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HAUSE

HAUSE

Autor: DERHANK

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Produktart: Buch

Seiten: 180

Größe: 19,5x13,5

Sprache: Deutsch

Auflage: 1 Erstauflage

Verlag: ACABUS Verlag

ISBN: 9783862820474

Einband: Paperback

zum eBook

EUR 12,90

Artikel


  • Inhalt
  • Leseprobe
  • Rezension
"Sieht er mich? Hat er mich gerade angelächelt?
Nein.
Wenn Josef lächelt, dann nicht für mich. Schon lange nicht mehr. Für ihn bin ich Luft. Er hat längst vergessen, dass ich sein Ein und Alles bin!
Und doch … Sein Lächeln ist das Erste, an das ich mich erinnern kann."


HAUSE, ein Mietshaus im Ruhrgebiet, liebt Josef, den Hausmeister. Eifersüchtig wacht es über ihn und bestraft jeden, der versucht, Josef von sich abzulenken – oder gar, ihn zu einem Leben jenseits der Fassaden zu überreden. Sei es das Mädchen in seiner Jugend oder Josefs trinksüchtiger Vater, sei es die Versandhauspuppe aus Silikon oder der mit Entlassung drohende Hausbesitzer - wer auch immer es wagt, Josef von HAUSE zu trennen, muss dafür bezahlen.
Und HAUSE sieht alles. Sieht jeden, der Josef zu nahe kommt. HAUSE weiß, was im Penthouse des Vermieters abgeht und wie Josefs Mutter ihre Fleischeintöpfe zubereitet. HAUSE kennt die Leichen im Keller.
Josef, der sein ganzes Leben in HAUSE verbracht hat, weiß nichts von dessen Liebe. Doch immer wenn er, seine Anstellung oder eben diese Liebe in Gefahr sind, gelingt es HAUSE, Einfluss zu nehmen: Einfluss auf die kleinen, bösen, tödlichen Zufälle des Alltags.
Vormord

Sieht er mich? Hat er mich gerade angelächelt?
Nein.
Wenn Josef lächelt, dann nicht für mich. Schon lange nicht mehr. Für ihn bin ich Luft. Er hat längst vergessen, dass ich sein Ein und Alles bin!
Und doch ...
Sein Lächeln ist das Erste, an das ich mich erinnern kann.

Was vorher war? Die Frage ist für mich bedeutungslos. Genauso wie die Frage, was außerhalb ist. Selbstverständlich weiß ich, dass es ein Vorher gab. Und dass es ein Außerhalb gibt. Ich weiß es aus den Fernsehgeräten, wenn ich meinen Bewohnern abends über die Schultern schaue. Doch das berührt mich nicht. Nicht einmal die Frage, ob die anderen meiner Art, diese Millionen, Milliarden, so sind wie ich. Wir haben keine Sprache und können uns keine Zeichen geben. Und die, die in uns leben, kommen als Boten nicht infrage. Denn die wissen nichts von uns. Wir sind allein. Nichts, das uns verbindet oder je verbunden hat.
Aber das ist mir egal.

Ich bin einfach da. Da, wo sie sind. Die Menschen. Meine Bewohner. Meine Besucher. In mir. Ohne die ich nicht wäre und die ohne mich nicht wären.
Mich selbst kann ich nicht sehen. Es gibt Fotos, darum habe ich eine ungefähre Vorstellung von dem, wie ich „aussehe“. Aber schon dieses Wort mag ich nicht. Es interessiert mich nicht. Ich bin nicht wie sie. Bin keiner, dem es ums ‚Aussehen‘ geht. Äußerlichkeiten. Die Menschen machen zu viel Aufheben um ihre bedeutungslose Hülle. Dabei sind sie nichts anderes als Darmbakterien. Bakterien, die mich bewohnen, deren Augen und Ohren auch meine Augen und Ohren sind. Ich habe keine anderen. Ich sehe nur, wenn sie sehen, höre nur, wenn sie hören. Die Menschen sind wie meine Sinne – ohne selbst einen Sinn für das zu haben, was über ihre eigenen, kleinen Körper hinausgeht. Sie haben nicht die geringste Ahnung von mir.
Wenn ich von Wohnung zu Wohnung treibe, ihnen zusehe, wie sie alle dasselbe tun, dasselbe reden, dasselbe essen oder dasselbe Fernsehprogramm anschauen, dann spüre ich ihre Langeweile. Und wenn ich höre, wie sie sich streiten, oder wenn ich ihren Geruch ertragen muss, dann ist mir ihre Existenz lästig.
Aber was soll's? Ich glaube, ich hätte mir nie viele Gedanken über sie gemacht. Oder über mich. Oder über die Frage, was uns verbindet.
Doch vor vielen Jahren schenkte mir einer von ihnen sein Lächeln ...

Da! Schon wieder! Josef lächelt! Das meinte ich.
Stolz betrachtet er sein Gesicht. Ein engelhaft kindliches Gesicht. Ernst, gütig und immer auch ein wenig geheimnisvoll. Ich wünschte, ich könnte in den tiefgründigen Augen versinken, wenigstens über die hohen Wangenknochen streichen! Würde so gerne das kurze, von kräftigen Kiefern gerahmte Kinn berühren. Oder die hohe Stirn küssen.
Ein schönes Gesicht. Von langen, silbergrauen Haaren gekrönt, die wie bei seiner Mutter hinten zusammengebunden sind. Jetzt betastet er mit schlanken Fingern seinen Mund. Schaut mich konzentriert an und schürzt die Lippen. Zieht Grimassen. Die oberen Schneidezähne gebleckt, drückt er sie auf seine Unterlippe, die Nase hochgezogen und die dunklen Augen verkniffen unter den feinen Brauen. Er streckt die Zunge raus. Mir? Nein, sich selbst! Josef schaut in den Wandspiegel über der Werkbank. Er sieht nur sich selbst.
Und trotzdem: Ich lächle zurück. Noch immer ...

Damals, vor über 40 Jahren: Du warst zwei Jahre alt, als du mich bezogen hast. Ihr seid durch meine Haustüre, in das lichte, sonnige Foyer, und Mutter, eine zierliche, schöne Frau mit hochtoupierter Frisur, hat zu dir gesagt:
„Siehst du, Josef, das ist jetzt dein Zuhause!“
Und du hast gesagt: „Hause!“
Ein Knirps, mit tapsigen Schritten, klein und von einer ernsthaften Freude, die tiefer ging als bei den anderen Kindern. Du hast mich angelächelt. Nein, ich täusche mich nicht. Du hast nicht nur gelächelt, dein Lächeln galt MIR! Ein breites Grinsen, ein zärtlicher Blick. So hast du das Relief an der Wand angeschaut, und mit einer intensiven Geste hast du die Fliesen unter den Briefkästen berührt. MICH hast du berührt. Nicht bloß die Fliesen. ICH war berührt von dir, und diese Berührung sollte anhalten. Bis heute. Bis in alle Ewigkeit!
„Hause!“, hast du gesagt, und immer wieder: „Hause, Hause, Hause!“ Und gekichert hast du, hast mit dem Wort gespielt, hast es in die tiefen Flure gerufen und auf ein Echo gewartet!
Ein Echo?
Josef, das war ich! ICH! Ich habe dir zugerufen: „Hause, Hause, Hause!“
Mit Josefs Lächeln hat es angefangen ...

Auf soundbase-online.com, von Sandra Schwoll (17.02.2012)


So ein Mietshaus im Ruhrgebiet hat es schon in sich – in HAUSE lebt neben Hausmeister Josef und seiner ihn erdrückenden Mutter ein buntes Sammelsurium an Menschen: Spießige Ehepaare, eine Prostituierte, der extrem fettleibige Vermieter, eine türkische Familie, ein paar Nah-Ost-Austauschstudenten.

Besteht Josefs einzige Beziehung zur Silikon-Dame Li-Xin, hat HAUSE seit Jahrzehnten nur Augen für Josef und beschützt ihn. HAUSE sieht alles, ist extrem eifersüchtig und ist gewillt, auch alle Kräfte einzusetzen, um Josef gegen vermeintliche und tatsächliche Feinde zu verteidigen oder für sich zu behalten. Aber HAUSE hat eine Leiche im Keller – und als diese in Erscheinung tritt, rollt eine Lawine durchs Haus, die nicht mehr aufzuhalten ist und alle mit sich reißt.

DERHANK hat mit „HAUSE“ ein sehr außergewöhnliches Buch veröffentlicht. Aus der Perspektive und durch die Erinnerungen eines Hauses schildert er die Geschehnisse in einem Mietshaus. Dabei werden zunächst die Bewohner des Hauses angerissen und HAUSEs Liebe zu Josef näher beschrieben – immer durchbrochen von fesselnden Erinnerungssequenzen, die beschreiben wie HAUSE mit Störungen in dieser Beziehung umging und wie sich das aktuell auf Josef und die anderen Bewohner auswirkt.

Dann schlägt die Geschichte um und DERHANK setzt detailliert die Abgründe innerhalb von HAUSE in Szene, lässt diese in ihren gegenseitigen Abhängigkeiten immer weiter eskalieren und reißt jedwede gutbürgerliche Ruhrpott-Fassade ein. Dies geschieht aber in einer Art und Weise, die so manches Mal die Ekelgrenze überschreitet und Bilder heraufbeschwört, die zum Zuklappen statt zum Weiterlesen animieren könnten.

Fazit: Für Leser mit einem starken Magen und abgrundtiefen Seelen wird eine gewöhnungsbedürftige aber auch fesselnde Studie darüber geboten, wie man mit den Mutter Beimers dieser Welt umgehen könnte – wenn man nur den richtigen Draht zu seiner Immobilie hätte.

Online: http://www.soundbase-online.com/derhank-hause

Auf Buchwelten.wordpress.com, von Marion Gallus (04.03.2012)


HAUSE erzählt die Geschichte eines Mehrfamilienmietshauses in Dortmund und deren Bewohner. Hier geht es insbesondere um Josef, den Hausmeister. Er hat HAUSE damals im zarten Alter von 2 Jahren gemeinsam mit seinen Eltern bezogen, wuchs dort auf und hat bereits als Kind seine ganze Zeit mit dem damaligen Hausmeister verbracht. Nach dessen Tod hat Josef als junger Mann seinen Job übernommen.

HAUSE erzählt die Geschichte selber, ein Haus mit Seele und zwar mit einer, die Josef über alles liebt und alles dafür tut, ihn zu schützen und an sich zu binden.

Mit ihm leben in HAUSE Josefs alte, extrem aufdringliche, anhängliche und nervtötende Mutter, die, mittlerweile zwar 84 Jahre alt und an einen Rollator gebunden, nichts von ihrem Einfluss auf Josef eingebüßt hat. Sie wacht über ihn wie ein eifersüchtiger Drache und Josef findet keine Möglichkeit sich ihren Fängen zu entziehen. Obwohl er seit der Hausmeistertätigkeit eine eigene Wohnung in HAUSE bewohnt, entkommt er seiner Mutter nicht.

Weitere Bewohner von HAUSE sind eine türkische Familie, deren Sohn Erhan am liebsten in der Araber Studenten WG abhängt, um gemeinsam mit ihnen Computer Kriegsspiele zu zocken, oder die Malevic. Sie ist Polin und anscheinend schmeißt sich diese Bewohnerin jedem männlichen Wesen an den Hals (und wohl auch anderes) um ihr Vergnügen oder auch ihren Verdienst zu haben.

Eines Tages tut sich ein Riss in der Tiefgarage auf. Darunter verpackt eine Leiche und zwar eine, die bereits seit langer, langer Zeit dort ruht. Als Josef auf dieses „Problem“ stößt, kommen eine Menge schlimmer Erinnerungen hoch und von dem Tag an überschlagen sich die Ereignisse in HAUSE …
***
Der Titel HAUSE bezieht sich auf die Aussage des 2-jährigen Protagonisten Josef. Als er damals mit seiner Familie in das Mietshaus einzieht, sagt ihm seine Mutter, dies sei sein neues Zuhause und Josef antwortet darauf ganz in der Sprache eines Kleinkindes „Hause …“. Somit gibt es schon einmal eine Erklärung für den Titel. Was es allerdings mit dem Autorennamen auf sich haben soll, kann ich nicht nachvollziehen.

Die Geschichte ging für mich gut an, las sich kurzweilig und stellenweise sehr humorvoll. Gut gefällt mir auch die Idee, eine Handlung aus der Sicht eines Hauses zu schreiben, das eine Seele besitzt, durch seine eigenen Gänge und Wohnungen streift und das Leben seiner Bewohner mitlebt.

Relativ zu Anfang des Buches, als Josef vor dem offenen Loch mit der Leiche in der Tiefgarage hockt, völlig geschockt von dem wieder Aufgetauchten und Achmet, der Nachbar hinzukommt und hektisch in seinem „Deutsch-Türkisch“ daher spricht, hatte ich wirklich Spaß. Dieser Akzent ist dem Autor absolut gut und auch liebevoll gelungen. Achmet war mir so gleich sehr sympathisch. Diese Stelle habe ich noch einmal laut vorgelesen und sie kam auch bei meinem Zuhörer sehr gut an.

Die anderen Figuren hingegen waren mir teilweise zu überzogen, zu unecht und ich hatte oft das Gefühl, dass der Autor sich Akzente und Dialekte zur Pflicht gesetzt hat. Teilweise waren diese dann nur hochkonzentriert ins Hochdeutsche zu übersetzen und das hat mich dann stellenweise richtig genervt.

Der Kommissar sprach ein Dortmunder Platt, dass unecht wirkte und seine Partnerin musste dann eine Französin sein, die natürlich auch in dem entsprechenden Deutsch mit Extremakzent gesprochen hat.

Der dümmliche von seiner Mutter abhängige Josef waren ganz gut dargestellt, auch seine Mutter. Die war mir zwar sowas von unerträglich und unangenehm, aber das war ja gewollt und ist auch geglückt.

Es gibt relativ lange Kapitel und zwischenzeitlich springt die Handlung dann in die Vergangenheit zurück und erzählt vorgefallene Dinge, die für das heutige Geschehen in HAUSE wichtig sind. Das gefiel mir gut und las sich auch flüssig.

Gegen Ende des Buches haben sich dann die dramatischen Ereignisse angehäuft und es wirkte für mich, als wollte der Autor alles, was es an Drama zu bieten gibt, noch schnell hineinpressen. Mir war es zuviel und etwas weniger hätte es da auch getan.

Das Buch wird vom ACABUS Verlag als Taschenbuch mit einem schlichten, grauen Cover präsentiert, welches wohl Josef abbildet. Die Aufteilung der Kapitel ist schön, dass Papier fühlt sich extrem weich an. Der Klappentext ist ordentlich dargestellt und macht inhaltlich auch neugierig.
Leider konnte mich HAUSE nicht völlig mitreißen, es war sicher nett und auch stellenweise amüsant, aber völlig überzeugen konnte es mich nicht.

Mein Fazit: 3 von 5 Sternen für eine Geschichte, die ein Haus erzählt über die Liebe, Abhängigkeit, Wünsche und Träume. Diese Dinge gehen aber irgendwie in der überzogenen Handlung etwas verloren.

Online: http://buchwelten.wordpress.com/2012/03/04/hause-von-derhank-35/

In Sue's Buecherecke, von Susanne Schaunik (29.02.2012)


Handlung:
Im Großen und Ganzen dreht sich die gesamte Geschichte des Buches um Josef und sein Leben - sein Leben in HAUSE.
HAUSE ist ein Wohnhaus welches denken und fühlen kann. Es hat sich in Josef "verliebt" und versucht alles und jeden von ihm fernzuhalten - wenn es sein muss mit Gewalt -.

Buchtitel:
Passend zur Geschichte.

Cover:
Passt hervorragend zu Geschichte. Im Hintergrund das alles überragende HAUSE und im Vordergrund klein und schüchtern Josef.

Fazit:
"HAUSE" von Derhank ist das außergewöhnlichste Buch welches ich bisher gelesen habe. Und das meine ich durchweg positiv.

Der Autor hat einem Gegenstand - einem Wohngebäude - eine Stimme verliehen. Er hat es fühlen, hören und denken lassen. So etwas habe ich bis jetzt in diesem Umfang noch nicht gelesen.

Die Geschichte selbst hat Charakter. Sie ist sehr spannend geschrieben und regt den Leser an immer weiter zu lesen. Es fehlt sehr schwer das Buch wieder aus der Hand zu legen, weil man unbedingt wissen will was „HAUSE“, Josef und Mutter sich wieder haben einfallen lassen.
Der Schreibstil selbst ist gut lesbar und verständig.

Mir hat die Geschichte gut gefallen und ich empfehle sie gerne weiter. Vielleicht nicht für Kinder und Jugendliche, doch Erwachsene werden bestimmt ihre Freude an dem Buch haben. Vor allem da an manchen Stellen Gänsehaut-Feeling garantiert ist.
Ich freue mich schon auf weitere Werke des Autors.
5 von 5 Sterne.

Online: http://sues-buecherecke.blogspot.de/2012/02/rezension-zu-hause-von-derhank.html

Über den Autor

DERHANK

DERHANK

1965 in Leverkusen geboren, in Duisburg aufgewachsen, in Essen, Berlin und Australien studiert, in Dortmund niedergelassen, schreibt und publiziert DERHANK genrefreie Kurz- und Langprosa. Seine Texte sind vergebliche Versuche, mittels Verwandlung (Y), Perspektive (HAUSE) oder dem Entwurf von... mehr über den Autor

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