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Pestland

Pestland

Autor: Schütz, Lars

lieferbar


Produktart: Buch

Seiten: 244

Größe: 20,5 x 13,5 cm

Sprache: deutsch

Auflage: 1 Erstausgabe

Verlag: acabus Verlag

ISBN: 9783862821709

Einband: Paperback

zum eBook

EUR 13,90

Artikel


  • Inhalt
  • Leseprobe
  • Rezension
Duisburg im 14. Jahrhundert nach Christus: Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation erzittert unter dem Wüten der Pest.

Die Suche nach einem Mittel gegen den Schwarzen Tod führt den Mönch und ehemaligen Tempelritter Lucien de Courogny mitten hinein in das karge Pestland, wo Tod und Gewalt allgegenwärtig sind. Seine einzigen Reisegefährten: der 16jährige Simon und dessen Hund. Gemeinsam durchqueren sie einen Landstrich, der durch die Seuche beinahe vollständig entvölkert wurde, und müssen erleben, zu welchen Taten Menschen fähig sind, die dem Tod ins Auge blicken.
Doch die Gefahren des Pestlandes sind nicht die einzigen Herausforderungen, denen sich Lucien stellen muss. Schon nach kurzer Zeit holen ihn die Schatten seiner Vergangenheit gnadenlos ein, denn die Häscher des Papstes folgen ihm ins Pestland.
Es beginnt ein Wettlauf gegen das Verderben, bei dem Lucien und Simon bis an ihre Grenzen gehen, seinem schlimmsten Feind jedoch kann Lucien nicht davonlaufen, denn er ist allgegenwärtig, sogar in der Zukunft.

Werden Lucien und Simon der Zeit entfliehen und den schwarzen Tod besiegen? Und was hat es mit dem geheimnisvollen Klingeln auf sich, das Lucien bis in seine Alpträume folgt?
„Was blähst du dich auf in deinem Stolz?
Staub bist du und Staub musst du werden,
ein verfaulter Kadaver, die Speise der Würmer.“

- Grabspruch des Kardinals La Grange -

Vorwort
Eine Warnung

Dies ist kein historischer Roman im klassischen Sinne. Es ist ein Roman über die Pest, nicht über die Zeit ihres Auftretens. Und im Fieberwahn geschehen Dinge, die auf den ersten Blick anachronistisch, sogar befremdlich erscheinen. Am Ende dieser Geschichte werden Sie verstehen, was mit dieser Warnung gemeint ist.

Aus Kapitel 2:

„Wasser! Bringt dem Mann Wasser!“
Das wächserne Gesicht des Minderbruders ruhte über mir. Seine vor Schweiß glänzende Stirn lag in Sorgenfalten, während er mir mit einem Tuch die Wangen abtupfte.
Meine Haut brannte wie ölbestrichenes Pergament, das man in Flammen geworfen hatte. Jedes rasselnde Luftholen zog meine Lungen zusammen. Aber all diese Schmerzen waren nichts im Vergleich zum qualvollen Pochen der Schwellungen an meinem Hals und meinen Leisten.
Jetzt hat der Schwarze Tod dich geholt, bevor ich es tun konnte, erscholl ein Lachen. Spürst du schon, wie die Beulen kurz davor sind, aufzuplatzen, lieber Lucien?
„Sei still!“, schrie ich und hämmerte meine Faust auf das notdürftige Lager aus Stroh und Decken. „Sei endlich still!“
Ich musste hier fort. Ich musste weg. Sie würden mich finden – die Häscher des Papstes. Und was noch viel furchterregender war: Der Dämon würde mich finden.
Mit erstaunlicher Kraft umfasste der Minderbruder meine Unterarme und tätschelte mir die Wange. Im flackernden Kerzenlicht lagen seine Augen im Schatten und sein Blick war nicht zu deuten.
„Er spricht bereits im Wahn! Gott im Himmel – wo bleibt das Wasser?“
Ein schlaksiger Novize eilte mit einem Krug herbei und reichte ihn dem Minderbruder.
„Na endlich“, brummte dieser und riss das Gefäß aus der Hand des Jungen. Er goß das Wasser in eine Schüssel und gab weitere Anweisungen: „Kümmere dich um das Mädchen in der hinteren Reihe. Sie hat äußerst starkes Fieber. Und leg neue Gewürze in die Fackeln – wenn du gerade dabei bist, kannst du auch beten, dass sie tatsächlich etwas gegen das Miasma nützen.“
Ich sah dem Novizen nach, der eifrig davonlief. Unter meinen flackernden Lidern schien das Klostergewölbe wie eine der Folterkammern der Hölle, bewohnt von Schatten und Dämonen. Das Stöhnen und Röcheln der Kranken waberte zusammen mit dem Gestank nach Fäulnis, Schweiß und Kot zwischen den trutzigen Säulen umher.
Tripf-Tropf. Tripf-Tropf. Lucien kann etwas trinken, wurde das Crescendo der Kranken erneut übertönt. Nur wird es ihm nichts nützen, denn er ist ein Verräter!
Ich krallte meine Finger in die Wolldecke unter mir, die durchtränkt war vom Eiter und Blut jener, die bereits auf ihr gestorben waren.
Der Mönch setzte den Krug ab und führte die Schüssel an meinen Mund.
„Ich bin kein Verräter!“, murmelte ich. Das Fieber loderte in mir auf und mit ihm die Erinnerung an Scheiterhaufen. Die Bilder meiner Schande - Schrille Schreie fegten durch meine Ohren. Die Rufe der Menge, die raue Stimme des Urteilverkünders, das Prasseln der Flammen. Die Verurteilten, die aneinander gekettet und in zerrissenen Leinengewändern auf dem Podium standen.
Der Mönch legte mir einen Finger auf die spröden Lippen.
„Ruhig, mein Sohn, ruhig. Ich bin sicher, du bist kein Verräter. Trink – es wird dir gut tun!“ Er hob meinen Kopf an und hielt mir die Schüssel an den Mund.
Da liegt er falsch, der alte Narr, raunte die Stimme. Du bist ein Verräter! Fühlst du sie? Apluc!? Culpa! Die Schuld!? Du warst es, Lucien! Du hast es getan, Sohn des Judas Ischariot!
Ich warf mich hin und her, schüttelte den Kopf. Beinahe fiel die Schüssel aus der Hand des Minderbruders. Wasser schwappte über ihren Rand und tropfte auf meine schwarzfleckige Brust.
„Ich bin Lucien de Courogny!“, beschwor ich den Mönch. Er musste mir helfen. Er war ein Diener Gottes – er musste mich verstehen. Mich gehen lassen. Ich konnte nicht bleiben, auch wenn die Pest mich umklammert hielt. Durch sie den Tod zu finden erschien mir immer noch besser als durch die Hand meines Verfolgers.
„Ich muss hier weg, aus Duisburg hinaus!“, flehte ich. „Sie verfolgen mich! Er verfolgt mich! Die Häscher des Papstes – und er!“
Der Minderbruder starrte mich aus seinen stahlgrauen Augen an. „Du sprichst im Wahn, mein Sohn! Wer immer du auch bist, mit diesen merkwürdigen Dingen, die du bei dir trägst, niemand verfolgt dich. Denkst du nicht, das hätten wir hier im Kloster nicht schon längst …“
Ich konnte seinen Worten nicht weiter lauschen. Ein Krampf zuckte durch meine Glieder. Schmerz zerriss mich von innen heraus. Mein Körper bäumte sich auf. Ich schloss die Augen. Schrie.
In der Schwärze hinter meinen Lidern sah ich ihn vor mir: den gehörnten Ziegenkopf. Das leuchtende Pentagramm auf der struppigen Stirn. Der Sichelmond, der über seiner ausgebreiteten Hand tänzelte.
Verräter holen die Dämonen selbst in die Hölle!
Baphomet starrte mich aus seinen glimmenden Opalaugen geradewegs an.
Er musste ganz nah sein.
Die Krämpfe lösten sich. Mein Körper erschlaffte.

Auf Praeco Medii Aevi, von Manfred Lohmann (Mai 2013)


Mit seinem ersten historischen Roman "Pestland" hat der Duisburger Autor Lars Schütz ein wirklich ungewöhnliches Werk geschrieben.

Der Titel und das Cover deuten es schon an - ein düsterer Roman wartet auf seine Leser. Die Geschichte spielt in Duisburg Mitte des 14. Jahrhunderts, als in der Stadt der "Schwarze Tod" wütete. In dieser dunklen Zeit schickt der Autor seinen Titelhelden Lucien de Courogny mit seinem jungen Begleiter Simon auf eine gefahrvolle Reise. Simons Großvater, an der Pest erkrankt, liegt im Sterben und offenbart Lucien, dass er einst Gehilfe eines Alchimisten war, der ein Heilmittel gegen die tödliche Krankheit gefunden hat. Dieser Alchimist lebt in der Nähe von Kleve, das mitten im Pestland liegt. Von dort sollen Lucien und Simon das Mittel holen - ein gewagtes Unterfangen, auf das sich die beiden einlassen.

Lars Schütz schreibt seinen Roman aus der Sicht des Lucien de Courogny und lässt seinen Titelhelden die Geschichte selbst erzählen. Diese Ich-Form setzt er konsequent um, so dass man auch an den quälenden Erinnerungen und Gedanken Luciens Anteil hat, die sich wie ein roter Faden durch die Geschichte ziehen. Der Autor schafft damit ein sehr nachhaltiges Bild seiner Titelfigur, nur langsam lichtet sich das Geheimnis, das ihn umgibt. Treffend und authentisch baut der Autor auch die übrigen Akteure auf, schildert die unterschiedlichen Charaktere glaubwürdig und lässt so seine Leser in manchen Abgrund menschlichen Handelns blicken.
Aber nicht nur die Protagonisten sondern auch die Darstellung der Örtlichkeiten und das Wüten der Pest beschreibt der Autor in beeindruckenden Bildern. Düster, erschreckend realistisch zeichnet er mit seinem eindringlichen, guten Erzählstil diese Bilder und vermittelt damit ein gut nachvollziehbares Bild des Lebens der Menschen in jener von der Pest gezeichneten Zeit. Gezielt schafft er durch Zitate aus der biblischen Offenbarung, dem immer wiederkehrenden Baphomet, der häufig in "Dämonensprache" spricht, und den Alpträumen Luciens eine dichte Atmosphäre voller bedrückender Düsternis, lässt dennoch Raum für Hoffnung und Erlösung.
Mit unerwarteten Einblendungen von Lichtern und merkwürdigen Klingeltönen in die bedrückenden Träume seines Protagonisten baut der Autor zusätzliche Spannung auf, die er bis zum Ende seiner Geschichte gekonnt aufrecht erhält. Dieses Ende ist überraschend und ungewöhnlich für einen historischen Roman und bestätigt das Vorwort des Autors, mit dem er seine Leser mit den Worten "... Am Ende dieser Geschichte werden Sie verstehen, was mit dieser Warnung gemeint ist .." vorwarnt.

Fazit:
Lars Schütz hat mit seinem ersten historischen Erstlingswerk einen wirklich außergewöhnlichen Roman geschrieben. "Pestland" ist nicht nur ein Buch über die tödliche Krankheit, sondern der Autor arbeitet auch die Verwüstungen, die die Angst vor dem "Schwarzen Tod" in den Köpfen und dem Handeln der Menschen anrichtet, überzeugend heraus. Ungewöhnlich, mitunter verstörend und spannend - ein lesenswertes Buch.

Online: http://www.praeco-medii-aevi.de/viewpage.php?page_id=416



Über den Autor

Schütz, Lars

Schütz, Lars

Lars Schütz wurde am 24. Oktober 1992 in Duisburg geboren. Das Schreiben hat sich bis dato wie ein roter Faden durch sein noch junges Leben gezogen. Bereits mit 17 veröffentlichte er sein Erstlingswerk, den Fantasyroman 'NEXUS - Der Tod sei mit dir', als Hörbuch im... mehr über den Autor

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