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Der Henker von Bad Berging
Noch ein Krimi aus Bayern

Der Henker von Bad Berging

Autor: Hirschel, Katja


lieferbar


Produktart: Buch

Seiten: 488

Sprache: deutsch

Auflage: 1 Originalausgabe

Verlag: acabus Verlag

ISBN: 9783862824373

Einband: Paperback

zum eBook

EUR 15,90

Artikel


  • Inhalt
  • Leseprobe
„Enthaupteter im Hafen – Polizei tappt im Dunklen – Brutaler Mord - Sind unsere Rentner in Gefahr? – Container des Grauens“
 
Das sind die Schlagzeilen, die Deutschland erschüttern. In Hamburg und kurz darauf in München werden abgetrennte Köpfe gefunden. Die Augen sind ausgestochen, vom restlichen Körper fehlt jede Spur. Es handelt sich ganz klar um die Handschrift eines Serienkillers! Sofort macht sich ein Spezialteam unter der Führung von Super-Profiler Jens Kessler an die Ermittlungen. Zusammen mit seiner Partnerin Rita Hubschmied führt ihn sein Weg direkt in die bayerische Landeshauptstadt.
Während aber die ganze Republik in Aufruhr ist, geht in Bad Berging alles seinen gewohnt gemütlichen Gang. Das einzige Verbrechen, das hier zu lösen gilt, ist das rätselhafte Verschwinden einiger Haustiere. Hauptkommissar Gerhard Maus und seine Leute ahnen natürlich nicht, dass die pechschwarzen Wolken bereits über ihrem idyllischen Örtchen schweben. Als im heimischen Wildpark plötzlich Leichenteile gefunden werden und der Henker somit sein jüngstes Opfer präsentiert, wird klar, dass sich die blutige Spur direkt nach Bad Berging zieht.
Die Jagd nach dem Mörder beginnt und Kommissar Maus bekommt Unterstützung von Kesslers Sondereinheit. Unweigerlich prallen zwei Welten aufeinander: High-Tech-Profiling versus traditionelle Polizeiarbeit – kriminalistische Tiefenpsychologie versus gesunde Menschenkenntnis. Eine explosive Mischung also, die unweigerlich zu einem überraschenden Schluss führen muss.
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So viel kann noch verraten werden: Es gibt vier Opfer, einigen Herzschmerz, eine Grippewelle, zwei geplagte Mütter, sportliche Herausforderungen, engagierte Hunde- und Katzenbesitzerinnen, italienische Cousins, Geschwisterrivalität und -liebe, drei bekennende Raucher, zwei Stroh- und einen echten Witwer, Western-Fans, einen Englischkurs, liebenswerte Tiere und die Hoffnung auf ein glückliches Ende.
Montag, 17:58 Uhr, Hamburger Hafen
Er bückte sich und hob gleichzeitig das Absperrband an, um darunter hindurchzutauchen. Plastik knisterte, als seine breite Schulter daran schabte. Schnell stand er wieder aufrecht, einem uniformierten Kollegen gegenüber. Das Band ließ er los und zurückschnellen. 
»Und was gibt es diesmal?«, fragte er brummig, während er den Kragen seines Mantels hochschlug, da der Herbstwind hier am Hafenpier besonders schneidend und ungemütlich war.
»Da hinten! Bei den Containern, Herr Kessler«, deutete der Gefragte in eine Richtung. »Stein wartet schon.«
Eine Möwe schrie laut und heiser, wurde von einer anderen abgelöst, deren intensiver Ruf eine Dringlichkeit ausdrückte, die Kessler irritierte. Er verzichtete daher darauf, diesen Mann darauf hinzuweisen, dass die korrekte Erwähnung von Dienstgraden durchaus ihren Sinn hatte. Zur Strafe strich er dafür das Danke und warf ihm stattdessen einen tadelnden Blick zu. Der Uniformierte senkte auch gleich seinen Kopf und wippte leicht auf den Fußballen. Er schien zu überlegen, was er nun Polizeiwirksames tun könnte, um nicht länger im Fokus dieses neuen Superkollegen stehen zu müssen. Kessler reichte die Reaktion aus Unsicherheit und Zerknirschung. Er ließ von ihm ab und blickte den Pier entlang. Der Wind war stärker geworden. Es wurde bald dunkel. Schreiend landeten ein paar Möwen am Ende der Mole, stritten sich und hackten mit ihren Schnäbeln auf etwas ein. Er seufzte. Es half alles nichts. Er musste zum Tatort. Schnell ging er zu den Containern und sah aus den Augenwinkeln schon ein paar Reporter hinter der Absperrung herumlungern. 
Die hatten wohl den Polizeifunk abgehört und warteten auf einen Sensationsbrocken – diese widerlichen Aasgeier.
»Jens! Hier sind wir!«, riss ihn der Ruf aus seinen düsteren Gedanken. Keine fünf Meter entfernt war eine kleine runde Gestalt aufgetaucht, die ihn zu sich winkte. 
»Das hat aber gedauert! Wo hast du nur gesteckt?«
»Meine Orientierung leidet ein bisschen. Hier ist nichts mehr, wie es früher einmal war«, kam die ungehaltene Antwort.
»Junge, Junge, man sollte nicht meinen, dass du in dieser Stadt geboren bist«, lachte der andere. »Und sich zu verfahren, ist eine lahme Ausrede. Auch nach dreizehn Jahren USA vergisst man doch seinen Heimathafen nicht.«
»Ben!« Es war offensichtlich, dass Jens Kessler keine Lust auf eine Fortsetzung des Gesprächs hatte. »Ben, von jemandem aus einer Kleinstadt, in der alles beim Gleichen bleibt, muss ich mir das nicht länger anhören. Meun Hamburch hot sich verännerd un do kommt ma ganz schön inne Tüdel, nech! So, jetzt genug geschnackt. Wo ist der Tatort!?«
»Pfffffffffffuit! Was soll denn an Magdeburg bitte klein sein?«, konterte Ben, aber da er nicht zu der schnell beleidigten, lokalpatriotischen Sorte gehörte, deutete er auf einen Stapel Kisten, der sich malerisch modern und dank einer hellen Lampe, die gerade ein Mitarbeiter der Spurensicherung dahinter aufstellte, in der Dämmerung wunderbar plastisch ausmachte. Jens Kessler schnaubte missmutig. Er wollte eigentlich gar nicht hingehen, musste aber doch, denn Polizeihauptkommissar Ben Stein hatte ihn wie ein aufgeregtes Kind auf dem Jahrmarkt am Ärmel gepackt und schon mit sich gezogen.
»Dort. Siehst du?«, rief er und zeigte auf eine Kiste. »Dort drin hat ihn der Hafenmeister gefunden.«
Jens Kessler sah leider gar nichts, da besagte Kiste dank des diffusen Dämmerlichts lediglich ein einziger schwarzer Schatten war. Ärgerlich blickte er daher Stein an, der offenbar nicht verstand. Doch bevor ihm Jens Kessler mit einem gebrummten »Taschenlampe« auf die Sprünge helfen konnte, ertönte hinter ihnen: »Ekelhaft, nicht?!«
Es war eine junge Frau, die, ohne dass er es bemerkt hatte, um den Kistenstapel herumgekommen und offensichtlich gerade damit beschäftigt war, Fotos zu machen. 
»Wie in einem von diesen unnötig grauenhaft brutalen Skandinavien-Krimis. Hauptsache blutrünstig«, erklärte sie weiter, während sie einige Schritte rückwärts ging und am Objektiv drehte, um den Kistenstapel im Weitwinkel aufnehmen zu können.
»Das ist übrigens Rita«, raunte Ben Jens Kessler zu. »Die ist wie du erst seit Kurzem bei uns und hilft ein bisschen aus. Auch so ein aufstrebendes Wunderkind. Die Karriereleiter regelrecht hochgerast. Man meint es wohl gut mit unserer Abteilung, dass man uns gleich zwei von eurer Sorte zugeteilt hat.«
»Rita? Rita Hubschmied?«, fragte Jens Kessler verblüfft. 
Die Frau hielt in der Bewegung inne, den Zeigefinger in der Luft, einige Millimeter über dem Auslöser.
»Ja?!«, kam argwöhnisch die Antwort, während sie ihn mit Röntgenaugen musterte. Es war offensichtlich, dass sie zu keinem brauchbaren Ergebnis kam, was sie noch etwas spröder werden ließ. »Und wer …«
»Na, ich bin´s doch. Jens Kessler. Erinnerst du dich nicht mehr? Baton Rouge, Louisiana? Vor ungefähr sechs Jahren?«
»Scheiße, ja! Der Vampirmörder! Meine Fresse, ich habe dich gar nicht wiedererkannt. Der Bart und so …«
Mit und so meint sie vermutlich höflich ausgedrückt meine Augenklappe, dachte er bitter, konnte ihr aber nicht länger böse sein, weil sie sich nun wirklich zu freuen schien, ihn wiederzutreffen. Rasch hatte sie die Kamera einem Mitarbeiter in die Hand gedrückt und kam strahlend zu ihnen. 
»Des gibt’s doch gar nicht. Jens! Jens Kessler! Wow, die Welt ist wirklich klein. Ich mein, ich hätte eher erwartet hier jemanden aus meiner Familie – also aus dem tiefsten Bayern – zu treffen als dich.«
»Oh, tut mir leid!«, bemerkte er und versuchte nun auch seinerseits ein winzig kleines Lächeln. »Aber du musst wohl oder übel mit mir Fischkopf vorlieb nehmen.«
»Nein, nein. Das war eigentlich pure Erleichterung und daher als Kompliment gedacht. Aber … Äh … ist des jetzt der absolute Zufall oder was? Ich mein, dass du hier bist und so … Egal, es ist super, dich bei diesem Fall im Boot zu haben. Das ist ja sozusagen ein Ritterschlag. Niemand ist so ein großartiger Profiler wie du.«
»Profiler? Du meinst also, dass wir hier etwas Interessantes haben?«, blendete er ihr merkwürdiges Gestammel einfach aus, hörte nur dieses eine Wort und biss sofort an. Da man ihm jedoch immer noch kein Licht zur Verfügung gestellt hatte, seine Neugier aber entfacht war, begann er auch gleich in der Manteltasche nach seinem Handy zu suchen.
»Könnte man wohl so ausdrücken«, versuchte sich nun Ben fachkundig ins Gespräch zu mischen. »Wenn das nicht das Werk eines wirklich kranken Psychos ist, dann weiß ich auch nicht. Rita, zeig ihm doch einmal, was wir da haben.«
Aber sie kam nicht mehr dazu. Jens Kessler war bereits an den Stapel herangetreten und hob sein Handy, dessen integrierte Taschenlampe es ihm endlich ermöglichte, in der Dunkelheit der Kiste etwas erkennen zu können. Für den Bruchteil einer Millisekunde erstarrte er. Zwar war Jens Kessler ein Voll-Profi und es gab nichts Schreckliches, was er nicht bereits schon kannte, aber das, was er da jetzt vor sich hatte, ließ sein Blut zu Eis gefrieren. Ein abgetrennter Kopf, die Augen ausgestochen, der Mund in Todesqualen verzogen – ein Déjà-vu?! Ron? Jens Kessler musste blinzeln. Nein, schalt er sich sofort einen Narren. Nein, natürlich ist das nicht Ronald Roberts!
»Heilige Scheiße!«, flüsterte er, als er jetzt sah, dass der Mörder den Hals mit langen, großen Nägeln befestigt hatte, damit der Kopf auch ja nicht umfallen konnte und in dieser makaberen aufrecht stehenden Position blieb. 
»Hab ich´s nicht gesagt?«, bestätigte Rita, die neben ihn getreten war. »Brutal bis ins kleinste Detail. Sieh dir mal die Wundränder an. Ausgefranst und irgendwie zerfleddert. Ich tippe auf eine Säge – Kreis oder Motor. Aber das überlasse ich nur zu gerne der Forensik. Die Präsentation dieser Abscheulichkeit ist jedoch auch nicht von schlechten Eltern. Er hat den armen Kerl fixiert und wollte nicht, dass sein Werk umkippt. Es soll seinen Finder ansehen können. Naja, vermutlich eher erschrecken, weil da ja keine Augen mehr sind. Eindeutig eine Botschaft, wenn du mich fragst.«
»Wer ist hier der Profiler?«, fragte Jens Kessler scharf. 
Er war wütend. In erster Linie auf sich selbst, weil er wider Erwarten einen Augenblick erschrocken gewesen war. Erschrocken darüber, dass er hier so plump auf ein Ereignis aus der Vergangenheit gestoßen wurde – ein Ereignis, mit dem er längst abgeschlossen haben wollte. 
»Du glaubst doch wohl nicht, dass es schicksalhafte Fügung ist, dass ausgerechnet hier – in deiner Anwesenheit quasi – dieses makabre Abfallprodukt einer bestialischen Verstümmelung auftaucht?!«, fuhr sie gnadenlos in ihrer Überlegung fort. 
Jens Kessler ließ die Hand sinken. Er wollte nichts mehr sehen und auch nichts mehr hören, bevor er nicht selbst in der Lage war, das alles zu begreifen und in einen vernünftigen Rahmen zu bringen. Bedächtig schaltete er das Handy aus, bevor er es wieder in der Manteltasche verschwinden ließ. Er brauchte etwas Zeit und vor allem Ruhe, doch leider hatte Rita dafür offenbar keine Antenne. Sie war wie ein Pitbull Terrier, der gerade erst angefangen hatte, sich in seinen Knochen zu verbeißen. Schon immer hatte er gewusst, dass aus der vielversprechenden Kollegin eine mehr als professionelle Bereicherung in der kriminalistischen Fallanalytik werden würde. Leider war ihr Talent im Augenblick mehr als störend. 
»Unterbrich mich ruhig, wenn ich mich irre«, bemerkte sie selbstbewusst, sah großzügig über seine abweisende Haltung hinweg und fuhr gleich fort. »Schon allein die Opferwahl. Männlich, Mitte bis Ende fünfzig. Die Todeszeit – und dabei greife ich mal auf vergangene Vorfälle zurück – kann nur innerhalb der letzten 48 Stunden liegen. Er wurde enthauptet, aber nicht hier. Kein Blut. Wir haben hier also keinen Tat- sondern einen Fundort und der ist makellos sauber. Und darum ist es auch klar, dass der Mörder Kontakt aufnehmen will. So nach dem Motto: Seht her, ich hab ein Geschenk für euch. Lasst uns mal spielen! Und ich verwette meinen Arsch, dass wir den Rest des Körpers nicht finden werden. Also Jens, was sagst du nun? Besonders dir müsste das bekannt vorkommen. Na, klingelt´s?«
Jens Kessler war zu ihr herumgefahren und hatte sein Auge zu einem gefährlichen Schlitz verengt. Rita hielt seinem Blick stand. Dann nickte sie leicht. 
»Ja, ich weiß, es ist eigentlich nicht möglich, weil ihr diese Bestie damals geschnappt habt. Aber noch verrückter ist ja wohl, dass ausgerechnet du jetzt hier bist. Ich meine, als ich vorhin hier angekommen bin, hatte ich schon so einen Verdacht. Diese Vorgehensweise, diese ganze Art. Und dann tauchst du auf und plötzlich passt alles zusammen …«
Er hatte sie am Oberarm gepackt und mit sich gezogen, weg von dem Kistenstapel und Ben, der gerade mit dem Gerichtsmediziner diskutierte. 
»Verdammt!«, presste er zwischen zusammengebissen­en Zähnen hervor, als sie am Rande des Piers angekommen waren. »Verdammt, du glaubst also zu wissen, wer unser Täter ist?«
Sie nickte abermals. Er sog hörbar die Luft ein, starrte sie einige Sekunden an und ließ sie dann los. Sie wurde ihm unerträglich. Schnell blickte er stattdessen auf das Wasser vor sich. Dort trieb ein toter Fisch, wurde bäuchlings von den Wellen hin und her gewiegt und plötzlich schien ihm dieses Schauspiel das Interessanteste seit langem.
»Jens, ich bitte dich«, riss Rita ihn aus seinen kontemplativen Betrachtungen, holte ihn brutal in die Wirklichkeit zurück. »Den Zusammenhang würde selbst ein Dorfpolizist in dem Kaff, aus dem ich stamme, erkennen. Ich war zwar damals nicht dabei, aber glaub bloß nicht, dass ich das nicht verfolgt hätte. Ein Serienkiller vom Feinsten. Da habe ich freiwillig Extra-Hausaufgaben gemacht. Also, du brauchst jetzt nicht ausweichend zu werden, denn du weißt, dass ich Recht habe. Wir haben es hier eindeutig mit dem …«
» … Princeton-Schlächter zu tun!?«, beendete er rau ihren Satz. »Lächerlich, meine Liebe! Du solltest dich mal reden hören! Der ist, wie du gerade so treffend bemerkt hast, von mir geschnappt worden und hinter Schloss und Riegel, wo er verrotten wird. Also, wie bitte soll er DAS hier bewerkstelligt haben?«
»Gut, dann eben nicht er persönlich. Aber es ist doch ein sehr verblüffend ähnlich gelagerter Fall. Gehen wir also von einem Nachahmungstäter aus«, erklärte Rita ärgerlich. »Mensch Jens, egal von welcher Seite wir es betrachten, das Offensichtliche bleibt bestehen.« […]

Über den Autor

Hirschel, Katja

Hirschel, Katja

Katja Hirschel wurde in Südamerika geboren, wuchs in einer hessischen Kleinstadt auf und studierte in München, wo sie seitdem – mit einigen Unterbrechungen durch Auslandaufenthalte - immer noch lebt und arbeitet. Da der Ruf nach literarischem Schaffen in ihrer Kindheit zu leise war... mehr über den Autor

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