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Arnulf. Kampf um Bayern
Historischer Roman

Arnulf. Kampf um Bayern

Autor: Focken, Robert

lieferbar


Produktart: Buch

Seiten: 332

Größe: 21,0 x 13,3 cm

Sprache: deutsch

Auflage: 1 Originalausgabe

Verlag: acabus Verlag

ISBN: 9783862827152

Einband: Paperback

EUR 14,00

Artikel


  • Inhalt
  • Leseprobe
Karl der Große greift nach dem Herzogtum Bayern

Der Krieger Arnulf hat es als Truppenführer des Frankenkönigs Karl zu Ruhm gebracht. Einst unfreiwillig in das Heer Karls geraten, wird Arnulfs Schwert nun überall gefürchtet.
Folglich wählt der König Arnulf für einen verwegenen Plan aus, um seinen letzten Rivalen, den Bayernherzog Tassilo, in die Knie zu zwingen. Tassilo hat, angetrieben von seiner rachsüchtigen Frau Leutberga, einen Trumpf in seine Hand gebracht: einen totgeglaubten Neffen Karls, der seinen Thron stürzen könnte. Arnulf stößt mit wenigen Gefährten in das Herz Bayerns vor und  riskiert alles, um den Karolinger-Prinzen zu fassen. Unterdessen aber ist Arnulfs Frau den tödlichen Intrigen bei Hofe schutzlos ausgeliefert. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, an dessen Ende eine Katastrophe droht.

Angelehnt an die tatsächlichen Ereignisse des Jahres 787/788 lässt der Historiker Robert Focken ein schicksalsträchtiges Drama der bayerisch-deutschen Geschichte lebendig werden, dessen Folgen bis heute nachwirken.

Kapitel VII (zur PDF-Leseprobe)
Augsburg, Juni 787


Würde Tassilo tatsächlich auf dem Lechfeld erscheinen? Keine Frage wurde häufiger gestellt unter den reisenden Hofleuten. Die Augsburg selbst war Königsbesitz, der Lech bildete die Grenze zum Herzogtum. Der Augstgau, den die Königlichen durchquerten, war hingegen alemannischer Boden. Früher, vor Karls Geburt, waren auch die Alemannen noch Rebellen gewesen. Bis die Franken das rebellische Treiben irgendwann auf althergebrachte Weise beendet hatten: Die Edlen Alemanniens wurden nach Cannstatt geladen – und erschlagen.
Arnulf überquerte mit seinen Leuten ein breites Schotterfeld südlich der Burg. Auf den ebensten Stellen errichteten die Hundertschaften ihre Zelte. Der König, seine Familie und die Edlen nahmen in der Burg selbst Quartier. Auch Einhard konnte sich eine Kammer zusammen mit dem Kanzler in der aus Stein errichteten, zweistöckigen Kommandantur sichern, wie Arnulf feststellte. Eine Stunde vor Sonnenuntergang suchte er den alten Gefährten in seinem Quartier auf. Zuvor vergewisserte er sich, dass Erika und die Kinder eine anständige Unterkunft gefunden hatten. Der Kanzler saß zu dieser Zeit noch mit dem Hofkapellan zusammen, so hatten der Kriegsmann und der Gelehrte einen seltenen Moment der Privatheit, um sich über das Kommende auszutauschen. Obwohl sie manches gemeinsame Abenteuer miteinander verband, dauerte es immer eine Weile, bis ihr Gespräch zu fließen begann – zu unterschiedlich waren die Temperamente. Einhard bot ihm einen Becher mit sauberem Flusswasser an. Er selbst nippte an einem Töpfchen mit frischer Ziegenmilch. Sogar eine Schüssel Erdbeeren stand auf dem winzigen Tisch vor dem Fenster. Arnulf legte die Hände aufs Fensterbrett und sah hinaus. Dünne Rauchfahnen stiegen aus schindelgedeckten Holzbauten auf, von einer gemauerten Schmiede drang der scharfe Lärm von Hammerschlägen an sein Ohr. »Draußen am Fluss ist’s ruhiger«, grinste der Kriegsmann. Dann erst nahm er den schaurigen Geruch einer Färberei wahr, die irgendwo hinter der Schmiede liegen musste – der Wind stand schlecht!
»Gebt dem Sachsengrafen keinen Grund zum Streit«, sagte Einhard unvermittelt. Er hatte auf dem Stuhl am Tisch Platz genommen und schien Gehämmere und Gestank nicht wahrzunehmen.
»Ich bin froh, wenn er mich in Ruhe lässt«, gab Arnulf bedächtig zurück und betrachtete die tiefen Querlinien auf der Stirn des königlichen Ratgebers, die schmalen Wangen und die grauen Barthaare. Er ist alt geworden. Aber die Augen – blau? Grau? – musterten Arnulf mit großer Konzentration. »Es bahnt sich etwas an, Hauptmann«, sagte Einhard eindringlich. »Dinge, die sonst festgefügt sind, geraten in Bewegung, wie Eisschollen auf einem Fluss im Frühjahr.«
Arnulf verschränkte die Hände vor der Brust. »Redet klarer, consiliarius! Ihr sprecht mit einem Krieger, nicht mit einem Hofmann.«
Aber Einhard ging nicht auf Arnulfs halbherzigen Humor ein. »Ad eins: Der König will die Sache mit Tassilo zur Entscheidung bringen. Stürzt der Herzog, dann tun sich riesige Möglichkeiten für uns im Osten auf.«
Arnulf kniff die Augen zusammen und schob die Finger hinter das Leder des Waffengurts. »Und zweitens?«
»Wenn es zum Krieg kommt, werden wir die Sachsen brauchen, zumal die Thüringer in Rebellion sind. Das verschiebt die Gewichte zugunsten Eures Freundes Graf Udalrich.«
Arnulf bleckte die Zähne. Keine nette Aussicht …
»Drittens«, fuhr Einhard fort und senkte die Stimme, »ist der Hofkapellan Fulrad kranker als er aussieht. Nachdem der Hof Worms verließ, erlitt er einen Schlagfluss, ich bin mir sicher. Er war zwei Tage nicht ansprechbar. Der König tat so, als bemerkte er es nicht, aber ich weiß, dass er es wahrgenommen hat.«
Arnulf zog die Brauen zusammen und massierte das kräftige Kinn. »Und das heißt, Ihr, gilerito, könntet dann den Hofkapellan als ersten Berater ablösen, oder?«
»Ihr steht am Fenster«, zischte Einhard, dessen Ohrläppchen sich rot färbten. Er beugte sich vor und sprach im Flüsterton weiter: »Der König hat seinen eigenen Kopf und er trifft seine eigenen Entscheidungen. Aber eins, lieber hamar, ist klar: In Zeiten großer Umbrüche ist es wichtig, zur richtigen Zeit am richtigen Platz zu sein!«
Arnulf nickte nachdenklich und sah eine Ratte unter dem Bett verschwinden. »Danke, consiliarius. Ich wird’ auf mich aufpassen.«
Ein Lächeln erschien auf Einhards Zügen. »In mir habt Ihr einen Verbündeten, das wisst Ihr. Wenn Graf Worad am Fieber stirbt, wer könnte dann der neue gundfanari, der Herr aller Hundertschaften sein? Wer wäre dazu besser geeignet als Ihr, sax hamar

* * *


Dann kam Tassilo.
Herolde unter Leitung eines weißhaarigen Grafen kündigten den Herzog der Bayern an. Das Angebot von Karls Marschalk, den Herzog mit Gefolge in der Burg unterzubringen, lehnte der Bayer mit kaltem Lächeln ab. Im Lech, auf der Furtinsel, wollte Tassilo dem großen Karl gegenübertreten.
Hofleute und Knechte des Burggrafen begannen, einen Platz auf der etwa hundert Schritt langen und fünfzig Schritt breiten Insel herzurichten. Kalbsfelle wurden ausgelegt, darauf hochlehnige Holzstühle gestellt. Als Tassilo schließlich einen Tag später die Insel erreichte – die Bayern setzten mit Kähnen über, um trockene Füße zu behalten – wehte dort bereits das Banner von Karl mit dem Adlerkopf und dem Kreuz. Besser gesagt, es flappte lustlos am Fahnenstab: Der kalte, nicht mehr sommerliche Wind frischte immer wieder auf, das Inseltreffen würde keine warme Sache werden.
Tassilo trug unter einem schweren blauen Mantel einen silbrig glänzenden Kettenpanzer, auf der massiven Brust prangte die Herzogskette aus Gold. Sein rötliches Gesicht wirkte, als hätte er kurz zuvor getrunken. Unruhig musterten seine dunklen Augen die Reihen um den König und die Königin, während seine Leute das Herzogsbanner aufpflanzten: Ein schwarzer Steinbock mit gebogenen Hörnern prangte auf der ockerfarbenen Fahne.
Arnulf stand mit verschränkten Armen hinter der Stuhlreihe der fränkischen Edlen, zusammen mit anderen Offizieren, Edelleuten und einigen Priestern. Während Tassilos Hofkanzler und der Hofkapellan Geschenke austauschten, musterte Arnulf Leutberga, die Herzogin. Dass sie dabei war, wirkte versöhnlich. Ihr Prunk jedoch, was sollte der bedeuten? Eine aufwendige Kette mit mehreren waagerechten Strängen schmückte ihre Brust, Perlen und Juwelen in Hülle und Fülle waren auf diesen Strängen verteilt. Fast zu prächtig wirkte das alles. Hier saß offensichtlich die Tochter eines Königs, des Langobardenkönigs Desiderius! Die Königin Fastrada wiederum zeigte dieser Königstochter nur ein tiefgefrorenes Lächeln: Es gibt nur eine Königin, und das bin ich!
Fulrad begann mit bleichem Gesicht und etwas japsender Stimme die großen Taten von Karls Vater, König Pippin, und dem Großvater Karl Martell zu erzählen. Über Karls Bekehrung der Sachsen, der Befriedung der Aquitanier und der Zähmung der Friesen arbeitete er sich schließlich zu dem »unerhörten Ereignis« vor: dem Mordanschlag. »Schändlicheres hat sich niemals bei uns ereignet!«
Die Bayern stimmten dem mit Nicken und Raunen zu, selbst Leutberga machte ein trauriges Gesicht. Dann stand der kahlköpfige Hofkanzler Tassilos auf, ein Mann mit krächzender Stimme, der die Würde und Getragenheit eines Priesters ausstrahlte. Er pries das Herzogsgeschlecht, die Abkömmlinge des legendären Herzogs Agilo, die älter waren als die Stammväter Karls. Natürlich erwähnte der Kanzler die Blutsbande, die sie einten: König Pippin war der Bruder von Hiltrud gewesen, Tassilos Mutter. Hier saßen sich Vettern gegenüber! Als der Bayer auf diesem Punkt herumritt, begann Karls Rechte auf die Armlehne zu trommeln, wobei die Ringe das Geräusch zu lautem Klackern verstärkten.
»Wir wissen um die Blutsbande«, unterbrach der König schließlich den Bayern. »Für Euch wird im neuen Gottesreich folglich auch ein wichtiger Platz an meiner Seite sein!« Damit war Fulrad wieder im Spiel, der nun Karls Führungsrolle im neuen Reich ausmalte und die notwendige Heerfolge der Bayern, Alemannen, Sachsen, Friesen und Langobarden.
Arnulf hatte Zeit, das Mienenspiel der Bayern zu betrachten. Immer wieder blieb sein Blick dabei an einem Kerl hängen, der zwei Plätze rechts von Tassilo saß: ein sehnig wirkender Mann mit bronzefarbenem Gesicht, hohen Wangenknochen und einer bis über die Brauen reichenden Fellmütze. Der Kaghan der Awaren, so war er vom Hofkanzler genannt worden, musterte die Franken vor ihm auf eine selbstbewusste, fast unverschämte Weise. Arnulfs Nackenhaare richteten sich auf, als seine Blicke die des Awarenfürsten kreuzten.
Dann kam Spannung auf: Tassilo tat mit robustem Selbstbewusstsein sein Interesse an den mainfränkischen Gauen kund. Wer die Stirnfalten des Herrschers kannte, wusste, dass die Zeit der Höflichkeiten abgelaufen war. »Bevor wir über dergleichen sprechen können, Herzog«, sagte Karl laut und vernehmlich, »brauche ich Euren Treueschwur. Hier und jetzt, vor Gott und unseren Edlen!«
Ein Geraune setzte ein, Leutbergas Lächeln erstarb. Verlegenheit hing wie eine übelriechende Wolke zwischen den Parteien – dann aber stand Fulrad auf. Mit jovialem Lächeln verkündete er, dass es Zeit für eine Unterbrechung sei. Aus flachen Kisten holten Diener die vorbereiteten Leckereien und gingen mit Weinkrügen zwischen den Anwesenden herum. Fast konnte man das Aufseufzen der Herren hören … Arnulf nutzte die Zeit, um ein spektakuläres Geschenk Tassilos zu betrachten, das man am Nordende der Insel abgestellt hatte: einen Löwen, der in einem etwa acht Fuß langen Käfig aus Bambusrohr steckte. Der Geruch der Speisen schien das Tier zu erregen, weit dröhnte sein Gebrüll über den Strom. Arnulf machte endlich seine Augen von dem gewaltigen Tier los und versuchte zu schätzen, wie groß Tassilos Lager auf dem östlichen Ufer war. Eine Vielzahl achteckiger Zelte war nahe dem Wasser emporgewachsen, längst kräuselte sich der Rauch vieler Kochfeuer in die Luft. Eine Horde Awaren in Flatterkaftanen tauchte in diesem Moment ein Stück weiter flussabwärts auf, unterhalb der Zelte. Sie tränkten ihre Gäule im flachen Wasser ohne abzusteigen. Diese Menschen seien mit ihren Tieren verwachsen, sagte man.
Er spürte ein Pochen hinter dem Ohr.

Über den Autor

Focken, Robert

Focken, Robert

Robert Focken wurde in Höxter (NRW) geboren und wuchs in Holzminden auf der niedersächsischen Weserseite auf. Interesse für Historisches war früh vorhanden, zumal sich an der Weser einst zahlreiche Kriegszüge Karls des Großen ins Sachsenland hineinschoben.... mehr über den Autor

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