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Fernhalten. Ein Neuseeland-Roman

Fernhalten. Ein Neuseeland-Roman

Autor: Rathke, Miriam

Lieferbar in 48 Stunden


Produktart: Buch

Seiten: 264

Größe: 20,5 x 14,5 cm

Sprache: deutsch

Auflage: 1 Erstausgabe

Verlag: acabus Verlag

ISBN: 9783862821730

Einband: Paperback

zum eBook

EUR 13,90

Artikel


  • Inhalt
  • Leseprobe
Wie viel Ferne erträgt Nähe? Wie viel Zeit braucht die Liebe? Wie schön kann der schönste Ort der Welt noch sein, wenn das eigentlich Schöne 18.000 Kilometer weit weg ist?

Neuseeland. Ein Traum, der nicht länger nur geträumt, sondern endlich gelebt werden will.
Das andere Ende der Welt lockt mit seiner Naturschönheit, seinen Kontrasten und der Vorstellung eines unvergleichlichen Freiheitsgefühls. Und so verlässt Clara für drei Monate ihre Heimatstadt Hamburg, um das Land der Maori zu bereisen. Die Route führt von Auckland auf der Nordinsel bis nach Stewart Island, dem südlichsten Punkt Neuseelands. Während dieser Zeit bleibt Clara und ihrer großen Liebe Gabriel nur das geschriebene Wort. Zahlreiche Nachrichten überqueren die Kontinente. Sie dienen als Claras Reisetagebuch und erzählen die vielen Geschichten, die Neuseeland ihr schenkt: über Begegnungen mit riesigen Huhu-Bugs, putzigen Possums und ähnlich exotischen Campingplatz-Bekanntschaften.
Vor allem aber will jede einzelne Zeile beweisen, dass die Entfernung der Liebe nichts anhaben kann, wenn es nur gelingt zu sein, was man versprach …

Eine Geschichte über zwei Menschen, die sich begegnen, weil sie sich begegnen wollen und sich lieben, weil sie einander lieben wollen, und dabei vergessen, dass sie eigentlich zwei Fremde sind.
Wanaka, 01. April 2010
Hahaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa! Juchhuuuuuuuuuuuu! Jippiiiiiiiiiiiiieeeeeeeeeeeeee!
Hier im fernen Wanaka tanzt eine Frau … auf Adrenalin … auf Dopamin!!!
Mein liebster Gabriel … das war der absolute Wahnsinn! Ich will mehr davon!! Ich hätte große Lust, meine Fallschirmlizenz zu erwerben!! Wenn der Spaß nur nicht so kostspielig wäre … und das Hamburger Wetter nicht so springunfreundlich.
Aber da mich derzeit nichts betrüben kann, ist es wie es ist und zwar großartig!!!
Nach einer unerwartet erholsamen Nacht machen Luise und ich die Äuglein auf, schauen uns an und BÄHM fällt es uns ein: Wir springen heute! Die Zeit bis dahin vergeht unfassbar langsam, aber die Laune steigt minütlich. Endlich können wir uns auf den Weg machen. Wir schlendern bei behaglichem Sonnenschein zum Visitor’s Centre und schon nach kurzer Wartezeit und viel Gekicher werden wir zusammen mit einer anderen Deutschen, aus dem Schwabenländle, von einem kleinen Geländewagen, auf dem der nicht zu übersehende Werbeschriftzug „Skydiving“ steht, eingesammelt und zum Flugplatz gefahren. Eine lustige Fahrt mit einer amüsanten, jungen Lady am Steuer, die uns bereits die wichtigsten Infos zukommen lässt, dann einen kleinen Bildschirm hochklappt und unsere Aufmerksamkeit auf ein Video lenkt, das das weitere Vorgehen zeigt. Bauchkribbeln. Noch mehr Gekicher. Händchenhalten. Blöde Sprüche. Vorfreude. Kurz davor zu stehen, etwas zu tun, das man noch nie gemacht hat, birgt wohl eines der schönsten und aufregendsten Gefühle … und wir sind mittendrin.
Als wir nach einer Viertelstunde da sind, aussteigen, uns umschauen und die vielen kleinen Punkte vom Himmel fallen sehen … die größer und größer werden und plötzlich ganz bunt, da geht mir das Herz auf und meine Ungeduld ist nur noch schwer auszuhalten.
Man würde sich gleich um uns kümmern, heißt es. „Gleich“ ist ein sehr, sehr relativer Begriff! Wir müssen noch die Formalitäten klären, ein, zwei Unterschriften leisten, die Kreditkarte zücken. Ob wir gefilmt werden wollen. Nee, lieber nicht. Der Spaß kostet noch mal ne ordentliche Hausnummer. Und wirklich hübsch anzusehen ist man nun nicht gerade, wenn einem der Wind die Wangen bis hinter die Ohren pustet! Man setzt uns auf ein Sofa. Ein großer Flachbildschirm zeigt uns wieder einen Sprung. Das nervöse Herz beschleunigt. Luise entfährt ein: „Oh man, wir sind doch völlig verrückt.“ Das sagt sie so fünf, sechs Mal. Ich glaube, sie hat recht.
Schließlich kommt eine junge Frau auf uns zu und bringt zwei blau-rot-gelbe Overalls und einen Wust aus Gurten und Schnüren mit. Wir schlüpfen in die Anzüge und werden verschnürt. Schnell noch ein paar Fotos machen, dann Kappe auf, Handschuh an und raus aufs Rollfeld. Da steht es, dieses winzig kleine Flugzeug. Bevor der eigene Selbsterhaltungstrieb infrage stellen kann, ob da einzusteigen eine gute Idee ist, schnappen sich uns zwei Typen, stellen sich als unsere Springpartner vor und begleiten uns zu der Propellermaschine. „Ich mache das heute zum ersten Mal. Aber wird schon schief gehen!“ … „Ich hab gestern schon wieder drei Leute verloren, also, ganz aus Versehen natürlich. Heute wird es aber sicher besser laufen.“, sind die Sprüche, die uns um die Ohren fliegen. Jungs, ihr seid kranke Sadisten! Aber so richtig aufnahmefähig ist man ohnehin nicht mehr. Kein Zurück möglich. Wir quetschen uns mit acht Mann in dieses Flugzeug, übereinander, wir auf dem Schoß der Männer, in deren Händen unser Leben liegt. Wir fahren los, wir heben ab. Irgendwann schließt einer vorerst die Tür. Gutes Gefühl. Die Aussicht ist gigantisch! Türkisgrüne Seen und Flüsse (nein, da wollen wir nicht drin landen), die Southern Alps, der Mount Cook, das malerische Hügelland. Luise wird blass. Und blasser. Sie wirft mir einen hilfesuchenden Blick zu. Sie kichert nicht mehr. Sie hat Angst. Oh weh. So war das doch nicht gedacht. Ich greife nach ihrer Hand und meine leuchtenden Augen versprechen ihr, dass wir genau das Richtige tun. Kein Grund zur Angst. Es wird spektakulär werden! Vielleicht das Highlight unserer Reise! Kein Grund zur Angst. Nur Grund zur Freude. Und was so häufig passiert, wenn mich der Übermut packt: Ich verfalle in einen Lachflash. Meine Art, dem Irrsinn Luft zu machen: Ich lache und lache!
Die Tür geht wieder auf. Ganz kurz stoppt mein freudiges Gegluckse. Unsere Jungs schnallen sich an uns fest, klappen uns die Schutzbrille vor die großen Augen. Ein Typ springt solo aus dem Flugzeug – der mit der Kamera. Das Mädel aus Stuttgart will sich wohl filmen lassen und ist als nächste dran. Sieht auch blass aus und jammert ein wenig. Zack, weg ist sie. Dann Luise. Mist, muss sie auch noch vor mir raus. Na ja, vielleicht sogar besser so. Dann hat sie eher wieder Boden unter den Füßen. Und schon bin ich dran. Yeah – mitten im Himmel! 12.000 Fuß hoch! Ich hänge schon draußen, klappe brav meine Beine unter den Bauch der Maschine, Kopf in den Nacken, Hände an die Schultergurte. Und dann SPRINGEN WIR!!! 45 Sekunden freier Fall. Alles dreht sich. Ich will juchzen, aber die Luft drückt mit so viel Kraft gegen mein Gesicht, dass kein Geräusch es schafft, meinen Mund zu verlassen. Ein Glücksmoment. Pures, echtes, warmes Glück! Wobei, so warm dann doch nicht. Ganz schön kühler Wind da oben. Ein spürbares Fingertippen auf meiner Schulter, das heißt ich darf meine Arme ausbreiten. Ich darf fliegen! Die Luft trägt mich, als wäre ich federleicht, nein, als wäre ich die Feder persönlich. Die Aussicht aus dem Flugzeug war gigantisch. Aber das hier. Nichts schränkt den Blickwinkel ein. 360 Grad-Sicht. Und dieses Gefühl dazu … das ist … gigantischer als gigantisch! Ein kleiner Ruck und der Fallschirm öffnet sich. Der mir auf den Rücken geschnallte Kerl nimmt mir die Schutzbrille ab. Klare Sicht und die Gewissheit, dass wir überleben werden. Purer Genuss. Der Kick lässt (leider) nach. Vokabeln der tiefen Freude sprudeln aus mir heraus. Jubelschreie. Ja, nun weiß ich, warum Vögel singen. Und die Stimme hinter mir sagt: „This is the best thing you can do in your life … with your clothes on.“ Jahaaaaa! Exakt! Voll auf den Punkt! Weiser Mann!
Wir landen sanft. Die Sonne und Clara lachen um die Wette. „You did it! You are a Skydiver now!“ Danke, min Jung! Eine Auszeichnung, die ich voller Stolz und Hingabe tragen werde! Umarmung. Ach, da ist Luise. Und sie hat rosa Wangen. Gott sei Dank. Happy End! Ich will noch mal! Ich will am liebsten gleich noch mal in die Luft. Aber geht nicht. Kein Flatrate-Springen … leider.
Erstmal runterkommen. Also, im übertragenen Sinne. Hehe. Wir schnacken noch eine Weile mit der Stuttgarterin und gucken uns ihr Video an. Krasse Scheiße! (Verzeih, aber anders kann ich es nicht sagen) Das haben wir auch gerade gemacht! Irgendwie surreal. Aber man fühlt, dass es wahr ist. Die Beine sind noch etwas wackelig, der Puls spürbar zu schnell, das Gekicher hält weiterhin an. Wir kaufen uns zwei T-Shirts mit dem Aufdruck: „Adrenalin is legal“ als Andenken. Für so ein Erlebnis ein Andenken zu kaufen ist natürlich totaler Quatsch. Niemals werde ich diese Bilder vergessen, dieses Hochgefühl, dieses Kribbeln im Bauch. Aber die Shirts sind einfach so hübsch und Shopping ist gut für die Nerven.
Ja, das war wohl unser bisher schönster Tag – auf ewig in der Erinnerung lebendig. Wir verbrachten den Nachmittag am See. Stunden später noch immer überdreht. Breit grinsend und ungläubig den Kopf schüttelnd. Wir sind gesprungen! Tatsächlich gesprungen!
Gegen Abend gab es eine große Portion Fish and Chips. Lustige Sache. Ein dickes Paket, ganz klassisch in Zeitungspapier gewickelt, so weit alles wie erwartet. Nur dass der Fisch nicht in handlich kleine Stücke geteilt war, sondern das Filet im Ganzen auf den Pommes lag. Direkt aus der Friteuse. Besteck wird nicht vergeben. Aber hey, wer aus 12.000 Fuß Höhe aus einem Flugzeug springt, kann auch ein 120 Grad heißes Stück Fisch in die Hand nehmen.
Ich falle nun ins Bett, begleitet von Seligkeit.

In tiefer Liebe

Clara


Über den Autor

Rathke, Miriam

Rathke, Miriam

Miriam Rathke, Jahrgang 1980, lebt und arbeitet in ihrer Heimatstadt Hamburg. Nach Beendigung ihres Studiums reiste die Autorin für einige Monate nach Neuseeland und Australien, wo zwischen Auenland und Outback die Idee für ihren Debütroman 'Fernhalten' entstand. mehr über den Autor

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