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Das Evangelium der Grabtuchräuber

Das Evangelium der Grabtuchräuber

Autor: Simon, Heinz-Joachim

lieferbar


Produktart: Buch

Seiten: 288

Sprache: deutsch

Auflage: 1 Erstausgabe

Verlag: ACABUS Verlag

ISBN: 9783862821921

Einband: Klappenbroschur

zum eBook

EUR 14,90

Artikel


  • Inhalt
  • Leseprobe
Ein Thriller so schwarz wie ein Film noir. Was wäre, wenn eine Sekte nicht nur Menschen und Industrieunternehmen in ihre Gewalt bekommt, sondern einen ganzen Staat? Eine geheimnisvolle Sekte plant einen zweiten Finanzcrash, der die europäische Wirtschaft ruinieren soll. Der Großkyros, der Sektenführer, will sich und seinen obskuren Glauben als Rettung anbieten. Um seiner Gruppe – er sieht sich als Wiedergänger des Messias – einen religiösen Anstrich zu geben, lässt er das Turiner Grabtuch rauben. Der Berliner Privatdetektiv Peter Gernot stößt bei einem Entführungsfall auf die Sekte der Marsianer und gerät in Lebensgefahr. Von Turin geht es nach Paris, Rom, Istanbul und Rio de Janeiro. Eine Hetzjagd, ein erbarmungsloser Kampf. Was hat es mit den "Sieben Siegeln der Erneuerung" auf sich? Hat Gernot überhaupt eine Chance? Der Großkyros hat ihn zum Tode verurteilt. Peter Gernot tanzt die Samba des Todes.
Aus Kapitel 1:

[…]
Als ich am nächsten Morgen den Frühstücksraum betrat, der neben der Bar im obersten Stock lag und einem kostenlos offerierte, was diese Stadt einzigartig machte, nämlich der Anblick einer großartigen Vergangenheit, winkte Schlesinger mir zu. Ich setzte mich zu ihm, und der Ober brachte mir Orangensaft, den meine trockene Kehle auch verdammt nötig hatte.
„Nun, werden Sie den Auftrag annehmen?“, bedrängte er mich sogleich. Auch an diesem Morgen sah er aus, als müsse er gleich am Empfang des Staatspräsidenten teilnehmen. Seriös bis auf die Knochen.
„Schon möglich“, erwiderte ich vage, stand auf und ging ans Buffet und häufte mir drei Spiegeleier und Lachs auf den Teller. Kaum saß ich, als er seine nächste Frage abschoss.
„Wie werden Sie es angehen?“, nervte er.
„Mir erst einmal ein Bild von Ihrer Tochter machen. Wie lebt sie? Wer sind ihre Freunde? Wie wird sie von denen beurteilt? Was studiert sie eigentlich?“
„Sagte ich Ihnen doch: Archäologie.“
Ein Studium, das die Garantie enthielt, nur mit Vitamin B einen Job zu bekommen – eine Art Freizeitbeschäftigung.
„Beste Freundin oder fester Freund?“
„Eine Irene von Bergheim. Eine Zeitlang war sie mit Dietmar von Grünfeld zusammen. Ein guter Junge. Meine Frau hätte sich gefreut, wenn daraus etwas Ernstes entstanden wäre. Die Grünfelds gehören zum Hochadel, haben riesige Ländereien in Bayern und Österreich.“
„Hat das gute Kind auch normale Freunde?“
„Was meinen Sie mit normal?“, fragte er erstaunt und zog die Augenbraue bis zum akkuraten Seitenscheitel hoch.
„Ohne das ‚von‘ in der Mitte und ohne Raubritterahnen.“
„Lassen Sie das nicht meine Frau hören“, sagte er pikiert. „Als eine ehemalige Hohenstein ist sie stolz auf ihre Ahnen, insbesondere auf den Haushofmeister des Kaisers. Es gab unter ihren Altvorderen einen General, der bei Jena und Auerstedt gegen Napoleon dabei war.“
„Auf eine solche Ahnengalerie wäre ich nicht gerade stolz. Immerhin hat ihn Napoleon mächtig verdroschen. Aber mit Ihrer Frau werde ich noch sprechen müssen.“
„Warum? Was soll dabei herauskommen? Ich beantworte Ihnen gern alle Fragen“, sagte er nun sichtlich beunruhigt.
„Mütter wissen meist mehr über ihre Töchter.“
„Sybille ist eher ein Vaterkind. Meine Frau hat schon lange keinen Zugang mehr zu ihr. Aber wenn Sie unbedingt mit ihr sprechen müssen, dann sollten Sie despektierliche Kommentare über die Aristokratie unterlassen. Sie hält Sie sonst für einen Roten, und das ist für sie schlimmer, als wenn Sie in der Bunten mit heruntergelassenen Hosen abgebildet wären. Sie würde Ihnen sofort den Auftrag entziehen, und ich kann alles wieder glattbügeln.“
Ich musste mir ein Lachen verkneifen. Der Kerl hatte Schiss vor seiner Frau. Manche Männer sind so blöd und holen sich den Ärger ins Bett.
„Was ist Ihre Tochter für ein Mensch?“
„Was meinen Sie?“
„Ist sie lustig, eher extrovertiert als introvertiert? Wofür interessiert sie sich außer für Archäologie und Party machen?“
„Vor zwei Jahren hätte ich gesagt: eher introvertiert. Doch in letzter Zeit kann sie ganz schön auf den Putz hauen. Wenn ich es mir recht überlege, habe ich seit zwei Jahren keine Ahnung, was sie so treibt.“
Es war immer dasselbe. Eltern wissen meist nicht, was ihre Kinder umtreibt. Mein Kind, das unbekannte Wesen.
„Sie ist ja auch nicht meine leibliche Tochter“, setzte er seufzend hinzu. Sollte wohl eine Entschuldigung sein, war es aber nicht.
„Ich denke, sie ist ein Vaterkind.“
„Das war einmal. In den letzten beiden Jahren hat sie sich auch von mir sehr zurückgezogen.“
„Was wissen sie von ihren beiden adligen Freunden?“
„Irene und Dietmar? Nun, Irene studiert Kunstgeschichte, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt. Dietmar will Diplomat werden und hat sich für Politikwissenschaft eingeschrieben.“
Ich hatte es also mit den Sprösslingen der deutschen Elite zu tun. Ich band ihm nicht auf die Nase, dass ich vor meiner Bodyguardzeit auf nichts anderes verweisen konnte als ein paar Jahre in einer Beatband.
„Studieren die beiden in Berlin?“
„Irene studiert in Berlin“, bestätigte Schlesinger. „Dietmar dagegen, so glaube ich, in München. Ich bin mir aber nicht sicher. Er muss jedoch öfter in Berlin sein. Meine Frau sagte mir einmal, dass sie ihn bei einem Empfang in der Russischen Botschaft getroffen habe. Er macht, glaube ich, ein Praktikum bei irgendeinem Abgeordneten der Christlich-Sozialen.“
Wir redeten noch ein wenig über dies und das, über die Finanzkrise der Griechen, die Situation in Deutschland, und ich bekam mit, dass er, worüber ich mich nicht wunderte, in seinen Ansichten so schwarz war wie eine bayrische Winternacht. Als ich ihm sagte, was meine Arbeit kostet, bekam der Herr Multimillionär große Augen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die wirklich ‚Gestopften‘, wie Serena sie nannte, sich am Vorbild von Dagobert Duck orientierten. Von nichts kommt nichts.
„Zweitausend pro Tag plus Spesen? Ist das nicht ein bisschen viel?“
„Ich arbeite immer nur an einem Fall“, erklärte ich gelassen. Es stimmte. Jedenfalls meistens. Um die Bagatellfälle, die hereinkamen, wie Beschattung einer Ehefrau, die sich einen jungen Lover angeschafft hatte, oder Überprüfung eines Optikergehilfen, der angeblich vom Verkaufspreis etwas abzweigte, kümmerte sich Serena. Sie stellte sich in solchen Fällen meistens intelligenter an als ich. Frauen sind nun einmal die besseren Spione, war ihre Meinung dazu. An einem Mangel an Selbstvertrauen litt sie wirklich nicht.
„Wie lange werden Sie für den Fall brauchen?“
„Keine Ahnung. Sie bekommen am Ende jeder Woche einen Lagebericht. Wenn es Ihnen zu viel wird, können Sie jederzeit sagen, dass Schluss ist.“
„Vierzehntausend Euro pro Woche!“, konnte er sich nicht beruhigen.
„Politiker a.D. bekommen fünftausend und mehr für eine Rede, die nur eine Stunde dauert.“
„Können wir nicht einen Pauschalpreis vereinbaren?“
„Können wir. Aber nicht in diesem Stadium. Sprechen wir noch einmal in einer Woche darüber.“
Er trennte sich diesmal sichtlich unzufrieden von mir. Aber ich dachte nicht daran, meine Zeit für kleines Geld zu verkaufen. Ich hatte die Erfahrung gemacht, dass die Wertschätzung einer Arbeit sehr viel mit der Höhe des Honorars zu tun hatte. Es konnte deswegen nicht hoch genug sein.

Ich rief also das Schätzele in Berlin an. Serenas Vater hatte eine Zeitlang ‚beim Daimler‘ in Sindelfingen ‚geschafft‘, und davon war eine Spur in ihrem Tonfall hängengeblieben. Ich sagte ihr, dass sie ihren hübschen Hintern bewegen und mir die Adressen von dieser Bergheim und dem Grünfeld beschaffen sollte.
„Dann haben Sie ihn also an der Angel!“, freute sie sich.
„Ja. Und den neuen Computer, den du haben wolltest, kannst du auch bestellen.“
„Wurde auch höchste Zeit. Die alte Kiste hier ist so langsam wie eine Weinbergschnecke. Da haben wir es ja jetzt mit richtig feinen Pinkeln zu tun. Bin ich dabei?“
„Du kümmerst dich gefälligst um die Fremdgängerin und um den umtriebigen Optikerbubi.“
„Immer muss ich mich mit dem schlechten Ende der Wurst abfinden.“
„Du bist genauso herzig wie Marilyn Monroe.“
„Was meinen Sie denn damit wieder, Big Boss?“
„Schau dir ‚Manche mögen’s heiß‘ an, dann weißt du es. War übrigens ein Zitat von Marilyn.“
„Aber Sie sind nicht Tony Curtis“, erwiderte sie pampig.
Wo sie recht hatte, hatte sie recht.
Ich nahm den Abendflieger nach Berlin, natürlich Holzklasse. Mein neuer Auftraggeber saß in der Businessklasse. Er nickte mir kühl zu, als ich an ihm vorbeiging. Das Portemonnaie drückte ihn wohl immer noch, was meine Laune beträchtlich steigerte.
Als ich in Berlin auf meinen Koffer wartete, hatte ich das Gefühl, beobachtet zu werden. Seit Afghanistan habe ich so einen siebten Sinn, was das betrifft. Es war nicht Schlesinger, der mit seinem Handgepäck gleich durch den Zoll gegangen war. Ich sah mich vorsichtig um, konnte jedoch nichts Verdächtiges entdecken und schalt mich einen Narren. Seit meinem Afghanistan-Abenteuer hatte ich immer ein Kribbeln im Nacken, wenn mir Gefahr drohte. Aber warum zum Teufel sollte mir in Berlin Gefahr drohen?
Als ich mein rotes Cabrio aus der Tiefgarage holte, war ich das Kribbeln los, und ich erfreute mich an dem sonoren Brummen meines TR 6, einem Oldtimer aus den Siebzigern, als die Engländer noch die aufregendsten Roadster der Welt bauten. Er konnte röhren wie Janis Joplin und brummen wie Kris Kristoffersen, wenn dieser sich einen verkaterten Sonntagmorgen in Erinnerung rief.
Ich jagte auf die Stadtmitte zu. Berlin erschien mir an diesem Abend so schön wie Athen. Es fing also ganz harmlos an. Noch hatte ich keine Ahnung, dass auf mich der Teufel wartete.

Über den Autor

Simon, Heinz-Joachim

Simon, Heinz-Joachim

Heinz-Joachim Simon lebt in der Nähe von Stuttgart. Er war Inhaber einer renommierten Werbeagentur und Verfasser zahlreicher Sachbücher zur Unternehmensführung. Seit 2004 konzentriert er sich ausschließlich auf sein literarisches Schaffen und schreibt historische und... mehr über den Autor

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