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Das Mirakelbuch. Historische Erzählungen aus dem Westerwald

Das Mirakelbuch. Historische Erzählungen aus dem Westerwald

Autor: Abresch, Michaela


Lieferbar in 48 Stunden


Produktart: Buch

Seiten: 164

Größe: 19,5x13,5

Sprache: Deutsch

Auflage: 1 Erstauflage

Verlag: ACABUS Verlag

ISBN: 9783862821525

Einband: Paperback

zum eBook

EUR 11,90

Artikel


  • Inhalt
  • Leseprobe
  • Rezension
'Eng drängten sich die Buchstaben aneinander, nur selten gab es Durchgestrichenes und es war eine saubere, gleichmäßige Handschrift, wie man sie nur durch regelmäßiges Üben erhielt. Das Papier knisterte, als sie die übrigen Seiten durch die Finger gleiten ließ. Bis zur Hälfte war das Buch beschrieben. Da sie sich vom letzten Eintrag den größten Aufschluss erhoffte, beschloss sie zunächst dort weiter zu lesen. Mit der flachen Hand strich sie über die Falz. Dabei bemerkte sie gleich, dass sich das Schriftbild von jenem im ersten Eintrag unterschied. Ungleichmäßig, fehlerhaft schienen die Worte hingeworfen, beinah, als seien sie in größter Eile oder unter erschwerten Umständen geschrieben worden …' Ein geheimnisvolles Mirakelbuch in den Habseligkeiten eines stummen Mädchens … Wolfsspuren im frisch gefallenen Schnee … ein ausgesetzter Säugling vor der Klosterpforte … ein blutiger Dolch, von der Tochter des Burgherrn im Wald verscharrt … Zwölf historische Geschichten, eingebettet in die waldreichen Hügel des Westerwaldes, erzählen von Liebe und Verlust, Angst und Mut, Sehnsucht und Verzweiflung. Sie entführen ihre Leser in die mittelalterlichen Städtchen des Westerwaldes, auf die Bergfriede einstiger Burgen, hinter die Pforten von Klöstern und Kapellen. Und am Ende einer jeden Erzählung ist man sich plötzlich nicht mehr sicher, ob sich das soeben Gelesene nicht tatsächlich in jenen Tagen zugetragen haben könnte …
Versprochen (Hachenburg, Anno Domini 1636) Es war die dritte Fuhre seit dem Morgen, eine weitere Todesladung. Obschon der Sommer bleiern über dem Land lastete, schauderte Almut beim Anblick dessen, was sie drüben auf dem Erbenfeld erspähte. Es war zu weit, um Einzelheiten zu erkennen, Gesichter vielleicht oder Stimmen zu vernehmen, aber nah genug, um zu begreifen, was dort vor sich ging. Seit Tagen dasselbe Bild, die sich immerfort wiederholenden Handgriffe der Totengräber. Der Leichenkarren, beladen mit zwei, drei, manchmal auch mehr, in schmuddelige Tücher eingewickelten Toten, wurde, kaum dass er zum Stehen gekommen war, in einer Hast, die eines Verstorbenen kaum würdig war, seiner faulenden Fracht entledigt. Zu zweit wuchteten sie die Leichname vom Karren, warfen sie, einen nach dem anderen, in die zuvor ausgehobene Grube und schaufelten Erde darüber, ohne Zeit zu verlieren. Einmal in der Morgendämmerung hatte Almut sich herangewagt und mit angehaltenem Atem hinterm Gestrüpp gewartet, bis die Totengräber mit ihrem Karren wieder verschwunden waren. Sie hatte geweint beim Anblick der ungezählten, nachlässig aufgehäuften Erdhügel, unter denen man die Menschen wie Tiere verscharrt und ohne Gebet vergraben hatte. Das Erbenfeld war ein Pestfriedhof geworden und die Sorge, der Schwarze Tod könnte auch Mattes geholt haben, raubte Almut beinahe den Verstand. An den kühlen Stein der Scheune gelehnt, die ihr seit dem Tag ihrer Verbannung aus der Stadt als Bleibe diente, verschloss sie die Augen vor dem Grauen. So bemerkte sie die schwarzbraune Stute nicht, die in der Nähe mit lose herunter baumelnden Zügeln graste, ebenso wenig wie den neben ihr knienden Reiter. Besorgt dreinblickend betrachtete er die Fessel ihres rechten Vorderbeines, während er ungehaltene Flüche ausstieß. Almut fuhr herum, als sie seine Stimme vernahm. Nur selten verirrten sich Durchreisende hierher. Obwohl der seit Jahren währende Krieg immer wieder Flüchtlinge und Soldaten in die Gemarkung an der Nister trieb, waren es, seit sie in der Scheune außerhalb der Stadtmauern lebte, kaum mehr gewesen, als sie Finger an einer Hand hatte. Ein Augenblick genügte, um den Fremden vom Kopf bis zu den Stiefeln zu mustern. Er sah gesund aus, gewaschen und sauber gekleidet, hatte braunes, schulterlanges Haar und einen dünnen Kinnbart. In seinem Gürtel steckten Reithandschuhe aus feinem Leder. Habt Ihr Euch verirrt, Herr? Sie hatte es nicht verlernt. Vielleicht gehörten zwanglose Plaudereien mit fremden Männern zu den Dingen, die einem, wenn man sie einmal beherrschte, in Fleisch und Blut übergingen. Dieser hier machte einen wohlhabenden Eindruck, außerdem waren die Packtaschen am Sattel seines Pferdes gut gefüllt, vielleicht bezahlte er mit Essbarem. Augenblicklich legte sie die Gedanken an die Seuche, an Mattes, all ihre Sorgen, den Hunger und die Angst ab wie ein zu eng gewordenes Kleid und schlüpfte in ihre zweite Haut. Wie zufällig hob sie beim Gehen ihren Rock etwas höher, als es nötig gewesen wäre. Mit der anderen Hand griff sie in die rotblonde Flut ihrer Haare. Sie verfilzten allmählich, doch noch fand Almut eine Strähne, die sich anmutig um den Finger drehen ließ. Sie setzte das aufreizende Lächeln auf, von dem sie wusste, dass die Männer es mochten, und ließ ihn, als nur noch ein Schritt zwischen ihnen lag, einen Blick in den Ausschnitt ihres Leibchens werfen. Nein, nicht verirrt. Der Fremde erwiderte ihre Koketterie mit dem Blick, den Almut erwartet hatte. Die Grübchen in seinen Wangen gefielen Almut, sie verliehen seinem Gesicht etwas Schelmisches. Doch der Augenblick dauerte nur kurz, gleich darauf trat er einen Schritt zur Seite und wandte sich wieder seinem Tier zu. Ich war im Gefolge meines Herrn unterwegs, als plötzlich mein Pferd lahmte , sagte er. Das Lächeln wich, besorgt runzelte er die Stirn. Ich musste absitzen, um es am Zügel zu führen und die anderen vorreiten lassen. Mit der einen Hand klopfte er sanft den Hals des Tieres, mit der anderen kraulte er seine Mähne. Almut warf einen raschen Blick auf die Stute. Nur die Spitze des Hufs berührte die Erde. Erlaubt Ihr, dass ich es mir ansehe? Ohne seine Antwort abzuwarten, trat Almut näher und ließ die weiche Pferdeschnauze eine Weile an ihrer Hand schnuppern. Während sie dem Tier leise zuredete, streichelte sie unentwegt das weiche Fell über den Nüstern. Schließlich beugte sie sich herab und befühlte mit beiden Händen die Fessel des Tieres. Da ist eine Verhärtung zu spüren , sagte sie und richtete sich auf. Ihr solltet ihr Ruhe gönnen und die Stelle kühlen. Der Fremde hatte sie schweigend beobachtet. Woher habt Ihr dieses Geschick? , fragte er. Ihr nennt es Geschick? , erwiderte Almut. Dinge zu wissen, ohne sie erklären zu können, ist nicht immer von Vorteil. Wie meint Ihr das? Almut musterte ihn einen Moment lang. Er war ein Fremder, sie kannte nicht einmal seinen Namen, es gab keinen Anlass, ihm zu erzählen, was ihr widerfahren war. Und da die üppigen Rundungen ihres Körpers ihn offenkundig nicht lockten, wandte sie sich wortlos ab, ging zurück zum Scheunentor und griff nach dem geflochtenen Weidenkorb, der dort stand. Wartet! , rief der Fremde ihr nach, während sie sich entfernte. Ohne sich zu ihm umzudrehen, antwortete sie: Ich muss dafür sorgen, dass ich etwas in den Bauch bekomme. Geht und führt Eure Stute in den Bach, damit sie ihren Fuß kühlen kann. Sie verkniff sich ein Lächeln, als sie seine Schritte hinter sich hörte. Verzeiht, dass ich mich Euch nicht vorgestellt habe , beeilte er sich zu sagen. Almut warf ihm im Gehen einen flüchtigen Seitenblick zu. Jakob Wittmann, Kurierbote in Diensten Vollrath von Waldecks. Almut wechselte den Korb von einem in den anderen Arm. Nun, Jakob Wittmann, als Kurierbote mit einem lahmen Pferd seid Ihr Eurem Herrn nicht von großem Nutzen. Er lächelte. Da habt Ihr recht. Ich sollte jemanden suchen, bei dem ich mein Pferd unterstellen kann, und meinen Weg zu Fuß fortsetzen. Auf der Burg wird man mir, sollte es nötig sein, gewiss ein gesundes Tier zur Verfügung stellen. Abrupt unterbrach Almut ihren Schritt. Ihr seid auf dem Weg zur Hachenburg? Ungläubig, mit in Falten gelegter Stirn blickte sie ihn an. In eine Stadt, in der seit Wochen der Schwarze Tod wütet? Jakob nickte. Auch er war stehengeblieben. Mein Herr wurde in einer wichtigen Angelegenheit zu Gräfin Luisa Juliana gesandt. Sie duldet keinen Aufschub. Almut schüttelte den Kopf. Was kann so wichtig sein, dass man den Tod dafür in Kauf nimmt? Sie setzte ihren Weg fort. Es hat mit dem Tod des Thronfolgers zu tun und mit Streitigkeiten um die Erbfolge. Mit langen Schritten eilte Jakob neben ihr her. Der Thronfolger ist tot? , fragte Almut überrascht. Ihr meint den kleinen Ludwig? Seit ihrer Verbannung war sie nicht mehr informiert über die Geschehnisse innerhalb der Stadt. Jakob nickte. Er starb in der letzten Woche. Der Erzbischof hat Vollrath von Waldeck als eine Art Vormund für die Gräfin eingesetzt. Mehr darf ich Euch darüber nicht erzählen, Kuriergeheimnis. Und habt Ihr keine Angst vor der Pest, Jakob Wittmann? Wieder war sie stehen geblieben, blickte ihm fest in die Augen. Hinter den Burgmauern ist man sicher , erwiderte er. Es klang wenig überzeugend. Wer sagt das? Von Waldeck. Eigenartig, nicht wahr, wenn man bedenkt, dass ein kleiner, bis dahin kerngesunder Kronprinz so plötzlich stirbt? Vielleicht macht die Pest keine Unterschiede zwischen Adel und Volk. Sie eilte weiter, Jakob folgte ihr. Woher wollt Ihr wissen, dass er an der Pest starb? , fragte er. Ich sagte Euch bereits, dass es nicht immer von Vorteil ist, Dinge zu wissen, ohne sie erklären zu können.

Auf zauberspiegel-online.de, von Ingo Löchel (2012)


Ein Buch der etwas anderen Art ist die Anthologie DAS MIRAKELBUCH, in der die Autorin Michaela Abrech Geschichten aus dem Mittelalter, die teils kriminalistisch oder mysteriös und unheimlich angehaucht sind, präsentiert.

So bietet diese Anthologie nicht nur denjenigen Leser interessanten Lesestoff,  die historisch angehauchte Erzählungen mögen, sondern auch Fans anderer Genres kommen durchaus auf ihre Kosten, besonders dann, wenn in den Geschichten Räuber, mysteriöse Wolfsspuren im Schnee oder ein blutiger Dolch auftauchen bzw. in Erscheinung treten.

Online: http://www.zauberspiegel-online.de/index.php/historisches-unter-der-lupe-342/20051-historisches-aus-dem-acabus-verlag

Auf Praeco Medii Aevi, von Manfred Lohmann (18.03.2012)


Ein kleines, eher dünnes Büchlein könnte beim Anblick von Michaela Abreschs Erstlingswerk "Das Mirakelbuch" denken. Das Cover passt zum Titel - auf rötlich-ockerfarbenen Untergrund ist eine alte, unleserliche Schrift geschützt hinter Dornenranken zu erkennen. Geheimnisvoll wirkt dieses Cover und macht neugierig auf den Inhalt.
Nach dem Inhaltsverzeichnis findet man eine kleine Übersichtsskizze des Westerwaldes - dem Ort des Geschehens, der Untertitel zum Buch weißt schon auf den Westerwald hin. Eingezeichnet in dieser Skizze sind die Orte, in denen die alten Sagen, die die Autorin zusammengetragen hat, spielen. So weiß man, wo ungefähr die Lesereise hingeht, auf die ich mich begebe.

Michaela Abresch beginnt mit ihre historische Zeitreise im Jahr 1324 mit der Geschichte von Gela und ihrer stummen Schwester Aleydis auf der Suche nach einem Engel, führt uns mit der Geschichte von der Äbtissin Klara die mit Johannes ein schlimmes Geheimnis hütet in das Reichenstein Anno 1550, weiter geht die Reise über den Schrecken der Pest und Hexenverfolgung, den Wirren und der schlimmen Zeit des dreißigjährigen Krieges und endet schließlich in Sayn im Jahr 1862, wo sich die letzte der zwölf historischen Geschichten zugetragen hat. Diese letzte Geschichte gab zugleich dem Buch seinen Titel - Das Mirakelbuch.
Die Autorin schließt ihr Werk mit "Historischen Anmerkungen" ab. Zu jeder der zwölf Geschichten beschreibt sie die geschichtlichen Hintergründe, umreißt die damaligen Gegebenheiten. Damit zeigt sich sehr deutlich, wie sorgfältig und präzise Michaela Abresch ihr Buch vorbereitet hat und wie tief diese Sagen und Geschichten mit der tatsächlichen Historie verwurzelt sind.

Mit einfühlsamen, der damaligen Zeit entsprechendem düsterem Schreibstil, schildert die Autorin diese Begebenheiten, lässt ihre Leser so Anteil nehmen am Leben ihrer Protagonistinnen. Gerade dieser düstere Stil lässt die damalige Zeit so lebendig werden. Mittelalterlicher Aberglaube, Macht und Einfluss der Kirche und nicht zuletzt die gesellschaftlichen Strukturen sind sehr überzeugend und realitätsnah beschrieben, eindrucksvoll verwebt Michaela Abresch die persönlichen Schicksale mit diesen Lebensumständen.

Fazit:
Michaela Abreschs kleines Büchlein überzeugt mit großem Inhalt. Sehr sorgfältig recherchierte historische Erzählungen zeichnen ein anschauliches Bild des Lebens der Menschen zu jener Zeit. Ein Buch, das Lust auf mehr macht.

Online: http://www.mittelalterarchiv.de/viewpage186.html

Über den Autor

Abresch, Michaela

Abresch, Michaela

Michaela Abresch, Jahrgang 1965, lebt mit ihrer Familie in einer Kleinstadt im Westerwald. Sie ist tätig in pflegerisch-beratender Funktion innerhalb einer Einrichtung für Menschen mit schweren Mehrfachbehinderungen. Verschiedenen Veröffentlichungen in Anthologien und ihrem 2012... mehr über den Autor

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