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Mein guter Feind Goethe. Die geheimen Memoiren des Grafen Alexandre de Cagliostro
Historischer Roman

Mein guter Feind Goethe. Die geheimen Memoiren des Grafen Alexandre de Cagliostro

Autor: Simon, Heinz-Joachim

lieferbar


Produktart: Buch

Seiten: 304

Größe: 21,0x13,3

Sprache: deutsch

Auflage: 1 Originalausgabe

Verlag: acabus Verlag

ISBN: 9783862827602

Einband: Paperback

EUR 17,00

Artikel


  • Inhalt
  • Leseprobe
„Ich habe eine Fackel unter die Menschheit geworfen und daraus wurde ein Brand in allen Völkern, den keiner zu löschen vermag.“

Alexandre Graf de Cagliostro – Großkophta, Reisender durch die Zeit, Menschenkenner und Wunderheiler – fühlt sich gekränkt: Goethe bezeichnet ihn als Scharlatan. Doch trotz offenkundiger Verachtung faszinierte ihn Cagliostro auch. Der Zwiespalt des Dichters wirft bis heute Fragen auf.

Einige Menschen hassen Cagliostro, viele lieben ihn. Er pflegt Beziehungen zu einflussreichen Zeitgenossen und zwischen Goethe und Cagliostro entsteht eine besondere Feindfreundschaft.
Während der Graf vom Volk verehrt wird, hat er eine offene Rechnung mit den Reichen und Mächtigen. Unter der Losung „Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit“ führt er die Aristokratie vor. Er ist der geheimnisvolle Drahtzieher hinter der Halsbandaffäre, die der französischen Monarchie ihr Ansehen kostet und schließlich zur Französischen Revolution führt.

Heinz-Joachim Simon nimmt sich einem der spektakulärsten Hochstapler der Weltgeschichte an und erzählt eine abenteuerliche Geschichte des Europas in aufgewühlten Zeiten. Scharfsinnig, mitreißend und inspirierend!


Ein Roman ist nur dann gut, wenn der Leser glaubt, dabei zu sein.
Und
meine Web-Adresse: www.heinz-joachim-simon.de
Der Wunderheiler von Straßburg (zur PDF-Leseprobe)
Ich tat Ungeheuerliches. Goethe ahnte es. Natürlich kannte er nicht die Raffinesse meines Plans, und wie es dann kam, geschah einiges auch recht zufällig. Eine Revolution will vorbereitet sein, lange vor den Straßenkämpfen muss sich ein Gedanke breit machen, in unserem Fall, dass man Könige und Fürsten eigentlich nicht brauchte. Ich war Herostratos und mein Tempel von Milet war die Bastille. Ob ich Gewissensbisse habe? Tausende von Menschen sind durch die Revolution umgekommen und noch viel mehr dadurch, dass schließlich ein General die Macht an sich riss. Nein, ich hatte gute Gründe, den Adel zu hassen. Niemals vergaß ich die Straßen von Palermo und auch nicht, was der Marchese meiner Schwester antat. Die Aristokraten sahen mit Verachtung auf die, die sie ernährten. Erst als ich mich zum Grafen aufschwang, nicht durch Ahnen berechtigt, sondern durch meinen Wagemut, mich Graf de Cagliostro zu nennen, sahen sie mich als einen Menschen an. Goethe nannte mich Betrüger, Scharlatan und Schwindler. Zugegeben, einiges davon war ich. Aber was zählt das dagegen, dass ich mithalf, in den Menschen einen Traum einzupflanzen? Ich bin der Großkophta, der Schüler des Althotas. Alle Religionen, ob Christentum, Judentum, der Islam, selbst Hindus und Buddhisten, glauben an höhere Wesen, und das, so lehrte es mich Althotas, bot die Möglichkeit, dem Sumpf zu entkommen, in den ich einst hineingeboren worden war.
Bei einem Logenmitglied, in einem prächtigen Palast nahe dem Palast der Rohans, nahm ich Quartier. Schon bald drängten sich in Straßburg die Menschen bis auf den Gehweg vor dem Haus. Wie immer sorgte ich dafür, um meine Person, die Aura des Geheimnisvollen zu verbreiten. So ließ Lorenza das Empfangszimmer mit Symbolen der Freimaurer schmücken, das allwissende Auge sowie der Uroboros, das alte ägyptische Symbol der sich in den Schwanz beißenden Schlange. Überall gab sie kund, dass ich als Großkophta der »Loge nach ägyptischem Ritus« ein unendliches Wissen über die Lebenssäfte besäße, das die Wunder ermöglichte.
Wenn ich zurückblicke, war Straßburg sicher der Zenit meiner Laufbahn als Wunderheiler, Magier und Großkophta. Man glaubte mir, weil man glauben wollte. Ja, man feierte mich. Natürlich waren auch einige skeptische Stimmen zu hören, aber sie wurden von denen, die dank meiner Behandlung gesund wurden, lautstark überstimmt. Meine Beliebtheit hatte auch damit zu tun, dass ich von den Armen kein Geld nahm. Und, mehr noch, auf meine Kosten ließ ich ein Spital errichten, in dem selbst schwerste Fälle kostenlos aufgenommen wurden. Gut, ich hatte auch in Straßburg einige reiche Gönner, die mir ihre Schatulle öffneten und Kredite gewährten, deren Rückzahlung nicht erwartet wurde. Doch alle Welt nahm an, dass ich so reich war, weil ich Blei in Gold verwandeln konnte. Erweckungsabende mit Séancen und die Aufnahme in meine »Loge nach ägyptischem Ritus der strengsten Observanz« brachten natürlich auch hohe Einnahmen. Nach meinen Erweckungsabenden, bei denen ich die Zukunft voraussagte, war man gar süchtig. Es war dafür gar nicht so einfach, ein unschuldiges Kind zu finden, das ich befragen und dem ich obendrein die Aussagen eingeben konnte, die meine Klientel hören wollte.
Barsini sorgte dafür, dass ich über den Klatsch und Tratsch der Stadt bestens informiert war, und die Straßburger staunten immer wieder, dass ich von ihren kleinen und großen Geheimnissen wusste, und schrieben dies meinen übersinnlichen Fähigkeiten zu. Barsini trieb sich in den Spelunken und Gasthäusern der Stadt herum, ging Liebschaften mit Zofen der Adelshäuser ein und kam so zum Wissen über die schmutzigste Wäsche der sittsamen Bürger und Aristokraten der Stadt. Meine Geschichten über die Wanderung durch die Zeit brauchte ich gar nicht mehr aufzutischen, da diese bereits im Umlauf waren. Da meine »Loge nach ägyptischem Ritus« auch Frauen aufnahm, war ich bei der Weiblichkeit überaus beliebt, und sie sorgten dafür, dass man mich fast wie einen Heiligen ansah. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass in jenen Tagen mein Ruhm mit dem des Grafen St. Germain gleichzog, jenem geheimnisvollen Magier, der einst Paris so faszinierte.
Es war also nicht verwunderlich, dass mich Kardinal Louis René Edouard de Rohan-Guéméné, Großalmosenier von Frankreich, in sein Schloss in Saverne einlud. Er wusste nicht, dass er einen Tiger zu sich einlud. Gewiss, das Schloss war prächtig, bezog er doch Einkünfte aus vielen Diözesen. Er stand dem Königshaus nahe, und als Großalmosenier war er der Anführer des Großadels. Kardinal Rohan empfing mich wie ein Mitglied der Familie. Auch das trifft es nicht ganz, er empfing mich wie jemanden, der für ihn eine Hoffnung darstellte. Wenn er auch rangmäßig dicht hinter dem König stand, so strebte er doch einen noch höheren Rang an, den des Premiers. Mir zu Ehren gab es ein prächtiges Bankett, an dem alle wichtigen Bürger Straßburgs und der Adel des Elsass teilnahmen. Nie habe er an seiner Tafel einen Mann empfangen, dem ein so unerhörter Ruf vorausgehe, schmeichelte er mir gleich zu Beginn des Banketts.
»Ich habe die Einladung gern angenommen, da ich weiß, dass Ihr eines Tages eine herausragende Rolle in der Geschichte Frankreichs spielen werdet.«
Nach diesen Worten hatte ich ihn völlig für mich eingenommen.
»Hat Euch das Eure Fähigkeit, die Zukunft zu kennen, offenbart?«, fragte er, aufgeregt an seinen Manschetten zupfend.
»Zweifelt Ihr daran?«
»Oh nein. Ihr seid ein Mann von Ehre. Ich weiß doch um Eure Verdienste um mein Straßburg. Wir sind Euch für Eure guten Taten zu großem Dank verpflichtet.«
Ich verbeugte mich leicht. Mir gegenüber saß ein hübsches Weib mit blauen kecken Augen, die mich immer wieder fixierten. Manchmal lächelte sie maliziös. Wenn sie die Lippen schürzte, sah sie etwas vulgär aus.
»Verehrter Graf, seid Ihr eine Wiedergeburt des Nostradamus?«, fragte sie spöttisch lächelnd. Der Kardinal hatte sie mir als Gräfin de la Motte vorgestellt. »Könnt Ihr meine Gedanken lesen, auch in meine Seele hinabtauchen, wie ich von Euren Bewunderern in Straßburg hörte?«
Ich musterte sie streng. Alle am Tisch sahen gespannt auf mich.
»Immer dem Rang nach, Madame«, wies ich sie grob zurück und wandte mich an Rohan. »Eure Exzellenz sehnt sich danach, der erste Mann hinter dem König von Frankreich zu werden. Und Ihr habt Gründe genug dafür, solche Ansprüche stellen zu dürfen.«
Es war nicht schwer, solches vorauszusagen. Mein guter Barsini hatte für das erste Zusammentreffen genug Materialien zusammengetragen, die mich über seine Ambitionen informierten. Er war am Königshof in Ungnade gefallen. Auf Marie Antoinettes Betreiben war er am Hof nicht erwünscht. Sie hatte die Abneigung ihrer Mutter Maria Theresia übernommen. Den Unwillen der österreichischen Königin hatte Rohan sich zugezogen, als er Botschafter in Wien gewesen war. Sein wilder Lebenswandel war Stadtgespräch gewesen. Die sittsame Ehefrau und Mutter verachtete, wie zügellos Rohan seine Leidenschaften auslebte. Als er dann noch der Königin von Österreich Klatsch zutrug, dass Marie Antoinette einen verschwenderischen Lebenswandel pflegte, war er natürlich endgültig jeder Huld am Königshof verlustig gegangen, mehr noch, Marie Antoinette hasste Rohan. Und doch hatte Rohan die Hoffnung nicht aufgegeben, wieder in Gnade aufgenommen zu werden. War er doch von höchstem Adel und zudem, wie man ihm immer wieder bestätigte, einer der schönsten und vornehmsten Männer Frankreichs. Er war von fast kaum zu überbietender Eitelkeit, und dies war der Schlüssel, der zu dem späteren Drama führte.
»Und nun? Darf ich Eure Aufmerksamkeit auf mein Schicksal lenken?«, drängte die de la Motte. Frech war ihr Blick. Hochmütig ihre Haltung. Sie glaubte, mir ebenbürtig zu sein, sogar mich durchschaut zu haben. Was erlaubte sich diese Dirne! Ich musterte sie kalt. Mein durchdringender Blick ließ sie die Augen niederschlagen.
»Gräfin de la Motte, lasst Euch versichern, dass man Euren Namen bald in ganz Frankreich kennen wird.«
»Wann?«, fragte sie hastig.
Ich zuckte mit den Achseln. »Ihr müsst Geduld haben.«
Diese Prophezeiung hatte ich nur gesagt, um sie loszuwerden. Doch der Rat geduldig zu sein, war vergiftet. Sie würde bis an ihr Lebensende darauf warten, dass unerhörte Ereignisse sie doch noch nach oben tragen würden. Ich ahnte jedoch nicht, wie schnell sich meine Worte erfüllen würden.

Über den Autor

Simon, Heinz-Joachim

Simon, Heinz-Joachim

Heinz-Joachim Simon († 2020) lebte in der Nähe von Stuttgart und ging in seinen Romanen vielfach der Frage nach, warum die deutsche Geschichte immer wieder auf Abwege geriet. Simon war Markenberater und Inhaber einer renommierten Werbeagentur und Verfasser zahlreicher Sachbücher... mehr über den Autor

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