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Der Mann aus Hamburg
Die Vatikanverschwörung

Der Mann aus Hamburg

Autor: Simon, Heinz-Joachim

lieferbar


Produktart: Buch

Seiten: 352

Sprache: deutsch

Auflage: 1 Originalausgabe

Verlag: acabus Verlag

ISBN: 9783862823895

Einband: Klappenbroschur

zum eBook

EUR 14,90

Artikel


  • Inhalt
  • Leseprobe
„Diese Geschichte sprengt den Vatikan in die Luft …“,

stellt der Hamburger Anwalt Dieter Prätorius fest, als ihm sein Freund, der Hamburger Ermittler Serge Christiansen das Vatikanprotokoll diktiert.
Christiansen ist dem größten Geheimnis der katholischen Kirche auf der Spur. Er wird beauftragt, einen verschwundenen Padre zu finden, der sich der Mission verschrieben hat, die Machenschaften der Vatikanbank zu durchkreuzen. Der Mann aus Hamburg stößt auf die Verschwörung eines faschistischen Geheimbundes, der Mafia und reaktionärer Kurienkardinäle … zusammen mit der Vatikanbank.

Als Johannes Paul I. Papst wird, hofft die Welt auf eine Reformation der Kirche. Er stirbt jedoch nach nur 33 Tagen im Amt unter mysteriösen Umständen. Der Mann aus Hamburg wird zum gefürchteten Gegenspieler der Drahtzieher hinter den Kulissen. Doch die Mafia hat längst einen Killer nach Rom geschickt.
Kann Christiansen der Gerechtigkeit zum Sieg verhelfen und den Mörder entlarven?

Ein Thriller so geheimnisvoll und furchterregend wie die Katakomben.
1
An Eides statt

Hamburg, im März 1979

„Diese Geschichte sprengt den Vatikan in die Luft“, sagte Dieter Prätorius. „Wenn das in die Presse kommt, können die den Laden zumachen. Niemand in Europa wird dann an einer Kirche vorbeigehen, ohne daran zu denken, was die dort wieder aushecken mögen.“
Sie saßen in einer Kanzlei am Jungfernstieg. Das Ambiente verriet, dass ‚Prätorius & Partner‘ gut im Geschäft war. Die mit gelbbrauner Eibe getäfelten Wände strahlten die Seriosität eines Londoner Clubs aus. Bilder von Baselitz und Polke stimmten schon im Flur die Besucher darauf ein, dass sie es mit einer bundesweit bekannten Adresse zu tun hatten und sie ihre Brieftasche weit würden öffnen müssen. Sie waren Freunde und kannten sich seit Jahren. Der Anwalt griff zum Humidor, entnahm eine Zigarre und sah Serge fragend an. Christiansen schüttelte den Kopf und holte Pfeife und Beutel aus seiner Lederjacke, stopfte sie sorgfältig und senkte das brennende Streichholz in den Pfeifenkopf.
Serge Christiansen hatte Prätorius gerade berichtet, warum er zu ihm gekommen war. Bevor Serge ein Zweigbüro in Rom eröffnet hatte, waren sie jeden Samstagmorgen zum Schachspiel zusammengekommen. Sowohl Prätorius als auch Christiansen waren das, was man sportliche Typen nannte, wobei dies bei Christiansen deutlicher und demonstrativer hervortrat, was auch mit seinem Beruf zu tun hatte. Serge war Ermittler und betrieb nebenher noch eine Schule, in der man asiatische Kampftechniken lernen konnte, wenn man sich dies antun wollte. Er war mehr als zwei Meter groß und hatte einen Körper, der preisgekrönten Bodybuildern in nicht viel nachstand. Er hatte ein kantiges Gesicht, graue Augen, die manche Wolfsaugen nannten, Frauen jedoch auf andere Gedanken brachte. Sein blondes, fast schulterlanges Haar verführte zu der Annahme, dass er weiche Seiten haben könnte. Es gab einige Zeitgenossen, die diese Einschätzung später bereuten. Mit Günter Netzer hatte er nur die Schuhgröße und die langen blonden Haare gemeinsam. Mit seinen fast sechsunddreißig Jahren hatte er bereits mehr erlebt als andere am Ende ihres Lebens. Nach einer Jugendsünde – er hatte sich einen Jaguar E-Type für eine Spritztour an die Côte d’Azur „ausgeliehen“ – war er zur Fremdenlegion geflüchtet. Er sprach nie über diese Zeit. Nach fünf Jahren hatte er den Dienst quittiert und eine Überprüfung seiner Fähigkeiten vorgenommen. Nach einer längeren Schnupperphase als Bodyguard war er zu der Überzeugung gekommen, dass seine Fähigkeiten sich durchaus für den Beruf eines Ermittlers eigneten. Mit der Zeit hatte er sich einen entsprechenden Ruf erworben. Selbst die Kriminalpolizei schätzte ihn als zwar beinharten, aber fairen Detektiv, dessen Seriosität außer Frage stand. Reich war er in dem Beruf nicht geworden. Deswegen fuhr er auch keinen Jaguar, sondern einen roten MG aus den fünfziger Jahren, auf den er aber nichts kommen ließ, obwohl dieser verlangte, dass er des Öfteren fluchend unter ihm am Schrauben war. Sein stetiger Begleiter war ein großer, weißgrauer australischer Hirtenhund, der etwas verträumt durch sein zotteliges Haar sah und auf den anspruchsvollen Namen Spencer hörte, was seine Charaktereigenschaften durchaus richtig wiedergab. Serge gab als Begründung für diese Namenswahl an, dass er Spencer Tracy wegen seiner Gelassenheit und Ruhe immer bewundert habe. Wer mit einer so zickigen Frau wie Katherine Hepburn klargekommen war, müsse ein wahrer Philosoph sein. Spencer war ein Hund, der sich ebenfalls durch scheinbar nichts aus der Ruhe bringen ließ, aber zu einer Bestie werden konnte, wenn er seinen Herrn in Gefahr wähnte. Der Hund lag zu Serges Füßen und beäugte gelassen das Gespräch.
Sie pafften, einander zunickend, ein paar Wolken in die Luft. Prätorius ähnelte dem jüngeren Kennedy – also nicht dem Präsidenten, sondern dem Justizminister – hatte eine jungenhafte Ausstrahlung und ein bestimmendes Wesen, das im Gerichtssaal manchmal arrogant wirkte. So mancher Richter, der sich darüber geärgert hatte, musste ihm aber Brillanz zugestehen und ein Talent als Redner, das einem Politiker wohl angestanden hätte. Bereits sein Vater und dessen Vater waren Anwälte gewesen und Dieter Prätorius hatte es als Verpflichtung gesehen, diese alte Familientradition zu einem neuen Höhepunkt zu führen. Die Kanzlei galt als eine der besten in Norddeutschland.
„Ich bin Katholik, kein besonders eifriger, aber was du mir erzählt hast, führt mich in Versuchung, aus dem Verein auszutreten. Die Gläubigen würden ihnen in Scharen weglaufen, wenn deine Erlebnisse in der BILD-Zeitung stünden.“
„Ach was!“, wehrte Serge ab. „Die Kirche hat Hus, Luther und Calvin überstanden. Sie wird auch wegen ein paar weiterer schwarzer Schafe nicht zusammenbrechen. Was sagte Jesus noch? ‚Du sollst mein Fels sein, auf dem ich meine Kirche bauen will‘ oder so ähnlich. Der Untergrund der Kirche ist ein fester Boden. Die meisten Menschen brauchen etwas, an das sie glauben können.“
„Immerhin hast du angedeutet, dass selbst der derzeitige Papst, der Pole Wojtyla, die Schweinerei gedeckt hat, um Millionen der Solidarność zukommen zu lassen.“
„Er wird, wenn er so weitermacht, den Kommunismus zu Fall bringen“, sagte Serge nachdenklich.
„Du übertreibst.“
„Nein. Er ist ein streitbarer Papst. In der Renaissancezeit hätte er einen guten Condottiere abgegeben.“
Es klopfte. Die Sekretärin, eine wohlproportionierte Rothaarige, steckte ihren Kopf herein.
„Möchten die Herren noch frischen Kaffee oder lieber etwas Stärkeres?“
Prätorius sah Serge fragend an.
„Nein. Aber einen Tee gerne. Wenn ihr Earl Grey habt.“
„Haben wir“, flötete die Sekretärin mit einem freudigen Lachen. Ihr kurzer Rock verleugnete nicht die aufregendsten Beine in Hamburgs Kanzleien.
„Ich weiß, was du denkst“, sagte Prätorius grinsend, als sie das Zimmer verlassen hatte. „Sie ist außerdem sehr tüchtig.“
„Auch das noch“, sagte Serge und kraulte Spencer den Nacken, woraufhin dieser seinen Kopf genüsslich auf seine vorgestreckten Pfoten legte.
„Mehrmals hat man versucht, mich umzulegen“, gestand er übergangslos.
Prätorius richtete sich auf und kaute nervös auf seiner Havanna.
„Tatsächlich?“
„Ja. Mafiakiller der Cantona-Familie aus Palermo, die mir, so nehme ich an, der Chef der Vatikanbank auf den Hals gehetzt hat. Kann sein, dass sie auch jetzt noch die Idee verfolgen, es mir heimzuzahlen. Ich bin ihnen etwas zu heftig auf die Füße getreten. Bisher haben sie sich aber nicht besonders geschickt angestellt.“
„Wieso?“
„Ich lebe noch.“
„Was kann ich dann für dich tun? Willst du eine Klage anstrengen?“
„Ach was. Ich will dich doch nicht noch reicher machen, als du ohnehin bist. Gegen wen sollten wir klagen? Gegen den Vatikan? Gegen die Cantona-Familie? Gegen Gelli, den Großmeister der Loge ‚P Due‘, der sich in Südamerika versteckt? Vergebliche Liebesmühe.“
„Also, was kann ich für dich tun?“
Serge lehnte sich zurück und kniff die Augen zusammen. Die Sekretärin brachte ein Tablett mit Tasse und Teekanne herein, beugte sich kurz über Serge und goss den Tee in die Tasse. Meißner Porzellan. Noblesse oblige. Der Hund hob kurz den Kopf und knurrte.
„Spencer kann fürchterlich eifersüchtig sein … Also, die Sachlage ist die“, fasste Serge noch einmal zusammen und skizzierte kurz die Gefahr, in der er sich befand.
„Ich kann nicht ausschließen, dass irgendein Verrückter in Rom mich für eine tickende Zeitbombe hält.“
„Du solltest zur Polizei gehen.“
„Die kann mich nicht schützen. Ich weiß ja nicht einmal, ob dieser Gefährdungsfall jemals eintritt.“
„Wenn ich es richtig verstanden habe, hast du es dir gleich mit zwei Mafiafamilien verdorben.“
„Ja. Mit der Cantona-Familie in Palermo und den Savinellis in New York.“
„Tolle Leistung. An deiner Stelle würde ich aus Hamburg verschwinden und einen anderen Namen annehmen. Du sprichst doch Italienisch, Französisch und Englisch. Geh nach Neuseeland oder zu den ‚Aussies‘. Ermittler braucht man immer.“
„Wenn sie es ernst meinen, finden sie mich überall.“
„Kein schönes Gefühl“, stellte Prätorius fest, sprang auf, ging ans Fenster und sah hinaus auf den Jungfernstieg, der im hellen Licht eines klaren Frühlingstages lag.
„Man gewöhnt sich daran. Es ist nicht so, dass ich ständig daran denke.“
Die Sekretärin kam erneut hereingestöckelt und brachte einen Teller mit Keksen und Pralinen.
„Belgische Pralinen, die mögen alle“, sagte sie zu Serge.
Der Hund beäugte sie misstrauisch.
„Danke. Sehr gern.“
Sie warf einen vorsichtigen Blick auf den Hund. Spencer hob den Kopf von seinem Bein. Ein strenger Geruch zog durchs Zimmer. Die Sekretärin bekam einen roten Kopf und stürzte hinaus.
„Dein Köter hat sie verjagt!“, kommentierte Prätorius.
„Ja. Er furzt immer, wenn er jemanden loswerden will.“
„Seltsamer Hund.“
„Ein Hund mit einer Menge Lebenserfahrung.“
„Ich weiß wirklich nicht, wie ich dir helfen kann.“
„Hast du ein Tonband?“
„Wir haben da so ein altes Gerät. Wird kaum noch benutzt.“
„Dann hol es und ich werde dir die Geschichte haarklein erzählen.“
Serge beugte sich zu der Aktentasche, nahm sie hoch und entnahm ihr ein Bündel Papiere.
„Ich habe hier Belege über die Machenschaften des Vatikans. Bankauszüge, die beweisen, dass die Vatikanbank Geld wäscht. Außerdem eine schriftliche Stellungnahme, wie es dazu gekommen ist, dass ich mich um den Katakombenpakt gekümmert habe. Dazu eine Liste mit den Namen von hohen Würdenträgern der Kirche und des Staates, die der Geheimloge ‚P Due‘ angehörten. Ich habe der Kurie signalisiert, dass dieses Material bei einer Kanzlei hinterlegt ist und veröffentlicht wird, sollte mir etwas Unerklärliches passieren.“
„Ich werde die Bankunterlagen einem Spezialisten übergeben, der soll sich das mal ansehen. Und du willst jetzt zusätzlich ein Tonbandprotokoll machen?“
„Genau das. Eine Schilderung dessen, was mich zum gefährlichsten Gegner des Vatikans gemacht hat.“
Prätorius griff zur Sprechanlage.
„Sind Sie noch da, Frau Schneider?“
„Ja. Ich wollte gerade gehen. Brauchen Sie doch noch etwas?“
„Bringen Sie noch das Tonbandgerät. Wir wollen etwas aufnehmen.“
„Das alte Ding? Das Gerät ist bei Ihrem Sozius Dr. Köhler.“
„Es wird etwas dauern. Ich meine, die Schilderung, was ich erlebt habe“, warf Serge ein.
„Wir haben alle Zeit der Welt.“
Serge nickte abwesend.
Die Sekretärin kam mit einem großen Koffergerät herein, wuchtete es auf den Schreibtisch, öffnete den Deckel, nahm die Schnur heraus und verband sie mit der Steckdose. Fachmännisch schloss sie das Mikrofon an und reichte es, nach einem fragenden Blick zu Prätorius, dessen Klienten. Sie drückte einen Knopf und nickte Serge zu.
„Eins – zwei – drei. Hier kommt die gefährlichste Beichte in der Geschichte der katholischen Kirche.“
Die Sekretärin kicherte und drückte einen anderen Knopf und nun hörten sie die gleichen Worte vom Tonband.
„Gut. Löschen Sie das!“, sagte Prätorius. „Dann können wir loslegen.“
„Noch etwas?“, fragte die Sekretärin.
„Nein. Das ist alles.“
„Hier ist noch eine Spule, falls das Band voll ist“, sagte Frau Schneider, wirbelte um die eigene Achse und ging nach einem vorwurfsvollen Blick auf den Hund hinaus, der ihren Abgang mit einem gurgelnden Ton quittierte.
Prätorius nahm das Mikrofon und diktierte: „Anwaltskanzlei Prätorius und Partner. Hamburg, den 28. März 1979. In meiner Kanzlei ist erschienen: Herr Serge Christiansen, deutscher Staatsbürger, geboren am 12. April 1943 in Hamburg St. Pauli, wohnhaft in Hamburg Pöseldorf, Magdalenenstraße 58, und in Rom, Via die Coronari 15, Inhaber einer Detektei, um eine Erklärung abzugeben.“
Er schaltete das Gerät wieder aus.
„Nun leg los und tu dir keinen Zwang an. Wir werden davon eine Abschrift anfertigen, die du überarbeiten kannst und anschließend unterschreiben musst. Vielleicht kannst du später aus dem Protokoll sogar einen Schlüsselroman machen.“
Prätorius nickte auffordernd und schaltete das Gerät wieder an. Christiansen räusperte sich und begann mit seiner Erklärung:
„Ich versichere an Eides statt, dass alles so abgelaufen ist, wie ich es schildern werde. Mein Bericht wird hier in der Anwaltskanzlei hinterlegt. Sollte mir etwas zustoßen, so ermächtige ich die Anwaltskanzlei Prätorius und Partner, das Tonbandprotokoll zu veröffentlichen. Ich betone noch einmal: Dieses Protokoll wird nur veröffentlicht, wenn mir etwas zustoßen sollte. Herr Prätorius wird eine Kopie des Protokolls dem Kardinalstaatssekretär des Vatikans zukommen lassen.“
Prätorius nahm Christiansen das Mikrofon ab und sagte: „Mein Name ist Dieter Prätorius, Inhaber der Anwaltskanzlei, geboren am 18. Juni 1943, wohnhaft am Ballindamm 126. Ich versichere hier an Eides statt, dass ich das Protokoll des Serge Christiansen nur veröffentlichen werde, wenn diesem etwas zustößt, sei es durch einen Anschlag oder durch einen mysteriösen Unfall. Dieses Protokoll wird in einem Schließfach meiner Bank deponiert, zu dem nur ich und Herr Christiansen Zugriff haben.“
Er übergab das Mikrofon wieder seinem Freund. Serge Christiansen nahm einen Schluck Tee, befeuchtete seine Lippen und begann mit seinem Bericht über das, was er in Rom erlebt hatte.
„Es schien ein Fall wie viele andere zu sein, ehe ich auf die Machenschaften stieß, die den größten Verrat darstellten, seit Judas Jesus im Garten Gethsemane küsste.
Ich werde mit meiner Geschichte ganz am Anfang beginnen und kein Detail auslassen. Es begann an einem Ort, der für die Freuden des Lebens steht.“

Über den Autor

Simon, Heinz-Joachim

Simon, Heinz-Joachim

Heinz-Joachim Simon lebt in der Nähe von Stuttgart. Er war Inhaber einer renommierten Werbeagentur und Verfasser zahlreicher Sachbücher zur Unternehmensführung. Seit 2004 konzentriert er sich ausschließlich auf sein literarisches Schaffen und schreibt historische und... mehr über den Autor

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