unterdrückten Wutschrei aus und presste mir die Hände auf die Schläfen. Ich hörte Limbanias Worte in meinem Kopf. Gibt es wirklich eine Tür, die Euch aufzuhalten vermag? Ich kam auf die Beine und ging zu der eisernen Tür. Zerrte an dem verschiebbaren Gitter, das sich keinen Zentimeter bewegte, und hämmerte mit der Faust gegen das Metall.
Die Klappe öffnete sich. Ein Augenpaar mit buschigen Brauen musterte mich.
»Hast du Perl?«, fragte der Mann und schlug die Klappe zu, ohne eine Antwort abzuwarten. Ich stolperte rückwärts. Das war ein Albtraum. Das musste ein Albtraum sein! Ich tastete in meiner Hosentasche nach Perl. Ich hatte immer etwas bei mir, nur für den Fall, dass der Drang zu groß wurde, oder ich einen Grund brauchte, um weiterzuleben. Aber meine Taschen waren leer. Auch mein Messer steckte nicht in meinem Gürtel. An meine Pistolen und die Machete dachte ich schon nicht mehr. Die Gardisten hatten mir alles abgenommen – alles bis auf den Anhänger, den Roberto mir einst zum Dank geschenkt hatte, weil ich ihm seinen versteinerten Seeigel zurückgegeben hatte. Panisch drehte ich mich mehrmals um die eigene Achse auf der Suche nach einem Schacht, in dem ich mich verstecken konnte. Es musste einen Weg aus diesem Raum geben! Ich trat vor die Metallverkleidung und tastete die Ränder der vernieteten Bleche ab. Vielleicht gab es eine Geheimtür wie die, die zu Limbanias Versteck führte. Hinter mir ertönte das irre Lachen eines Süchtigen. Ich wirbelte herum, doch es blieb hinter mir, verklang und wurde zu einem Schluchzen. Dann erkannte ich, dass das Schluchzen von mir selbst kam. Ich durchquerte den Raum und begann, die Wände mit den Fäusten zu bearbeiten. Schlug so lange auf sie ein, bis meine Finger bluteten.
»Was bekomm ich, wenn ich dir Perl bringe?« Ich wandte mich um. Da war ein kleiner Junge vor der Dealertür. Der Unbekannte auf der anderen Seite lachte. »Geld. Zigaretten. Und zwar deutlich mehr, als du unten in den Grotten dafür bezahlst.« Ich trat vor und betrachtete das Gesicht des Jungen. Das war ich.
»Sieh genau hin.« Ich sah hinter mich und erblickte Hunger. Er fasste sich an den Rand seines Zylinders und lächelte ein dünnlippiges Lächeln. »Er ist noch jung. Aber sieh ihm in die Augen. Ist da das Glitzern, das normalerweise den Blick von Kindern beherrscht?« Ich sah wieder zu mir. Mein junges Ich war abgerissen, aber abgesehen davon war es so, wie ich mich mit elf Jahren in Erinnerung hatte: klein, mager und unschuldig. Der Junge wandte den Kopf und erwiderte meinen Blick. Ich erschrak. Hunger hatte Recht. Die Augen meines jungen Selbst waren so dunkel wie die meinen. Allein sie anzusehen, verhieß Gefahr. Der Junge musterte mich kalt und berechnend, als überlegte er schon, wie er mich am besten erledigen konnte, um meine Leiche zu fleddern. War das wirklich ich? War mir das Leben eines Menschen so wenig wert, dass ich es auslöschte, bloß um mich reicher zu machen?
»Um zu überleben«, korrigierte Hunger. Ja, darum hatte ich im Unterrumpf getötet. Aber als ich anschließend für Franco arbeitete, nicht mehr. »Was kümmert es dich, wen du tötest und warum?«, zischte Hunger. »Der Einzige, der dir wichtig ist, bist du selbst.«
»Halt den Mund.«
»Die Dunkelheit ist dein zu Hause.«
»Halt den Mund!«, brüllte ich und warf mich auf ihn. Wir stürzten zu Boden, und ich landete obenauf. Ich packte seine Kehle mit beiden Händen und drückte zu. Hunger würgte mit weit aufgerissenen Augen. Der Zylinder war ihm vom Kopf gefallen. Er zerrte an meinen Händen, strampelte mit den Beinen und wand sich unter meinem Gewicht. Doch schon bald erschlafften seine Bewegungen. Als er sich nicht mehr rührte, rollte ich mich von ihm. Ich blieb auf dem Rücken liegen und lauschte dem Wummern der Maschinen unter mir, während mein Herzschlag sich allmählich beruhigte. Irgendwann fielen mir die Augen zu. Ich träumte, dass ich durch die Konstruktionsschächte des Unterrumpfes kroch. Ich fühlte mich beengt. Wollte den Schutz der Schächte nur für einen kurzen Moment verlassen, um mich zu strecken. Aber egal welchen Weg ich wählte, ich gelangte immer wieder an dieselbe Kreuzung. Ich erwachte schweißgebadet, als das Brüllen des Pelzes durch meine Zelle hallte. Ich wusste inzwischen nicht mehr, was Traum und was Hirngespinst war. Der Raum schien zu schaukeln, als befände ich mich auf hoher See. Ich erhob mich und eine ganze Schar fetter Ratten floh ins Nirgendwo. Stundenlang lief ich in meiner Zelle im Kreis und tastete die Wände ab. Ich kratzte an der Metallverkleidung, zerrte an dem Eisengitter und hämmerte gegen die Tür. Ich fand einen Kanten Brot, den jemand durch den Türschlitz geworfen haben musste, ohne dass ich es bemerkt hatte, und verschlang ihn wie ein hungriges Tier. Ich schrie, redete mit mir selbst oder wimmerte in einer Ecke des Raumes. Dann wieder legte ich mich auf den Rücken und ließ mir von der Glühbirne die Netzhaut verbrennen. Irgendwann hörte ich, wie jemand die Türklappe aufschob. Der Rand eines Blecheimers erschien und ein Wasserschwall ergoss sich ins Innere der Zelle. Ich stürmte zur Tür, tauchte mein Gesicht hinein und trank. Als der Strom versiegte, ging ich auf die Knie und begann, das Wasser vom Boden zu schlürfen. Auf der anderen Seite ertönte höhnisches Gelächter. Es verwandelte sich in das Kreischen eines Süchtigen, das sich in den Eingeweiden des Unterrumpfes verlor. Wieder taumelte ich stundenlang durch die Zelle auf der Suche nach einem Ausgang und auf der Flucht vor meinen Wahnvorstellungen. Ich konnte unmöglich sagen, wie lange ich hier gefangen war – ein paar Tage, mehrere Viertel oder vielleicht auch nur ein paar Stunden –, bis das Schloss meiner Zellentür klackte. Ich spannte meinen Körper an. Bereitete mich darauf vor, vorzuspringen, Damons Kehle durch die Stäbe des verschiebbaren Gitters hindurch zu packen und ihn zu erwürgen. Die Tür schwang auf und zum Vorschein kamen drei Süchtige – unverkennbar durch ihre weißen Iriden. Ich kannte das Gesicht des Vordersten und ich fragte mich, warum es so lange dauerte, bis mir sein Name einfiel: Jasper. Hinter ihm standen Roberto und … wie hieß sie noch gleich? Die Lutin mit dem flammendroten Haar? June! Zu ihren Füßen lag, tot oder bewusstlos, der Zellenwächter.
Jasper lächelte und legte einen Finger an die Lippen. Es ist ein Trick, tönte Hungers Stimme in meinem Kopf. Damon möchte dich brechen, indem er dir Hoffnung gibt und sie dir wieder nimmt. Ich nickte Jasper zu und wartete angespannt, während er an dem Schließmechanismus des Gitters hantierte. Als er es aufschob, stürmte ich vor. Ich sah noch, wie sich seine zufriedene Miene in Verwunderung auflöste, ehe meine Faust sein Gesicht traf. Ich stürmte an dem verstört dreinblickenden Roberto vorbei, rempelte June um, und floh durch den dunklen Gang. Meine Gedanken jagten einander. Der Boden schaukelte und ein stählernes Knarren wie das Knurren einer riesigen Bestie verfolgte mich. Gleichzeitig spürte ich, dass etwas nicht stimmte. Die Wände waren aus Beton, der Boden gefliest. War dies wirklich der Unterrumpf? Ich bog nach links in einen Gang ab und passierte eine Tür. Vermutlich verschlossen, dachte ich, als ich bemerkte, dass sie aus Holz war. Keine Stahltür. Ein gut gezielter Tritt und sie splitterte auf. Ich betrat den Raum dahinter und ließ den Blick schweifen. Ich musste mich in einer der Grotten befinden. Dutzende biolumineszierende Blumen wuchsen hier. Ihr violettes Licht zeichnete nur schemenhaft die Konturen des Raumes ab. Dazwischen: Pilze mit glockenförmigem Hut. Schwärme von Feenwürmchen schwebten in der Luft und füllten sie mit ihrem Zirpen. Von der Decke hingen Einmachgläser, die mit flüssigem, mattsilbernem Licht gefüllt zu sein schienen. Der Duft nach Blumenerde ließ die Erinnerung an den metallischen Geruch meiner Zelle verblassen. Jemand stand in der Mitte des Raumes und betrachtete mich. In ihrem Blick lagen Stolz und Kalkül.
»Godric End. Der Perlkönig ist zurückgekehrt.« Ich pflügte durch die Pflanzen auf Limbania zu, wobei ich eine Wolke silberner Sporen hinter mir herzog. Fasste sie an den Schultern
und kam mit meinem Gesicht dem ihren sehr nahe.
»Wo ist der Schlüssel?«, fragte ich.
»Welcher Schlüssel?« Einen Moment lang glaubte ich, Furcht in ihrem Blick zu erkennen.
»Der Schlüssel für die Dealertür!«
»Ich weiß nicht, wovon du redest, mein König!« Ich spürte, wie Zorn in mir aufwallte, und stieß Limbania von mir. Sie stolperte rückwärts und wieder sah ich kurz Furcht in ihrem Gesicht, die nicht zu ihr passen mochte.
»Warum spielst du mit mir?!«, brüllte ich und trat einen Pilz durch die Luft, wobei er einen silbernen Schweif hinter sich herzog. Ich sah in ihr erschrockenes Gesicht und ein furchtbarer Gedanke lähmte mich: Was, wenn sie wirklich nicht wusste, wovon ich redete? Plötzlich fühlte ich mich schwach. Ich fiel auf die Knie und sank in der weichen Erde ein. Limbania wusste als Einzige, wie ich dem Unterrumpf entkommen konnte. Wenn sie mir nicht helfen konnte oder wollte, war ich verloren. Meine Augen brannten.
»Ich will nicht mehr töten, Limbania«, flüsterte ich.
»Ganz ruhig«, sagte Limbania sanft und trat näher. »Welche Tür meinst du?«
»Die Dealertür«, sagte ich heiser. »Die Tür zum Deck. Zum Sonnenlicht.«
»Wenn du nach draußen möchtest, mein König, musst du nur dem Gang nach rechts bis zum Ende folgen und die Treppe hochgehen.« Limbania ging vor mir auf die Knie, sodass wir uns auf Augenhöhe befanden. In ihrer Miene spiegelte sich Fürsorge. Auch das passte nicht zu ihr, obgleich es mir gefiel. Ich betrachtete sie eingehender. Sie wirkte jünger. Außerdem war da eine Tätowierung in ihrem Antlitz, die zuvor nicht dort gewesen war: ein Mosaik aus Recht- und Dreiecken. Ich dachte an ihr gefährlich schönes Lächeln und daran, wie anziehend ich es gefunden hatte. Mutter der Ratten. Plötzlich begriff ich, was ihr Titel zu bedeuten hatte. Hatten die Piraten die Schlafplätze der Perlsüchtigen nicht als Rattennester bezeichnet? Demnach waren die Süchtigen die Ratten, Limbania ihre Mutter. Meine Mutter. Ich hätte nie gewagt, ihr zu nahe zu treten. Doch diese Limbania war eine andere.
»Du solltest hierbleiben, mein König«, fuhr sie fort. »Oben sind die Piraten. Sie suchen nach dir.«
Meine Miene verfinsterte sich. Piraten? »Ist Franco auch dort? Ist Mario dort?« Limbania schwieg. »Und Sam? Lebt sie noch?« Ein Schluchzen befreite sich aus meiner Kehle. »Sie werden sie töten, Limbania. Ich muss zu ihr!« Ich erhob mich und floh durch die Tür.

Über den Autor

Wilckens, Carl

Wilckens, Carl

Carl Wilckens, Jahrgang 1990, gehört zu der Generation, die von Fantasy-Literatur geprägt aufgewachsen ist. Zu seinen ersten literarischen Kindheitseindrücken gehören Vorlesestunden, gemeinsam mit seinen fünf Geschwistern, die seine spätere Leidenschaft für das... mehr über den Autor

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