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Die Eiswolf-Saga. Teil 1: Brudermord

Die Eiswolf-Saga. Teil 1: Brudermord

Autor: Weinbach, Holger


lieferbar


Produktart: Buch

Seiten: 340

Größe: 20,5 x 14,0 cm

Sprache: Deutsch

Auflage: 3 Überarbeitete Ausgabe

Verlag: acabus Verlag

ISBN: 9783862820061

Einband: Paperback

zum eBook

EUR 13,90

Artikel


  • Inhalt
  • Leseprobe
  • Rezension
Das Ostfrankenreich im Jahr 956: Es herrscht wieder Frieden im Reich König Ottos, nachdem im Vorjahr die ungarischen Horden erfolgreich auf dem Lechfeld geschlagen wurden. Doch die vermeintliche Ruhe trügt. Die noch vor wenigen Monaten einig hinter ihrem König stehenden Fürsten trachten danach, ihre Macht im Reich zu festigen und ihren Einfluss auszudehnen. Kaltblütig werden selbst gegen die eigene Familie Intrigen geschmiedet! Durch einen Verrat seines Bruders soll die gesamte Familie des Grafen Farold gemeuchelt werden. Einzig dem siebenjährigen Sprössling Rogar gelingt die Flucht in dieser Blutnacht. Traumatisiert und ohne Kenntnis über seine wahre Identität, wird er als Waisenkind unter dem Namen Faolán in das Noviziat eines Benediktinerordens nahe Neustatts aufgenommen, wo ihn der Abt und der Kellermeister vor den meuchelnden Fingern des Verräters zu bewahren versuchen. Auch die irdischen Mächte bleiben nicht untätig. Der junge Ritter Brandolf, der seinem Herrn Farold selbst nach dessen Tod treu ergeben ist, strebt danach, Rogar zu finden und zu seinem rechtmäßigen Erbe zu verhelfen. Zu diesem Zweck rufen er und sein Vater die höchste Instanz im Reich an, König Otto selbst, und beschuldigen Farolds Bruder öffentlich des Verrats. Doch der Herrscher hat weitreichende Pläne und benötigt hierzu schlagkräftige Vasallen … Unwissend über all diese Streitereien, lernt Faolán eines Tages das Mädchen Svea kennen. Von diesem Tag an beginnt sich sein Leben auf dramatische Weise zu wandeln. Sein bisheriges Weltbild gerät ins Wanken, als er sich seiner Liebe zu Svea bewusst wird. Faolán versucht alles in seiner Macht stehende, um das Mädchen wiederzusehen. Dabei begeht er einen fatalen Fehler, der seinen Häschern nach all den Jahren endlich eine Gelegenheit eröffnet, den wahren Erbe der Grafschaft ein für alle Mal aus dem Weg zu schaffen.
Aus Kapitel 1: Anno 956 – Sigrun Die Pferde wurden unruhig, als der plötzlich aufkommende Wind die Blätter des nächtlichen Waldes in Bewegung setzte. Das ein oder andere Tier schnaubte laut und begann, nervös mit den Hufen im weichen Waldboden zu scharren. Ihre Reiter, mehrere Dutzend an der Zahl, konnten sie mit besänftigenden Worten wieder beruhigen. Sie waren in Rüstungen gekleidet und mit Langschwertern, Äxten und Schilden bewaffnet. Für sie galt es jetzt unbedingt, im Verborgenen zu bleiben. Die vorderen Reihen der Bewaffneten, etwa die Hälfte, standen nahe am Waldesrand. Diese Reiter unterschieden sich in ihrer Erscheinung von den hinteren durch ihre Kleidung und Waffen, die in diesem Landstrich nicht üblich waren. Ein erfahrenes Auge konnte sofort erkennen, dass ihre seltsam bemalten Rundschilde, eigenartig kurzen Schwerter und Wurfäxte der Art des rauen Nordens entsprachen. Es waren die Waffen und Rüstungen der gefürchteten Nordmänner, der gnadenlos raubenden und mordenden Wölfe aus den kalten Landen jenseits der nördlichen Meere, die mit dem Auftauchen ihrer schlanken, schnellen Boote überall Angst und Schrecken verbreiteten. Hier allerdings saßen sie völlig ruhig zu Pferd, als wären sie zuhause. Ein ungewöhnlicher Anblick, denn ein befahrbarer Fluss war etwa einen Tagesmarsch entfernt und es war bisher nicht überliefert, dass die Eiswölfe, wie sie im Volksmund auch genannt wurden, zu Pferd derart tief in fremdes Gebiet vordrangen, um Beute zu machen. Umso seltsamer muteten die hinteren Reihen der Bewaffneten an. Selbst ein hiesiger Bauer hätte sie sofort als Landsleute erkannt. Ihre Rüstungen und Waffen entsprachen denen eines jeden Kriegers in der Grafschaft. Verwunderlich war, dass die beiden ungleichen, sonst feindlich gesinnten Gruppen, beinahe regungslos und friedlich miteinander warteten und die nahe, auf einer Felsenkuppe trutzende Burg jenseits des Waldes beobachteten. Die Nacht war sternenklar. Das Mondlicht tauchte die Wiesen zwischen dem Wald und der Burg in ein fahles Licht. Es schien eine ungünstige Nacht für das Vorhaben zu sein, doch ein fernes Grollen aus dem Westen kündete einen heraufziehenden Sturm an. Erste Wolken verdunkelten bereits den Horizont. Bald würden sie den gesamten Himmel bedecken und das verräterische Licht des Mondes verbergen. Bisher galt die Burg des Grafen als uneinnehmbar. Die Festung, mit einem starken Tor geschützt und von dicken Mauern umgeben, strahlte Macht und Sicherheit aus, als wolle sie die Wartenden verspotten. Stark prangte sie auf dem Felsen und wurde ihrem Namen gerecht, der landläufig die Greifburg lautete. Wie der Horst eines Raubvogels war auch diese Feste für Angreifer unerreichbar. [...] Die wartenden Männer im Walde waren nicht für eine Belagerung ausgerüstet. Ihr Vorhaben musste schnell vonstatten gehen und ihr Erfolg hing nicht von ihrer Zahl, Überlegenheit und Kampfkraft ab, sondern von ihrer List, Schnelligkeit und Stille. So verharrten sie weiter geduldig, wenn auch angespannt in ihrem Versteck und beobachteten die Burg. Sie hofften auf das Zeichen für den baldigen Angriff. Die Pferde traten nervös auf der Stelle. Wahrscheinlich lag es am Geruch der Leichen, die quer auf den Rücken einiger Rösser lagen. Immer wieder blähten sie ihre Nüstern auf, als wollten sie mit einem heftigen Schnauben den abstoßenden Gestank der Verwesung vertreiben. Ein Blitz erhellte den Himmel kurz und grell. Einige Pferde scheuten, als der Donner, unerwartet nahe, laut grollend zuschlug. Für einen kurzen Augenblick wurden die Gesichter der Männer erhellt. Manche zuckten ängstlich zusammen und einige Lippen sandten wohl Stoßgebete gen Himmel, dass der gerechte Herr ihnen nicht zürnen möge. Nur das Gesicht eines Mannes war gänzlich unerschrocken. Er blickte ruhig auf die Burg, wirkte dabei entspannt, aber sehr bestimmt. Auf seltsame Weise strahlte dieser Mann sogar Zufriedenheit aus. Er hatte sein Pferd gut im Griff. Im Gegensatz zu vielen seiner Artgenossen regte sich das Tier nicht ein einziges Mal während des Donners. Dies war kein gewöhnliches Pferd, sondern ein gewaltiges, edles Schlachtross. Ein solches Tier war nicht so leicht zu erschrecken, waren ihm doch lärmende Kämpfe, Gewalt, Blut und der Geruch des Todes vertraut. Das Pferd passte aufgrund seiner großen und muskulösen Statur ausgesprochen gut zu seinem Herrn, denn dieser überragte die meisten Männer um nahezu eine Haupteslänge. Er war ein Fels von einem Krieger, groß, spröde und hart. [...] Ohne Zweifel oblag diesem Krieger die Befehlsgewalt über die merkwürdige Reiterschar. Das war nicht nur daran erkennbar, dass die Männer einen respektvollen Abstand zu ihm hielten oder weil er feinere Gewandung trug. Nein, seine gesamte Erscheinung war es, die Autorität ausstrahlte. Plötzlich löste sich einer der Reiter aus dem Dunkel der hinteren Baumreihen, statt wie befohlen an seinem Platz zu warten, und hielt auf den großen Krieger zu. Auch dieser Mann war anders gekleidet. Trotz der sommerlichen Schwüle hüllte er sich in einen schwarzen Mantel, unter dem er weder Waffen noch Rüstung trug. Eine Kapuze verbarg sein Gesicht völlig, doch sein Blick war unverkennbar ebenfalls starr auf die Burg gerichtet. Nach einem kurzen Zögern wandte er sich dem Anführer zu und seine raunende, eindringliche Stimme brach das Schweigen. Die Männer und die Pferde werden langsam unruhig. Der Kommandant reagierte nicht. Unsicher wandte sich der Verhüllte wieder der Burg zu und schwieg für eine Weile. Der Krieger erkannte an den unruhigen Händen die Nervosität des Mannes und so wunderte er sich nicht, dass dieser das befohlene Schweigen bald erneut brach: Wo bleibt das vereinbarte Zeichen? Es ist längst überfällig! Wer weiß, ob Eure Spießgesellen nicht volltrunken bei einer Dirne liegen, statt ihren Auftrag auszuführen. Einzig eine hochgezogene Augenbraue deutete darauf hin, dass der Krieger die Worte vernommen hatte. Trotz des soeben geäußerten Zweifels an seinem Durchsetzungsvermögen und der Loyalität seiner Verbündeten blieb seine Stimme ruhig, als er zum Gegenzug ansetzte. Ich kann mich auf meine Männer verlassen. Es sind einfache Handgriffe, die ich von ihnen erwarte, und glaubt mir, sie führen diese nicht zum ersten Mal aus. Im Glauben seid Ihr doch stark, nicht wahr? Der Seitenhieb saß und die verhüllte Gestalt schwieg für einige Augenblicke, schluckte die Enttäuschung und die eigene Angst herunter. Doch lange konnte sie die Stille nicht bewahren: Die Männer können sich und ihre Tiere kaum noch zurückhalten. Seht Ihr denn nicht, wie angespannt sie sind? Ein Wiehern oder ein Husten kann uns verraten. Der aufkommende Wind trägt die Geräusche heute Nacht weit und es würde mich nicht wundern, wenn er den Gestank der Leichen bereits bis zur Feste getragen hat. Habt Ihr schon einmal eine Schlacht erlebt? Seid Ihr schon einmal bei der Erstürmung einer Burg dabei gewesen? Oder vielleicht bei dem galoppierenden Ritt der Vorhut auf das feindliche Heer zu? Habt Ihr schon einmal das bebende Zittern der Erwartung kurz vor dem Zusammentreffen von Lanze mit Schild, Rüstung und Fleisch erlebt? Wäre das verhüllte Gesicht unter der Kapuze zu sehen gewesen, so hätte der Krieger Abscheu erkannt. So war allerdings nur die Stimme zu vernehmen, die nicht viel mehr als eine gezügelte Entrüstung preisgab. Was denkt Ihr? Natürlich nicht! Schließlich bin ich ein Diener des Herrn und kein Krieger! Dann tut das Eurige, um die Männer zu beruhigen und erteilt die Absolution! Der Befehlshaber duldete keine Widerrede. Obwohl der Kleriker kein Getreuer des Kriegers war, fügte er sich dennoch, wenn auch zögerlich. Als er sein Pferd bereits gewendet hatte, hielt er noch einmal inne, um dem Kommandanten erneut die Stirn zu bieten. Vergesst nicht, ich riskiere viel mit meiner Anwesenheit. Wer in seinem Leben nichts wagt, der wird auch nichts gewinnen. Und gewinnen ist doch genau das, was Ihr am meisten wollt, und zwar noch im Diesseits, nicht wahr? Wenn ich Euch richtig einschätze, so haltet Ihr es nicht ganz so streng mit den Worten, die von den Kanzeln der Kirchen gepredigt werden. Ihr vertraut doch nicht nur auf eine nicht greifbare Belohnung im Jenseits. Oder täusche ich mich? Der Priester suchte nach einer passenden Antwort, entschied sich jedoch zu schweigen und bewegte seinen Gaul schließlich zu den wartenden Reitern, um seinen Beitrag zum Gelingen des nächtlichen Vorhabens zu leisten. Erst jetzt richtete der Kommandant seinen Blick für einen kurzen Moment auf den Kleriker, als wollte er sich vergewissern, nicht weiter durch unnötiges Gerede gestört zu werden. Dann wandte er sich wieder der Burg zu, gerade noch rechtzeitig, um ein kleines, flackerndes Licht zu bemerken, das in einem der oberen Fenster des Bergfrieds unerwartet aufleuchtete. Das war ein ganz und gar schlechtes Zeichen, denn es bedeutete, dass entweder der Graf oder dessen Gemahlin erwacht war. Das könnte den Plan des Kriegers vereiteln. Umso mehr war jetzt Schnelligkeit gefragt. Wo blieb nur das verabredete Zeichen? Er war so nahe daran, endlich das zu erlangen, wonach er sein Leben lang gestrebt hatte. Durch nichts würde er es sich heute Nacht nehmen lassen!

Auf Buchwelten.wordpress.com, von Marion Gallus (05.04.2011)


Es wird das Jahr 956 geschrieben und im Reich von König Otto herrscht endlich wieder Frieden. Dennoch werden Intrigen geschmiedet, denn Rurik, der Bruder des Grafen Farold – ein vom Volk geehrter, geachteter und angesehener Mann – strebt nach dessen Position. Er inszeniert einen Überfall auf die Greifenburg,  den Sitz des Grafen Farold und seiner Familie. Farold und seine Frau Sigrun kommen bei dieser Tat ums Leben, einzig ihrem siebenjährigen Sohn Rogar gelingt – dank des Mutes seiner Mutter – die Flucht.

Er wird in einem benachbarten Benediktinerkloster als Waisenkind aufgenommen. Dort lebt er als Novize unter dem Namen Faolán und wird somit vor seinem bösartigen Onkel versteckt. Faolán selbst hat keine Erinnerungen mehr an die schrecklichen Erlebnisse dieser Nacht, doch der Abt des Ordens sowie der Kellermeister Ivo erkennen anhand eines eindeutigen Beweises wer er ist.

Faolán wächst unter den Argusaugen des Abtes Degenar und des Cellears Ivo zu einem Jüngling heran und bekommt in diesem Alter ein weiteres Privileg, dass nicht alle Novizen erhalten: er darf gemeinsam mit Ivo, dem Kellermeister, an Markttagen die nahe gelegene Stadt Neustatt aufsuchen und die Waren des Klosters feilbieten oder tauschen. Hier trifft Faolán – mittlerweile 14 Jahre alt – das erste Mal auf die gleichaltrige Svea. Das Mädchen stellt das Gefühls- und Seelenleben des Novizen völig auf den Kopf und somit nimmt das Schicksal seinen Lauf….
Dieser Roman ist das Debut des Schriftstellers Holger Weinbach und er hat eine historische Geschichte geschaffen, die alles andere als “staubig” ist. Er versteht es, den Leser in die Welt des Mittelalters zu versetzen. Er schreibt in einer schönen, angenehmen aber nicht übertrieben alten Sprache die sich flüssig  liest. Er schafft eine Atmosphäre, die mich als Leserin wirklich durch die zugigen Burgen und kalten, dunklen Klostergebäude hat gehen lassen. Die Markttage in der Stadt beschreibt er mit sämtlichen Eindrücken des Protagonisten so real, das man z.B. den Gestank der Stadt riechen kann.

Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, sowohl die sympathischen als auch die unsympathischen. Die Handlung wird in drei Strängen erzählt. Immer wieder gibt es Wechsel zwischen diesen. Die Kapitel sind relativ lang gehalten, werden aber ab und an durch Szenenwechsel innerhalb eines Handlungsstranges unterbrochen. Somit zieht sich die Geschichte nicht in die Länge, sondern es gibt immer etwas Abwechslung. Gegen Ende des Romans verknüpfen sich die drei Stränge und fliessen ineinander ein.

Was mir auch sehr gut gefallen hat war, dass es keinen “Charakteroverload” gab. Die Namen der Figuren sind  “alt” und somit nicht so leicht zu behalten wie Frank oder Paul. Dadurch das es aber in jedem Teil der Geschichte immer nur eine Handvoll an wichtigen und regelmässig wiederkehrenden Figuren gibt, bleibt alles angenehm überschaubar und man kann sich auf die einzelnen Personen und deren Position in der Handlung einlassen.

Das faszinierende an der Geschichte ist für mich ausserdem, dass oft über viele Seiten hinweg gar nichts Spannendes geschieht. Man erlebt beispielsweise “nur” mit, wie Faolán seinen Alltag als Novize bestreitet, arrangiert und versucht den unangenehmen Dingen dieses Lebens aus dem Weg zu gehen. Aber dennoch wird es nie langweilig, sondern es macht einfach Freude dabeizusein.

Auch wenn ich nichts weiter von der Handlung erwähnen möchte, muss ich noch eines loswerden. Weinbach hat es auf wunderbare, sehr einfühlsame Weise geschafft, das Gefühlschaos um seinen Protagonisten zu beschreiben. Faolán trifft als 14-jähriger auf das Mädchen Svea und urplötzlich geschehen Dinge in seinem Gefühlsleben (sowohl seelisch als auch körperlich) von denen er nichts wusste und über die auch nie eine Person mit ihm gesprochen hat und ihn somit völlig überrumpeln und verwirren. Dies zu lesen hat schon eine Gänsehaut beschert.

Die Ausgabe, die ich gelesen habe ist die 3. Auflage. Der Roman ist als Taschenbuch veröffentlicht und mir gefällt das Cover sehr gut. Es ist in angenehmen, schönen Farben, dezent gehalten. Allerdings fällt mir leider wieder auf, dass die Haltbarkeit der Bücher nicht wirklich gut ist. Wie auch beim ersten Exemplar, das ich vom Acabus-Verlag gelesen habe, löst sich bereits wieder die Folie an den Seiten des Buches. Und ich bin jemand, der mehr als sorgsam mit seinen Büchern umgeht. Auch bin ich der Meinung, dass man aus diesem Buch noch mehr hätte machen können. Ich habe an anderer Stelle gelesen, dass es Verlage gibt, die aus solch einer Handlung ein 800 Seiten Buch zaubern. Das sehe ich auch so. Dieser erste Teil umfasst knappe 340 Seiten und hätte man diese ein wenig aufgelockert und nicht so vollgepackt, wäre es nicht nur für das Auge angenehmer zu lesen, sondern auch optisch schöner. Was mir wiederum sehr gut gefällt, ist das Personenregister im Anhang des Buches. Es ist sehr hilfreich und ich habe es mehrmals genutzt. Dieses Register wurde wohl auch erst in der 3. Auflage hinzugefügt.

Die Inhaltsangabe auf der Rückseite ist leider weder im Blocksatz noch zentriert geschrieben und wirkt somit für mich unordentlich. Ich denke für den guten Gesamteindruck eines Buches gehört auch eine “aufgeräumte” Inhaltsangabe auf die Rückseite.
Diese hier genannten kleinen Mängel am Buch, nicht am Werk des Autors, haben mich veranlasst einen halben Punkt in der Bewertung abzuziehen.
Also bekommt dieses Romandebüt von mir in der Gesamtwertung 4,5 von 5 Sternen.

Online: http://buchwelten.wordpress.com/2011/04/05/brudermord-von-holger-weinbach-ein-tolles-debut-455/

Auf Querblatt.de, von Thomas Lawall (Januar 2010)


Abt Degenar weiß, wen er vor sich hat. Der vom Wirtschaftsverwalter Ivo gefundene Junge jedoch hat die Erinnerung an seinen Namen verloren. Traumatisiert von den grauenvollen Ereignissen der letzen Tage verschließt er sich vollständig. Dennoch stimmt er zu, Aufnahme als Novize in einem Benediktinerkloster zu erhalten und den Namen Faolán anzunehmen. Die Frage ist nur, ob er hier auf Dauer sicher ist, denn schon scheint der intrigante Prior Walram den Hauch einer gewissen Ahnung zu verspüren ...

Falschheit liegt in der Luft. Sigrun spürt das aufziehende Unheil. Es nähert sich ein Unwetter, doch nicht nur das. Gewitterwolken verdecken den Mond und spenden den Verrätern schützende Dunkelheit. Noch warten sie auf ein Signal und können ihrem dunklen Drang kaum mehr Einhalt gebieten. Sie sind zu allem bereit und sie wollen handeln. Graf Farold schlummert weinbetäubt im Schlafgemach, während seine Gattin hilflos mit ansehen muss, wie sich ihre fürchterliche Ahnung bewahrheitet. Doch es kommt viel schlimmer, als sie denkt. Die Greifburg wird angegriffen. Eigentlich unmöglich, denn die Festung ist uneinnehmbar. War es Verrat? Rurik, der jüngere Bruder des Grafen, hatte für den nächsten Tag seinen Besuch angekündigt. Entgegen den üblichen Gepflogenheiten trafen jedoch zwei Männer seines Gefolges bereits einen Tag zuvor auf der Burg ein. Gibt es hier einen Zusammenhang?

Doch Sigrun bleibt keine Zeit mehr. Sie flüchtet mit ihrem Sohn in die Stallungen, während die Burg in einem grausigen Gemetzel bereits dem Untergang geweiht ist. Eine gemeinsame Flucht zu Pferd ist jedoch nicht mehr möglich, denn zwei Nordmänner stürmen im Blutrausch den Stall. Sigrun schafft es nicht einmal mehr, einen Sattel aufzulegen - nur ihren geliebten Sohn Rogar, der nicht begreift, wie ihm geschieht, vermag sie noch auf das Pferd zu setzen. Mit einem Schlag in die Flanke besiegelt sie seine Rettung, denn unverzüglich braust das Pferd los. Begünstigt durch die allgemeine Verwirrung gelingt die Flucht in letzter Sekunde - die Mutter erlebt jedoch ihre letzte. Sie nimmt noch das Bild ihres fliehenden Kindes mit in ihre sterbende Erinnerung, bevor sie von kaltem Stahl durchbohrt wird. Derweil kämpft Graf Farold seinen letzten Kampf. Brandolf, Sohn des Edelherren Gerold, eilt ihm zu Hilfe und streckt in rasender Verzweiflung einen Feind nach dem anderen nieder. Doch letztlich kommt er zu spät und kann den schwer verwundeten Grafen nicht mehr retten. Ein letzter verzweifelter Dialog und ein fester Händedruck bleiben Brandolf sowie die Gewissheit, seinem Herrn auch über den Tod hinaus Treue und Ehre zu erweisen. Brandolf weiß, was er zu tun hat ...

All das geschah im Jahre 956. Sieben Jahre zuvor erblickte ein kleines Mächen das Licht der Welt. Freya wäre bereits siebenfache Mutter, wären nicht drei ihrer Kinder tot auf die Welt gekommen und ein weiteres im Winter gestorben. Auch dieses Mal ahnt sie, bereits völlig mutlos und entkräftet, dass etwas nicht stimmt. Die Wehen haben bereits eingesetzt und von ihrem Mann kann sie keinerlei Unterstützung erwarten. Mit Hilfe der Heilerin Alveradis und Freyas ältestem Sohn Georg gelingt es jedoch, das falsch im Mutterleib liegende Baby zu drehen. Svea kommt auf die Welt - doch seiner Mutter geht es ganz und gar nicht gut ... ! Es war das Jahr 949. Niemand - auch nicht Kräuterfrau und Seherin Alveradis - können wissen, wie sich die Zukunft des kleinen, rothaarigen Mädchens gestalten wird ...

Dieses Buch in Händen zu halten, ist schon etwas Besonderes. Man spürt bereits den Zauber der Geschichte, ohne einen einzigen Satz gelesen zu haben. Vielleicht ist es der Titel, vielleicht sind es die Blutspritzer oder das Cover insgesamt, welches nach einem alten Runenstein gestaltet wurde. Man spürt Ungemach, aber man spürt auch eine Art seltsame Ruhe und Weisheit. Das Buch ist geduldig und drängt sich nicht auf. Es hat alle Zeit der Welt. Es könnte auch auf dem Stapel verschwinden und würde sich nicht grämen, erst in zwei Jahren gelesen zu werden. Dennoch trieb mich eine sagenhaft schwingende Neugier auf die erste Seite, um wenigstens einen unverbindlichen Blick auf die ersten Zeilen zu wagen. Doch damit war es nicht genug ...

Holger Weinbach schreibt, wie andere Menschen Kinofilme drehen. Zu Beginn eines Films ist es oft dieser Schwenk und diese Kamerafahrt, die uns sofort in eine andere Welt entführt. Schon bei der ersten Einstellung wissen wir, mehr oder weniger unbewusst, ob uns ein guter oder ein schlechter Streifen erwartet. Die ersten Zeilen der Eiswolf-Saga halten diesem Vergleich mühelos stand. Es öffnet sich ein Vorhang, der uns unvermittelt weit über tausend Jahre in die Vergangenheit führt. Man spürt regelrecht die Sonne brennen und riecht diesen Sommerduft ...! Man glaubt dabei zu sein in jenen längst vergangenen Tagen. Es sind keine platten, zweidimensionalen Schilderungen, der Autor lässt dreidimensionale, scheinbar begehbare Bilder entstehen. Für den Leser ist es ein Glück, einer solchen ersten Seite zu begegnen, denn sie gehört zu denjenigen, die halten, was sie versprechen!

Doch es geht nicht nur um Schauplätze und "Action", sondern auch und vor allem um die Menschen in dieser Geschichte und das Glück und das Leid, das ihnen in jenen Tagen widerfahren ist. Kinder wurden unter erbärmlichsten Verhältnissen zur Welt gebracht. Nicht selten starben die Mutter, das Kind oder beide. Das Leben war ein ständiger Kampf. Die einen kämpften mit der Armut und gegen sie - und die, die etwas zu sagen hatten, kämpften um Macht und Besitz. Rurik ist einer von ihnen und er geht über Leichen. Nach dem Verrat an seinem Bruder wiegt er sich als neuer Graf in Sicherheit. Sein Bruder, Graf Farold ist tot, und dessen geflohener Sohn Rogar auch nach jahrelanger Suche unauffindbar. Doch Rogar lebt unter anderem Namen in einem Benediktinerkloster - ahnt aber nicht, wer er ist ...

Eingetaucht in die Eiswolf-Saga begegnen wir dem schlimmsten aller Morde und einer Geschichte, die spannender und eindringlicher nicht erzählt werden kann. Mehr kann ein Buch nicht erreichen. Dennoch geht es einen Schritt über das gesteckte Ziel hinaus ...

... denn die wahrhaft unbändige Neugier auf den zweiten Teil zu zügeln wird ein verdammt hartes Stück Arbeit werden!

Online: http://home.arcor.de/tomary/Literatur/Die_Eiswolf-Saga_I/die_eiswolf-saga_i.html

Nachtrag (Januar 2011)


Man kann es auch übertreiben, werden einige vielleicht denken, doch bei Querblatt ticken die Uhren bekanntlich etwas anders. Deshalb sehe ich mich auch gerne genötigt, erstmals einem Buch eine zweite Rezension nachzuschieben, die allerdings etwas kürzer ist als gewohnt, und sich auf Äußerlichkeiten und faktische Veränderungen bezieht, die weitere Auflagen hin und wieder bringen.

Ich kam noch in den Genuss der ersten Ausgabe, hielt mich aber zurück, was einige Kritikpunkte in Sachen Format und Typographie betraf. Schließlich kommt es ja auf den Inhalt an, und der hatte es wahrlich in sich. Der erste Teil der Eiswolf Saga "Brudermord" bot und bietet nach wie vor ein historisches Drama im kinoreifen Breitwandformat.

Die dritte Auflage erfuhr die besagten gravierenden Änderungen. Erwähnenswert ist z.B die farbliche Anpassung des Covers. Der Rotanteil wurde verringert, wodurch die ganze Gestaltung edler und zugleich "älter" wirkt. Eine wichtige Änderung ist das einst etwas unhandliche Format (20,9x14,7 cm), welches sowohl in Höhe und Breite auf jetzt 20,5x14 cm beschnitten wurde. Die wesentlichste Änderung erfuhr das Buch in der typografischen Gestaltung. Selbige tat mir als Schriftsetzer besonders weh, denn es sieht ebenso ärgerlich wie etwas preiswert aus, wenn Seiten geradezu mit Text vollgestopft werden. Ein solches Werk kann einfach nicht auf 276 Seiten zusammengepresst werden. Ein Dan-Brown-Layouter würde den vorhandenen Text auf mindestens 700 Seiten dehnen - der Acabus-Verlag begnügte sich nunmehr mit 340 Seiten, und jetzt glänzt das Buch insgesamt nicht nur mit Inhalt, sondern auch mit Format!
Damit nicht genug, denn die Ausgabe wurde auch noch durch ein Personenregister bereichert und so ganz nebenbei wurde dem Fehlerteufelchen der Garaus gemacht.

Wenn das mal keine Grund für alle stolzen Besitzer der ersten Ausgabe ist, sich die runderneuerte Ausgabe zu besorgen - zumal die neue vom Format her perfekt zum zweiten Band passt. Und zwei Ausgaben zu besitzen kann nichts schaden, denn wer weiß, was die Erstausgabe dereinst einmal wert ist ...!
Der zweite Band "Irrwege" ist längst erschienen und die Hardliner unter den Fans können den dritten Teil bereits gar nicht erwarten. Deshalb habe ich versucht, Holger Weinbach ein paar inhaltliche Informationen zu entlocken, was auch gelungen ist. Das letzte Wort hat deshalb der Autor selbst:

Im zweiten Band gibt es im Anhang ja eine kleine Vorschau auf den dritten Band, der momentan den Arbeitstitel „Wolfsnacht“ trägt. Faolán erlangt das Bewusstsein und findet sich in einem der Langschiffe der Nordmänner wieder. Verängstigt und geschwächt schaut er sich um. Er ist unter Fremden, doch neben ihm liegen noch weitere Gefangene. Sklaven der Wölfe des Nordens, wie auch Faolán einer ist. Doch dann, als er sich näher umsieht, entdeckt er schließlich jemanden unter den Geraubten, mit dem er nicht mehr gerechnet hat: der gute alte Kfar Demka (Name vom Autor geändert). Doch erkennt auch dieser Faolán? Der dritte Band wird es zeigen.

Online: http://home.arcor.de/tomary/Literatur/Die_Eiswolf-Saga_I_Nachtrag/die_eiswolf-saga_i_nachtrag.html

Über den Autor

Weinbach, Holger

Weinbach, Holger

Holger Weinbach wurde 1971 in Buchen geboren. Das Schreiben hat er nach seinem Architekturstudium erst spät für sich entdeckt. Aufgrund seines Interesses am Mittelalter und der nordischen Mythologie entwickelte er die Geschichte um Faolán und seinen Freunden in dieser Epoche. Mit... mehr über den Autor

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