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Buchland
gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag und Lesebändchen

Buchland

Autor: Walther, Markus


lieferbar


Produktart: Buch

Seiten: 252

Sprache: deutsch

Auflage: 1 gebundene Ausgabe

Verlag: acabus Verlag

ISBN: 9783862824441

Einband: Hardcover, gebunden

zum eBook

EUR 22,90

Artikel


  • Inhalt
  • Leseprobe
  • Rezension
„Das Buchland im Keller unter uns ist unglaublich viel mehr, als diese Aneinanderreihung von gefüllten Regalen. Dort findet man billige Klischees, abgedroschene Fantasien und halbe Wahrheiten direkt neben den großen göttlichen Ideen, die die Welt veränderten. Die ganze Kreativität der Menschheit.“

Dieses Antiquariat ist nicht wie andere Buchläden!

Das muss auch die gescheiterte Buchhändlerin Beatrice feststellen, als sie notgedrungen die Stelle im staubigen Antiquariat des ebenso verstaubt wirkenden Herrn Plana annimmt. Schnell merkt sie allerdings, dass dort so manches nicht mit rechten Dingen zugeht:
Wer verbirgt sich hinter den so antiquiert wirkenden Stammkunden „Eddie“ und „Wolfgang“? Und welche Rolle spielt Herr Plana selbst, dessen Beziehung zu seinen Büchern scheinbar jede epische Distanz überwindet?
Doch noch ehe Beatrice all diese Geheimnisse lüften kann, gerät ihr Mann Ingo in große Gefahr und Beatrice setzt alles daran, ihn zu retten. Zusammen mit Herrn Plana begibt sie sich auf eine abenteuerliche Reise quer durch das mysteriöse Buchland. Dort treffen sie nicht nur blinde Buchbinder, griechische Göttinnen und die ein oder andere Leseratte, auch der Tod höchstpersönlich kreuzt ihren Weg.
Und schon bald steht fest: Es geht um viel mehr, als bloß darum, Ingo zu retten. Vielmehr gilt es, die Literatur selbst vor ihrem Untergang zu bewahren!

Markus Walther, der Autor der Kurzgeschichtensammlungen „EspressoProsa“ und „Kleine Scheißhausgeschichten“, entführt den Leser nun mit seinem ersten Roman in die phantastische Welt des Buchlandes. Ein Muss für jeden Bibliophilen!
Aus dem Kapitel: „Über die Lügen in der Wahrheit“

Atemlos erreichte ich gerade die oberste Stufe der Kellertreppe, als Bea mir entgegeneilte. Ihr Gesicht war noch immer blass vom Schrecken des Vormittags, doch ihre Mimik verriet mir eine unbestimmte Erregung.
„Da vorne steht ein Kunde, der sich lieber von Ihnen bedienen lassen möchte. Er sagt, er wäre ein alter Freund.“
„Das scheint ja ein außergewöhnlicher Gast zu sein. Sie blicken ja drein, als hätten Sie einen Geist gesehen.“
Ich eilte, so schnell es mir möglich war, in den Verkaufsraum. Im Zwielicht des Abends stand dort ein auffällig gekleideter Mann. Ein altmodischer Anzug, ein blass gelbes Halstuch und ein Gehstock, – ähnlich dem meinen – so stand er vor mir. In seinem Gesicht funkelten mich Augen, überdacht von kräftigen Augenbrauen und unterkellert von gräulichen Tränensäcken, voller Ironie an.
„Hello Eddie“, sagte ich hocherfreut, „was darf es denn heute sein? Krimi oder was von der anderen Seite?“ Dabei reichte ich ihm meine Hand. Er ergriff sie, zog mich an sich heran und machte aus unserer Begrüßung eine herzliche Umarmung.
„Die andere Seite, bitte“, sagte er. Der starke amerikanische Akzent ließ keinen Zweifel an seiner Herkunft aufkommen.
Ich sah kurz zu Bea. Sie stand im Türrahmen und … Sie zitterte am ganzen Leibe wie Espenlaub. Hoffentlich würde sie mir nicht ohnmächtig.
„Also gut“, sagte ich eilig, griff in ein Regal mit den nicht ganz so alten Büchern und nahm mir zielstrebig einen Band mit Kurzgeschichten heraus. „Das ist was von King. Zeitgenössisches Populärzeugs, wenn du so willst. Ich denke, dass dir trotzdem einiges davon gefallen wird.“
„Wenn du es mir empfiehlst …“ Eddie war zwar skeptisch, doch er legte mir ein paar Münzen in die Hand. Bea schwankte leicht.
„Sorry, dass ich gerade nicht mehr Zeit für dich habe.“ Ich drückte ihn sanft zum Ausgang. „Vielleicht kommst du in den nächsten Tagen nochmal auf einen Kaffee vorbei? Wir könnten über alte Zeiten reden.“

„Ich kenne diesen Kunden“, sagte Beatrice, als der Mann außer Sicht war. „Ich habe Bilder von ihm gesehen …“
„Beatrice, ich denke, dass Sie sich setzen sollten.“
Sie hörte mich nicht. „… aber er ist tot.“
„Auf mich wirkte er sehr lebendig.“
„Er ist seit … keine Ahnung …“ Bea schien im Geiste zu rechnen. „Seit über 150 Jahren, oder so, tot.“
„Über wen reden wir denn?“, fragte ich unschuldig.
„Das wissen Sie ganz genau!“ Ihre Stimme überschlug sich. „Edgar Allan Poe! Wie ist das möglich? Da ist gerade ein toter Schriftsteller durch unseren Laden gelaufen und hat sich ‚Nachtschicht‘ gekauft.“
Das ging wohl alles etwas zu schnell. Ich musste unbedingt das Tempo drosseln, sonst würde Beas Verstand die Notbremse ziehen. Was sie jetzt brauchte, war ein geistiger Rettungsring.
„Schon mal darüber nachgedacht, dass Mr. Poe vielleicht noch lebende Fans haben könnte?“
Beatrice schnappte nach Luft. Protest lag ihr auf der Zunge. Sie schluckte ihn herunter. Ihre Gedanken rasten im Strom der Ereignisse. Dann erreichte sie wieder den festen Boden der Rationalität. Mit meiner Erklärung konnte sie für den Augenblick leben. Sicher gab es Fans, die ihr Outfit dem eines Schriftstellers anpassen würden.
„Ein Fan?“
Ich sparte mir eine Antwort.
Doch Beatrice hatte sich anscheinend wieder unter Kontrolle. Sie hakte nach. „Ist das möglich? Ein Fan?“ Sie schien diese Möglichkeit regelrecht abzuschmecken. War es ein Hauch offenen Misstrauens, der mir da entgegenschlug? „Ist das wahr?“
Eine sehr konkrete Fragestellung, die ich ehrlich beantworten konnte. Außerdem konnte ich so von den Tatsachen ablenken.
„Meine Liebe! Die Wahrheit liegt im Auge des Betrachters. Nehmen Sie einen beliebigen Roman: Alles, was der Erzähler in Worte fasst, ist aus der Sicht seiner Protagonisten ohne Frage wahr. Es ist deren Realität. Sie können sie fühlen, riechen, schmecken, sehen und hören. Die Personen, die Landschaften, das ganze erdachte Universum drum herum mag dem Leser dieses Romans ebenso bekannt erscheinen wie den Protagonisten, weil die Welt des Lesers den gleichen allgemeinen Regeln folgt. Doch schlussendlich hat allein der Erzähler die Macht und wenn es für die Geschichte, die er erzählen möchte, wichtig ist, dann könnte er Raben sprechen oder Raumschiffe kämpfen lassen. Es könnte sogar Frösche regnen, wenn der Autor es nur will.“

[…]

Ich deute auf die Regale. „Die Menge der Bücher hier unten kann für unbedarfte Besucher manchmal ziemlich erschlagend sein.“ Nur die ersten zehn Meter jedes Ganges zwischen den Regalen waren von nackten Glühbirnen beleuchtet. Dahinter verlor sich alles in Dunkelheit. Man konnte nur erahnen, wie weit sich die Gänge vielleicht noch erstreckten. „Vielleicht haben Ihnen Ihre Sinne einen Streich gespielt.“
Sie blickte zu Boden. Ihre Stimme schien alle Kraft verloren zu haben, als sie wieder sprach: „Kann ich mich denn so geirrt haben?“
Sanft tätschelte ich ihre Schulter. „Was halten Sie davon, wenn ich Ihnen hier unten eine kleine Führung spendiere? Eine kleine Ablenkung, eine Zerstreuung, ist genau das, was Sie jetzt brauchen. Immerhin sind wir hier im Allerheiligsten meines kleinen Bücherladens. Wenn Sie die Arbeit in meinem Hause richtig ausführen möchten, sollten Sie mit dem Keller und seinen besonderen Regeln bestens vertraut sein.“
„Der Faden?“, sie schien sich tatsächlich noch genau an meine Worte zu erinnern. Bemerkenswert.
„Ja, nehmen wir den Faden wieder auf.“ Ein Wortspiel ist ein guter Anfang hier unten.
Ich schritt zu einem Blechspind, der an der Wand stand und öffnete es. Einige Hausmeisterutensilien fielen mir entgegen: Besen, Wischmop, einige Tücher. Ich stopfte sie zurück an ihren Platz. Auf dem oberen Brett standen zwei Kisten. Eine mit Ersatzbirnen. Eine mit etwa zwanzig Rollen Kordel. Ich nahm mir einige und legte sie in eine Umhängetasche, die an einem Haken darüber hing.
„Könnten Sie bitte die Tasche tragen?“

Und so machten wir uns auf den Weg. Ich führte sie geradewegs durch den Mittelgang. „Das hier ist eine Auswahl der Westernliteratur. Sie ist recht willkürlich zusammengestellt und nicht mal alphabetisch sortiert.“ Ich spürte ein leichtes Ziehen in den Beinen, während ich sprach. „Ein Großteil davon sind Trivialliteratur und Groschenhefte. – Au – Aber es verbergen sich auch einige kostbare Perlen darunter.
Links sehen Sie den Platzhirsch des Wilden Westens: Alle 91 Karl May Bände. Die komplette Reiseerzählung als Erstausgabe. Einige besondere Reprints und die historisch-kritische Ausgabe finden wir im Gang dahinter.
Die Übersetzungen sind links daneben. Die jüngste Ausgabe davon ist tatsächlich vietnamesisch!“
Eine Windbö fegte durch den Gang und trieb einen ausgetrockneten rollenden Busch vor sich her.
„Was ist denn das?“, Bea rechnete hier noch lange nicht mit allem.
„Ein ‚Salsola tragus‘. Wird auch Steppenläufer genannt. Stimmungsvolles Klischee, nicht wahr?“, ich zog sie weiter.
„Wir haben hier auch eine überaus ansehnliche Sammlung von …“
„Wie viel Bücher gibt es hier unten?“, unterbrach mich Beatrice. Dabei wanderten ihre Blicke langsam nach oben. Die Decke war hier an dieser Stelle kaum noch auszumachen. Bis ganz nach oben waren unzählige Regalbretter angeordnet.
Ich nahm mir etwas Zeit, sog tief Luft ein, bevor ich antwortete. „Nun … Die ganz alten, also die antiken Werke, fallen hier unten kaum ins Gewicht. Im 15. Jahrhundert wurde dann allerdings der Buchdruck erfunden. In dieser Zeit gab es jährlich an die hundert Neuerscheinungen.“
„Einige hundert Bücher?“, fragte Beatrice.
„Ja. Im 15. Jahrhundert. Nicht der Rede wert.“ Ich betrachtete unschuldig meine Fingerspitzen. „Diese übersichtliche Auswahl finden Sie ganz links im Keller. Da gibt es ein paar schöne Bibeln, die zwar gedruckt sind, aber nachträglich mit recht hohem Aufwand illuminiert wurden.“
„Aber …“, begann Bea. Die Informationen sickerten nur langsam in sie ein. „aber wie viel Bücher …?“
„Zur Jahrtausendwende“, deutete ich an, „erschienen weltweit genau 967.959 neue Bücher.“
„Hier gibt es knapp eine Millionen Bücher?“
„Bea! Ich bitte Sie.“ Meine Ermahnung ließ sie zunächst zusammenzucken. Doch irgendwie schien es sie auch zu beruhigen, dass ich diese Aussage rügte. „Überlegen Sie doch: Die Zahl bezog sich nur auf das Jahr 2000. Die Jahre danach dürfen Sie nicht vergessen. Und alles was davor erschien, werfe ich doch auch nicht weg. Und dann noch die ganzen Sondereditionen, Reprints und …“ Ich hielt inne. Beatrice war sämtliche Farbe aus dem Gesicht gefallen. Langsam begriff sie, was ich sagen wollte. Sie schluckte.
„Wie groß ist dieser Keller?“, fragte sie mich schließlich.
Ich drückte ihr eine der Garnrollen in die Hand. „Man könnte sich hier unter Umständen ein wenig verlaufen.“

Auf Querblatt.com, von Thomas Lawall (Juni 2013)


Etwas Entsetzliches muss gerade geschehen sein. Mit letzter Kraft scheint Beatrice dem Chaos im Keller gerade noch einmal zu entkommen. Die rettende Tür zum Buchladen fliegt auf und sie stürzt hinein, während es unten staubt und lärmt. Den Stapel Bücher, den sie mit heraufgebracht hat, kann sie nicht mehr halten. Mit Mühe und Not gelingt es Herrn Plana gerade noch, körperlich angeschlagen wie er ist, seine neue Mitarbeiterin vor einem drohenden Sturz zu bewahren. Um die beschädigten Bücher und das, was im Keller geschehen ist, würde er sich schon kümmern ...

Ihren neuen Arbeitsplatz hat sich Beatrice Liber anders vorgestellt. Sie ist mehr als ungehalten und verlangt zu erfahren, was hier gespielt wird. Sie scheint vom Regen in die Traufe zu kommen, denn in ihrem Leben scheint einfach alles schief zu gehen. Ihr eigener Buchladen ging pleite, und auch privat stürzte sie in Abgründe. Ihr Mann ist ebenfalls arbeitslos. Man kündigte ihm wegen eines Alkoholproblems. Dieses wiederum begründet sich in der Tragödie mit der gemeinsamen Tochter ...

Nun der Lichtblick mit dem Antiquariat von Herrn Plana, der sie nach ihrer persönlichen Vorstellung sofort eingestellt hat. Doch etwas stimmt mit diesem Laden und mit diesem Mann nicht. Beatrice möchte es herausfinden und zwar sofort. Da sie keine zufriedenstellenden Antworten bekommt, kündigt sie ihre neue Stelle, doch Herr Plana ist nicht bereit, diese zu akzeptieren. Zu viel kommt noch, zu viel steht auf dem Spiel und schließlich ist da noch die Sache mit ihrem unfertigen Manuskript.

Herr Plana entschließt sich, seinen alten Wagen wieder in Betrieb zu nehmen, um seine neue und schon wieder ehemalige Mitarbeiterin zurückzugewinnen. Er besucht sie zu Hause in ihrer erbärmlichen Behausung. Die alte Wohnung konnten Beatrice und ihr Mann nicht mehr bezahlen. Herr Plana erfährt viel von den momentanen Lebensumständen des unglücklichen Ehepaars, von sich selbst gibt er aber nur wenig preis. Deshalb denkt Beatrice zunächst auch gar nicht daran, ihre Kündigung zurückzunehmen.

Vielleicht ist es die Belehrung, welche ihr am Vortag zuteil wurde, die sie ihre Entscheidung noch einmal überdenken lässt. Harr Plana war wieder einmal nicht bereit, ihre Fragen zu beantworten und wich stattdessen auf die fast schon übliche Art und Weise aus. Schließlich darf man als Schriftsteller nicht zu viel von der Geschichte auf einmal verraten. Das gibt nur Probleme mit dem Lektorat ...

War ja klar, könnte man behaupten, denn solche Geschichten in der Geschichte, und andere liebevoll formulierten Seitenhiebe, tragen eindeutig die Handschrift Markus Walthers. Ja, von wegen klar - gar nix war klar. Bisher kannten wir den Kölner Schriftsteller als Meister der Kurzgeschichte, sozusagen als den einen wahren Konzentrator, der es gar nicht mal so selten schaffte, ein literarisches Feuerwerk auf nur einer einzigen Seite abzubrennen.

Nunmehr einen Roman von ihm in Händen zu halten, ist also eine Überraschung, die vielleicht so manchen Anhänger erschrecken mag. "Menno, jetzt soll ich doch so viel lesen, wo ich doch gar keine Zeit habe. Ich lese doch höchstens mal auf dem stillen Örtchen oder beim Italiener bei einem Espresso!" Tja Herrschaften, das wird sich ändern, denn die Zeit werdet ihr euch freiwillig geben, wenn ihr die erste Seite gelesen habt. Alles weitere ergibt sich dann von selbst ...

... denn der Autor bleibt seinem Motto treu. Geht nicht? Es geht! Möglichst viel auf eine Seite zu packen funktioniert nämlich auch in einem Roman (von Markus Walther). Aus genannten Gründen muss man an der einen oder anderen Stelle natürlich etwas drumherum fabulieren, sich in Ausflüchten verlieren, geschickte Ablenkungsmanöver einleiten, in berechnender Sachlichkeit Zeit gewinnen und den so entstehenden Raum mit anderen Wundern füllen.

Und derer gibt es viele: Beispielsweise die zahlreichen literarischen Verweise, quer durch die gesamte Literaturgeschichte, ausgewählte Zitate, philosophische Betrachtungen, ebenso monströse wie altmodische Maschinerien, technisch jedoch auf dem allerneusten Stand, oder die persönlichen Auftritte einiger prominenter Autoren, welche sich längst in Zeit und Weltgeschichte verewigt haben.

Mitunter wirkt der Herr Plana aber etwas kantig. Insbesondere wenn er den Zeigefinger erhebt, um Literatur bewerten oder gar abzuwerten, wie er es besonders im Kapitel "Die Halle der entbehrlichen Bücher" tut. Beatrice entdeckt schnell seine Widersprüche, die er schnell zu relativieren weiß. Man fragt sich immer öfter: Ja wie denn nun? Auch die wiederholte Breitseite gegen Bezahlverlage, welche zwar inhaltlich in Ordnung geht, gehört hier überhaupt nicht her und jenes oberlehrerhafte Gehabe stören Stimmung und Dynamik des Buches nicht unerheblich. So etwas wollen wir lieber in einem Sachartikel oder -buch lesen.

Dafür sind die humoristischen Einlagen des Autors wieder vom Feinsten. Egal, ob es sich hierbei um die "Liebe" des Herrn Plana zu E-Book-Readern handelt, oder das ganz spezielle "Navi" in seinem alten VW-Käfer, oder herrlich selbstironische Passagen, beispielsweise das Thema Kurzgeschichten betreffend. Diese wären ja schließlich "nichts Halbes und nichts Ganzes. Junkfood für den Kopf." Die Bemerkung, dass man alle Rezensenten totschlagen sollte, überlässt er weise augenzwinkernd aber lieber einem anderen (gar nicht mal so unbekannten) Kollegen.

Wo war ich? Ach hier. Viel gäbe es noch zu sagen, aber das haben schon andere gesagt. Was noch zu berichten wäre ist die Tatsache, dass es bisher nur ein einziges Buch gegeben hat, dass sich auf meinem Schreibtisch randalierend vorgedrängelt hat, und in keinster Weise geneigt war, sich gefälligst hinten anzustellen. "Buchland" gehört jetzt dazu und ich werde die beiden Werke demnächst miteinander bekannt machen. Ich denke aber, dass sie sich längst kennen, so wie sich alle Bücher untereinander kennen, wie wir jetzt wissen. Auf welchen Wegen dies auch immer geschehen sein mag.

Es steckt mehr hinter diesem "Buchland", als wir uns auf den ersten Seiten vorstellen können. Man könnte, wenn man denn wollte, das Buch durchaus mit Michael Endes "Die unendliche Geschichte" vergleichen. Es ist nicht unähnlich gestrickt ... nur ... ganz anders. Eine Quelle der Inspiration war es sicherlich, so wie zahlreiche andere auch. Allerdings scheinen sich Realität und Phantasie hier in einer Art und Weise zu vermischen, die ihresgleichen sucht. Bibliophile aufgepasst: Pflichtlektüre! "Buchland" ist eine zeitlose Liebeserklärung an das geschriebene Wort.

Noch etwas: Bücherregale, egal wo sie stehen, ob zu Hause oder in einer Bibliothek, werden die Leserinnen und Leser von "Buchland" künftig mit völlig anderen Augen sehen. Endgültig. Und aufgepasst - wer sich jemals in die Kellerräume eines Antiquariats verirrt, sollte keinesfalls den Faden verlieren. Man weiß ja nie ...

Online: http://home.arcor.de/tomary/Literatur/Buchland/buchland.html

Auf buchwelten.wordpress.com, von Marion Gallus (30.05.2013)


Da ich von Markus Walther bislang “nur” seine Kürzestgeschichten gelesen habe, hat mich die Neugier gepackt, als ich auf Buchland stieß. Der Autor, den es sonst so sehr reizt, eine Geschichte auf eine Buchseite zu bringen, hat einen Roman geschrieben. Ich wollte unbedingt wissen, wie Markus Walther „lang“ schreibt.

Und ich gestehe: ich war sehr positiv überrascht. Inhaltsangabe klang sicherlich schon interessant, doch unterm Strich muss das nicht unbedingt was bedeuten.

Der Autor erzählt eine ausgefallene und tiefgründige Geschichte, die sich um die Welt und Seelen der Bücher dreht. Nein, nicht nur um die Bücher Auch um deren Schöpfer und außerdem um die Menschen, die die Bücher brauchen, um zu leben: die Leser natürlich.

In einem angenehm lesbaren, sehr bildhaften und kurzweiligen Schreibstil entführt Markus Walther den Leser in eine Welt, die er sehr bildhaft darstellt. Wir treffen auf verrückte Gerätschaften, ausgefallene Konstruktionen, Dinge, die Geschichten entspringen und sehr hilfreich sein können. Außerdem bekommen geflügelte Worte eine besondere Bedeutung.

Immer wieder gibt es Hinweise auf bekannte Literatur, egal ob klassisch oder aktuell, national oder international. All diese kleinen Einwürfe haben mir sehr gut gefallen, denn der Leser erkennt diese Dinge natürlich. Man merkt, dass der Autor selbst gerne, viel und auch genreübergreifend liest. All dies hat er in seine Geschichte einfließen lassen und es las sich für mich nicht recherchiert. Die Anspielungen und auch Zitate von bekannten Schriftstellern oder Hinweise auf diese Werke haben mir großen Spaß gemacht.

Aber auch viel kritisches liest sich in Buchland. Die Flut an Büchern, die den Markt im digitalen Zeitalter überschwemmen, der heutige Lebensstil, in dem alles schnell und billig sein muss. Hier habe ich selbst sehr viel gelesen, was auch mir nicht gefällt und dem ich gerne zustimme. Auch das Thema einer gefährlichen Sucht findet in Buchland seinen Platz.

Innerhalb des Textes hat Markus Walther die Fachbegriffe, die er verwendet hat, durch eine andere Schrift kenntlich gemacht und diese dann im Anhang ausführlich und nicht ohne Humor erklärt.

Das Cover ist dem alten, staubigen Antiquariat angepasst und auf „alt“ gemacht. Es gefällt mir gut, denn es passt zur Geschichte. Ich kann in diesem Falle nicht einmal über zu eng beschriebenen Seiten „schimpfen“. Auch wenn die Schrift relativ klein ist, die Buchseiten sind aufgelockert bedruckt, wirken diesmal nicht gequetscht.

Unterm Strich kann ich sagen: Markus Walther kann sehr wohl auch „lang“, mir selbst gefällt es sogar besser, als seine Kürzestgeschichten. Zunächst einmal, weil ich eigentlich kein Kurzgeschichten-Fan bin, sondern mich lieber in längere Geschichten fallen lasse. Ich mag es, die Protagonisten kennenzulernen und sie ein Stück weit begleiten, ja, sie durch mein Lesen zum Leben zu erwecken :-) .

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für die Reise ins Buchland. Die Geschichte ist sowohl fesselnd, spannend, abenteuerlich, humorvoll und tiefgründig; sie liefert dem Leser schönes Kopfkino und beinhaltet gute Ideen. Außerdem steckt sehr viel Wahrheit, Wichtiges und auch Kritisches darin. Sehr gelungen und ich empfehle es gerne!

Online: http://buchwelten.wordpress.com/2013/05/30/buchland-von-markus-walther/

Auf carolgrayson-darkromance.blogspot.de, von Carola Kickers (28.03.2013)


Um es gleich vorweg zu nehmen: Dieses Buch ist einfach "zauberhaft", im wahrsten Sinne des Wortes. Der Autor Markus Walther entführt uns Leser in der Gestalt von Herrn Plana in ein literarisches Oz. Der alte Herr Plana ist seines Zeichens Inhaber eines verstaubten Antiquariats in einer sterbenden Geschäftsstrasse. Gemeinsam mit seiner neuen Angestellten Beatrice, die einen schweren Schicksalsschlag erlitten hat und deren Ehemann sich dem Alkohol hingibt, begibt sich Herr Plana von einem Abenteuer in seinem Buchland in das nächste. Seine Absicht: Beatrice zu einem eigenen Buch zu bewegen. Bücher sind nämlich für Herrn Plana sehr viel mehr als nur geschriebene Worte. Er lebt mit und in ihnen. Warum gerade Beas Buch so wichtig ist, entfaltet sich erst langsam, Schicht für Schicht, dem Leser.

Man kann dieses Buch schwer in ein Genre einordnen, ich würde es als zeitgenössische Fantasy bezeichnen, angereichert mit philosophischen Pointen und einem Hauch "unendlicher Geschichte". Auch der typisch Walter'sche Humor kommt hierin nicht zu kurz. Aber aus jedem Satz spricht die Liebe zur Literatur. Am Ende steht die alte Weisheit, dass alles miteinander verbunden ist und jede Handlung Konsequenzen hat. Fünf von fünf Punkten.

Online: http://carolgrayson-darkromance.blogspot.de/2013/03/leserrezension-zu-buchland-von-markus.html

Buchtrailer


Über den Autor

Walther, Markus

Walther, Markus

Markus Walther, geboren 1972 in Köln, lebt seit 2006 mit seiner Frau und zwei Töchtern in Rösrath. Als ausgebildeter Werbetechniker begeisterte er sich bald für die Schriftgestaltung und machte sich 1998 als Kalligraph selbstständig. Der Schwerpunkt seiner... mehr über den Autor

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