. .
BUCHstäblich NEU
Sie sind hier:

Der Fianna Zyklus. Der Stein von Temair
Eine keltische Sage aus Irland

Der Fianna Zyklus. Der Stein von Temair

Autor: West, Sophia


lieferbar


Produktart: Buch

Seiten: 164

Größe: 20,5 x 14,0 cm

Sprache: Deutsch

Auflage: 1 Erstauflage

Verlag: acabus Verlag

ISBN: 9783941404489

Einband: Paperback

zum eBook

EUR 15,90

Artikel


  • Inhalt
  • Leseprobe
Irland vor der Christianisierung: Ériu ist in fünf Provinzen geteilt, beherrscht vom Volk der Gaeil. In Temair, der Hauptstadt des Mittelreiches Midhe, befindet sich der Lia Fáil, der Stein des Schicksals. Der Legende nach macht er das Land uneinnehmbar. Doch die Zeiten glorreicher Schlachten und die Herrschaft der Gaeil sind vorbei und als der König der Provinz Connacht stirbt, bleibt der Thron verwaist. Chaos und Hunger herrschen in dem Land, das einst blühte. Als Connacht von mysteriösen schwarzen Reitern angegriffen wird, ist die Provinz den Angreifern schutzlos ausgeliefert. Aber dann kehrt Finn, des Königs einziger Sohn und ehemaliger Führer der Fianna, aus dem mysteriösen Königreich Tír fa Tonn in seine Heimat zurück. 20 Jahre hatte er dort verbracht und war doch nicht gealtert, da in dem Reich unter dem Meer die Zeit langsamer verrinnt. Zusammen mit seiner schönen Frau, einer Prinzessin des Tír fa Tonn, und vier weiteren Gefährten entschließt Finn sich zu einer gefährlichen Reise durch Érui, um den Stein von Temair vor den schwarzen Reitern zu retten. Nicht nur die Übergriffe ihrer Feinde machen ihnen dabei zu schaffen. Allzu bald macht sich auch unter den Gefährten Misstrauen breit: Ist Laoise tatsächlich die Tochter eines Druiden oder gehört sie zum Volk der sagenumwobenen Tuatha de Danaan? Und welche Rolle spielt der schweigsame Oisín für das Schicksal Érius?
Aus Kapitel 2 - Der Garrán Dubh:
Als Finn, Ríoghnach, Oisín, Diarmuid und Cáilte am Mittag des dritten Tages ihres Marsches am Rande des Garrán Dubh ankamen, stellten sie - für intelligente Menschen vielleicht nicht überraschend - fest, dass der Garrán Dubh nicht wirklich anders aussah als andere Wälder auch. Aber das konnte natürlich auch Tarnung sein und der nächste menschfressende Baum wartete schon auf ein unvorsichtiges Mittagessen. Während die Fünf vor dem Garrán Dubh standen, gaben sie ein seltsames Bild ab: Finn in der traditionellen Kleidung eines Mitglieds der Fianna, dunkler Inar und Truis, Ríoghnach in ihrem extravaganten blauen Léine, Diarmuid und Cáilte trugen immer noch ihre kunstvoll gearbeiteten Brats und Oisín etwas, was kaum den Namen Kleidung verdient hatte. Einem eventuellen Betrachter war sofort klar, das diese Fünf eigentlich nicht zusammen gehörten. Der Fianna-Anführer, die Firbolg-Prinzessin, die beiden Männer der Oberschicht und der rätselhafte Einzelgänger. Was war es, dass sie verband?
Finn und die anderen betrachteten den Wald genauer. Das einzige, was an dem Garrán Dubh auf den ersten Blick merkwürdig erschien, war dass er sich auf einer Erhebung befand, um die rundherum nichts wuchs. Es sah so aus, als ob jemand den Wald absichtlich in dieser Form dorthin gepflanzt hatte. Er wirkte wie ein Fremdkörper in der umliegenden Landschaft und diese beunruhigende Widernatürlichkeit hatte eine bedrohliche Wirkung auf jeden, der den Wald erblickte.
„Das ist er also. Garrán Dubh“, stellte Finn nüchtern fest.
„Hatte ich mir spektakulärer vorgestellt“, meinte Oisín gleichgültig.
„Ja, ich auch“, bestätigte Cáilte, der sich von dem Wald unbeeindruckt zeigen wollte, da sein Ziehbruder das schon vor ihm getan hatte.
„Was meinst du, Diarmuid?“ fragte Finn.
„Ich weiß nicht. Man kann noch nicht viel erkennen. Es sieht sehr dunkel in dem Wald aus“, antwortete dieser zögernd.
Die einzige, die sich nicht äußerte und auch nicht gefragt wurde, war Ríoghnach. Allgemein legten die Männer der Gaeil nicht besonders viel Wert auf das Urteil ihrer Frauen. Allerdings war Ríoghnach eine Firbolg. Aber im Moment gab sich Ríoghnach mit der Rolle der schwachen Frau zufrieden, da sie tatsächliche große Angst hatte, durch diesen Wald zu gehen.
Die fünf Reisenden gingen weiter auf den Wald zu. Sie mussten nun doch zugeben, dass an diesem Wald irgendetwas nicht stimmte. Er war zweifellos dichter gewachsen und dunkler als andere Wälder. Aber das war nicht das einzig Auffällige an ihm. Von dem Wald ging eine eigenartige Beklemmung aus. Ein innerer Instinkt rief den Reisenden zu, den Wald nicht zu betreten. Ohne offensichtlichen Grund, hatte das Unbehagen ausnahmslos jeden der Reisenden ergriffen. Alle fünf spürten, wie ihre Herzen schneller schlugen. Ein Kribbeln breite sich in ihrem Inneren aus.
Nur ein einziger schmaler Pfad führte in der Mitte durch den Garrán Dubh. Blätter, Äste und Gestrüpp versperrten jede andere Möglichkeit in den Wald einzudringen. Finn verspürte die Beklemmung ebenso wie seine Freunde, doch da er wusste, dass sie von ihm erwarteten, die Führung zu übernehmen, straffte er die Schultern und betrat den Wald. Ein Schaudern erfasste Finn, als er in die schattige Dämmerung trat, aber er konnte es sich nicht leisten vor den anderen seine Angst zu zeigen. Diarmuid, Cáilte und Oisín waren mit Sicherheit davon überzeugt, dass ein Mitglied der Fianna niemals Angst hatte. Aber da irrten sie sich gewaltig. Als die Fianna damals zur Verteidigung Érius nach An Trá Bhán gerufen wurden, hatten auch die mutigsten Kämpfer der Fianna – Finn selbst eingeschlossen – Angst gehabt. Und wie hätte es auch anders sein können? Ihre Gegner waren damals zahlenmäßig weit überlegen gewesen.
„Finn, bist du sicher, dass das der richtige Weg ist?“, fragte Oisín zweifelnd.
„Siehst du hier noch einen anderen?“, entgegnete Finn.
Oisín, Diarmuid und Cáilte folgten Finn scheinbar unerschrocken.
„Ríoghnach?“, rief Finn auffordernd.
Nun trat auch Ríoghnach in den Wald. Am liebsten hätte sie sich an Finn geklammert oder zumindest seine Hand genommen. Doch sie wusste genau, dass die anderen, die es ohnehin für keine gute Idee gehalten hatten, eine Frau mitzunehmen, das als Schwäche auslegt hätten. Und das war etwas, was Ríoghnach eigentlich nicht wollte: Schwäche zeigen.
„Irgendetwas ist hier merkwürdig“, gab Oisín zu.
„Glaubst du, dass der Druide einer der Tuatha de Danaan ist?“,  fragte Diarmuid, der versuchte gelassen zu klingen.
„Ich weiß nicht. Jedenfalls hat Oisín Recht, irgendetwas hier ist seltsam,“ entgegnete Finn, während er versuchte, in den umliegenden Schatten irgendetwas zu erkennen.
„Seit der Schlacht von An Trá Bhán hat niemand jemals mehr einen der Tuatha de Danaan gesehen. Und das ist jetzt 25 Zyklen her“, bemerkte Oisín.
„26 um genau zu sein“, korrigierte Finn.
„Du bist damals dabei gewesen, nicht wahr?“, fragte Cáilte, in dessen Stimme eine gewisse Bewunderung mitklang.
„Ja, aber ich habe kaum noch Erinnerungen an diese Zeit. Ich weiß nur, dass es schrecklich war und dass viele mutige Männer ihr Leben in dieser Schlacht ließen.“
Finn versuchte seinen drei jungen Begleitern, die Illusionen zu nehmen. Er wusste, dass sie mutige Kämpfer waren und dass sie so manchen Zweikampf bestritten hatten, aber in einer Schlacht waren sie nie gewesen.
„Aber letzten Endes hat unsere Seite bei der Schlacht von An Trá Bhán den Sieg davon getragen“, erinnerte Diarmuid ermutigend.
„Ja, so ist es gewesen und ich bin zuversichtlich, dass wir das auch diesmal schaffen“, sagte Finn. In Wahrheit hatte er Zweifel, dass es wirklich so sein würde. Finn machte sich um seine jungen Gefolgsleute Sorgen. Sie waren zu enthusiastisch und schienen nicht zu verstehen, dass sie möglicherweise nicht erfolgreich sein würden. Sie kannten die Geschichten der Fianna und glaubten, dass sich alles so abspielen würde wie in diesen Erzählungen. Doch das Leben war keine Heldensage. Das Leben war hart und selten bekam man das, was man sich erhoffte. Finn fühlte sich für die anderen verantwortlich. Cáilte und Diarmuid waren immerhin die Söhne von Ronan und Conn, die selbst bei der Schlacht von Gabhra noch zu ihm gestanden hatten. Und was Oisín anging: Oisín erinnerte ihn an sich selbst, als er jung gewesen war.

Die Reisenden folgten dem Pfad tiefer in den Wald. Hoch über ihnen formten die Baumkronen ein dichtes Dach, durch das nur wenig Sonnenlicht drang. Sie konnten kaum sehen, wohin sie gingen. Das Ziel des Weges, sollte es eines geben, lag in Dunkelheit. Das Licht, das den Eingang markierte, wurde mit jedem Schritt kleiner und kleiner, bis es schließlich ganz verschwand. Nun lag vor und hinter ihnen nichts als dämmriges Zwielicht. Neben der Tatsache, dass der Wald erstaunlich dicht gewachsen war, erschien hier noch etwas merkwürdig: Im Garrán Dubh herrschte absolute Stille. Kein Tierlaut war zu hören, kein Blätterrascheln, gar nichts. Es war als hätte die Natur den Atem angehalten und traute sich nicht einen Laut von sich zu geben. Das einzige, was diese Stille störte, waren die Schritte der Reisenden. Das abgestorbene Laub knisterte unter ihren Füßen. Das war alles. Die Reisenden verloren kein einziges Wort. So als ob auch sie das, was auch immer hier schlief, nicht aufwecken wollten.
Die Stille zerrte an ihren angespannten Nerven und rief ein dumpfes Gefühl von Taubheit hervor. Die drückende Beklemmung steigerte sich ins Uner-messliche, bis sich schließlich die aufkommende Panik kaum noch unterdrü-cken ließ. Die Reisenden fühlten einen Hauch von Kälte. Bewegte sich in den Schatten der Bäume etwas? Oisín hätte schwören können, dass er für den Bruchteil eines Augenblick etwas durch die Bäume hatte huschen sehen. Er hatte ein ganz leises, tiefes Geräusch in den Ohren. Aber Oisín war nicht der einzige, der sich beobachtet fühlte. Diarmuid, der als letzter hinter den anderen herging, hatte sich ein paar mal nach hinten umgedreht. Er hatte das sichere Gefühl, verfolgt zu werden. Doch es war niemand da. Ríoghnach glaubte einmal, jemand würde sie festhalten, doch als sich umdrehte, war niemand da. Cáilte folgt ihr in etwa drei Metern Entfernung. Zu weit weg um sich einen bösen Spaß erlaubt zu haben. Finn hatte ein ungutes Gefühl in der Magengegend. Er spürte ein leichtes Vibrieren. Allen war klar, dass ihre Angst keine rationale Ursache hatte, trotzdem ließ sie sich einfach nicht abstellen.

Über den Autor

West, Sophia

West, Sophia

Sophia West, Jahrgang 1978, verbindet in ihrem ersten Roman irisch-keltische Mythologie, Sage und Geschichte in einer spannenden Fantasy-Geschichte. mehr über den Autor

Bewerten und Kommentieren

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus.

 
Design by MKD Mediengestaltung