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Brand und Mord. Die Britannien-Saga
Band 2

Brand und Mord. Die Britannien-Saga

Autor: Kantelhardt, Sven R.

Lieferbar in 48 Stunden


Produktart: Buch

Seiten: 468

Sprache: deutsch

Auflage: 1 Originalausgabe

Verlag: acabus Verlag

ISBN: 9783862824106

Einband: Paperback

zum eBook

EUR 14,90

Artikel


  • Inhalt
  • Leseprobe
Britannien im 5. Jahrhundert nach Christus: Die Insel ist auf den Schutz fremder Krieger angewiesen. Immer mehr Sachsen und Friesen strömen in das Lager des berühmten Heerführers Hengist, der zum Schwiegervater des britannischen Hochkönigs aufgestiegen ist. Doch Intrigen treiben einen Keil zwischen die Britannier und ihre Söldner und die Nordseegermanen erheben sich gegen ihre Herren. Ganz Britannien versinkt in Blut und Feuer.
Hengists Tochter Rowena und ihre alte Liebe Ceretic fliehen bis an die äußersten Enden der Welt, während sich der sächsische Schiffsführer Ordulf aus Dithmarschen immer tiefer in eine blutige Fehde verstrickt. Auf der Suche nach einer neuen Heimat führt er seine Mannschaft bis in das nördliche Reich der hünenhaften Jüten.

Wie auch in Band 1, Hengist und Horsa. Die Britannien-Saga, fußt der Roman auf den eher spärlichen schriftlichen und archäologischen Quellen der Völkerwanderungszeit im heutigen Norddeutschland und auf den britischen Inseln. Dort wo die Quellen versiegen führt der Autor konsequent die schon im ersten Band eingewobenen Sagen aus der Welt der Nordseegermanen und Kelten weiter …
Aus Kapitel II. Alte Freunde
Verulanum im Oktober 443
Ceretic
Nach einigen Tagen, in denen Ceretic vergebens auf eine Gelegenheit, sich Rowena zu erklären, gehofft hatte, bemerkte er einige Regelmäßigkeiten in ihrem Tagesablauf. Abends verschwand sie für eine Stunde oder mehr aus dem Palast. Bald verriet ihm ein Stalljunge die Ursache für dieses seltsame Verhalten: Sie pflegte jeden Tag eine Runde durch die Ställe zu drehen, um nach ihrem grauen Sachsenhengst zu sehen. Eine bäuerliche Gewohnheit aus ihrer sächsischen Heimat, doch ihr Ehemann sah offenbar keine Veranlassung, ihr diese harmlose Freude zu vergällen. Schließlich nahm Ceretic all seinen Mut zusammen und packte die Gelegenheit beim Schopf. Er hatte sich inzwischen mit dem Stalljungen ins Einvernehmen gesetzt und konnte so, ohne Aufsehen zu erregen, in diesem Teil des königlichen Hofes verkehren. Wie erhofft, traf er Rowena mit dem Tier allein. Hinter einem Balken hielt er inne und beobachtete sie. Sie war so schön wie an jenem Tage, als sie sich am Beufleet vor ihres Vaters Hof ewige Liebe und Treue geschworen hatten. Doch die Geste, mit der sie dem Ross das Brot von der königlichen Tafel fütterte, hatte nichts mit der damaligen Rowena zu tun. Sie wirkte langsam und unglaublich traurig.
Die Königin musste seine heimliche Anwesenheit irgendwie gespürt haben. Vielleicht war es sein rascher Atem, den sie vernahm, denn plötzlich, ohne sich zu ihm umzuwenden, sprach sie ihn an. »Ceretic ap Ruohim«, begrüßte ihn ihre eisige Stimme. »Der erfolgreiche Werber meines Mannes. Erst holt er ihm die Krieger Sachsens und dann wirbt er ihm als Draufgabe noch eine Ehefrau! Ich bin erstaunt, dass du dich noch hierher traust. Doch eins muss ich dir lassen: Kühn warst du schon immer.« Nun wandte sie sich endlich um. Böse funkelten ihre klaren blauen Augen.
Ceretic fühlte es wie Stiche in der Brust. Doch gleichzeitig wurde ihm klar, wie töricht es gewesen war, zu fliehen. Diese Frau war sein Leben, und wenn er sie schon nicht haben konnte, so wollte er doch gern sein Leben geben, sie zu beschützen. »Du hast Recht, mit mir zu schimpfen«, gestand er.
Sie hob erstaunt die Augenbrauen. »Soll das eine Entschuldigung werden?« Ihre Stimme hatte nichts von der Kälte verloren.
»Nur dafür, dass ich geflohen bin. Ich konnte nicht ertragen, wie mein König seine Hand nach dir ausstreckte, aber ich konnte es auch nicht verhindern.«
»Du konntest es nicht verhindern? Du hast doch selbst für ihn geworben!«, lachte sie, aber ohne jede Freude in der Stimme. Ceretic wurde es heiß. Er spürte, dass dieses Gespräch über Glück und Unglück seines weiteren Lebens entscheiden würde.
»Ich schulde meinem König dieselbe Treue wie du deinem Vater«, erwiderte er grob. Er sah etwas wie Schuldbewusstsein in ihren Augen. Es tat ihm weh, sie zu verletzen, aber er musste ihren Eismantel durchbrechen.
»Wie kann ich mich, als einfaches Mädchen, dem Willen meines Vaters und seines selbsterwählten Königs widersetzen? Es ist nicht gerecht, dass gerade du so redest. Ich hatte keine Wahl.«
»Dieselbe Wahl wie ich. Auch du hättest fliehen können«, behauptete er hart, auch wenn ihm klar war, dass man so etwas schwerlich von einem jungen Mädchen verlangen konnte.
»So war es nur deine Königstreue, die dich dazu trieb, meinem Vater diese Ehe anzutragen?«, fragte sie und ihr Gesicht nahm einen bestürzten Ausdruck an. »War es denn nicht von Anfang an so geplant?« Die letzte Frage kam drängend.
»Selbst meine Königstreue hätte mich nicht so weit getrieben, und auch nicht, dass mir Vortigern mit dem Tode drohte, wenn ich nicht nach seinem Wunsch übersetze. Aber als du selbst mich sofort fallen ließest und verdammtest, ohne zu fragen, warum, das war zu viel für mich. Ich dachte, ich würde auf der Stelle sterben, dort in deines Vaters Halle. Außerdem wollte ich dich auch nicht um einen sicheren Hof und um die Treue zu deinem Vater betrügen, wo ich die Geschehnisse doch ohnehin nicht abwenden konnte. Ich dachte, es sei vielleicht besser so für dich. Du selbst hast mir doch von der Prophezeiung erzählt, die dir einen König als Ehemann versprach. So entschied ich mich, allein davonzulaufen. Vortigern hätte auch ohne mich Wege gefunden, seinen Willen bekannt zu machen.« Er holte kurz Luft, sprach aber sofort weiter, vielleicht würde sie ihm lange genug zuhören, um seine wahren Gefühle zu erkennen. »Zwei Jahre hatte ich davon geträumt, deinem gestrengen Vater unter die Augen zu treten und um deine Hand anzuhalten. Und als ich es endlich wagen konnte, da musste ich es für meinen König tun, nicht für mich selbst. Ich liebe dich immer noch so wie damals am Ufer des Beufleet und habe auch im Exil in Kernow keinen Augenblick darin gewankt!«
Ihre gerade noch so klaren Augen glänzten feucht. »Kein Wort mehr davon. Du weißt nicht, was du anrichtest. Du musst deinem König die Treue halten, wie ich es meinem Vater und nun auch meinem Ehemann schulde. Es ist besser, du gehst wieder fort, und jemand anderes übersetzt für mich.« Sie holte tief Luft und Ceretic sah, dass sie mit den Tränen kämpfte. »Eigentlich brauche ich auch gar keinen Übersetzer, ich verstehe inzwischen ohnehin fast alles«, fügte sie in bitterem Ton hinzu.
Ceretic war überrascht. »Aber wieso sprichst du dann mit niemandem?«
»Mir reicht, was ich höre. Barbarin, Heidin, Hure, fremde Schlange …« Die Schimpfworte hatte sie auf Britannisch geäußert; nun brach sie ab und eine Träne kullerte ihre Wange herab. Da konnte Ceretic nicht länger an sich halten, entschlossen nahm er sie in die Arme. Sie sträubte sich kurz, dann schmolz sie an seine Brust. »Du hattest Recht, mich zu schmähen, weil ich dich im Stich gelassen habe. Wenn ich dich schon nicht besitzen kann, dann will ich dich doch verteidigen. Gegen böse Reden wie gegen Schwerter, Feuer oder Wasser, ganz egal. Solange ich, Ceretic ap Ruohim, atme, soll dich niemand mehr schmähen.«
Sie weinte leise an seiner Schulter. Dann hob sie den Kopf. »Ich bin so froh, dass du wieder da bist!«
Südküste Canturguoralens im Oktober 443
Álainn
Entsetzt schrie Álainn auf, als Ordulf, ihr starker Held, der allen Pikten, Britanniern und Sachsen und selbst dem wilden Meer getrotzt hatte, plötzlich hilflos vom Pferd sank. War das Gottes Zorn, der verhindern wollte, dass sie sich mit einem Heiden einließ? Gerade erst hatte er sie aus dem Machtbereich dieses arroganten Caellach, der sich so stolz comarchus von Regulbium betitelte, aber doch auch nur ein besserer Schweinehirt war, befreit, und nun ließ er sie wieder allein? Stand sie schon wieder vor dem Nichts?
Sie sprang aus dem Sattel und erreichte den bewusstlosen Ordulf gleichzeitig mit Arfst. »Wir brauchen einen Platz am Feuer«, rief sie den ebenso erschrockenen Britanniern zu. »Los, helft mir ihn in die Stube zu bringen.« Arfst verstand auch ohne, dass er die britannische Sprache beherrscht hätte. Zu zweit trugen sie Ordulf durch eine niedrige Tür und legten ihn auf einige Schafsfelle, die eine alte Frau schnell vor dem Herd auf der Erde bereitete. Arfst klopfte Ordulf auf die Wange, aber der ließ nur ein unverständliches Murmeln hören. Doch Arfst fuhr erstaunt zurück und rief etwas in seiner barbarischen Mundart. Da Álainn ihn nicht verstand, griff er ihre Hand und drückte sie an Ordulfs Stirn. Nun merkte auch sie: Die Stirn war glühend heiß.
»Rasch, bringt sauberes Wasser, er hat hohes Fieber«, befahl sie den unschlüssig wartenden Britanniern. Bald lag ein feuchtes Tuch auf Ordulfs Stirn, doch auch wenn sie ihm den Becher an die Lippen hielt, trinken wollte er nicht.
»Er muss frei atmen«, behauptete die Alte hinter ihr. »Wir sollten ihm das Eisenhemd ausziehen.« Álainn schaute auf Arfst, aber da der nichts verstand, beschloss sie, die Behandlung zu übernehmen.
»Ja, das wird das Beste sein«, pflichtete sie der Alten bei. »Ich bin übrigens Álainn. Und auch wenn Ordulf, mein Mann, …«, bei diesen Worten fühlte sie, wie sie bis unter die Haarwurzeln errötete. »Also, auch wenn mein Mann vorhin harte Worte nutzte und ein Sachse ist, ist er der beste Herr, den ihr euch nur wünschen könntet. Also bitte ich euch in Gottes Namen, helft mir, ihn wieder gesund zu machen«, flehte sie.
Die Alte nickte knapp. »Mein Name ist Fey Ila.« Einen Moment sah sie Álainn fest in die Augen. »Und ich will dir glauben und mein Bestes geben.« Auf den scharfen Ruf Fey Ilas hin setzten sich die bisher hilflos dastehenden Männer in Bewegung. Zwei halfen, Ordulf das Kettenhemd und die Kleider abzunehmen, ein weiterer lief hinaus und kam sogleich mit beiden Armen voll frischer Holzscheite zurück, mit denen er das Herdfeuer wild anfachte. Im Raum wurde es warm.
»Wenn er Fieber hat, müssen wir ihn zum Schwitzen bringen.« Arfst war, da er sah, dass seinem Freund geholfen wurde, einige Schritte zurückgetreten. Er verstand nichts und wollte offenbar wenigstens nicht im Wege stehen. Doch nun rief er den emsig werkenden Britanniern etwas zu. Álainn verstand sein Friesisch nicht, aber er nahm wieder ihre Hand und legte sie auf Ordulfs Bein. Erstaunt blickte sie auf. Der Friese hatte Recht. Klebte dort nicht getrocknetes Blut? Rasch half sie Arfst dabei den Bundschuh zu lösen. Und tatsächlich: Eine lange Wunde zog sich den gesamten Unterschenkel hinab. Die Wunde selbst war mit getrocknetem Blut dicht verklebt, aber der gesamte Schenkel war prall geschwollen und gerötet. »Dass er damit überhaupt reiten konnte!«, rief Álainn aus. Und ihr fiel ein, wie sehr sie sich geärgert hatte, dass er nicht einmal vom Ross gestiegen war, um sie zu begrüßen. Sie hatte sich nach seiner Umarmung gesehnt, wie damals in aller Heimlichkeit hinter ihrer Hütte, als er ihr das Versprechen abrang, ihm zu folgen …
Im Stillen schalt sie sich eine Närrin. Wie hatte sie in ihrem eigenen verletzten Stolz übersehen können, dass der Mann schwer verletzt war! Vielleicht würde sie es nun niemals mehr gut machen können? Vorsichtig betastete sie die Wunde. Ordulfs scharfes Stöhnen ließ sie innehalten.
»Das wird nicht gut. Die Wunde ist nicht sauber«, behauptete die Alte da hinter ihr. Doch einen anderen Rat wusste sie auch nicht, und so richtete sich Álainn neben Ordulf ein, unterhielt das Feuer und betupfte von Zeit zu Zeit Ordulfs Lippen mit einem feuchten Tuch. Trinken wollte er immer noch nichts. Ordulfs Männer kamen einer nach dem anderen herein, aber letztendlich blieb nur Arfst. Nach einigen Stunden erschien die Alte Fey. Ein junges Mädchen folgte ihr mit einem schweren Wasserkessel. Sofort sprang der Friese auf und nahm den schweren Kessel, wofür er ein dankbares Lächeln erntete.
»Über das Feuer damit«, befahl Fey. Und Arfst gehorchte. Álainn konnte nicht umhin, den raschen Verstand des Friesen zu bewundern. Er schien instinktiv zu verstehen, was man von ihm erwartete. »Ich mache einen Kräutersud«, erklärte Fey Ila endlich. »Alle Stunde wirst du frische Leinentücher hineintauchen und dann auf die Wunde legen. Vielleicht gelingt es uns so, das Gift aus dem Körper zu ziehen. Außerdem musst du immer frische Umschläge um seine Beine wickeln, um das Fieber zu kühlen.« Sie blickte Álainn energisch an. Die nickte und schaute zu Arfst, um zu sehen, ob er ebenfalls verstanden hätte. Doch zu ihrem Erstaunen sah sie, dass der Friese nur noch Augen für das junge Mädchen hatte, welches der alten Fey zur Hand ging. Kurz musste Álainn schmunzeln. Dann wurde sie wieder ernst und kniete sich neben Ordulf. Ihre Aufgabe lag hier.

Über den Autor

Kantelhardt, Sven R.

Kantelhardt, Sven R.

Sven R. Kantelhardt, Jahrgang ’76, wurde in Gießen geboren und studierte Medizin und Ökotrophologie. Derzeit arbeitet er in der Neurochirurgischen Universitätsklinik in Mainz. Obwohl ihn eine ausgeprägte Reiselust in inzwischen mehr als 50 Länder auf den... mehr über den Autor

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