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Gute und böse Nachtgeschichten

Gute und böse Nachtgeschichten

Autor: Walther, Markus

lieferbar


Produktart: Buch

Seiten: 212

Größe: 20,0 x 14,0 cm

Sprache: deutsch

Auflage: 1 überarbeitete Auflage

Verlag: ACABUS Verlag

ISBN: 9783862822553

Einband: Paperback

zum eBook

EUR 11,90

Artikel


  • Inhalt
  • Leseprobe
Schläfst du schon oder liest du noch?

Mit seinen "Kürzestgeschichten" schafft Markus Walther wahres Kopfkino: Gedankenspielereien mit Vampiren, Massenmördern, Trekkies, Kuriositäten und dem Mann von nebenan – jeder hat seine Leiche im Keller.
Die ganzen Abgründe des menschlichen Miteinanders passen in die Form einer Kurzgeschichte. Gewürzt mit einer gehörigen Portion schwarzem Humor, sind diese Kurzgeschichten eine unterhaltsame Bettlektüre, bei der du garantiert nicht einschlafen wirst!

Zombies

Ich hatte diese Filme stets belächelt, in denen Untote den Lebenden ans Leder wollen. Die Stories sind immer die gleichen. Ein paar blasse Typen fressen sich quer durch die Gemeinde. Und jeder, der nur ein bisschen angeknabbert wird, muss seine künftige Existenz als wankender, Gehirn fressender Zombie verbringen, bis der Hauptdarsteller dem Spuk ein Ende macht.
So weit die Theorie. Dass dem Ganzen aber ein gewisser Hintergrund angehört, hätte ich mir nicht träumen lassen. Es fing alles damit an, dass ich in den Nachrichten davon hörte, dass eine merkwürdige, unbekannte Seuche in Afrika grassieren würde. Ein paar hundert Leute wären von ihr befallen worden und verhielten sich seither unheimlich aggressiv. Eine Art Tollwut vermutete man.
Bald verging kein Tag ohne neue Schreckensmeldungen. Man sprach von faulenden Kadavern, Lepra und Killerviren. Einmal von der Krankheit infiziert, schien es kein Zurück mehr zu geben. Der Flugverkehr nach Afrika wurde zu spät eingestellt. Immer häufiger gab es nun auch Meldungen von anderen Kontinenten.
Meinen ersten Untoten habe ich unten in der Kneipe um die Ecke gesehen. Ohne großes Aufsehen war er an den Tresen gegangen, wie jemand, der sich gesittet ein Bier bestellen wollte. Doch während sein halb verfaulter Arm mit einem dumpfen Geräusch von der Schulter abfiel, biss er dem Wirt mit aller Selbstverständlichkeit in die Hand. Das Erste, was mir über die Lippen kam, war: „Herr Ober, zahlen bitte!“ Die Situation eskalierte dann aber doch zu schnell und deshalb zog ich es vor, als Zechpreller den Raum zu verlassen.
Meine überstürzte Flucht nach Italien brachte ich mit dem Auto relativ reibungslos hinter mich, denn das Land verfiel ziemlich schnell in eine ausgewachsene Anarchie. Tankstellen hatten mit einem Mal dem Wort „Selbstbedienung“ eine ganz neue Bedeutung zukommen lassen. Meinen Wagen benutzte ich fortan als Minipanzer. Jeder der sich mir in den Weg stellte, hatte die Wahl, entweder zu springen oder Bekanntschaft mit dem Kühlergrill zu machen. Der Mercedes-Stern macht ein paar schöne Abdrücke, kann ich euch sagen …
Auf Nahrungssuche ging man am besten mit einem Stemmeisen. Zum einen konnte man damit die Ladenöffnungszeiten prima neu definieren, zum anderen ließen sich die Biester damit glänzend auf Distanz halten. Die aufgeweichte, schimmelige Haut eines Untoten hatte einem gezielten Schlag nicht viel entgegenzusetzen. Mich erinnerte das alles sehr an amerikanischen Baseball.
Aber ich will ehrlich sein: Ich glaube, meine Flucht wird nun bald ein Ende haben. Die Übermacht der Zombies wächst von Biss zu Biss. Ich weiß nicht, wie viele Millionen Untote bereits den Erdball bevölkern. Die letzten lebenden Menschen, es sind vielleicht noch fünfzig, haben mit mir eine Zuflucht im Vatikan gefunden. Wir haben mit Baggern einen Graben um unser Quartier ausgehoben und mit Weihwasser gefüllt. Morgen wissen wir, ob das etwas nützen wird.
Die vergangenen Nächte sind recht unruhig gewesen, da jeder von uns seinem Nächsten misstraut. Mein Zimmergenosse ist, meiner Meinung nach, auch ziemlich blass. Den Geruch von Verwesung kann ich mir zwar nur einbilden, aber sicherheitshalber liegt das Brecheisen neben meinem Bett. Sollte er mir zu nahe kommen, werde ich ihm damit einen Scheitel ziehen.
Gute Nacht.


Der Broker

Oh mein Gott! Hatte er das wirklich gerade getan? Wie konnte ihm so etwas nur passieren?
Nun gut. Wenn er genauer darüber nachdachte, dann wusste er genau, wie ihm so etwas passieren konnte. Immerhin hatte er sich die letzten Jahre in seinem Beruf darauf gedrillt, keine Sekunde zu verschenken. Und bis jetzt hatte ihm dies auch immer zum Vorteil gereicht. Aber heute …
Er war bekannt dafür, dass bei ihm alles schnell gehen musste. Be-trat er früh am Morgen sein Büro, so reichte ihm seine Sekretärin im Vorbeigehen den Kaffee. Die Nachrichten und die wichtigsten Zahlen ruhten bereits vorsortiert auf seinem Schreibtisch. Die Rufnummern, die er im Laufe des Vormittages anwählen musste, lagen vorprogrammiert im Zwischenspeicher, da seiner Meinung nach eine Telefonvermittlung zu viel Zeit in Anspruch nahm. Das halbe Brötchen schlang er, während er mit einem Auge den Monitor mit den Börsenzahlen überflog, unzerkaut herunter.
So flogen die Vormittage dahin, bis Mittag. Seinem Personal musste er – obwohl dies seiner Arbeitseinstellung vollkommen zuwider war – dann eine Pause gewähren. Zwangsweise drosselte auch er dann sein Tempo. Doch da er auf seine Mahlzeit in der Regel verzichtete, schaffte er dennoch ein ansehnliches Arbeitstempo.
Die zweite Tageshälfte lief ähnlich ab: Schnell, effektiv und bis auf die letzte Sekunde durchgeplant.
So war es immer, bis heute Abend …

Nach Feierabend fiel es ihm schwer abzuschalten. Er eilte aus dem Büro. Während er im Fahrstuhl abwärts fuhr, bestellte er mit dem Handy bereits ein Taxi vom Taxistand nebenan. Als er aus dem Foyer des Bürokomplexes heraustrat, stand sein Wagen schon da. Auf dem Weg zum Restaurant programmierte er noch schnell den Organizer. Das Geld für den Fahrer lag wie immer abgezählt in seiner Westentasche, so konnte er, kaum hatte der Wagen angehalten, zügig aussteigen.
Als er das voll besetzte Lokal betrat, orderte er sich im Vorbeigehen seinen Wein und das Cordon bleu.
Dann …
… ja, dann. Kurz entschlossen ging er an seinem vorreservierten Tisch vorbei, auf die Toilette zu, um seine Notdurft zeitsparend vor dem Essen zu verrichten. Auf halbem Weg, noch mitten im Restaurant, öffnete er den Reißverschluss seiner Hose. Zwanzig Schritte vor der Toilettentür griff er nach dem Saum seiner Unterhose, um ihn nach unten zu drücken. Als er die Türklinke zur Toilette mit der rechten Hand betätigte, hatte er mit der linken Hand bereits sein bestes Stück in der Hand.

Nun stand er am Pissoir, hielt für den ersten Moment des Tages inne und fragte sich, ob er dies wirklich gerade getan hatte.


Kalte Liebe

Liebe endet nicht so einfach. Sie verschwindet nicht von heute auf morgen. Vielmehr stiehlt sie sich leise fort, wie ein Dieb, der seine Beute in Sicherheit bringen will. Die Beute ist in diesem Fall das Gefühl. Und die Leere, die langsam und leise in einem wächst, frisst sich empor, bis sie unerträglich erscheint, doch der Punkt, an dem man bereit ist, sich zu lösen und der Qual ein Ende zu bereiten, flieht vor einem dahin. Irgendwo trauert man um den Menschen, den man einst geliebt hat, sucht ihn in der Person, die einem immer noch so nah ist. Aber von alldem wird es immer weniger geben. Man ahnt fast, wie es schwindet.
Die Gewissheit, dass das Ende unausweichlich wird, beklemmt und schnürt dir den Hals zu. Das Einzige, was dich hält, ist die Hoffnung, dass etwas passiert, was dir die Vergangenheit in die Gegenwart rettet und somit eine neue Zukunft offenbart.

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