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Kolustros Traum
Eine phantastische Erzählung

Kolustros Traum

Autor: Reins, Olaf

lieferbar


Produktart: Buch

Seiten: 112

Größe: 19,0 x 12,0 cm

Sprache: Deutsch

Auflage: 1 Erstauflage

Verlag: acabus Verlag

ISBN: 9783941404861

Einband: Paperback

zum eBook

EUR 13,90

Artikel


  • Inhalt
  • Leseprobe
  • Rezension
Peter Kolustro liebt den Genuss – und er schläft für sein Leben gern. Drei Dinge reißen ihn aus diesem exklusiven Dasein: Ein seltsamer Traum, in dem ein Engel ihm eine äußerst unerfreuliche Ankündigung macht, eine Feuersbrunst in der Galerie seines Vaters, welche das kostbare Gesamtwerk einer aufstrebenden jungen Künstlerin mit sehr speziellen Freunden vernichtet, und der Besuch einer privaten Weinauktion. Letzterer lässt ihn die Bekanntschaft zweier höchst eigentümlicher Herren machen: dem Mathematiker Carsten Brenner und dem Schriftsteller Marcel Vandernier. Die beiden Herren konfrontieren Peter Kolustro mit einem Schriftstück, welches dessen gesamtes bisheriges Leben als Farce erscheinen lässt. Hin- und hergerissen zwischen Bequemlichkeit und Neugier lässt der Protagonist sich schließlich doch auf ein Abenteuer ganz eigener Art ein. Mit seinen neuen Bekannten beginnt er eine phantastische Suche nach dem Geheimnis seiner und letztlich ihrer aller Existenz. Rasch ist ein mysteriöser Fremder als Dreh- und Angelpunkt ausgemacht. Doch wo hält er sich auf? Ist er überhaupt real oder nicht? In der Folge seiner Recherchen, die ihn in immer neuen verwirrenden Wendungen und seltsamen Geschichten eine ganze Galerie skurriler Gestalten vorführt, wird Peter Kolustro immer tiefer hineingezogen in die existenzielle Frage nach dem, was Wirklichkeit, und dem, was Phantasie ist – und ob es überhaupt einen Unterschied zwischen beiden gibt. Am Ende wird sogar der Leser mit in dieses Spiel um die Wirklichkeit des Möglichen mit einbezogen: Der von fremden Mächten manipulierte Autor macht sie zu einem Teil dieses Spiels!
Kapitel 2: Verzeihen Sie unseren Überfall, mein Lieber, aber es gibt da etwas ... Na ja, Sie wissen ja, ich mag das nicht, Mauscheleien und dergleichen ...” - er lachte - ... aber was heißt das schon!” Peter Kolustro wusste nicht, ob das als Frage gedacht sein sollte oder ob er gar von etwas hätte wissen müssen und reagierte mit einem entsprechend frei interpretierbaren Gesichtsausdruck, derweil Marcel Vandernier ihn in Richtung der Säulen bugsierte. Dort hinten ist ein Raum, in dem wir uns in aller Ruhe unterhalten können.” Carsten Brenner ging eilig vor und öffnete die Tür zu einem nur selten benutzten Aufenthaltsraum, den Etienne Lichtweiß meist verschlossen hielt. Das Zimmermädchen, das sie eingelassen hatte, hatte dafür gesorgt, dass ihnen das Zimmer nun zur Verfügung stand. Es war ein zwanzig Quadratmeter großer, spärlich möblierter Raum. Ein Schreibtisch stand unter einem der beiden von Läden verschlosse-nen Fenster, durch deren weißgestrichene Lamellen genügend Tageslicht hereinsickerte. Bitte”, sagte Marcel Vandernier und wies auf einen der vier um einen Tisch gruppierten Stühle, nehmen Sie Platz.” Und was soll das werden?”, fragte Peter Kolustro, dem das Ganze nun doch unheimlich wurde. Sollte es sich womöglich um eine Verwechslung handeln? Halten wir jetzt hier ...” - er lachte spöttisch auf - ... eine konspirative Sitzung ab?” Da mögen Sie gar nicht einmal so falsch liegen, mein lieber Herr Kolustro”, bestätigte Marcel Vandernier lächelnd, indem er ihm den Stoß handgeschriebener Blätter vorlegte. Lesen Sie sich das doch bitte einmal durch.” Peter Kolustro sah Marcel Vandernier an, dann Carsten Brenner. Schließlich atmete er tief aus, zog sich schnaufend die Hosenbeine zurecht und begann, zu lesen: Sie beugte sich über den schlafenden Mann. Herr Kolustro, hören Sie mich?” Seinfleischiger aufgedunsener Kopf lag, ihr sein grobporiges, von Nachtschweiß glänzendes Profil weisend, halb versunken in zwei Dutzend kleiner, rüschenbesetzter Daunenkissen. Tiefrot wie eine seltsame, abstoßende Blüte leuchtete er dort im Dämmerlicht des Schlafzimmers. Pernilla Jörgensen betrachtete für einen geistesabwesenden Moment dieses phäno-menale Profil, während in ihren Gesichtszügen Abscheu und schmerzliches Bedauern miteinander rangen. Noch immer, trotz all der vergangenen Jahre, trotz all den Veränderungen, denen Peter Kolustros Körper in jener Zeit unterworfen gewesen war, trotz alldem haftete seinem Gesicht - zumindest im Zustand des Schlafes - eine Erinnerung jenes unbekümmerten Charmes an, welcher ihr seinerzeit, als sie sich für die Stelle als Wirtschafterin bewarb, Hoffnungen machte, deren überspannte Kühnheit ihr schon bald klar werden sollte. Sie hätte gehen können ohne sich eine Blöße zu geben, denn sie war klug genug gewesen, ihre Gefühle nicht voreilig zu offenbaren. Aber sie war geblieben. Herr Kolustro?”, wiederholte sie lauter. Hören Sie mich?” Peter Kolustro sah auf. Was soll ...?” Erst lesen Sie zu Ende!”, unterbrach ihn Marcel Vandernier schroff. Kolustro rieb sich die zusammengekniffenen Augen. Er leckte sich in nervösem Unbehagen die schuppig gewordenen Lippen, schluckte trocken gegen die aufsteigende Übelkeit und murmelte ächzend in sich hinein, während er in seiner Lektüre fortfuhr. Was er las, war auch weiterhin bis auf die letzte Silbe identisch mit dem zuvor Erlebten und Beschriebenen: Über ihn und Pernilla seinen Vater und die Galerie über den Engel und den Tod - über einfach alles, was ihn, Peter Kolustro, betraf. Deckungsgleich, identisch, in wortglei-cher Form bis hin zu seinem letzten Gedanken: Ich hätte ihn fragen sollen, weshalb er keine Flügel hat ...” Aus Peter Kolustros Gesicht war während der Lektüre alle Farbe gewichen. Das ... das ist doch ... UNMÖGLICH!”, stammelte er fassungslos. Ein Teil seines Lebens schien auf obszönste Weise aus ihm herausgeschnitten worden zu sein. Alles lag offen: Jemand hatte es aufgeschrieben! Woher ... woher haben Sie das? Das ist doch ... Das kann doch gar nicht ...” Er blickte auf. Jetzt verstehe ich: Sie haben mich abgehört!”, brüllte er und wollte aufspringen. Natürlich misslang ihm das. Ja genau”, röchelte er, Sie haben mich abgehört! Sie haben Kameras installiert! Sie haben ...” Was ist mit Ihren Empfindungen, Herr Kolustro?”, unterbrach Marcel Vandernier. Er sprach leise und eindringlich. Ihren Gefühlen, die dort niedergeschrieben sind? Dem Konflikt mit Ihrem Vater? Ist das etwa falsch?” Peter Kolustro starrte ihn an. Aber das ... das kann nicht sein!” Das habe ich auch gedacht”, mischte sich Carsten Brenner ein. Aber wenn ich Ihnen erstmal erzählt habe, unter welchen Umständen ich Herrn Vandernier getroffen habe ...” Herrn Vandernier?”, fragte Peter Kolustro verwirrt. Dieser erhob sich. Das bin ich, Marcel Vandernier. Und dieser Herr hier ist, wie schon gesagt, Carsten Brenner. Herr Brenner ist Mathema-tiker.” Marcel Vandernier setzte sich wieder. Übrigens ein Umstand, der sich als bedeutsam hatte erweisen sollen, wenn ich’s mal so formulieren darf. Ich selbst bin übrigens Schriftsteller. Vielleicht haben Sie ja meinen Roman ...” Verdammt noch mal, was bezwecken Sie eigentlich mit diesem ganzen Mumpitz!? Ich werde Sie anzeigen! Ich lasse mich doch von Ihnen nicht für dumm verkaufen! Ganz offensichtlich haben Sie sich widerrechtlich Zutritt zu meinem Haus verschafft, mich abgehört und beobachtet - weiß der Himmel zu welchem Zweck. Und meine Gefühle? Die haben Sie aus meinem Gesichtsausdruck abgelesen, ganz einfach. Und was Pennys angebliche Gefühle für mich angeht - die haben Sie sich aus den Fingern gesogen! So, und jetzt gehe ich.” Im Bemühen, den Eindruck eines energischen Abgangs zu erwecken, versuchte Peter Kolustro abrupt aufzustehen, angesichts seiner enormen Körperfülle ein schier aussichtsloses Unterfangen. Darf ich Sie nach Ihrer Kindheit fragen?”, wandte sich erneut Marcel Vandernier an ihn. Nein!” Woran erinnern Sie sich noch? An den Kindergarten? An die Schule? Ihre Klassenkameraden?” Peter Kolustro hielt inne. Und was ist mit den Frauen? Ihrer ersten großen Liebe? Wie alt waren Sie damals? Erzählen Sie doch mal ein wenig.” Peter Kolustro sank in seinen Stuhl zurück. Er dachte nach. Ich ... ich kann ... ich kann mich nicht erinnern ...” Hilflos sah er Marcel Vandernier an. Wieso kann ich mich nicht mehr daran erinnern?” Vielleicht, weil davon nichts hier drin steht?”, schlug Marcel Van-dernier vor und tippte mit dem Zeigefinger auf die vor Herrn Kolustro liegenden Blätter. Im Übrigen haben Sie einen ganz wesentlichen Punkt außer Acht gelassen.” Peter Kolustro wischte sich den Schweiß von der Stirn, er fühlte sich dem Wahnsinn nahe. Was um Himmels Willen ging hier vor? Mit einem Mal stand sein ganzes Leben in Frage. Was für ein Punkt?”, krächzte er. Ihren Traum. Selbst die beste Kameraoptik dürfte nicht imstande sein, einen Traum zu filmen.” Peter Kolustro fühlte sich in sich selbst zusammenstürzen. Ja richtig, der Traum! Ein Kribbeln saß ihm im Nacken, und mit einem Mal geriet der Raum in Bewegung. Das Licht flirrte in seinen Augen, sein ganzer Körper wurde taub. Als er nach oben sah, blickte er in die besorgten Gesichter Marcel Vanderniers und Carsten Brenners.

Auf Querblatt.com, von Thomas Lawall (August 2010)


Peter Kolustro geht es ganz prima. Gerade einmal vier Jahre hat er gebraucht, um ein Vermögen zu erwirtschaften, das es ihm erlaubt, fortan in Saus und Braus zu leben. Zur Arbeit muss er längst nicht mehr gehen. Wäre auch völlig sinnlos, denn weshalb sollte er jemals noch einen Finger krümmen? Sein Weltbild ist einfach. Antworten sind schnell gefunden. Genau vier Zwecke hat das Dasein, meint er. Essen gehört dazu und Schlafen scheint ihm der zweite Zweck zu sein. Und er macht reichlich Gebrauch von beidem. Zweifellos gäbe es zwei weitere Lebenszwecke, aber darauf sei er noch nicht gekommen.

Pernilla Jörgensen hat es nicht leicht. Die Wirtschafterin kämpft täglich mit dem Unwillen ihres Herrn, seinen mit zwei Dutzend rüschenbesetzten Daunenkissen beladenen "Federbettgletscher" zu verlassen. Zunächst muss ja erst einmal die nötige Kraft zum Aufstehen gefunden werden. Und das kann dauern. Schließlich ist Peter Kolustro davon überzeugt, dass er als Mensch einem fürchterlichen Fluch unterliegt. Er wäre gezwungen, "die Gefilde des Schlafes verlassen zu müssen, nur um sich von der Welt im Allgemeinen und Eltern, Verwandten und sogenannten Freunden im Besonderen, so lange langweilen zu lassen, bis der Schlaf ihm erneut ein befristetes Asyl gewährt".

Doch heute steht unerwartet hoher Besuch an. Herrmann Kolustro wartet bereits ungeduldig in der Halle, was Peter nicht unbedingt mit großer Freude erfüllt, da er der Ansicht ist, sein verehrter Herr Vater wäre ein Arschloch. Erst einmal möchte er einen Morgensherry serviert bekommen, bevor er sich an das halsbrecherische Abenteuer des Treppenabstiegs - seiner ganz persönlichen "Eigernordwand" - wagt. Gemeinsam mit seinem ernsthaft aufgebrachten Vater begibt er sich alsdann auf die überaus beschwerliche Expedition ins Speisezimmer, wo auf einem Kastentisch aus dem 15. Jahrhundert bereits gut drei Dutzend Austern "der Rechtfertigung ihres Todes harrten".

Herrmann Kolustro berichtet von einer Katastrophe, die sich in der Galerie zugetragen hätte, und für die offenbar Peters jüngerer Bruder Konrad eine nicht unbeträchtliche Verantwortung tragen würde. Doch diese Umstände sowie die "runde" Summe, die nun aufzubringen wäre, können Peter nicht sonderlich beeindrucken oder beunruhigen ...

... der Traum der folgenden Nacht dann schon eher. Die Ereignisse, die sich später während jener privaten Weinversteigerung ergeben, bringen Peter dann endgültig aus dem Konzept, denn das, was ihm diese beiden Herren vortragen und sogar zeigen können, übersteigt alles bisher Erlebte ...!

Nun habe ich selten eine Geschichte gelesen wie diese, wenn überhaupt. Es gibt nur noch wenige Bücher, die neben dem Strom der Bestsellerfluten einmal etwas völlig anderes bieten, und die sich in der allgemeinen Belanglosigkeit ihren Platz behaupten. "Kolustros Traum" sprengt konventionelle Lesegewohnheiten schnell und endgültig. Olaf Reins bringt die Dinge auf den Punkt und bauscht die Story nicht durch unnnötige Füllmaterialien wie die sinnlose Anhäufung von Schauplätzen sowie die Vorstellung unmaßgeblicher Nebendarsteller auf. Er setzt seine Prioritäten auf die geradlinige Ausführung einer genialen Idee, aber auch den Moment der Überraschung, gehobene Situationskomik und pointenreich ausgefeilte Dialoge. Der freie Autor und Journalist weiß unseren Horizont zu erweitern, indem er Wirklichkeit und Phantasie gegenüberstellt und ineinander fließen lässt.

Die Grenzen verwischen, scheinen sich aufzulösen, um schließlich ganz zu verschwinden. Die Realität stellt sich selbst in Frage und treibt ein komplexes Spiel ...

... jedenfalls aus literaturphysikalischer Sicht!

Online: http://home.arcor.de/tomary/Literatur/Kolustros_Traum/kolustros_traum.html



Über den Autor

Reins, Olaf

Reins, Olaf

Olaf Reins, geboren 1964 in Kassel, lebt als freier Autor und Journalist in Osnabrück. 1991 erschien sein Buch-Debüt 'Das zweite Leben des Herrn Trill - Szenen aus dem bürgerlichen Alptraum' im ALKYON Verlag; 1997 folgte im selben Verlag der zweite Buchtitel... mehr über den Autor

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