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Kommentare zu: '' Erich. Oder: Der Tag, den Angela M. nie vergessen wird''

keinekeinekeinekeinekeinekeine | 11.04.2017 18:30 | Patno www.nichtohnebuch.de

Was für ein ungewöhnlicher Buchtitel, dachte ich, als ich die Ankündigung des acabus Verlages zu "Erich. Oder: Der Tag, den Angela M. nie vergessen wird" las. Mein Interesse war geweckt, vermutete ich hinter der Lektüre doch ein humorvolles Buch. Bekommen habe ich dann etwas ganz anderes.
Das Buch beginnt mit einer ziemlich schrägen Geschichte über den Azubi Rüdiger, der "wurstsüchtig" ist und fürchtet seine Chefin im Supermarkt könnte bemerkt haben, dass Rüdiger heimlich Wurst stibitzt. Bevor man weiter über die "Was-wollte-uns-der-Autor-damit-sagen-Frage" nachdenken kann, ist man schon mitten in der zweiten Geschichte, die mich in eine melancholische Stimmung versetzte. Es geht um ein älteres Ehepaar, oder besser gesagt um das, was eben nicht mehr so gut geht. Dann kommt ein Postbote ins Spiel, Bob Dylan ist in die Stadt und trifft auf einen Straßenmusiker, ein Professor versucht den Tauben Essmanieren beizubringen usw...
Überschattet werden alle Geschichten von der mysteriösen Entführung des Hundes der Bundeskanzlerin.
Das klingt alles ziemlich kurios und abwegig? Ist es aber gar nicht, wenn man die einzelnen Geschichten etwas genauer unter die Lupe nimmt. Sie sind nicht alltäglich, wirken vielleicht für einige Leser auch befremdlich, aber im Detail steckt viel Gesellschaftskritik und die Botschaft auch einmal einen Blick auf unsere Mitmenschen zu werfen. Sind wir mal ehrlich - wir haben alle unsere Marotten, die uns einzigartig machen.
Das Buch liest sich nicht wie ein Roman, eher wie eine Sammlung von Kurzgeschichten. Am Ende jeder Geschichte wird der Akteur der nächsten in die Handlung eingebracht. Der Schreibstil ist nicht ganz einfach zu lesen. Mitunter muss man etwas um die Ecke denken.
Interessant fand ich die Inszenierung um den verschwundenen Hund der Angela M. Wer hat schon einmal darüber nachgedacht, dass die mächtigste Frau im Land im Herzen auch nur ein Mensch ist, mit Gefühlen und Eigenheiten, die sie bestimmt nur selten offenlegen kann. Vermutlich wäre sie traurig, wenn ihr Hund von einem Tag auf den anderen nicht mehr da wäre und vielleicht würde sie gern einmal mit uns frühstücken, so von Mensch zu Mensch und über banale Dinge des Lebens plaudern.
Wer gern einen Blick über den Tellerrand wirft und das Skurrile im Alltäglichen sucht, wird sich hier bestimmt gut unterhalten.

 
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