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Nachtschwarz bis Blütenweiß. Rosen, Rilke und der Krieg
Roman

Nachtschwarz bis Blütenweiß. Rosen, Rilke und der Krieg

Autor: Wieland, Yngra

lieferbar


Produktart: Buch

Seiten: 364

Größe: 21,0 x 13,3 cm

Sprache: deutsch

Auflage: 1 Originalausgabe

Verlag: acabus Verlag

ISBN: 9783862825837

Einband: Paperback

zum eBook

EUR 16,00

Artikel


  • Inhalt
  • Leseprobe
Ein verhängnisvolles Versprechen bestimmt das Schicksal einer jungen Künstlerin

Deutschland, 1939: Ida besucht ein Pensionat für höhere Töchter am Bodensee. Ihre Leidenschaft gilt der Malerei, sie träumt von einer Zukunft als gefeierte Künstlerin. Doch als ihre Schwester Alice im Kindbett stirbt, verspricht Ida, sich um ihr Kind und ihren Mann zu kümmern.
Inmitten der aufgeladenen Vorkriegsstimmung versucht Ida verzweifelt, den Tod ihrer Schwester und die Erwartungen ihrer Eltern zu verdrängen. Zutiefst erschüttert sieht sie ihre Zukunftspläne zerstört. Da trifft sie Viktor wieder, der schon seit frühester Jugend in sie verliebt ist, und sie stürzt sich Hals über Kopf in einen Flirt. Wenig später bricht der Krieg aus …

Kalkweiß 

September 1939 (zur PDF-Leseprobe)


„Ida, so geht es nicht weiter! Was fällt dir ein, deine Pflichten derartig zu vernachlässigen? Frau Haberkorns Tochter hat Paul heimgebracht. Das ist an Peinlichkeit kaum zu übertreffen!“
Ida versuchte, den störenden Lärm einzuordnen. Langsam tauchte sie aus ihrer Versunkenheit auf an die Oberfläche. Sie hob den Kopf. Ihre Mutter stand in Hauskleid und Schürze in der Tür, das brüllende Kind auf dem Arm. Ida erinnerte sich, dass sie im Laden gewesen war, von Viktors Verschwinden gehört hatte, vom Heimweg wusste sie nichts. Wie im Fieber war sie gelaufen, war in ihrem kleinen Atelier im ehemaligen Gärtnerhaus verschwunden und hatte begonnen, ein Porträt von Viktor zu malen. Die Ruhe im Atelier tat gut, mit jedem Pinselstrich übermalte sie ihr schlechtes Gewissen Viktor gegenüber, und die Angst, dass ihm etwas geschehen könnte.
„Wenn du nicht zur Besinnung kommst, spreche ich mit deinem Vater, damit er dir das Malen verbietet.“
„Mutter, bitte, das darfst du nicht! Ich muss jetzt malen, ich muss Viktor malen, was, wenn er nicht zurückkommt aus dem Krieg?“
„Ida Leonore! Bist du von allen guten Geistern verlassen? Schlag dir Viktor aus dem Kopf. Du wirst Alfred heiraten! Leg jetzt den Pinsel weg, wasch dir die Farbe ab und füttere Paul.“
Ihre Mutter wandte sich mit einer brüsken Bewegung ab.
„Du hast deiner Schwester auf dem Totenbett ein Versprechen gegeben und du wirst deinen Verpflichtungen nachkommen!“
Ida sah zu, wie die Mutter durch den Garten zum Haus ging, während ihr der Sinn dieser Worte langsam ins Bewusstsein sickerte. Wie betäubt begann sie, ihre Pinsel zu reinigen, säuberte den Spachtel, schloss die Deckel der Farbtuben. Naphtolrot und das dunkle Cadmiumgelb gingen zur Neige. Sie brauchte dringend Nachschub. Mit müden Bewegungen schrubbte sie ihre Finger ab.
„Du wirst Alfred heiraten. Du wirst Alfred heiraten. Du wirst Alfred heiraten“, hallte es in ihren Ohren.
Bevor sie die Küche betrat, holte Ida tief Luft, als müsste sie auf den Grund eines tiefen Gewässers tauchen. Hanna saß auf der Eckbank, Paul im Arm und unterhielt sich mit Idas Mutter, die rote Bete schälte. Eine seltsame Atmosphäre der Vertrautheit herrschte zwischen den beiden. Ida fühlte sich wie ein Eindringling, als sie neben Hanna auf die Bank schlüpfte. Für einen Augenblick wünschte sie sich, sie könnte vertrauensvoll bei der Mutter sitzen, Paul in ihr Herz schließen, Mutters Ansprüchen genügen, damit sie von ihr geliebt wurde. Hanna schien etwas zu spüren, warf ihr einen schuldbewussten Blick zu und reichte ihr das Kind. Ida nahm Säugling und das Fläschchen entgegen, das die Mutter ihr hinschob.
„Du musst prüfen, ob die Milch die richtige Temperatur hat.“
„Ihh, ich will das nicht probieren!“
Die Mutter warf Ida einen verständnislosen Blick zu und nahm die Flasche wieder an sich. Sie tropfte etwas Flüssigkeit auf die Innenseite ihres Handgelenkes, nickte zufrieden und drückte Ida das Fläschchen in die Hand.
„So macht man das.“
Ida hielt dem Kind den Sauger an die Lippen, es schnappte danach und begann gierig zu schlucken. Die kleinen Finger bekamen eine Haarsträhne Idas zu fassen und schlossen sich fest darum. Ida runzelte die Stirn. Unbehaglich ruckelte sie herum und versuchte, ihr Haar dem Klammergriff zu entziehen. Das Kind lag schwer in ihrem Arm, der langsam lahm wurde.

Über den Autor

Wieland, Yngra

Wieland, Yngra

Yngra Wieland, Jahrgang 1961, studierte an der Hochschule für Musik in Heidelberg-Mannheim. Nach der Ausbildung zur Kommunikations-Assistentin arbeitete sie beim Musiksender MTV und später bei weiteren Musiksendern. Danach kehrte sie der Medienwelt den Rücken, absolvierte eine... mehr über den Autor

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