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Hexenherz. Glühender Hass
Fantasyroman

Hexenherz. Glühender Hass

Autor: Loerchner, Monika

lieferbar


Produktart: Buch

Seiten: 412

Größe: 21,0 x 13,8 cm

Abbildungen: 1

Sprache: deutsch

Auflage: 1 Originalausgabe

Verlag: acabus Verlag

ISBN: 9783862826353

Einband: Paperback

zum eBook

EUR 16,00

Artikel


  • Inhalt
  • Leseprobe
„Ich bin in einer Gesellschaft aufgewachsen,
in der die Frauen den Männern Untertan waren
– hier im Goldenen Hexenreich bin ich nur ein Junge,
von der Göttin dazu verdammt,
ohne Magie durchs Leben zu gehen.“


Er sollte einst Oberhaupt der Familie werden, jetzt gilt er weniger als nichts: Von seiner Mutter in eine männerverachtende Gesellschaft geschleppt und dann im Stich gelassen, ist der junge Kolja hin- und hergerissen zwischen dem Hass auf seine Gebärerin und dem Wunsch, endlich seinen Vater zu finden. Um seinen Zielen näherzukommen, geht er einen gefährlichen Pakt ein und stellt sich gegen die Gesetze der Hexen des Goldenen Reiches – und gegen die der Göttin.


Der zweite Roman aus der Hexenherz-Welt erzählt die Geschichte aus Sicht von Helenas Ziehsohn Kolja. Wie ergeht es einem Jungen in einer matriarchalischen Welt, in der er zum schwachen Geschlecht gehört?

Goldenes Reich, Frühjahr 2019 – Kapitel 1 (zur PDF-Leseprobe)


Keine kann Mama etwas vormachen. Sie schaut eine an und weiß sofort, wenn etwas nicht stimmt. Auch jetzt braucht sie mich nur kurz zu mustern, um dann mit einem schweren Seufzen in ihren Lieblingssessel zu sinken. Sie kann unmöglich wissen, was ich vorhabe, und dennoch weiß sie, dass ihr nicht gefallen wird, was ich zu sagen habe.
»Also, was gibt es?« Sie hebt die Augenbrauen. »Was ist so wichtig, dass du es gestern mitten in der Nacht mit mir besprechen wolltest, Mojserce?«
Die Härte, die in ihrer Stimme mitschwingt, versetzt mir einen Stich. Ich weiß, dass sie mit etwas Schlimmem rechnet. Ich verstehe das vollkommen, jedoch macht mir das die Sache dummerweise nicht einfacher. Ebenso wenig, dass sie mich mit »Mojserce«, was in meiner Heimatsprache »mein Herz« bedeutet, anspricht.
»Ich heiße Kolja«, sage ich und starre an die Wand.
Sie lächelt auch jetzt. »Ganz wie du willst, Kolja.«
Verflixt. Ich knabbere an meiner Unterlippe. Meine Hände unter dem Tisch fühlen sich feucht an, als ich sie aneinanderreibe, meine Füße scheinen wie von einer fremden Macht gesteuert zu sein, ständig rutschen sie hin und her.
»Möchtest du etwas trinken? Einen Tee?«
»Von mir aus. Aber nicht Kamille.«
Mama geht zum Herd und öffnet so beiläufig die Hand, dass es mir weh tut. Ein winziges Stutzen, dann streckt sie den Arm aus und nimmt sich den Kessel.
Wer Helena von Smaleberg nicht kennt, hätte diesen Hauch eines Innehaltens sicher übersehen. Jede Frau kommt eines Tages in die Situation, über keine Magie mehr zu verfügen. Jedoch tritt die Magielosigkeit in der Regel erst mit den Wechseljahren ein, und die Frau konnte sich darauf vorbereiten. Mama dagegen ist gerade einmal 31 Jahre alt und sollte noch keine magielose Großmutter sein. Sie sollte auch nicht hier sein, sondern mittlerweile Oberste der Ostgarde. Ich sollte nicht hier sein. Aber ich bin es, weil eine Frau namens Ada beschlossen hat, mich im Stich zu lassen.
»Also, Kolja, was gibt’s?« Mama stellt zwei dampfende Tassen Tee auf den Tisch und nimmt wieder mir gegenüber Platz. Ich weiß, dass es noch eine ganze Weile dauern wird, bis das Getränk ausreichend kühl ist. Mama weiß das auch und wir wissen beide, dass sie sich jedes Mal darüber ärgert, nichtmagische Zubereitungen noch immer nicht im Griff zu haben. Fünfzehn Jahre lang hat sie sich bei fast jedem Handgriff ihrer Grundmagie bedient. Die gnadenlose Strafe der Goldenen Frau trifft Mama jeden Tag aufs Neue, malträtiert sie wie unzählige winzige Nadelstiche. Ich hasse die Goldene dafür.
»Kolja?« Ich stelle mich ihrem fragenden Blick. »Wenn du etwas zu sagen hast, sag es. Mach es nicht noch schlimmer, indem du ausgerechnet jetzt nochmal darüber nachdenkst. Spuck’s aus und bring es hinter dich!«
Ich hebe den Kopf und schaue ihr fest in die Augen. »Mama, ich werde von hier fortgehen.«
Sie nickt, als hätte sich ihr ein Verdacht bestätigt. Was vermutlich auch der Fall ist. Keine bringt es zur Zweiten der Ostgarde, ohne ein verdammt gutes Gespür für Menschen zu entwickeln.
»Das ist aber noch nicht alles. Du hast etwas vor, das mir nicht gefallen wird, Mojserce. Ich weiß es, und du weißt es auch.«
Ich zucke mit den Schultern. Die Männer im Dorf sagen, das hätte ich mir von Mama abgeschaut.
»Also gut.« Dieses Mal traue ich mich nicht, ihr in die Augen zu schauen. »Ich will von hier weggehen und meinen Vater suchen.«
Mama nickt. »Ich wusste, der Tag würde kommen. Hätte nur nicht gedacht, dass es so bald sein würde.«
»Ich bin fast fünfzehn.«
»Du bist vierzehn, und du siehst jünger aus. Als ich dich damals traf, dachte ich, du wärst erst zehn.«
»Ach, Mama!« Ich spüre, wie mein Blick weich wird und meine Entschlossenheit schwindet.
»Kolja …« Zu meiner Überraschung dreht Mama den Kopf und schaut zur Seite. »Du weißt, dass ich alles in meiner Macht stehende getan habe, um deinen Vater ausfindig zu machen. Mutter und Mamu auch, aber …«
»Ich weiß.« Es ist nun einmal so, dass selbst der Name der einst so mächtigen Rina Linasdother keine Türen mehr öffnet; der Hass der Goldenen Frau auf Mama hat sie alle verschlossen. Niemals wird die Goldene verzeihen, dass meine Mutter versucht hat, ihre Intrige aufzudecken. Die oberste Hexe des Landes hatte vor, zumindest in einer Hinsicht unschuldige Aufständische zum angeblichen Wohl des Reiches zu opfern. Nicht nur hat Helena Rinasdother die Verräter befreit und so ihre Pläne durchkreuzt, es ist der Goldenen Garde auch bis heute nicht gelungen, die Überlebenden um Adrian Samo wieder dingfest zu machen. Dieser Umstand sitzt wie ein garstiger Dorn im Gemüt der Goldenen Frau und stachelt ihre Bösartigkeit meiner Mutter gegenüber immer wieder aufs Neue an.
»Ich mache euch keinen Vorwurf, wirklich nicht«, beeile ich mich daher zu sagen. »Aber ich muss wissen, was mit Papa geschehen ist. Vielleicht …«
»Vielleicht ist er noch am Leben. Ja, das könnte sein.« Mama seufzt, dann sagt sie leise: »Während seiner … Befragung hat er immer nur wiederholt, dass er aus einem kleinen Dorf im Großen Moldawischen Reich kommt und sich hier mit Ada und dir ein neues Leben aufbauen wollte. Zumindest ist es das, was Nihan mir übersetzt hat. Wie du weißt, hatte ich zu dem Zeitpunkt keine Magie und konnte deinen Vater nicht verstehen. Ich gab Anordnung, ihn zum weiteren Verhör nach Annaburg zu bringen. Franzi hat deinen Vater ohne Frage hart angefasst, aber nicht verletzt. Du solltest also bei deiner Suche nach ihm in der Hauptstadt beginnen. Ebenso, was Ada betrifft. Wen von beiden möchtest du überhaupt zuerst suchen?«
Ich zögere kurz. Bislang habe ich nicht darüber nachgedacht, ebenfalls meine Gebärerin aufzuspüren, aber ja, Mama hat natürlich recht: In meinem Kopf, in meiner Erinnerung, in meinem Schmerz kann ich meinen Vater nicht sehen, ohne auch an sie zu denken, sie, die uns all das angetan hat. Wir hatten ihr vertraut, sie hatte uns ein besseres Leben im Goldenen Reich versprochen. Doch der einzige Grund, weshalb Ada mit Papa und mir hierher fliehen wollte, war, dass sie ihre Magie erwecken lassen wollte. Während Ada damals von den Hexenfrauen des Goldenen Reiches willkommen geheißen wurde, hatten sie Papa wie einen feindlichen Spion behandelt. Es war natürlich Pech, dass Mama ausgerechnet an diesem Tag in eine Falle geriet und weggeschickt wurde, sodass sie nicht mehr über Papas Verbleib erfahren konnte.
»Also Ada«, sagt Mama und verzieht das Gesicht. »Soweit wir wissen, ist es gut möglich, dass sie inzwischen zu einer sehr einflussreichen Frau aufgestiegen ist.« Daran, dass im Goldenen Reich der Begriff »Frau« gleichbedeutend mit »Hexe« ist, habe ich mich inzwischen gewöhnt.
»Umso besser. Sie wird mir helfen, Papa zu finden.«
Mutter lacht bitter. »Mächtige Frauen haben viele Vorzüge, aber Hilfsbereitschaft gehört nicht dazu!«
Meine Stimme ist ruhig, aber ich spüre eine Kälte in mir, hart und fest wie Eis, die keinen Raum für Zweifel lässt. »Dann werde ich sie dazu zwingen.«

Über den Autor

Loerchner, Monika

Loerchner, Monika

Monika Loerchner wurde 1983 geboren und machte 2007 ihren Magisterabschluss in Vergleichender Religionswissenschaft an der Philipps-Universität Marburg. Als Nebenfächer studierte sie Friedens- und Konfliktforschung und Rechtswissenschaften. Anschließend ließ sie sich zur... mehr über den Autor

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