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Social Network. Die Bibliothek des Schicksals

Social Network. Die Bibliothek des Schicksals

Autor: Wagner, Chris M.

lieferbar


Produktart: Buch

Seiten: 292

Größe: 20,5 x 14,5 cm

Sprache: Deutsch

Auflage: 1 Erstauflage

Verlag: acabus Verlag

ISBN: 9783862820153

Einband: Paperback

zum eBook

EUR 13,90

Artikel


  • Inhalt
  • Leseprobe
Das Netz kennt dich. Es weiß, was du willst und es gibt dir, was du brauchst. Es spielt mit dir, wie mit einer Marionette. Und ohne dass du es bemerkst, spielt es auch mit deinem Leben. Schicksal? Ein Leben besteht aus einer Kette von Ereignissen, ein einzelnes Ereignis aus Ursache und Wirkung. Alle Ereignisse dieser Welt können zu einem großen Flechtwerk zusammengefasst werden - Wirkung des einen ist die Ursache des Nächsten. Was wäre, wenn man in dieses Netz eingreifen und es nach belieben formen könnte? Rosemarie von Wards wird bewusstlos im Heizungskeller ihres Strandhauses aufgefunden. Trotz notärztlicher Behandlung verstirbt sie noch im Krankenhaus. Doch warum war der Keller verschlossen? Ist es Zufall, dass sich die lebensnotwendige Infusion lockerte? Dies alles ist ein schwerer Schock für Rosemaries Verlobten, Daniel Lang. Er möchte das Erlebte am liebsten hinter sich lassen und beginnt ein neues Leben in München. Der Job bei einem Unternehmen mit dem Namen FaTec ist ihm so gut wie sicher. Da holen ihn die Ereignisse ein. Er wird in einen Unfall verwickelt, der Taxifahrer wird erschossen, und niemand glaubt Daniel, als er von dem mysteriösen Priester mit dem schwarzen Kollarkragen spricht - bis auf seine scheinbar geistesgestörte Nachbarin Grace Owen aus dem dritten Stock. Was Daniel nicht weiß: Zu diesem Zeitpunkt befindet er sich bereits in den Klauen der Hüter des Schicksals.
Kapitel 4.6 Wie ein überdimensionaler Amboss nahm das Gebäude den Raum zwischen der Hanauer- und der Poccistraße ein. Obwohl es rundum verglast war, hatte man den Eindruck, eine Boing 747 würde daran zerschellen. Alle Fenster waren verspiegelt. Daniel schaute ehrfürchtig auf das übergroße Fassadenschild, das über die belebte Kreuzung wachte: FaTec. Hier ist es also. Daniel war beeindruckt. Er hatte eine Kellerfirma oder ein paar Büroräume über einem x-beliebigen Internetcafé erwartet abgedrehte Computerfreaks, die versuchen, mit einer rätselhaften Geschäftsidee Fuß zu fassen. Inhaltlich gab die Internetseite nicht viel her. Elegant – aber nichts, was nicht jeder IT-Fachmann mit ein paar Klicks hinbekommen würde. Doch nun sah es so aus, als stünde er vor dem Hauptsitz der Deutschen Bundesbank. Hätte er sich seine alte Krawatte um den Hals wickeln sollen? Eine Hupe riss ihn aus den Gedanken. Weg da , rief der Fahrer einer schwarzen Limousine mit verdunkelten Scheiben. Daniel trat zur Seite und beobachtete, wie das Fahrzeug direkt vor den Eingang fuhr. Der Chauffeur stieg aus und zündete sich eine Zigarette an. ’S erste Mal hier? , nuschelte er und schnippte das Streichholz in einen Gulli. Daniel war sich nicht sicher, ob er gemeint war. Nervös schlurfte er an dem Mann vorbei. Ein Tipp: Pass auf dich auf, da drin , sagte der Mann, ohne Daniel dabei anzusehen. Was will der Typ? Daniel war aufgeregt. Er musste sich vorstellen – präsentieren. In seiner perfekten Welt verkroch er sich immerzu hinter seinem Monitor, wo ihn niemand sehen – prüfen, bewerten – konnte. Meinen Sie mich? Führ’ ich Selbstgespräche? Der Mann schaute Daniel in die Augen. Natürlich du. Wärst nicht der Erste, der als anderer Mensch da wieder rauskommt. Und ich meine nicht NEUER MENSCH, ich meine ANDERER MENSCH. Ich bring’ sie alle hin und hol’ sie wieder ab … und irgendwas passiert dazwischen – das kannst du mir glauben. Daniel war völlig durcheinander. Sein ganzes Leben war aus den Fugen geraten. Er hatte gehofft den Faden – Garn – hier und heute wieder aufnehmen zu können. Interessante Aufgaben würden ihn ablenken und einen neuen Rhythmus in sein Leben bringen. Nun hatte er die Firma noch nicht einmal betreten, da kam so ein schräger Vogel daher und bequatschte ihn mit verrücktem Zeug. Seine Brauen zogen sich tiefer ins Gesicht und ohne ein Wort zu sagen, schob er die Schwingtür auf und betrat FaTec. Vor ihm breitete sich eine sterile Empfangshalle aus. Jeder Schritt seiner Schuhe auf dem Marmorboden hallte noch lange an den Wänden nach. In der Mitte befand sich ein Tresen, der mehr an ein Rednerpult als an einen Schreibtisch erinnerte. Dahinter stand eine wasserstoffblonde Dame – einstudiertes Lächeln, eng anliegender Pferdeschwanz, strenger Hosenanzug. Hallo, Herr … Sie tapste mit den Fingern auf der Fläche des Rednerpults herum die Fingernägel klackerten auf Glas. Herr Lang, nehme ich an? Sie bediente einen Touchscreen-Monitor. Daniel nickte. Kommen Sie, Herr Lang, kommen Sie her. Sie streckte ihm die Hand entgegen. Noch bevor er ein Wort sagen konnte, schüttelte sie eifrig seinen Arm und bot ihm an: Fühlen Sie sich wie zu Hause. Daniel war menschenscheu. Hätte Rose ihn nicht aus seinem Kämmerchen geholt – er würde heute noch dort hocken und verstauben. Zu viel übertriebene Freundlichkeit schreckte ihn ab. Außerdem, was sollte das? Zu Hause fühlen? Wohne ich im Reinraum eines Computerchipherstellers? Die Dame klimperte mit den Wimpern, schwang ihr Hinterteil hin und her und führte Daniel in eine Art Besprechungsraum. Der Raum war noch viel größer als die Empfangshalle. Filzboden dämpfte den Klang der Schuhe und verlieh dem großflächigen Zimmer eine chemische Duftnote. Außerdem lüftete sich das Geheimnis um die durchsichtlosen Fenster: Vorhänge aus Spiegellamellen. Zwischen all den leeren Stühlen – um U-förmig gestellte Tische gereiht – kam er sich verloren vor. Er stellte sich vor ein Touchscreen-Rednerpult – auch hier gab es eins – und wischte den Bildschirmschoner beiseite, der einen FaTec-Schriftzug im Sekundentakt über den schwarzen Hintergrund hopsen ließ. Der Schriftzug löste sich in tausend kleine Pixel auf dahinter erschien Daniels Gesicht darunter eine Tabelle mit seinen persönlichen Angaben: Name: Daniel Lang Alter: 26 Familienstand: ledig In fettroter Schrift war zu lesen: Vorkenntnisse in der Programmierung mikroelektronischer neuronaler Netze Daniel war baff. Woher wussten sie das? Er erinnerte sich an eine Phase in seiner Jugend, die er der künstlichen Intelligenz gewidmet hatte. Damals war er überzeugt, er hätte den Durchbruch zur KI in einer simplen Methode gefunden, synthetische Neuronen zu verbinden. Nächtelang fütterte er den Algorithmus mit Fragen und Antworten. Als er das fertige Computerprogramm endlich in Betrieb nahm, tippte er ein paar einfache Worte hinein. Hallo Muthur. Er hatte sein Programm nach dem Bordcomputer des Raumschiffes Nostromo benannt. Es errechnete eine Reaktion. Hallo Daniel. Spitze. Es funktionierte. Wie geht es dir? Eine einfache Frage. Sofort folgte die Antwort: Gut. Das hört man gerne. Wenn es der Software gut geht, können wir jetzt richtig zur Sache gehen. Was ist Schicksal? Von diesem Augenblick an reagierte das Programm nicht mehr. Es rechnete tagelang ein Fortschrittsbalken zeigte an, dass es noch beschäftigt war. Bis eines Morgens eine Antwort auf dem Monitor geschrieben stand: BUFFER OVERFLOW ERROR AT ADDRESS #FCE2 Das Ende des Projektes. Schönes Spielzeug, diese Dinger. Erschrocken riss es ihn aus den Gedanken. Wie ein kleiner Schuljunge, der Papas Waffe in der Hand hält, obwohl ihm das strengstens verboten ist, sprang er vom Rednerpult weg und schaute mit großen Augen zur Tür. Der nächste Schock schlug ihm wie ein Faustschlag mitten ins Gesicht. Vor ihm stand ein hochgewachsener Mann, vollständig in Schwarz gekleidet, wie ein Priester jedoch war das Kollar totenschwarz wie sein Hemd. Ein Schauer fuhr durch Daniels Körper. Der Mann versteckte seine Hände hinter dem Rücken und trat mit würdevollen Schritten ein. Daniel wusste nicht, wie er sich verhalten sollte. Freund oder Feind, das Grauen oder der neue Arbeitgeber? Herrgott, sag mir, was passiert hier? Sie haben für großen Wirbel gesorgt, Herr Daniel Lang , sagte der Mann mit ruhiger aber kräftiger Stimme. Daniel überkam ein Gefühl, das er vom Beichtstuhl her kannte, wenn der Priester seine ersten Worte an den Sünder richtet. Er musste endlich die Zähne auseinanderbringen. Der Personalchef sah wie ein Priester aus – na und? Die Firma hatte Informationen über ihn eingeholt? – Auch das ist normal. Sie boten ihm eine Menge Kies. Und er wollte den Job. Also weg mit den Bedenken. Mit gestrecktem Rücken und Brust raus ging er auf den schwarzen Mann zu. Stopp. Der Mann hob die flache Hand holte damit aber auch das Misstrauen zurück. Ich erzähle Ihnen etwas über FaTec. Deshalb bin ich hier, Herr Daniel Lang. Aus dem Mund dieses Mannes klang Daniels Name wie etwas Verwerfliches, das man nur aussprechen darf, wenn man hinter geschlossenen Türen mit engsten Freunden beisammen ist. Er drehte Daniel den Rücken zu und wandelte um die Besprechungstische herum in den hinteren Teil des Raumes. Daniel sah die dünnen Finger. Die Fingernägel waren teils gelb, teils braun und brüchig. Ich hätte ein paar Fragen … Es … , zischte der Priester und zog den letzten Laut so lange hinaus, bis klar war, dass er der Einzige in diesem Raum war, der sprechen durfte. … ist das Schicksal, was uns alle begleitet, Herr Daniel Lang. Da waren sie wieder, die drei Worte. Jetzt jagten sie ihm Angst ein. Haben Sie sich schon einmal mit dem Schicksal auseinandergesetzt? Daniel wusste nicht, was er antworten sollte. Jedoch – er hatte diese Frage schon einmal gehört … in ähnlicher Form. Rose. – Ein Stich ins Herz. – Sie sprach vom Schicksal, an einem ihrer letzten Tage. Seitdem war viel Zeit vergangen – tausende Jahre. Ich sehe es Ihnen an, Herr Daniel Lang. Sie haben. Jetzt bekam es Daniel mit der Angst zu tun. Aus dem Rachen dieses Mannes klang sein Name abfällig, als spräche er von einem blutigen Rotzfleck an der Wand einer Bahnhofstoilette. Der Priester drehte sich um, sodass Daniel sein Gesicht sehen konnte, und zog eine Grimasse, einem Lächeln ähnlich. Die Zähne waren in alle Richtungen gewachsen sie traten gelb und braun zwischen den brüchigen Lippen hervor. Daniel hatte das Bild der Fingernägel vor Augen, als der Priester weitersprach: Ursache und Wirkung, Herr Daniel Lang, Ursache und Wirkung. Das sollten Sie sich künftig immer vor Augen halten. Sogar das allerkleinste Ereignis hat eine Ursache und eine Wirkung. Darauf können Sie vertrauen, Herr Daniel Lang. Er hätte heulen können, als der Priester seinen Namen erneut ausspuckte, wie einen Haufen eitrigen Schleim. Eine Sekte, dachte Daniel, er war an eine Sekte geraten. Herrje, der Umzug hierher, das alles nur wegen einer beschissenen Sekte. Wie konnte er nur so blöd sein? Er wollte aus dem Raum rennen und FaTec hinter sich lassen. Er prüfte den Weg zum Ausgang, als … … die Klinke gedrückt wurde, die Tür aufsprang und ein runder Mann mit den quakenden Worten Guten Tag Herr Lang hereinwatschelte und Daniel die Hand zum Gruß streckte. Wie vom Blitz getroffen drehte er sich um. Der Priester war weg. Er suchte nach allen Richtungen. Ihm wurde schwindelig. Doch außer ihm und dem Mann mit der runden Hornbrille unter der Glatze war der Besprechungsraum leer.

Über den Autor

Wagner, Chris M.

Wagner, Chris M.

DAS NETZ KENNT DICH ...ist das Thema des Debütromans eines Autors mit dem Namen Chris M. Wagner, über den im Netz bisher nur wenig zu erfahren ist. Stöbert man auf seiner Homepage, dann findet man neben einer Seite mit Leseproben - natürlich in Form eines Netzwerks - eine kurze... mehr über den Autor

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