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Die Eiswolf-Saga. Teil 3: Wolfsbrüder

Die Eiswolf-Saga. Teil 3: Wolfsbrüder

Autor: Weinbach, Holger


lieferbar


Produktart: Buch

Seiten: 736

Größe: 21,0 x 13,8 cm

Sprache: deutsch

Auflage: 1 Erstausgabe

Verlag: acabus Verlag

ISBN: 9783862820085

Einband: Paperback

EUR 20,00

Artikel


  • Inhalt
  • Leseprobe
Auf ihrer Flucht vor dem Grafensohn Drogo geraten Faolán, Svea und der Edelherr Brandolf in die Fänge der Eiswölfe und werden als Sklaven in das Reich der Svear verschleppt. Noch weiß Faolán nicht, dass ihn laut einer Prophezeiung dort sein Schicksal erwartet.
Der Mönch Ering schmiedet indes einen Plan, um Faolán zu befreien und ihm seine wahre Herkunft zu offenbaren. Er hofft auf die Hilfe ihres Freundes Konrad, der jedoch weiterhin das Rittertum anstrebt – und die Hand von Brandolfs Tochter Lydis. Als der Kaiser zu den Waffen ruft, muss er sich unter Drogos Banner auf den Weg nach Rom machen. Und Drogo hat ihre alte Feindschaft nicht vergessen …
Der dritte Teil der „Eiswolf-Saga“ führt vor der Kulisse des Kaiserreichs Otto I. auf abenteuerlichen Wegen in den heidnischen Norden der Wikinger und in das Machtzentrum der Kurie, Rom. Die einstigen Novizen reifen zu Männern heran und nehmen ihre Plätze im Geflecht der Schicksalsfäden ein, in der Hoffnung, eines Tages wieder zusammenzufinden.

Leseprobe aus dem Kapitel „Anno 966 – Ungewissheit“ (zur PDF-Leseprobe)

Dicht gefolgt von seinen Männern eilte Drogo die steinerne Treppe hinunter. »Habt ihr gehört, wie dieser Pfaffe es gewagt hat, mich mit meinem Vater zu vergleichen? Der Graf …«, Drogo spie aus, ohne seinen Lauf zu unterbrechen, »… ist doch nur noch ein Schatten seiner selbst. Ein Irrsinniger, der nicht mehr weiß, wer sein eigen Fleisch und Blut ist. Ich frage mich, wem er näher steht – mir oder meinem Vetter?«
Die Männer sahen sich fragend an. Drogo murmelte weiter vor sich hin. »Nein, der große Graf hat erst im vergangenen Winter deutlich gemacht, dass er alles daran setzt, Rogar zu finden. Eher riskiert er die Grafschaft und den Titel, als seinem Sohn zu helfen. Schwachsinn! Ein Bad und ein Haarschnitt brächten den alten Mann vielleicht wieder zur Besinnung.«
Die beiden Männer bekundeten murrend ihre Zustimmung. Nur die Wenigsten in der Burg sahen den Grafen noch als Weisungsbefugten an, das wusste Drogo. Die Befehle erhielten die Burgbewohner von ihm oder der Gräfin. So offensichtlich die Verhältnisse auf der Burg auch waren, noch nie hatte Drogo seinen Unmut darüber in Gegenwart anderer ausgesprochen, geschweige denn seinen Vater diskreditiert.
Und dann auch noch der Vergleich mit ihm. Zornig über die Dreistigkeit des Mönches und die Schwäche seines Vaters, betrat Drogo den Burghof. Bevor er nach seinen Gefolgsleuten und Pferden rufen konnte, kam ihm ein älterer Bediensteter mit fuchtelnden Armen entgegen. Drogo blieben die Worte im Halse stecken. Der Alte verneigte sich vor ihm. »Verzeiht, dass ich Euch aufhalte, junger Herr, doch die Gräfin hat mir aufgetragen, Euch in ihre Gemächer zu führen.«
Drogo war sprachlos. Seine Mutter sandte so gut wie nie nach ihm – weshalb ausgerechnet jetzt, wo er aufbrechen wollte? Drogo holte tief Luft. »Richte ihr aus, ich werde in einigen Tagen zurück sein und sie dann aufsuchen.« Und mit etwas Spott fügte er hinzu: »Sollte in der Zwischenzeit ihr Mitteilungsbedürfnis überhandnehmen, kann sie sich ja an den Grafen wenden. Er wird gewiss mit ein paar amüsanten Geschichten aufwarten und ihr die Wartezeit verkürzen.«
Der Alte richtete sich halb auf und spielte mit dem Saum seiner einfachen, fleckigen Tunika. »Verzeiht, mein Herr, soll ich der Herrin genau diesen Wortlaut überbringen?«
Drogo kannte die Furcht in den Augen des Alten. Er hatte sie unzählige Male in den Augen der Männer und Frauen auf der Burg gesehen, selbst wenn nur der Name der Gräfin Wulfhild fiel. Niemand konnte wissen, wie sie auf eine derartige Antwort reagieren würde, nicht einmal Drogo. Wütend trat er nach einem Stein. »Hat sie gesagt, weshalb sie mich zu sehen wünscht?«
»Nein, mein Herr. Sie wirkte aber sehr besorgt …«
»Gottverflucht! Ausgerechnet jetzt!« Der Bedienstete zuckte zurück, als Drogo seine Handschuhe abstreifte und sie einem seiner Männer reichte. »Gut, ich werde zu ihr gehen.« Der Alte atmete auf, doch Drogo ließ ihn noch nicht gehen. »Suche meine Männer auf. Sage ihnen, ich erwarte sie in Kürze auf dem Hof.«
»Aber … aber soll ich Euch nicht zur Gräfin …« Drogos strenger Blick ließ die Worte ersterben, und den Mann erneut buckeln. »Sehr wohl, mein Herr. Eure Männer verständigen. Ich eile …«, antwortete er und lief davon.
Drogo sah ihm nach und schmunzelte. Im Respekteinflößen stand er seiner Mutter in nichts nach. Allerdings, und das gestand er sich nur ungern ein, besaß sie darin eine besondere Gabe. Sie bekam stets ihren Willen. Sein Schmunzeln erstarb, als Drogo sich bewusst wurde, dass sie auch bei ihm ihren Willen durchsetzte.
Wütend ließ er seine beiden Getreuen auf dem Hof zurück und machte sich auf den Weg zur obersten Kammer des Bergfrieds, wo Wulfhild wie eine Glucke saß und alles im Blick hatte. Er hastete die Treppen hinauf in der Hoffnung, dadurch seinen Zorn zu bändigen. Mit rasendem Herzen und schwer atmend kam er am obersten Podest an, blieb dann aber vor der Tür stehen. Würde er jetzt eintreten, hätte es den Anschein, als sei er eiligst ihrem Ruf gefolgt. Die vorläufig gebändigte Wut flammte wieder auf. Stets bekam sie ihren Willen, aber nicht mit ihm. Diese Zeiten waren vorbei. Er beruhigte seinen Atem und sein Herzschlag normalisierte sich.
Ohne zu klopfen, betrat Drogo den Raum. Die Gräfin saß auf einem gepolsterten Stuhl mit Armlehnen und las in mehreren Dokumenten. Sie sah nicht auf und schien dennoch zu wissen, wer soeben das Gemach betreten hatte. Kein Anzeichen von Neugier, keine Regung von Verärgerung wegen des fehlenden Klopfens. Drogo rief sich in Erinnerung, dass keiner der Bediensteten es wagen würde, unaufgefordert einzutreten.
Ohne ihr langes, geflochtenes Haar und die ausladend mächtigen Brüste hätte seine Mutter aufgrund ihrer massigen Statur für einen kräftigen Mann gehalten werden können. Da schoss Drogo eine Frage durch den Kopf: Welche Not hatte Rurik getrieben, dieses Weib zu ehelichen?
Wulfhild unterbrach seine Gedanken, den Blick weiter auf die Dokumente gerichtet: »Drogo, mein Sohn, schließ die Tür und setz dich zu mir.«
Selten betonte die Gräfin, dass Drogo ihr Sohn war, und es ließ nie etwas Gutes erahnen, wenn sie es tat. Irritiert und gespannt zugleich gehorchte er, setzte sich auf den einfachen Stuhl ihr gegenüber und wartete geduldig. Seine Mutter verwaltete die Güter mit aller Sorgfalt und überließ nichts dem Zufall. Sie würde die Pergamente erst zur Seite legen, wenn sie am Ende der Register angelangt und zufrieden war. Drogo hatte dieses Geduldsspiel bereits als Kind erlernen müssen und wagte es auch jetzt nicht, sie zu stören.
Schließlich legte Wulfhild die Pergamente beiseite und wandte sich mit kühlem Tonfall Drogo zu. »Was hatte dieser Prior hier zu suchen?«
Drogo war nicht überrascht, dass sie über Walrams Anwesenheit informiert war. Dass sie ihn aber derart unverfroren darauf ansprach, ärgerte ihn dennoch. »Ich habe ihn gerufen!«, antwortete er spitzzüngig.
»Was hast du mit ihm zu schaffen?«
»Ich bitte Euch, Mutter«, raunte Drogo und rollte mit den Augen. »Versucht mir jetzt nicht zu erzählen, Euch seien die Gerüchte aus Neustatt noch nicht zu Ohren gekommen. Eigens dafür habt Ihr doch ein paar Mägde mehr, als Ihr eigentlich benötigt, nicht wahr? Ich schwöre jeden Eid darauf, dass sie noch in der gleichen Nacht alles aus meinen Männern herausgevögelt haben, was Ihr wissen wollt. Wie viele Bälger müssen wir wegen Eurer Neugier eigentlich schon durchfüttern?«
Wulfhild schwieg und sah ihren Sohn scharf an. Mit einem Fingerschnippen lag sein Blick wieder auf ihr. »Sind sie wahr, diese Geschichten?«
»Welche davon meint Ihr? Die Männer reden viel zwischen den Beinen einer Metze. Je kleiner ihr Gemächt, umso größer ihr Mundwerk«, entgegnete er mit einem Lächeln, zufrieden, den Beginn dieser Unterredung zu steuern.
»Spiel keine Spielchen mit mir!«, wies Wulfhild ihn kaltschnäuzig zurecht. »Ich bin deine Mutter und erwarte den gebührenden Respekt, wie ihn die Kirche und die Bibel verlangen. Also, sind sie wahr?«
»Was wisst Ihr über diesen Faolán?«, wich Drogo aus. »Hat Vater ihn jemals erwähnt? Hat er Euch erläutert, in welchem Zusammenhang er zu uns steht?«
»Faolán? Diesen Namen kenne ich«, überlegte Wulfhild. »Steckt er mit Walram unter einer Decke?«
Drogo klopfte sich vor Lachen auf die Schenkel. Wulfhild strafte ihn mit einem noch strengeren Blick. »Beherrsche dich!«, fuhr sie ihn an.
»Ihr habt keine Ahnung, wer dieser Faolán sein könnte?«, fragte Drogo und wischte sich die Tränen aus den Augen. Die Gräfin gab sich nicht die Blöße einer Verneinung, was Drogo ausreichende Genugtuung war, und er sprach weiter. »Faolán ist kein geringerer als Rogar, Euer Neffe. Und er ist am Leben. Ja, da gehen Euch die Augen über, nicht wahr? Bemüht Euch nicht, ich kenne die Wahrheit jener Blutnacht, als die Burg in Vaters Hände fiel. Er hat mir alles erzählt. Wie Ihr seht, hat sein Irrsinn auch Vorteile: Er wird redselig.«
»Spotte nicht über den Grafen«, rügte Wulfhild ihn halbherzig, knüpfte aber sogleich an seine Worte an. »Du sagst, Rogar lebt. Wo ist er und was hat dieser Mönch damit zu tun?«
»Seid unbesorgt, Mutter. Ich bin mir sicher, weder Faolán noch Walram stellen eine Gefahr für uns dar. Euer Geheimnis ist gut gehütet.«
»Weshalb nennst du ihn nicht bei seinem richtigen Namen, wenn es sich bei dem Burschen um deinen Vetter handelt? Er heißt Rogar!«
»Ich kenne ihn seit vielen Jahren unter einem anderen Namen und deshalb bleibt er für mich Faolán«, erklärte Drogo gleichgültig. »Er war ebenfalls Novize im Benediktinerkloster. Ein Schützling des Abtes. Ich vermute, Degenar wusste all die Jahre um seine wahre Identität. Er lebte sozusagen direkt vor Eurer Nase, saugte von Eurer Titte, Mutter.«
»Dieser alte Mann wagte es …«, brüskierte Wulfhild sich, verlor auf der vergeblichen Suche nach den passenden Worten für diese Dreistigkeit aber den Faden.
»Er wagte sogar noch mehr. Er hat vor einigen Tagen in Neustatt Partei für die beiden Frauen ergriffen, die ich der Zauberei überführt hatte. Walram und ich waren gerade im Begriff, dem Volk das Urteil zu verkünden, als Degenar auftauchte und versuchte, uns falsche Worte in den Mund zu legen. Sein Bemühen war vergebens und ich sah die beiden Frauen schon am Baum hängen. Doch dann tauchte Faolán auf, obwohl Walram mir erst wenige Tage zuvor versichert hatte, mein Vetter sei tot.«
Wulfhild hatte bei der Erzählung die Luft angehalten. Ein Zustand, den Drogo selten bei seiner Mutter sah und äußerste Anspannung bedeutete. Er genoss diesen Anblick und wartete, bis die Gräfin wieder Luft und Worte fand. »Wie kam der Prior zu dieser gravierenden Fehleinschätzung? Wenn er um den angeblichen Tod des Jünglings wusste, war ihm all die Jahre über auch dessen Identität bekannt? Welch schlechtes Spiel hat er mit uns getrieben? Wie lange weißt du davon?«
»Zumindest behauptet er, es früh geahnt zu haben. Angeblich hat er Vater mehrfach davon zu überzeugen versucht, dass Faolán der verlorene Sohn sei. Das erste Mal kurz nach der Einnahme der Greifburg.«
Drogo beobachtete seine Mutter jetzt genau. Im Gegensatz zu Rurik schien die Vergangenheit Wulfhild kein schlechtes Gewissen zu machen. Während der Graf seit Monaten der Wahnvorstellung erlag, von seinem toten Bruder heimgesucht zu werden, blieb Wulfhild bei der Konfrontation mit der Vergangenheit nüchtern. »Walram ist in mehrfacher Hinsicht unfähig und für solche Angelegenheiten offensichtlich der falsche Mann.«
Drogo nickte. »Ich habe ihm heute deutlich zu verstehen gegeben, dass seine Unfähigkeit und Gutgläubigkeit eines Tages eine Gefahr für uns darstellen könnte.«
»Was ist mit Rogar? Wo ist er jetzt?«
»Ich erspare Euch die Einzelheiten. Ihr müsst lediglich wissen, dass er von Nordmännern verschleppt wurde, die flussabwärts gefahren sind. Sie bringen ihn weit weg von uns, in den heidnischen Norden, um ihn dort als Sklaven zu verkaufen oder – mit ein wenig Glück – gleich zu töten, weil sie ihn für wertlos halten.«
Wulfhilds Blick schweifte in die Ferne jenseits der undurchdringlichen Mauern ihrer Kammer. »Von den Nordmännern entführt«, hauchte sie, als könnte sie nicht glauben, was Drogo berichtet hatte. Hastig bekreuzigte sie ihre Stirn, als zeichnete sie Ruriks Narbe nach. »Ich hoffte, wenigstens dieser Teil der Erzählungen meiner Mägde sei ein Gerücht.«
»Beherrscht Euch, Mutter, und fangt nicht an, wie Vater daherzureden. Auch wenn Ihr Euch damals für den Überfall den Ruf der Nordmänner zunutze gemacht habt, stellt ihr Auftauchen keine göttliche Rache dar. Im Gegenteil, sie scheinen ihre von Euch zugedachte Rolle weiterzuspielen. Sie bringen Faolán weit weg, wo er uns nicht schaden kann. Wobei ich ihn lieber …«
»… eigenhändig getötet hättest!«, beendete Wulfhild den Satz. Langsam kehrte Farbe in ihr Gesicht zurück. Drogo nickte stumm. Zumindest in dieser Angelegenheit waren sie einer Meinung.
»Ich verstehe dich, mein Junge. Rogar – ja, ich nenne ihn bei seinem richtigen Namen! – mag zwar weit weg sein, womöglich versklavt und gedemütigt. Doch solange er am Leben ist, stellt er eine Bedrohung dar. Er könnte uns alles nehmen, was …«
»… Ihr Euch von ihm genommen habt und rechtmäßig seins wäre?«, beendete Drogo den Satz und hielt dem eiskalten Blick seiner Mutter stand.
»Nein«, widersprach Wulfhild und zeigte keinerlei Regung. »Er könnte uns alles nehmen, was wir für dich erobert haben. Wir haben gehandelt, wie es alle Eltern bedeutender Familien tun: Den Fortbestand ihrer Blutlinie sichern.«

Über den Autor

Weinbach, Holger

Weinbach, Holger

Holger Weinbach wurde 1971 in Buchen geboren. Das Schreiben hat er nach seinem Architekturstudium erst spät für sich entdeckt. Aufgrund seines Interesses am Mittelalter und der nordischen Mythologie entwickelte er die Geschichte um Faolán und seinen Freunden in dieser Epoche. Mit... mehr über den Autor

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