. .
BUCHstäblich NEU
Sie sind hier:

Die Magdeburger Bluthochzeit. Geschichten des Dreißigjährigen Krieges
Band 4. Historischer Roman

Die Magdeburger Bluthochzeit. Geschichten des Dreißigjährigen Krieges

Autor: Olbrich, Jörg

lieferbar


Produktart: Buch

Seiten: 492

Größe: 21,0 x 13,3 cm

Sprache: deutsch

Auflage: 1 Original

Verlag: acabus Verlag

ISBN: 9783862827855

Einband: Paperback

EUR 18,00

Artikel


  • Inhalt
  • Leseprobe
Das Kriegsgeschehen im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation reißt nicht ab. Als Unterstützer der Protestanten rückt der Schwedenkönig ins Land vor, während die katholischen Spanier weiterhin Braunfels besetzen. Magdeburg steht vor der Entscheidung,
sich offen gegen den Kaiser zu stellen. Doch ob ihnen Schweden rechtzeitigen Schutz vor dem Heer Johann von Tillys bieten kann? Der kaiserliche Söldner Peter Hagendorf wohnt der Belagerung Magdeburgs bei und erlebt die schmerzlichen Folgen für Stadt und Soldaten am eigenen Leib.

Überall steht das einfache Volk unter dem Joch des nun schon zwölf Jahre andauernden Krieges. Die junge Magd Hanna überlebt die Zerstörung ihres Hofes nur knapp. Ihr bleibt nichts anderes, als sich als leichtes Mädchen durchzuschlagen.

Der Geistliche Friedrich Spee hat unterdessen einen persönlichen Kampf gegen seine Glaubensbrüder und die Unterstützer der Hexenverfolgung zu bestreiten. Mit der Cautio Criminalis will er die Mächtigen zum Umdenken bewegen und hunderte Unschuldige vor dem Tod auf dem Scheiterhaufen retten.

Verwüstung, Hungersnöte, Armut und Pest kosteten zwischen 1618 und 1648 rund sechs Millionen Menschen das Leben. Die Romanreihe „Geschichten des Dreißigjährigen Krieges“ überzeugt mit historischen Fakten und einer spannungsgeladenen Entwicklung.

Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel, 06. August 1626 (zur PDF-Leseprobe)

Hanna ließ vor Schreck fast den Weidenkorb fallen, den sie gerade mit Kirschen gefüllt hatte, und drehte sich um. Noch nie in ihrem siebzehnjährigen Leben hatte sie so einen lauten Ton gehört. Drei weitere Donnerschläge erklangen und hallten in der Luft nach. Sie waren so dicht aufeinander gefolgt, dass sie sich in Hannas Ohren beinah wie ein einziger, schrecklicher Knall angehört hatten.
Kurz darauf waren Schreie von dem etwa fünfhundert Meter entfernten Hof zu vernehmen. Sie klangen, als würden sie in allergrößter Not ausgestoßen. Jetzt ließ Hanna den Weidenkorb doch fallen und rannte los.
Auf die kurzen Strohhalme, die ihr in die nackten Füße stachen, als sie über das frisch abgemähte Feld rannte, achtete Hanna nicht. Sie wollte so schnell wie möglich zurück zum Hof ihres Herren. Dort musste etwas Furchtbares geschehen sein.
Bei jedem weiteren Donnerschlag zuckte sie zusammen. Dann sah sie eine Gruppe von Männern auf Pferden, die zwischen dem Wohnhaus, dem Stall und der Scheune standen. Es waren mehr als fünf. Weiter konnte die Magd nicht zählen und das war in ihrem bisherigen Leben auch nie notwendig gewesen. Tief in ihrem Innern spürte sie, dass sich heute für sie alles ändern würde.
Die Magd hörte einen erneuten Schrei von der Rückseite des Wohnhauses und änderte abrupt ihre Richtung, um zu sehen, was dort passierte. Außerdem wollte sie den Männern nicht unbedingt in die Arme laufen, deren Rufe sie neben der Scheune hörte. Sie machten auf Hanna nicht den Eindruck, als wären sie als Freunde gekommen. Sie bog um die Ecke und erstarrte.
Direkt vor Hanna lag die Bäuerin bäuchlings im Dreck und wimmerte vor Schmerzen. In diesem Augenblick wusste die Magd nicht, was sie mehr schockierte: Die Tatsache, dass ihre Herrin völlig unbekleidet war, oder die klaffende Wunde am Rücken, aus der unaufhörlich Blut floss und langsam im Boden versickerte.
Hanna wollte schreien, brachte aber nicht einen Ton über ihre Lippen. Plötzlich spürte sie, wie sie von hinten am Arm gepackt und herumgerissen wurde. Sie blickte in das bärtige Gesicht eines ihr unbekannten Mannes. Sein Atem schlug ihr entgegen. Noch nie hatte sie etwas derart Widerliches gerochen.
Sie wehrte sich gegen den Griff, wurde aber von dem Kerl mit dem Rücken gegen die Wand gestoßen. Zum ersten Mal in ihrem Leben verspürte sie Angst.
»Wo willst du denn so eilig hin?«, fragte der Fremde und hieb Hanna den Handballen so fest gegen den Brustkorb, dass sie kaum Luft bekam. »Du wirst schön hierbleiben und genau das tun, was ich dir sage. Sonst werde ich dich töten.«
Hanna erstarrte und brachte keinen Ton heraus. Sie spürte, wie ihre Verzweiflung sich in nackte Todesangst wandelte. Was wollte der Mann von ihr? Sie schaute zur Bäuerin, die noch immer auf dem Boden lag und sich nun nicht mehr rührte. Wo waren der Bauer und die Knechte? Warum unternahmen sie nichts?
Der Fremde griff nach Hannas Hemd und riss es mit einem kräftigen Ruck auseinander. Trotz der Hitze des Tages begann die Magd zu frösteln.
»Du bist von Gott reich beschenkt worden«, sagte der Mann und starrte auf Hannas Brust.
Die Magd verstand nicht, was der Fremde meinte und sah ihn hilflos an. Der Mann griff mit beiden Händen nach ihren Brüsten und drückte sie so fest zusammen, dass sie vor Schmerz aufschrie. Der Fremde zerriss nun auch ihren Rock. Als sie sich abermals gegen ihn zu wehren versuchte, schlug er ihr mit der Faust in den Magen.
Der Schmerz durchfuhr ihren Körper und sie nahm ihre Umgebung nur noch verschwommen wahr. Plötzlich zuckte der Fremde zusammen und stieß einen röchelnden Laut aus. Dann strömte Blut aus seinem Mund und verteilte sich auf Hannas unbekleidetem Körper.
»Flieh in den Wald«, sagte der Bauer und zog die Mistgabel aus dem Hals des Fremden, während der langsam zu Boden fiel. »Wir wurden von Tillys Soldaten überfallen. Hier wird bald kein Stein mehr auf dem anderen stehen.«
»Ich verstehe dich nicht«, sagte Hanna verzweifelt. Warum sollten die Männer ihnen etwas antun wollen? Sie wusste, dass die beiden Söhne ihres Herrn ebenfalls Soldaten waren. Beide waren gottesfürchtige Männer, die nichts Böses im Schilde führten. Warum waren die Soldaten, die zu ihrem Hof gekommen waren, anders?
»Wenn dir dein Leben lieb ist, lauf so schnell du kannst in den Wald und komm nie wieder hierher zurück«, sagte ihr Herr und drehte sich zu seinem Weib um. Im gleichen Moment gab es einen furchtbaren Knall, und der Kopf des Bauern zerplatzte wie ein fauliger Apfel, den man gegen eine Wand geworfen hatte.
Gleich drei Soldaten erschienen nun vor Hanna und kamen langsam auf sie zu. Auf den ersten Blick sahen die Männer gleich aus. Sie trugen dunkelblaue Jacken, braune Hosen und hatten seltsame Stöcke in der Hand, aus deren Spitzen Rauch aufstieg.
»Das Weibsbild ist hübsch«, sagte einer der Männer und nestelte an seiner Hose herum. »So einen Anblick hätte ich in dieser Einöde nicht erwartet.«
»Sie gehört mir«, sagte der Zweite mit scharfer Stimme. »Wir werden sie mitnehmen.«
Voller Furcht beobachtete Hanna die Soldaten, unfähig sich zu rühren. Der in der Mitte schien der Herr der beiden anderen zu sein. Zumindest hörten sie auf dessen Worte und rührten die Magd nicht an.
»Holt die Pferde«, befahl der Anführer und musterte Hanna nach diesen Worten von oben bis unten.
Die Magd erschauderte. Erst jetzt wurde ihr bewusst, dass sie noch immer unbekleidet war. Bisher hatte sie nur der älteste Sohn des Bauern so gesehen, wenn er ihr heimlich zugeschaut hatte, als sie sich wusch. Hanna hatte immer gewusst, dass Karl sie beobachtete und seine begehrenden Blicke genossen. Bei den drei Fremden war das anders.
Der dritte Soldat kehrte mit drei Pferden zurück und reichte seinem Anführer ein Seil. Der nahm es und ging damit auf die Magd zu. »Zieh dich an. Dann werde ich dir die Hände zusammenbinden. Wenn du dich wehrst, bringe ich dich um.«
Trotz ihrer Angst war Hanna froh, dass sie von den Fremden zumindest nicht unbekleidet fortgeführt wurde. Rock und Hemd waren zerrissen, und sie musste die Stücke an den Enden zusammenbinden, um ihre Blöße zumindest notdürftig zu bedecken. Als sie damit fertig war, packte der Soldat ihre Hände und band sie mit einem Ende des Seils zusammen.
»Wo bringt ihr mich hin?«
»Das braucht dich nicht interessieren«, antwortete der Soldat, der sie gefesselt hatte. »Ab jetzt gehörst du mir und wirst mir gehorchen. Wenn du folgsam bist, lasse ich dich vielleicht am Leben.«
Die Soldaten stiegen auf ihre Pferde und ritten langsam los. Das Seil straffte sich und Hanna musste sich beeilen, wenn sie nicht stürzen wollte. Im Geiste sagte die Magd unzählige Male das Vaterunser auf; das einzige Gebet, das sie kannte. Sie flehte Gott an, sie vor dem Zorn der Soldaten zu schützen. Etwa eine Stunde, nachdem man sie vom Hof ihres Herrn heruntergeführt hatte, war sie bereits weiter davon entfernt als jemals zuvor.

Über den Autor

Olbrich, Jörg

Olbrich, Jörg

Jörg Olbrich, Jahrgang 1970, lebt in Mittelhessen. Das Heimatdorf des Autors, das zwischen Wetzlar und Braunfels liegt, wurde während des Dreißigjährigen Krieges von spanischen Truppen verwüstet. Die Spanier wollten die Kirchenglocke einschmelzen, um Waffen herzustellen.... mehr über den Autor

Bewerten und Kommentieren

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus.

 
Design by MKD Mediengestaltung