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Wir waren keine Helden
Roman

Wir waren keine Helden

Autor: Bukowski, Candy

lieferbar


Produktart: Buch

Seiten: 228

Größe: 21,0 x 13,3 cm

Sprache: deutsch

Auflage: 1

Verlag: acabus Verlag

ISBN: 9783862826933

Einband: Paperback

EUR 15,00

Artikel


  • Inhalt
  • Leseprobe
„Wir waren keine Helden“ ist ein Coming of Age Roman, startend in den 80ern am „Arsch der Welt“, wo für Sugar mit dem Punker Pete, später auch mit Luke und Silver, Beziehungen für ein ganzes Leben beginnen.
Eine rasante Reise durch das Reifen, Erwachsenwerden und Erwachsensein in vielen Etappen, oft im Grenzgang, immer auf der Suche nach stimmigen Antworten. Wieviel Freiheit, wieviel Beständigkeit verträgt ein Leben? Wie sehr können wir Entwicklungen wählen, wie oft wählen sie uns? Und woher nimmt man den Mut, nach einem Fullbodycheck immer wieder aufzustehen?
Candy Bukowski legt mit ihrem Romandebüt das Leben und Lieben auf den Seziertisch. Wild, mutig und schonungslos setzt sie das Messer an und bringt dabei mit leichter Hand und geschliffener Sprache eine Menge Tiefe zum Vorschein.
Candy Bukowski wirft dich zurück auf die Fragen: „Bist du die geworden, die du hättest werden können? Hast du dich verraten? Wo stehst du, wenn nicht hinter dir?“ Und das macht Bukowski mit einer so intensiven Sprache, mit einem so rotzigen, charmanten, genauen Sound, mit einem für Debütantinnen ungewöhnlich ausgereiftem Stil, dass ich mich schockverliebt habe. „Wir waren keine Helden“ ist nicht für Feiglinge.
NINA GEORGE, Bestsellerautorin „Das Lavendelzimmer“
Candy Bukowskis „Wir waren keine Helden“ ist eine wunderbare Coming-of-Age-Story: eine Geschichte von Aufbruch und Ausbruch, voller Musik und erzählt mit einem unwiderstehlichen Gemisch aus Coolness, Charme und Chuzpe.
MELANIE RAABE, Bestsellerautorin „Die Falle“

Leseprobe aus "Wir waren keine Helden" (zur PDF-Leseprobe)


1

Die Ranch am Ende der Welt 

F.R. David „Words“ (1982)

Wir waren Helden. Das stand außer Frage.
Wir hatten lineare Algebra überlebt, auf totem Latein herumgekaut und den Großteil der Zeit überstanden, in der uns uralte Eltern uralte Lebensweisheiten zwischen die Synapsen kippten. Wir Mädchen hatten Brüste bekommen und die Jungs ihre ersten Mofas, manche sogar schon den abgelegten Kadett des großen Bruders. Viel mehr brauchst du nicht, um ein Held zu sein.
Vor allem aber wussten wir ganz genau, wo es langging 
Wie wir werden wollten. 
Ach was! Wie wir schon längst waren!
Und dass wir dieses Leben niemals zur flachatmenden Existenz der Alten verrotten lassen würden. Mehr war nicht zu tun. Das lag uns im Blut, das konnte gar nicht schiefgehen. Und bis es endgültig so weit war, hieß es einfach durchhalten. Und notwendige Weichen stellen.
Eine enorm wichtige Weichenstellanlage befand sich am Rande vom heimatlichen Arsch der Welt. Ganz außen, am Ende der Dorfstraße, nach der nur noch Felder und Wald folgten. Dort, wo im Mai stechend gelb der Raps blühte und im Winter karge Einsamkeit. Und dazwischen Pickel- und Pokerfaces, mittendrin in der Ranch. Dem coolsten Ort von allen. Dem einzigen zumindest, der mit stolzen Brüsten und ersten Mofas zu erreichen war. Ein verlottertes Abbruchhaus, das der Bürgermeister heimlich vergessen und wir ebenso heimlich gefunden hatten. Und das irgendwann tatsächlich wieder bewirtschaftet wurde.
Mit einem speckigen Tresen, abgewetzten Barhockern, billigen Eichenfurnier-Tischen, umrundet von Herzchenrücken-Holzstühlen mit ausgestellten Beinen. Die kleinen Fenster guckten hinter verräucherten Gardinen blind nach draußen, auf den winzigen Biergarten hinaus. Den wir selten nutzten, da Helden bekanntlich stets im Schummerlicht trinken. Neben der Musikbox, die ausgerechnet bei „Wild Thing“ oftmals hängen blieb und mit einem beherzten Fußtritt wieder auf Spur gebracht werden musste. Oder lässig an den raumfüllenden Billardtisch gelehnt, den Queue mit abgenudelter Spitze in der Hand. Aber immer frisch gekreidet und die schwarze Acht ins gegenüberliegende Loch, Profis wissen um das richtige Equipment. 
[…]
Nein, nicht alle würden es schaffen.
Aber wir jungen Zugezogenen, die sich in Kürze zumindest zum miesen Abitur fighten würden, wir hatten eine Chance. Und diejenigen, die begriffen hatten, dass sie dem Arsch der Welt irgendwann selbst den Blanken zeigen mussten. Damit das endlich mal aufhörte mit den stagnierten Träumen und der wortlosen Ergebenheit. Mit all den nicht gelebten Existenzen, die das Wort Leben gar nicht verdienten. In all ihrer furchtbaren Langweiligkeit, ohne Schnaps und Sex und Liebe.
Und ohne Sehnen nach mehr und Meer, immer nur den stinkenden Kuhfladen auf der Hauptstraße ausweichend, ohne Aufbäumen den scheißgelben Raps idyllisch findend.
Als würde es nichts Eigenes geben, nichts, was dort draußen irgendwo steht, so groß wie ein gewaltig blinkender Neonpfeil am Firmament, der genau auf deine Bestimmung zeigt. Wenn man ihn halt suchen und sehen will und nicht schon längst so blind ist wie die verdreckten Fenster der Glücksranch am Ende der Stichstraße.
Die seltsamerweise wie in einem kleinen Bermudadreieck lag. Erziehungsberechtigt wusste man wohl von ihr, aber die Kraft zu endlosen Diskussionen schien allseitig durch Lern- und Schulaufforderungen verbraucht zu sein. Irgendwann musste so ein Teenager ja auch mal raus, an die frische Luft. Und weit kommen konnte er hier ja nicht. Aber vom besonderen Glück der alten Ranch geahnt, geahnt hatten sie es. Gottergeben, vermutlich.
Meine Oma hat sich damals verraten. Die es mit den erzieherischen Herausforderungen aus der zweiten Reihe noch etwas genauer nahm. Sie kam tatsächlich einmal kugelrund im Stechschritt die lange Straße heruntermarschiert. Meinen aufrechten Opa im Schlepptau, der in der braunen Einkaufstasche ein Nudelholz für alle denkbaren Eventualitäten am Mann trug.
Plötzlich standen sie da, mittendrin im schummrigen Gastraum. Wie echte Überzeugungstäter. Der Plan ihres Lebens: mich, in Abwesenheit meiner Eltern, pünktlich nach Hause zu bugsieren, trotz offensichtlicher Sorge um Leib und Leben. Opa mit der lederumwickelten Küchenwaffe in der Hand, Oma mit der kühnen Entschlossenheit eines ganzen Gebirgsjägerbataillons.
Die Ansage war klar: dass nun Feierabend wäre, junge Dame! Und die Herren sicherlich Verständnis hätten für außergewöhnliche Mittel, an einem Tag wie diesem, an dem sie schließlich die ganze Verantwortung trügen. – Was unter den halbstarken Jungs um mich herum für großes Gejohle und eine spontane Einladung auf einen Kurzen sorgte. In Grund und Boden wollte ich sinken.
Ja, an diesem Abend hätte mir meine Familie beinahe mein junges Heldenleben versaut. Aus der Ranch abgeführt, von den eigenen Großeltern. Peinlicher geht’s nicht. Dass sie aber auch niemals, wirklich niemals verstanden, dass das alles hier keine Einbahnstraße war.
Sondern ein Highway. Der erste wichtige Zubringer in ein wirklich großes Leben. Was für Banausen!

2

Ein Punk fällt vom Himmel

Phil Collins „You can’t hurry love“ (1983)

Trotz der peinlichen Familienverhaftung blieb die Ranch am Ende der Welt natürlich unangefochtener Anlaufpunkt für uns. Schließlich kann die Landjugend nicht täglich Feuerwehrübungen ausrufen, um eine Dorfgemeinschaft auf Kurs zu halten. Wobei man natürlich schon ein gesamtes Wochenende sinnvoll mit der aufwendigen Bierbankbestuhlung eines Spritzenhauses füllen kann. Um sich schließlich für eine halbe Stunde in die schwere Wehrausstattung zu werfen, ein paar absichtlich angekokelte Strohballen zu löschen und dann endlich wieder ans frisch Gezapfte zurückzukehren.
Die Eventmanager der Arschregionen arbeiteten in den 90ern mit äußerst profanen Mitteln. Ich kann mich nicht erinnern, dass es jemals im Ort gebrannt hätte. Aber Gnade Gott dem Feuer, das sich hierher gewagt hätte! Es wäre bezwungen worden. Mit aller Macht des Durstes, der nach befriedigtem Aktionismus konditioniert wurde.
Es war ein seltsamer Ort mit seltsamen Menschen. Vielleicht auch einfach nur ein langweiliger Ort mit langweiligen Menschen.
Ihn jemals als „normal“ zu bezeichnen käme mir nicht in den Sinn. Obwohl fehlender Intellekt ja oft nahe an der Normalität liegt. Und dies ziemlich genau das war, was uns Helden in Ausbildung am meisten anpisste. Nichts gegen Bauernschläue. Aber wenn der Gesamt-IQ eines personell gut gefüllten Spritzenhauses die Hundertzwanzig nicht zu übersteigen vermag, darf man zumindest ins Zweifeln kommen, ob Abtrünnigkeit gegenüber gepredigter Normalität nicht ein Spitzenbekenntnis wäre.
Der erste wirklich normale Mensch, der mir am Ende der Welt begegnete, trug knallenge Jeans über langen Männerbeinen und eine taillenkurze Lederjacke über dem äußerst definierten V. Die knallrot gefärbten Haare standen ihm vom Kopf ab, als würde er alle überstrahlen wollen. Ein Punk im Geist, ein Punk in Musik, ein fleischgewordenes Fabelwesen für mich, und so klar und gelassen, dass er verschenkt war an diesen seltsamen Ort. Und geschenkt an mich.

Über den Autor

Bukowski, Candy

Bukowski, Candy

Candy Bukowski (geb. 1967) bemerkte zu spät, dass sie gerne Dramaturgin geworden wäre. Weshalb sie schließlich Buchhändlerin, Verlagsvertreterin, freie Redakteurin und Autorin wurde. Heute lebt sie sturmerprobt, alleinerziehend, mehrfach liebend und weiterhin nur schwer in... mehr über den Autor

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