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Der Tod der Kaiser. Die geheime Geschichte der Caesaren
Ein Krimi aus dem alten Rom

Der Tod der Kaiser. Die geheime Geschichte der Caesaren

Autor: Simon, Heinz-Joachim

lieferbar


Produktart: Buch

Seiten: 520

Sprache: deutsch

Auflage: 1 Originalausgabe

Verlag: acabus Verlag

ISBN: 9783862823925

Einband: Klappenbroschur

zum eBook

EUR 15,90

Artikel


  • Inhalt
  • Leseprobe
Der Dichter Marcus Valerius Martial erzählt von mysteriösen Todesfällen im antiken Rom. Wurden die Kaiser Vespasian und Titus ermordet? Mit seinem Freund Gaius Flavius Sabinus wird Martial in die Intrigen des römischen Reiches verstrickt. Kommt Gaius dem geheimnisvollen Mörder auf die Spur? In packenden Bildern erlebt man die Zerstörung Jerusalems und den Untergang Pompejis. Mit „Der Tod der Kaiser“ schafft Heinz-Joachim Simon eine aufregende Mischung aus historischem Roman und Kriminalerzählung.

Als historisches Vorbild für diesen Kriminalroman diente Marcus Valerius Martial; ein römischer Dichter, der die Gunst und finanzielle Unterstützung der römischen Kaiser Titus und Domitian erlangte.

In Simons Roman erzählt Martial vor allem die Geschichte des Prätors von Rom: Gaius Flavius Sabinus, der Cousin des göttlichen Titus. Martials Berichte bringen die eine oder andere bislang unbekannte Wahrheit über die ungeheuerlichsten Ereignisse der Weltgeschichte ans Licht. Denn Martial war ein Vertrauter der Caesaren – und er kannte ihre dunkelsten Geheimnisse.

Prolog

Viele Orakel kündigten das Unheil an und es war so gewaltig, wie es die Menschheit noch nicht erlebt hatte. Städte wurden verwüstet, Landschaften entvölkert und Feuerbrünste verzehrten die Leiber. Die Propheten, die aus der Wüste kamen, warnten beizeiten und einer, der gekreuzigt wurde, sagte es seinem Volk voraus: »Wehe, Jerusalem, wehe …« Aber niemand hörte auf ihn und die Erde barst und Jerusalem sank in Trümmer. Aber das war nur die Ankündigung.

Was später geschah, entsprach den Leichenbergen, die der Imperator Titus Caesar Augustus vor Jerusalem aufhäufte. Und er gab ein Schauspiel, das niemand erkannte, spielte Gott mit unendlicher Clementia und die Welt nannte ihn ›Liebe und Wonne des Menschengeschlechtes‹. Was ihm folgte, war nicht besser.

Davon will ich, Marcus Valerius Martialis, berichten.

Ich schreibe es für mich nieder in Demut und Scham, denn ich musste in dem Schauspiel mitspielen. Jeder in Rom kennt meinen Namen, die Bücher mit den Epigrammen über meine Mitmenschen, über die Schauspiele im flavischen Amphitheater. Ich gestehe, ich war nicht immer sehr freundlich. Doch das Volk zitierte mich schadenfroh mit großem Eifer. Diese Niederschrift jedoch wird keiner meiner Zeitgenossen kennenlernen. Über so manches, was ich als Martial schrieb, schäme ich mich. Heute nennt man mich einen »Speichellecker« der Flavier und damit muss ich leben. Aber zur Verteidigung kann ich anführen, dass alle mitspielten. Wir klatschten alle Beifall. Ich nehme die Vorwürfe, den Spott mit hochrotem Kopf an und … schweige. Hier brauche ich es nicht zu tun. Ja, ich war ein Speichellecker, aber nicht einmal so schlimm wie der unselige Flavius Josephus, der in Vespasian den Messias sah. Er, aus einem vornehmen jüdischen Priestergeschlecht, rief den Unterdrücker seines Volkes zum Gottkönig aus … und rettete sein Leben. Das nenne ich Chuzpe. Aber auch Plinius der Jüngere und Juvenal stimmten in den Chorus der Lobpreisungen ein.

Ich bin nur ein kleiner dicker Mann aus Hispania, in Bilbilis geboren. Mittellos kam ich nach Rom. Man nannte mich einen Hungerleider, und die Waschfrauen an den Brunnen warfen mir spöttische Worte nach, so manchen Eimer mit Unrat kippten die Weiber über meinem Kopf aus und dies nicht einmal im übertragenen Sinn. Der, den man heute den Unaussprechlichen nennt, dessen Statuen zerschlagen wurden, erkannte mein Talent und förderte mich. Dafür schlief ich bei seinem Liedvortrag nicht ein, und wenn dieser noch so schlecht war. Ihn nannte ich trotzdem einen Homer. Ja, ich weiß, es war meiner nicht würdig. Vespasian dagegen ließ sich in Morpheus Arme sinken und wurde dafür von Nero verbannt. Aber ich glaube, er wäre auch eingeschlafen, wenn Vergil seine Aeneis vorgetragen hätte. Was soll man auch anderes von einem General und Schlagetot erwarten?

Ich werde die Ereignisse so aufschreiben, wie ich sie erlebt habe, was vielleicht nicht immer mit den Berichten einiger Chronisten übereinstimmt. Wir sehen die Welt nun einmal aus unterschiedlichen Fenstern. Ich wähle dafür nicht die große Form, die mir ohnehin nicht entspricht. Ich erzähle, wie es mir einkommt. Es ist ein nicht ganz neutraler Bericht über die unerhörtesten Ereignisse der Weltgeschichte. Wenn es dabei recht saftig zugeht, kann ich nur auf Ovid verweisen, der noch Deftigeres geschildert hat. Keiner will ihn gelesen haben, aber jeder liest ihn.

Um es vorweg zu sagen: Nicht ich stehe im Zentrum dieses Berichtes, sondern der Prätor von Rom – der ehrenwerte Gaius Flavius Sabinus, Cousin des göttlichen Titus. Ich sehe sein rotbraunes Gesicht mit den grauen, mandelförmigen Augen wieder vor mir. Oh ja, sein Aussehen gab ihm etwas Geheimnisvolles, und die Frauen … ach ja, die Frauen. Seine Geschichte ist es, die ich erzähle, obwohl ich daran kräftigen Anteil habe. Und wenn Du der Meinung bist, dass ich von Dingen berichte, die ich gar nicht wissen kann, weil ich nicht dabei war, so kann ich nur antworten, dass dies für jeden zutrifft, der eine gute Geschichte erzählen will und sich obendrein am großen Homer orientiert. War Homer etwa im Olymp dabei, wenn die Götter über das Schicksal des Odysseus haderten? Ohnehin wird mich niemand kritisieren können, denn keiner von meinen Zeitgenossen wird diesen Bericht lesen, also kann man mir auch nicht widersprechen. Ich werde die Rollen in einen silbernen Kasten tun, ihn gut verschließen und im Garten vergraben. Vielleicht in tausenden von Jahren wird man auf ihn stoßen und die Welt wird erfahren, was in der Zeit geschah, als die Flavier zu Göttern wurden und vor allem, wie es geschah.

Man traue nicht den Berichten, die heute von sogenannten Chronisten Jahre später über die Flavier geschrieben werden. Ich war dabei, war Teil des gewaltigen Umbruchs. Ich, Marcus Valerius Martial, kenne die Geheimnisse der Caesaren Vespasian, Titus und Domitian. Letzterer ließ sich in frevlerischem Hochmut ›Herr und Gott‹ nennen. Gräuel, würde mein guter Leibsklave Eleasar rufen, der dem Glauben der Juden anhängt und auf unsere prächtigen Götter verzichtet und sich, wie es bei diesem Volk Brauch ist, an einen einzigen Gott hängt. Kein Wunder, dass Jerusalem in Flammen aufging. Ein Gott ist manchmal zu wenig.

Doch zurück zu meinem Freund Gaius. Du willst wissen, wie er aussah, willst wissen, wessen Geistes Kind er war? Nun gut, ein Apoll war er gerade nicht. Ein typisches Tuscigesicht. Kantiger Schädel, energisch vorspringende Nase und graue, ovale Augen, mit denen er auch einen Schlafzimmerblick hinbekam. Er trug sein schwarzes Haar vorgewölbt nach Alexanderart, was ihm etwas Löwenartiges gab. Er war größer als die meisten Römer und konnte es in dieser Hinsicht mit der germanischen Leibwache des Domitian aufnehmen. Ein stattliches Mannsbild nannten ihn die Weiber.

Sein Vater war der Bruder des Vespasian. Als Steuereintreiber in den sabinischen Landen sehr erfolgreich. Später hat er dabei geholfen Vespasian Rom zu sichern, was seiner Gesundheit nicht gut bekam. Ein Schwerthieb ist selten gesundheitsfördernd. Gaius hatte eine ordentliche Ausbildung hinter sich, sprach deswegen fließend Griechisch, und sein Aufenthalt in Judäa führte dazu, dass er auch passabel Aramäisch sprechen konnte. Er hatte sich frühzeitig für den Militärdienst entschieden, da der Onkel Vespasian bereits ein berühmter General war. Blut ist dicker als Wasser, und die Gens Flavius ließ sich im Familiensinn von keiner anderen Familie übertreffen. So stieg er schnell in der Hierarchie auf und wurde Stellvertreter des Titus. In Judäa hat er sich auch mit der Geschichte der Juden und ihren Schriften befasst, sodass er Titus bei der Belagerung Jerusalems eine wertvolle Hilfe war.

Mein Freund ist ein gebildeter Mensch, der den Homer auswendig zitieren kann und seine Dignitas ernst nimmt. Voranzustreben den anderen, wie es in der Ilias heißt, gehört zu seinen vornehmsten Eigenschaften. Er ist ein Mensch, der mit Würde und Anstand durchs Leben geht und seine Vorfahren achtet. Wenn Du nun glaubst, dass ich voreingenommen bin, dann hast Du sicher recht. Doch meine Übertreibungen halten sich in den Grenzen des Schicklichen.

Lehne Dich sich also zurück, lass Dir von Deinem Sklaven einen kühlen Falerner bringen und erlebe die Tage, die die Welt veränderten und welchen Anteil mein Freund Gaius Flavius Sabinus daran hatte. Andiamo, Martial, erzähle deine Geschichte …

Über den Autor

Simon, Heinz-Joachim

Simon, Heinz-Joachim

Heinz-Joachim Simon lebt in der Nähe von Stuttgart. Er war Inhaber einer renommierten Werbeagentur und Verfasser zahlreicher Sachbücher zur Unternehmensführung. Seit 2004 konzentriert er sich ausschließlich auf sein literarisches Schaffen und schreibt historische und... mehr über den Autor

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