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Brictom - Wodans Götterlied
Von keltischer Götterdämmerung 3

Brictom - Wodans Götterlied

Autor: Rauner, Astrid

voraussichtlich lieferbar ab September 2017


Produktart: Buch

Seiten: 544

Sprache: deutsch

Auflage: 1 Erstausgabe

Verlag: acabus Verlag

ISBN: 9783862825066

Einband: Paperback

EUR 16,00

Artikel


  • Inhalt
  • Leseprobe
Geschriebene Worte tragen eine Macht in sich, die über das Schicksal Tausender entscheiden kann:


Auf ihrer Flucht aus dem Norden haben Aigonn und Tiuhild den Zorn des Sturms geweckt. Eine Sturmflut verwüstet die Länder der Kimbern und zwingt sie, ihre angestammte Heimat zu verlassen. Aigonn wird dabei als Seher zu einer nützlichen Geisel. Sie ahnen nicht, dass der Sturmgeist Wode Aigonn und Tiuhild verfolgt. Immer größeren Einfluss gewinnt er über den Geist der jungen Frau und Aigonn fürchtet um ihr Leben. In seiner Heimat droht Fürst Rowilan den Rückhalt seiner letzten Verbündeten zu verlieren. Dann ereilt ihn unerwartete Hilfe, doch wird sie ihm zum Sieg gegen den übermächtigen Gegner verhelfen? Und welches Geheimnis hütet Aigonns totgeglaubter Vater, der überraschend zu seinem Stamm zurückkehrt?
Eine uralte Beschwörung soll die Macht der Götter entfalten. Aber der Preis dafür ist hoch und Aigonn begreift, dass Geister zu Göttern werden können, Vertraute zu Verrätern und manche Geschichten erst mit dem Tod beginnen …


Der letzte Teil der Trilogie „Von keltischer Götterdämmerung“ bringt die Lösung des Rätsels – und die Erkenntnis, dass es Dinge gibt, die sich niemals vollständig erklären lassen.

Der Zorn des Gottes (zur PDF-Leseprobe)


Aigonn war von Stimmen umgeben. Das leise Flüstern kam von allen Seiten, ein beständiges Rauschen, dem er lauschte, während sich sein Geist wider Willen in die Gegenwart vorwagte. Ein kühnes Unterfangen. Und er wurde sofort dafür bestraft.
Der Lärm war kaum zu ertragen. Schreie, Rauschen, ein bedrohliches Tosen, das ihm alle Nackenhaare in die Höhe trieb, fuhren direkt unter seine Haut. Sobald er die Augen aufschlug und die Schwärze des Schlafes trübem Flammenlicht wich, wusste er, dass er einen Fehler begangen hatte. Nächte wie diese waren nur zu ertragen, wenn man sie schlafend verbrachte. Dann war das Chaos am nächsten Morgen entweder vorbei oder man selbst tot.
Schlaftrunken richtete sich Aigonn von seinem Lager auf. Das Stimmengewirr deutet darauf hin, dass außer ihm in dem kleinen Langhaus niemand geschlafen hatte. Ein Wimpernschlag genügte, damit er vier Gestalten ausmachte: zwei Männer, ein Kind, eine Frau. Sie schleuderten Worte einer fremden Sprache durch den Raum, deren Silben zum Teil im Tosen des Sturmes erstickten. Das Lied des Sturms erfüllte jeden Winkel des Hauses. Aigonn hörte die Geister des Meeres singen und johlen, ein Lied grenzenlosen Übermutes auf dem Weg der Verwandlung in die Raserei.
Aigonn musste sich einfach nur zurückfallen lassen. Er konnte die Augen schließen und Erschöpfung simulieren. Vielleicht dauerte es die halbe Nacht, wieder Schlaf zu finden, doch der Schatten des Hausdaches und sein Felllager würden ihn fernhalten von dem Chaos, in das Wode dieses Land am Ufer des großen Gottes gestürzt hatte. Niemand würde bemerken, dass er erwacht war und ihn zu sich rufen, damit er sich dem sinnlosen Kampf gegen den Sturm anschloss. Zu nah waren die Bilder noch, die er an der Felswand im Land der Daukionen zurückgelassen hatte, als dass er es wagen würde, dem zornigen Herren des Sturms noch einmal die Stirn zu bieten.
Schlafen. Das Wort allein erschwerte seine Lider. Ihr Glühen war ein Echo des Fiebers, das ihn seit der Sonnenwende verfolgte. Ja, schlafen. Ein guter Gedanke. Wenn morgen der Himmel einstürzte, konnte er es doch nicht aufhalten.
Plötzlich ein Krachen. Einen Herzschlag innehalten. Dann fuhr der heulende Sturm in das Langhaus. Aigonn riss die Hände an die Ohren, wobei er sich die Fingernägel in die Kopfhaut bohrte. Das Singen der Windgeister wurde laut bis zur Unerträglichkeit. Ihre spitzen Stimmen gruben sich durch den Knochen in seinen Kopf, zermarterten seine Nerven. Ein Schreien, irgendjemand schrie. Was, bei Lugus, war überhaupt geschehen? Es spielte keine Rolle, wenn es nur aufhörte, das Lied der Geister. War Aigonn es selbst, der so brüllte? Seine Stimmbänder schmerzten. Ja, er selbst musste es sein. Aufhören, echote eine Stimme in seinem Kopf die sinnlose Bitte an das Heer des Wode, das darauf nur zu lachen schien.
„Fremder!“, wehte es irgendwann an seine Ohren. „Fremder!“ Die Bewohner des Langhauses gebrauchten skandische Worte, um sich mit Aigonn zu unterhalten. Dieser beging den Fehler, die Hände von den Ohren zu nehmen. Sofort wurden sie mit starkem Griff gepackt. Als man ihn in die Höhe zog, wurde Aigonn schwindelig. Die Bilder drehten sich noch nach zweimaligem Blinzeln, dann machte er im Dämmerlicht des Hauses endlich das Gesicht eines Mannes vor sich aus.
„Fremder, wie kannst du schlafen? Die Götter sind rasend!“ Blondes Haar, von grauen Strähnen durchsetzt, wirbelte ihm vor die Augen. Viel älter als Rowilan konnte dieser Mann nicht sein, dessen Namen er sich immer wieder aufs Neue sagen lassen musste. Das Leben hatte ihn nur mit einer Härte gezeichnet, die ihn im Schattenwurf der Flammen zum Greis zu verwandeln schienen.
Keinen Augenblick später fuhr Aigonn erschrocken zusammen. Das nächste Krachen, das unzweifelhaft von brechendem Holz ausgelöst wurde, verschuf noch weiteren Sturmgeistern Einlass in das Langhaus. Für wenige Herzschläge war den dort Unterschlupf Suchenden noch Schutz vergönnt, dann sah Aigonn die Silhouette eines Stücks grasgedeckten Dachs davonfliegen, bevor prasselnder Regen auf sie niederging.
Was der Mann, der seinen jungen Gast noch immer am Handgelenk hielt, gegen den Regen brüllte, verstand Aigonn auch ohne Kenntnis ihrer Sprache als Fluch. Und sein Ton machte deutlich, dass er kein weiteres Zögern dulden würde. Bis Aigonn die Situation richtig erfassen konnte, hielt er ein starkes Nesselseil in den Händen. Die anderen Männer hatten es bereits an der Verbundstelle zweier Deckenbalken verknotet, um seine Enden an Pflöcke zu binden. Auf geflochtene Grasmatten und Felle am Boden wurde keine Rücksicht genommen. Aigonn stand einer Salzsäule gleich da, sah zu, wie die Männer die Pflöcke durch den Bodenbelag trieben und wenig später die Stärke des Seils auf eine harte Probe gestellt wurde.
Der Ruck, mit dem der Wind am Dach riss, brachte Aigonn ins Stolpern. Ein weiteres Paar Hände, das sich vor ihm an das Stück Seil klammerte, verhinderte, dass er der Länge nach zu Boden stürzte. Sobald der Sturm jedoch eine Böe lang Atem fasste, brüllte der blonde Mann seinen Gast an: „WORAUF, BEI DEN GÖTTERN, WARTEST DU DENN?“
Ja, worauf? Endlich wurde sich Aigonn dem Ernst seiner Lage bewusst. Es war Nacht, es war Winter. Die Luft im Haus, die der Sturm hinein trieb, war so erbärmlich kalt, dass sich der Atem des jungen Mannes in Nebel verwandelte. Und bis zum Sonnenaufgang würde es womöglich kein Dach mehr geben, das sie vor der tödlichen Witterung schützen konnte.
Diese Gewissheit rettete Aigonns Gedanken endlich aus der Trägheit des Schlafes. Das Adrenalin, das durch seine Adern jagte, weckte ungeahnte Kräfte. Kaum, dass er sein eigenes Seil um einen Pflock geschlungen und in die Erde getrieben hatte, lag das nächste Nesseltau in seinem Griff. Wie im Rausch jagte er durch das Langhaus, erklärte mit seinen Bewohnern dem Sturm den Kampf, der diesen mit johlendem Übermut erwidern wollte. Das nächste Stück Grasdach wurde davongetragen. Je länger Aigonn rannte, desto mehr schien es ihm, als schlafe er noch.
Die Müdigkeit, die sein linkes Auge niedersacken lassen wollte, weckte den sehenden Sinn. Mit flackerndem Blick erfasste er die Gestalten der Sturmgeister vor sich. Einen Wimpernschlag lang schien das Bild zu gefrieren, machte verschwommene Gesichter sichtbar, deren Augen sich in seine Richtung drehten.
„Würdig wolltest du sein!“, glitt eine tonlose Stimme durch das Zwielicht. „Kühner Aigonn, hast du deinen Mut verloren, als meine Diener dich aus Skandia trieben?“
Wode. Der Name des Sturmgeistes glich einer Beschwörung. Kein anderer als er lenkte das Chaos, das die ganze Welt einzureißen schien. Schritt um Schritt hatte er Aigonn auf seiner Heimreise von Skandia verfolgt. Einem Alptraum gleich hatte sein Sturm immer die Angst davor mitgetragen, was die Gegenleistung für Aigonns Kühnheit sein würde. Für die Kühnheit, einen Götterdiener herausgefordert zu haben, dessen Name „der Zornige“ bedeutete.
„Fremder“, riss eine Stimme Aigonns Gedanken in die Wirklichkeit zurück. Verwirrt blinzelte er gegen die aufkommende Erschöpfung, um festzustellen, dass der blonde Mann wieder an seine Seite geeilt war. Dessen schwielige Hand ruhte auf seiner Schulter, beschwörend plötzlich und von einer angstvollen Ruhe umgeben. „Fremder“, murmelte er. „Wenn du zu lange den Worten des Sturms lauschst, wirst du den Verstand verlieren. Höre auf mich!“
Aigonn nickte, weil irgendetwas in ihm sagte, dass es gut war. Nicht, weil sein Geist aufnahm, was man ihm sagen wollte.
„Die Sturmgeister pflanzen den Wahnsinn in deinen Kopf, wenn du zu sehr auf ihre Stimmen hörst. Kein Mensch ist ihnen gewachsen. Sei klüger als deine Freundin und ergib dich nicht ihrem Rufen!“
Freundin. Dieses Wort weckte Aigonns Bewusstsein auf einmal mit unerwarteter Heftigkeit. Ein Gesicht schoss vor sein Inneres Auge, eine junge Frau, mager, mit braunen, verfilzten Haaren und dunklen, unergründlichen Augen. Für einen Wimpernschlag schien die Erinnerung sie direkt neben ihm im Raum zu beschwören, bis Aigonn sich klarmachte, dass das, was er sah, nicht die Wirklichkeit war.
Erschrocken überflog er die Schlaflager. Sie war nicht hier im Haus! Der Blonde hatte Aigonn bereits stehengelassen, um einem der anderen Männer zu Hilfe zu eilen. Wo war sie? Draußen herrschte nichts als Verwüstung. Die Menschen schienen alle Macht verloren zu haben in einer solchen Nacht, hilflos den Elementen ausgeliefert, während nichts sonst Schutz versprach, als ein Gebäude, das mit einem Windstoß weggeblasen sein konnte. Niemand, der bei Sinnen war, verließ zu einer solchen Zeit seine einzige Zuflucht.
Außer Tiuhild.
Mit einem Herzschlag war Aigonn hellwach. Bevor er wusste, was er tat, rannte er durch das Langhaus. Im Rennen rief er dem Blonden, der sich verwirrt zu ihm umdrehte, zu: „Wo ist sie? Wo ist die junge Frau, die mit mir reist?“
„Du solltest nicht fragen, wo sie ist, Fremder, sondern was mit ihr geschehen ist! Die Geister haben sie auserwählt. Manche Menschen machen sich aus freiem Willen zum Opfer des Sturms. Du kannst nicht zu ihr hinaus!“
Der Mann hatte nicht ausgesprochen, als sich zwei Hände bereits in seinem Hemdkragen verkrallten. Erschrocken wollten seine Freunde dazwischen gehen, Aigonn jedoch riss seinen Oberkörper so nah an sich heran, dass er dem Blonden seinen Atem ins Gesicht spie. Woher er die Wut nahm? Er hatte keine Zeit darüber nachzudenken. Der Sturm, die Gefahr, alles um ihn herum hatte an Bedeutung verloren, da Aigonn mit einer Bedrohlichkeit zischte, die ihn selbst in Erstaunen versetzte: „Wohin sie gegangen ist, will ich wissen!“
„Nach draußen, an den Strand.“ Die Miene des blonden Mannes war undeutbar. Womöglich wäre es sinnvoll gewesen, an die Sorge, die durch sie schimmerte, einen Gedanken zu verschwenden. Bevor Aigonn darüber jedoch nachdenken konnte, hielt er die Tür schon geöffnet und kämpfte im selben Moment mit seinem Gleichgewicht. Wie ein Kampfschrei heulte der Sturm in seinen Ohren, warf sich gegen seinen Körper, dass er taumelnd nach hinten stolperte. Die Proteste der Hausbesitzer befahlen ihm, augenblicklich zurück in den Innenraum zu kommen, doch sie kümmerten ihn nicht. Nur ein Schritt genügte und das Loslassen der Tür, dann befand Aigonn sich im Reich der Stürme.

Über den Autor

Rauner, Astrid

Rauner, Astrid

Astrid Rauner wurde 1991 in der hessischen Wetterau geboren und hat in Gießen Umwelt- und Ressourcenmanagement studiert. Beruflich ist sie im Bereich Landschaftsökologie und Landschaftsplanung tätig. Ihre große Leidenschaft gilt der Vor- und Frühgeschichte Europas.... mehr über den Autor

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