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Che. Der Traum des Guerillero
Roman

Che. Der Traum des Guerillero

Autor: Simon, Heinz-Joachim

lieferbar


Produktart: Buch

Seiten: 524

Sprache: deutsch

Auflage: 1 Originalausgabe

Verlag: acabus Verlag

ISBN: 9783862824885

Einband: Klappenbroschur

zum eBook

EUR 16,00

Artikel


  • Inhalt
  • Leseprobe
„Finde Che Guevara!“ 
Diesen Auftrag bekommt Marc Mahon, Journalist, Kriegsreporter und ein Jugendfreund Ernesto Che Guevaras. Die ganze Welt rätselt, wo er geblieben ist. Marc Mahon macht sich auf die Suche und erinnert sich dabei an ihre gemeinsame Jugendzeit in Córdoba, an ihre ersten Lieben, an Ches Aufenthalt bei den Aussätzigen, an seine Zeit in Mexiko, wo Che Fidel Castro begegnete. Wie in einem Film tauchen die Bilder der Vergangenheit auf: Seine Zeit mit Che in der Sierra Maestra, Ches Triumph über die Batista-Übermacht in Santa Clara. Bis die Toten in der Festung La Cabaña die Freunde entzweien. Aber nun erfährt Marc von Fidel Castro, dass Che in Bolivien ist, in einem Land, wo die Bedingungen für eine Revolution nicht gegeben sind. Vor Ort gelingt es Marc Mahon nicht, Che zur Aufgabe zu zwingen. Sie werden gefangen genommen und Ernesto wird ermordet – und doch bewirkt sein Tod eine Macht, einen Mythos, der in Südamerika eine christusähnliche Verehrung auslöst. Che lebt – seine Idee. Sein Leben weist den Weg zu einer neuen humanen Gesellschaft, wenn wir uns vielleicht auch mit dem „alten Adam“ zufrieden geben müssen. 
"Hasta la victoria siempre!" (Che Guevara) 
Erleben Sie an der Seite Ches den Kampf gegen die Mächte des Imperialismus und Kapitalismus im Dschungel Boliviens mit.
Der neue Mensch.
Wer war Ernesto Guevara de la Serna, den alle Welt als Che kennt? Zweifellos der Held einer ganzen Generation. Aber auch heute noch steht er für den Kampf gegen Kapitalismus und Ausbeutung. Er hatte den Traum von der Befreiung der Völker aus Armut und Not. Er glaubte an den neuen Menschen, der sich in den Dienst der Gemeinschaft stellt. Er war der Comandante, eroberte Santa Clara – der entscheidende Sieg über das verbrecherische Batista-Regime. Er kommandierte die Festung La Cabaña, wo hunderte von Mördern, Folterern und Vergewaltigern unter seinem Kommando erschossen wurden. Wegen der USA-Blockade versagte er als Finanz- und Industrieminister und lebte doch den neuen Menschen vor, legte all seine Ämter nieder, ging nach Afrika und scheiterte durch die Korruption der dortigen Politiker. Ahnte er, dass er einen unmöglichen Traum verfolgte? So unternahm er einen letzten verzweifelten Versuch, den Völkern Südamerikas die Freiheit von Not und Armut zu bringen. In einer elenden Schlucht in Bolivien besiegten ihn die CIA-Schergen.   
In einer Zeit, in der der Kapitalismus in seiner Gier jedes jemals vorstellbare Maß übersteigt, sind sein Leben und seine Botschaft bedeutsamer denn je. Er lieferte ein Beispiel, war ein Träumer und unerbittlicher Kämpfer. Auch er blieb nicht ohne Schuld. Der neue Mensch wird immer der „alte Adam“ bleiben, aber der Versuch, Che nahe zu kommen, kann uns den Weg weisen. Die CIA ließ ihn ermorden und schuf damit einen christusähnlichen Mythos.
Salute, Comandante! Seien wir realistisch, wagen wir das Unmögliche.
3
Doch jung zu sein, das war der Himmel selbst


Es begann an einem heißen Sommertag. Auf dem Rugbyfeld des Lyzeums Funes in Córdoba lernte ich Ernesto Guevara de la Serna kennen. Er war ein schmächtiger junger Mann und durch seinen Körperbau eigentlich nicht für Rugby geeignet. Doch er warf sich mit dem Mut eines Löwen in das Kampfgetümmel und steckte dabei einiges ein, was ihn aber nicht davon abhielt, sich den Ball zu erkämpfen und auf das gegnerische Tor zuzulaufen. Plötzlich knickte er ein, verlor dabei den Ball und rannte an den Spielfeldrand, ließ sich ein Atemgerät geben und inhalierte zitternd mit tiefen Zügen. Die Spieler seiner Mannschaft machten deswegen kein großes Aufheben. Sie schienen dies von ihm gewohnt zu sein.
»Was hat er nur?«, fragte ich Tomaso, mit dem ich befreundet war und der mich dazu eingeladen hatte, mir das Rugbyspiel gegen das vornehme Gymnasium Moserrate anzusehen.
»Er hat einen Asthmaanfall.«
»Dann sucht er sich ausgerechnet Rugby als Sport aus?«
»So ist Ernesto nun einmal! Er will stets das Unmögliche und meistens schafft er es sogar. Er sagt immer, dass alles eine Willenssache sei.«
Ich war von dem jungen Mann sofort fasziniert. Er lief wieder aufs Spielfeld und warf sich ins Getümmel, als ginge es um sein Leben. So jemanden wollte ich zum Freund haben, nahm ich mir vor.
»Erzähl mir von ihm«, bat ich Tomaso.
»Die Familie ist ziemlich vornehm. Einst war sie bedeutend. Generäle und Vizekönige gehören zu ihren Vorfahren. Ernestos Vater ist jedoch ein Lebemann und Frauenheld. Seine Mutter hält die Familie zusammen. Sie sind deswegen arm, weil sein Vater mit seinen Unternehmungen ständig pleitegeht. Aber die Mutter hat etwas von einer Fürstin und Kinder lieben sie, weil sie wundervolle Geschichten zu erzählen weiß. Doch im Haus sieht es stets aus, als wäre der Krieg ausgebrochen. Ein unvorstellbares Chaos. Ernestito ist ihr Liebling, vielleicht weil er asth­makrank ist. Da er ziemlich verhätschelt wurde, ist er auch sehr faul. Doch irgendwie schaffte er es bisher immer, versetzt zu werden. Er ist meistens viel zu beschäftigt zum Lernen.«
»Was hat er denn so viel zu tun?«
»Ich kenne niemanden, der so viel liest wie er. Außerdem bessert er mit seinen Nebentätigkeiten die Kasse der Familie auf. Er ist ein sehr beliebter Caddy im Golfclub. Wegen seiner Liebenswürdigkeit bekommt er das meiste Trinkgeld aller Caddys, die darüber natürlich nicht sehr erfreut sind.«
Nach dem Spiel kam Ernesto zu uns. Tomaso und Ernesto begrüßten sich, indem sie die Fäuste gegeneinander schlugen.
»Was läuft?«, fragte Ernesto keuchend. Er schien immer noch unter dem Anfall zu leiden. Tomaso stellte mich vor und Ernesto musterte mich mit einem durchdringenden Blick.
»Von deiner Figur her wärst du ein guter Quarterback.«
»Mich interessiert Rugby nicht.«
»Treibst du keinen Sport?«
An seinem Ton war zu erkennen, dass mich das in seinen Augen zu keiner lohnenswerten Bekanntschaft machte.
»Oh doch. Ich bin ein passabler Tausendmeterläufer. Außerdem bin ich im Jiu Jitsu Club. Ich trainiere für den Schwarzen Gürtel.«
Ich merkte, dass ihm das mit dem Jiu Jitsu gefiel.
»Welche Schule besuchst du?«
Ich sagte es ihm. Er war in derselben Schule, aber in einer Parallelklasse. Wir waren erst vor Kurzem aus Frankreich nach Argentinien emigriert.
»Mein Vater will sich hier eine Existenz aufbauen. Er plant nebst Studio ein Geschäft für Fotoapparate und Zubehör zu eröffnen.«
»Ihr seid Juden?«
»Das sind wir, obwohl ich das erst weiß, seit wir aus Deutschland nach Frankreich fliehen mussten. Und als die Deutschen nach Frankreich kamen, ging es weiter nach Portugal. Wir sind ganz schön herumgekommen. Jetzt wollen wir Argentinier werden.«
»Kann mich dein Vater unterrichten, wie man gute Fotos macht?«
»Könnte er, aber er hat viel um die Ohren. Ich werde dir das zeigen. Wir hatten in Berlin eine Fotoagentur in der Friedrichstraße. Ich habe den besten Fotografen Deutschlands über die Schulter gesehen.«
»Na prima. Brauchst du Arbeit?«
»Könnte ich gebrauchen, wenn es neben der Schule abläuft.«
»Klar doch. Ich kann dich als Caddy im Golfclub empfehlen. Außerdem kannst du mitkommen, wenn ich im Herbst bei der Weinernte helfe. Es gibt nicht viel Geld, aber Kleinvieh macht auch Mist.«
»Abgemacht«, sagte ich. Nicht nur, weil ich das Geld brauchte, sondern weil ich ihn mir gut als Freund vorstellen konnte.
»Liest du gern?«
»Klar doch. Wassermann, Zweig, Heinrich Mann, aber auch die amerikanischen Autoren Jack London, Sinclair Lewis, John Steinbeck, Hemingway und Fitzgerald«, rasselte ich herunter, obwohl ich die amerikanischen Autoren erst hier in Córdoba kennengelernt hatte.
»Dann werden wir gute Freunde sein. Ich lese auch sehr gern. Wir können uns über die Bücher austauschen, die wir gerade gelesen haben.«
Sein Atem hatte sich beruhigt. Mir gefiel die Art, wie er mir die Freundschaft antrug und gleichzeitig darauf verwies, auf welcher Basis diese stehen würde.
»Ich werde dich Kochba nennen, nach dem jüdischen Freiheitshelden Bar Kochba.«
»Soll mir recht sein«, erwiderte ich lachend und schlug in die mir entgegengehaltene Hand ein. So begann meine Freundschaft mit Ernesto Guevara de la Serna.
 
Am nächsten Tag trafen wir uns im Golfclub. Als ich die Terrasse betrat, kam er mir entgegen.
»Alles geregelt!«, verkündete er. »Ich zeige dir nachher, worauf es ankommt. Du übernimmst morgen die Schicht von sieben bis neun Uhr. Es ist eine gute Schicht, da viele Geschäftsleute erst spät zum Golfen kommen, und die werfen ein gutes Trinkgeld ab, wenn man ihnen beim Siegen hilft. Du verstehst? Ich zeige dir nachher, wie es gemacht wird.«
Ein junges Mädchen saß auf der Terrasse und sah sehnsuchtsvoll zu uns herüber. Es war mir klar, dass ihr Blick nicht mir galt.
»Ein schönes Mädchen«, sagte ich beeindruckt.
»Chichina. Tut mir leid, sie ist vergeben. Ich werde sie vielleicht heiraten«, sagte er bestimmt.
»Schade, dass ich zu spät gekommen bin.«
Er lachte. »Ich werde aufpassen, dass du es nicht doch versuchst. Ihr Deutschen gebt ja nicht so schnell auf.«
»Das will ich nicht mehr sein. Die Deutschen haben Millionen von uns umgebracht.«
»Hast du Goethe auf Deutsch gelesen?«
»Klar doch! Wer reitet so spät durch Nacht und Wind …So etwas und auch noch anderes. Werther und ein bisschen Faust.«
»Du wirst es mir mal auf Deutsch vortragen. Ich meine den Faust.«
 
Wir trafen uns jeden Tag nach der Schule. Da ich in der Pa­rallelklasse war, stimmten unsere Stundenpläne nicht immer überein, so dass wir manchmal aufeinander warten mussten, was nicht schlimm war, denn wir konnten die Zeit mit Lesen überbrücken. Unser Treffpunkt war der Parque Las Heras am Río Suquia.
Córdoba ist die Stadt der Glocken und eine der schönsten Städte Argentiniens, mit vielen Kirchen aus dem 18. Jahrhundert und reichen Bürgerhäusern aus der Kolonialzeit. An der Plaza San Martín, dem Mittelpunkt der Stadt, konnte man die Iglesia Catedral bewundern und die ›Manzana‹ der Jesuiten. Sie kündete davon, wer einst der Stadt seinen Stempel aufgedrückt hatte. Mit der Compañía de Jesús besaß Córdoba die älteste Kirche Argentiniens. Es war ein Glücksfall, dass wir in Córdoba eine zweite Heimat fanden, denn die Córdobaner waren freundliche Menschen mit einem offenen Charakter, ohne Scheu vor Fremden. Um Córdoba herum wurde viel Landwirtschaft betrieben. Es war gutes Land, das im Osten in die Pampa überging und nach Westen in die Sierra de Córdoba, einem rotsteinigen Bergmassiv.
Neben Tomaso war auch oft Chichina dabei, wenn wir uns am Río Suquia trafen. Ihre sanft blickenden Augen rühmte Che in zärtlichen Versen. Die beiden liebten sich sehr und hatten auch vor mir keine Hemmungen, ihre Zuneigung zu zeigen, natürlich im Rahmen der Schicklichkeit. Ich glaube nicht, dass sie jemals miteinander geschlafen haben. Sie passten eigentlich nicht zueinander und vielleicht war ihnen dies bewusst und sie ließen es deswegen nicht zum Äußersten kommen. Damals dachte man so. Es war das letzte, was man einander geben konnte und dies kam erst infrage, wenn man vor dem Traualtar »Ja« gesagt hatte. Chichina in ihrem blauen Kleidchen mit dem weißen Kragen sah man die Tochter aus gutem Hause an, während Ernesto immer wie ein Tramp aussah, seine Kleidung war verwahrlost, sein Haar zu lang und sein Hemd wechselte er auch nicht sehr oft. Er revoltierte, ohne dass es ihm bewusst war, geschweige denn, dass er damals bereits die Welt verbessern wollte. Das alles war damals noch verpuppt. Chichina stammte aus einer reichen Familie, die jeder in Córdoba kannte und achtete. Ich wunderte mich, dass die Familie Ernesto als Freund der Tochter tolerierte, obwohl sich dieser, wie Chichina mir gegenüber beklagte, sehr herausfordernd benahm. War es bereits der Instinkt, der später zu einem Hass gegen die Reichen auswuchs? Wenn jemand reich ist, so bedenke, dass er es vielen Armen weggenommen hat, sagte er schon damals. Dies entsprang noch nicht einer politischen Überzeugung, sondern seinem Gerechtigkeitssinn.
Wie oft lagen wir am Ufer des Río Suquia und lasen uns gegenseitig aus unseren Lieblingsbüchern vor. Besonders Jack London hatte es ihm angetan, der ein Tramp, Abenteurer, Sozialist und Dichter war. Che nannte es später einmal unsere Zeit der Kirschblüte, womit er die Zartheit der Gefühle und unsere Unschuld zum Ausdruck bringen wollte.
 

Über den Autor

Simon, Heinz-Joachim

Simon, Heinz-Joachim

Heinz-Joachim Simon lebt in der Nähe von Stuttgart. Er war Inhaber einer renommierten Werbeagentur und Verfasser zahlreicher Sachbücher zur Unternehmensführung. Seit 2004 konzentriert er sich ausschließlich auf sein literarisches Schaffen und schreibt historische und... mehr über den Autor

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