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Túatha Dé Danann. Nekropolis
Teil 2

Túatha Dé Danann. Nekropolis

Autor: O´Connell, Sean

Lieferbar in 48 Stunden


Produktart: Buch

Seiten: 192

Abbildungen: 1

Sprache: deutsch

Auflage: 1 Erstausgabe

Verlag: ACABUS Verlag

ISBN: 978-3-86282-204-1

Einband: Paperback

zum eBook

EUR 13,90

Artikel


  • Inhalt
  • Leseprobe
  • Rezension
Nach ihrer Flucht durch die Traumkorridore erreichen Cornelis und seine Begleiter Bella Constanzia, die Nekropolis. In einer letzten Anstrengung soll der Junge aus Bandahui die Welt vor dem alles vernichtenden Kataklysmus retten, doch leider hat er nicht die geringste Ahnung, wie er das anstellen soll. Und schon stehen die Túatha Dé Danann, die Todfeinde der Menschen, vor den Toren der Nekropolis und bereiten sich auf den Sturm auf die letzte Zitadelle der Menschheit vor.
Aus Kapitel 3 - Der Herr der Gehirne:

Cornelis lag in lichtloser Finsternis auf einem Berg von Leichen, die einen süßlich fauligen Geruch verströmten, den er von verdorbenen Lebensmitteln her kannte. Jedes Mal, wenn sich aufgrund einer Kurskorrektur etwas unter ihm bewegte und ein neuer Schwall Gase seine Nase erreichte, wurde ihm furchtbar übel. Vielleicht, dachte er, riechen wir Menschen zu Lebzeiten ja genauso, nur nicht ganz so intensiv. Er versuchte sich abzulenken, an etwas Anderes zu denken, aber die Zersetzung der Kadaver befand sich bereits in einem fortgeschrittenen Stadium. Es war unmöglich, diesen Gestank zu ignorieren. Er konnte sogar die schwitzige Feuchtigkeit der Toten unter seinen Fingerkuppen spüren und ballte sie deshalb rasch zu Fäusten.
Nach einer scheinbar endlos langen Zeit, in der die Kadaver in seiner Vorstellung erneut zum Leben erwacht waren und mit bleichen Fingern nach ihm griffen, schlugen überraschend und vollkommen unvermittelt schwere Metallklammern von außen dumpf gegen den Rumpf der Gondel. Cornelis erschrak fast zu Tode. Die Fahrt war vorüber, das Luftschiff hatte offensichtlich einen Landeflansch erreicht.
Von fern waren dumpfe Stimmen zu hören, aber Cornelis musste lange Minuten ausharren, ehe der Frachtraumdeckel über ihm geöffnet wurde.
„Nachschub …“, brummte ein Mann mit müder Stimme von draußen. „Kommt schon, macht den Sauger klar.“
Das diffus hereinfallende Licht ließ Cornelis für einen kurzen Moment die Abmessungen seines Gefängnisses erahnen. Ein Viereck, vielleicht zehn Kubikmeter groß, dachte er. Fugenlose, glatte Wände aus Stahl.
Sie waren beschmiert.
Vertikale braunrote Streifen.
Cornelis riskierte einen genaueren Blick.
Er erkannte getrocknetes Blut.
In diesem Moment senkte sich eine quadratische, dunkle Glocke über die Öffnung.
Der Sauger, dachte Cornelis. Dann hob mit einem Mal ein ohrenbetäubender Lärm an und ein unglaublicher Sog erfasste den Jungen. Die Leichen, wie auch er selbst, wurden nach oben in den riesigen Saugstutzen gerissen. Eine albtraumhafte Ansammlung von widerlich stinkenden toten Körpern rotierte mit ihm durch das gewundene Röhrensystem – hinauf, hinauf, immer höher, immer schneller – einem unbekannten Ziel entgegen. Dann hörte der Sog ganz unvermittelt auf und Cornelis fiel schreiend aus großer Höhe in kaltes Wasser. Er tauchte unter, sank solange, bis er Boden berührte, und stieß sich wieder ab, schoss empor und spuckte angewidert aus. Er befand sich mitten in einem riesigen Bassin, in dem tote Körper wie Flöße umhertrieben. Das rötlich schimmernde, eiskalte Wasser, das ihm im Stehen fast bis zur Brust reichte, war durchsetzt mit feinen Gewebeteilen. Er würgte und verzog das Gesicht vor Entsetzen. Dann blickte er nach oben. An der Decke drehten sich lautlos stählerne Ventilatoren. Eine Vielzahl Lufttauscher milderte den Gestank ab. Rings um ihn herum, im Dämmer der aktiven Notbeleuchtung, erkannte Cornelis eine geflieste Plattform mit Wandregalen. Darin befanden sich vertraute gläserne Rohre, die sich an der Vorderseite zu Saugglocken weiteten und rückseitig mit stählernen Tornistern verbunden waren.
Hier arbeiten Mu, dachte er überrascht. Und sie empfinden offenbar genauso Ekel vor dem Geruch hier drin wie ich. Deshalb die Ventilatoren und die Lufttauscher an der Decke. Er besah sich jetzt die Toten. Vielen von ihnen fehlte offenbar ein großer Teil der Schädeldecke. Cornelis wusste nur zu gut, was das zu bedeuteten hatte. Das gesamte Bassin hier diente als Vorratslager für neue Gehirne. Ein Zitteranfall übermannte ihn und es dauerte einige Minuten, bis er seinen Körper wieder unter Kontrolle bekam. Früher oder später werden sie hier auftauchen, um Nachschub zu holen. Cornelis begann Hoffnung zu schöpfen. Er tastete nach seinem Schwert und stellte zu seiner Erleichterung fest, dass er es immer noch besaß. Vorsichtig watete er zwischen den Toten in Richtung Bassinrand, wo entlang der Rückwände metallene Türen abzweigten, als ihn ein seltsames Plätschern in seinem Rücken innehalten ließ. Etwas hatte sich im Wasser bewegt, er hatte es aus den Augenwinkeln heraus gesehen.
Winzige Wellen breiteten sich aus und dann durchbrach etwas die Wasseroberfläche: bleiche, runzlige Haut. Würmer. Unterarmlang. Es waren mindestens fünf oder sechs. Ihr Maul war, verglichen mit ihrer Körpergröße, geradezu riesig, versehen mit einem runden Kranz rasiermesserscharfer Zähne.
Entsorgten sie etwa die Reste der Toten?
Cornelis stieß einen schrillen Schrei aus und machte einen verzweifelten Satz zur Seite. Blutiges Wasser schwappte hoch, benetzte sein Gesicht, während er rückwärts fortstolperte. Er presste seine Hand aus Versehen in das ausdruckslose Gesicht einer Leiche, würgte und zog rasch seine Finger zurück. Seine Verfolger holten langsam auf. Kurz darauf spürte er, wie sich eins der Wesen durch den Stoff seiner Hose biss. Er schlug unkontrolliert um sich, doch die Würmer kannten kein Halten mehr und verbissen sich in sein Fleisch. Verzweifelt schlug Cornelis mit der Hand nach ihnen und für einen Moment spürte er wildes, schleimiges Leben unter seinen Fingern. Ihm wurde übel und fast hätte er wieder losgelassen, doch stattdessen drückte er mit verzogenem Gesichtsausdruck so fest zu, wie er konnte. Die glatte Haut des ersten Wurms platzte auf und Cornelis` Fingerkuppen ertasteten unzählige kleine Mäuler im Inneren, die nach ihm schnappten.
Ein schwangeres Weibchen!
Der Junge riss die Hand mit dem Wurm nach oben und schleuderte das zuckende Wesen mitsamt seiner gefräßigen Nachkommenschaft quer durch den Raum, wo es mit einem schmatzenden Geräusch an der gekachelten Rückwand aufschlug und liegenblieb. Cornelis entfernte weitere Würmer aus seinem Fleisch, zerquetschte sie mit den Fingern und schleuderte sie fort. Sie prallten gegen die Kacheln und zerplatzten zu einer breiartigen Masse. Aus den Augenwinkeln sah er, dass der Beckenrand zu seiner Rechten jetzt sehr nahe war. Er verdoppelte seine Anstrengungen, um einerseits dorthin zu gelangen und andererseits die Würmer zu töten, sodass er kurz darauf erschöpft die Metallstufen erreichte. Er hangelte sich, so schnell es ging, an dem Handlauf nach oben und bemerkte, nachdem er das Bassin verlassen hatte, dass immer noch Würmer an seiner Hose hingen. Mit der geballten Faust schlug er solange auf sie ein, bis sie alle tot waren. Dann warf er die Reste zurück ins Wasser, wo sich wenige Sekunden später kleine Wellen käuselten und die leblosen Würmer in die Tiefe gerissen wurden. Schließlich raffte sich Cornelis auf, zitternd, mit Bissschmerzen an den Beinen, und humpelte erschöpft und triefend zur Rückwand des Leichenraums. Er rollte sich völlig erschöpft neben einem der Wandregale zusammen und schlief übergangslos ein. Sein letzter Gedanke war, dass die Würmer möglicherweise zurückkehren könnten, aber die schwere Müdigkeit, die ihn in diesem Augenblick übermannte, zog ihn hinunter in einen tiefen, traumlosen Schlaf.
Als er erwachte, blickte er auf die schwach schimmernde Oberfläche des aufgeklappten Kartendecks. Das Geschenk des alten Espermanen. Er hatte es seit ihrer Ankunft in Bella Constanzia nicht mehr in der Hand gehalten und beinahe schon vergessen. Nun lag es aufgeklappt vor ihm auf dem gefliesten Boden. Vermutlich war es ihm im Schlaf aus der Innentasche gefallen. Langsam richtete er sich auf, wobei seine Muskeln und Knochen schmerzten, als hätte er zuvor einen hohen Berg bestiegen. Mit zitternden Fingern griff er nach dem Kartendeck und zog es zu sich heran. Überrascht musterte er die schwach erleuchteten Seiten, auf denen zwei neue dreidimensionale Bilder tanzten. Er erblickte ein hölzernes Rad mit vielen Speichen vor einem bewölkten Himmel auf der einen und eine nackte weibliche Gestalt vor einer blauen Weltenscheibe mit zwei Kontinenten drauf auf der anderen Seite.

„Die Mu haben den Körper hergebracht“, erklärte Harknell und deutete auf die Leiche auf der Bahre. Er scheuchte die kleinen, haarlosen Wesen fort, die stumm und reglos auf neue Befehle gewartet hatten. „Direkt aus Sternenheim. Glücklicherweise haben sie das Gehirn nicht entnommen.“ Harknell warf den Mu einen finsteren Blick zu. Wie sehr er diese Kreaturen verabscheute. Er wartete, bis sie fort waren, dann fügte er hinzu: „Es ist zweifelsohne die Geisttrinkerin Ereschkigal, Herr. Die Herrin der Banshees. Schaut sie euch an. Sie ist nahezu unversehrt … nur ihre rechte Hand fehlt und in der Brust hat sie eine klaffende Stichwunde.“
Duncan Dunvegan winkte ab. Er hatte offensichtlich wenig Interesse an den Details. „Schon gut. Ich möchte sie jetzt sehen.“
Harknell zog die schwarze Decke herunter und entblößte den reglosen Körper. Dunvegan warf einen ausführlichen Blick auf die Gestalt. Er schien zufrieden. „Gut gemacht, Harknell. Eine Fügung des Schicksals sozusagen … besser hätte es nicht laufen können.“
Statt Euphorie verspürte Harknell ein flaues Gefühl im Magen. „Ihre Anwesenheit könnte für gewisse Irritationen sorgen. Ich meine, der Abgründige Gott … Cú Chulainn … er wird möglicherweise nach ihr suchen, meint Ihr nicht auch, Herr?“
Duncan Dunvegans Gesicht rötete sich, Harknell konnte aber nicht sagen, ob vor Zorn auf Cú Chulainn oder wegen der entblößten Leiche.
„Gibt es da etwas, dass ich wissen müsste, Harknell?“, bellte er. „Ich dachte, die Mu hätten größte Sorgfalt beim Transport walten lassen?“
Harknell beeilte sich zu nicken. „Ja, schon. Aber wenn Ihr mich fragt, wird Cú Chulainn sie nicht so einfach aufgeben. Die Spuren, die die Mu hinterlassen haben – ich konnte sie nicht vollständig verwischen, Herr. Es ist schließlich nicht so, dass man einen Gott ohne Weiteres hinters Licht führen könnte, nicht wahr?“
Dunvegan antwortete nicht. Sein Blick ruhte immer noch auf Ereschkigal. Ihr nackter Leib schien die Wollust des einsamen Mannes in ihm zu erwecken, und Harknell bemerkte, dass Dunvegan sich regelrecht wand, während er die Tote betrachtete.
„Morgen werde ich Rachels Seele in dieses wunderschöne Gefäß transferieren und wir werden endlich vereint sein. Ein würdiger Körper. Würdig für eine Königin … meine Königin.“
Harknell nickte pflichtschuldig, während er sich innerlich schüttelte. „Ganz wie Ihr meint, Herr. Ein makelloser Körper … wäre er nur nicht tot.“
„Ha, äußerst scharfsinnig, Harknell.“ Dunvegan lachte. „Er wird nicht lange tot bleiben. Ich werde noch rasch eine neue Hand annähen und die Wunde in der Brust schließen. Dann ist Ereschkigal wieder wie neu. Die Seelenmatrix ist bereit für die Transformation. Es sind genug Gehirne vernetzt, und die letzten Tausend werden noch heute Nacht von den Mu eingebunden.“




Aus Kapitel 9 - Am Ende aller Tage:

Eine menschengroße Gestalt aus flüssigem Gold erschien am Himmel und senkte sich langsam vom Himmel herab.
„Der Goldene …“, stieß König Erich mit einem Krächzen hervor und verneigte sich ungraziös. Die Gestalt breitete ihre Arme aus. Das flüssige Gold ihres Gesichts wandte sich Cornelis zu. Sie sprach, ohne dass ihr Mund sich bewegte.
ES WAR EIN LANGER WEG, DOCH NUN IST ER ZU ENDE, CORNELIS AUS BANDAHUI. DU HAST VIEL AUF DICH GENOMMEN UND DEIN MUT WAR GRÖSSER ALS DER VIELER MÄNNER – DU HAST ERKÄMPFT, WAS NOTWENDIG WAR, UM CÚ CHULAINN ZU BESIEGEN. ABER NUN IST ES AN MIR, DEN LETZTEN SCHRITT ZU GEHEN.
Der Goldene streckte die Hand aus.
GIB MIR DEINE WAFFE, MEIN FREUND.
Cornelis zögerte.
Er dachte an den Stein Lia Fail.
War nicht er der Auserwählte?
Aber dann sah er den Goldenen an, diese perfekte, reine Lichtgestalt. Flüssiger Nektar pulsierte unter ihrer Haut und in diesem Augenblick realisierte Cornelis zum ersten Mal, dass dieser Mensch, der einst Juri-Hiro Ramnarough gewesen war, gar nichts Menschliches mehr an sich hatte, außer seiner äußeren Form.
Cornelis dachte an die Worte des Teraphims und an die Anweisungen, die er vom Steinernen Kopf erhalten hatte.
GIB MIR DAS SCHWERT, CORNELIS.
Der Junge biss sich auf die Unterlippe, zog langsam die Klinge aus der Scheide, drehte sie in der Hand herum und reichte sie schließlich mit dem Heft voraus dem Goldenen.
FÜRCHTE DICH NICHT, FREUND. DU HAST DIE RICHTIGE ENTSCHEIDUNG GETROFFEN. DIE FÄDEN DES SCHICKSALS HABEN ES SO GEWOLLT. VERWEILE MIT DEN SOLDATEN HIER. WARTE, BIS CÚ CHULAINN EINTRIFFT. ICH WERDE HIER SEIN, WENN ES ZUR BEGEGNUNG KOMMT.
Dann schoss der Goldene empor in den Himmel und ließ Cornelis, General Aineknima, König Erich und die Soldaten sprachlos zurück.

Im Fandom Observer Nr. 284, von Bernd Meyer (01.02.2013)


„Nach ihrer Flucht durch die Traumkorridore erreichen Cornelis und seine Begleiter Bella Constanzia, die Nekropolis. In einer letzten Anstrengung soll der Junge aus Bandahui die Welt vor dem alles vernichtenden Kataklysmus retten, doch leider hat er nicht die geringste Ahnung, wie er das anstellen soll. Und schon stehen die Túatha Dé Danann, die Todfeinde der Menschen, vor den Toren der Nekropolis und bereiten sich auf den Sturm auf die letzte Zitadelle der Menschheit vor.“

Vorbei!
Das war der erste Gedanke, nachdem ich diesen Band zugeklappt hatte. Die beiden Doppelbände sind nun zu Ende, die Geschichte abgeschlossen … und nun? Mit Wehmut habe ich die (beim einen mehr, beim anderen weniger) liebgewonnenen Gefährten auf ihrem Weg begleitet, der sie in diesem Band in die Nekropole Bella Constanzia auf dem Südkontinent führte. Alles befindet sich in Auflösung, die Menschen sind auf der Flucht zum Südkontinent, verfolgt von der Auflösung ihrer Welt. Hier nun soll die letzte Schlacht geschlagen werden, die Túatha Dé Danann gegen eine Menschheit, die keinen Raum mehr zur Flucht hat. Hier sollen sich Legenden und Prophezeiungen erfüllen, doch wie es so oft ist, die Vorschau entspricht nicht unbedingt dem wirklichen Geschehen.  Hier soll Cú Chulainn gegen den Goldenen streiten, der wiedererstandene Gott gegen seinen Gegner, dem es bestimmt ist, ihn aufzuhalten. Doch vorher sind noch einige Dinge zu erledigen, denn der Feind ist listig und nicht ohne Werkzeuge, auch wenn beide Seiten durchaus darüber streiten würden, wer Herr und wer Werkzeug ist. Erst müssen die Fäden des Schicksals und die Flüchtlingsströme einige Leute zusammenführen, damit alle Figuren zur rechten Zeit auf ihrem Platz auf dem Brett stehen. Wir erfahren einiges, was uns überrascht, anderes, womit man gerechnet hatte, doch immer ist deutlich zu sehen, dass alles auf das große Finale hinausläuft.
Der Autor hat einige Überraschungen eingearbeitet und nebenbei die vielen losen Stränge, die sich angesammelt hatten, zusammengeführt. Dadurch hat man teilweise den Eindruck, dass es etwas gedrängt zugeht, aber am Ende passt eigentlich alles recht gut. Ein paar Dinge hätte man zwar gerne noch ausführlicher erfahren, gerade über die Anfangszeit, die nur in kurzen Ausschnitten in den Bänden beleuchtet wurde. Aber ich denke, dann wäre es in Sachen Informationen wirklich überfrachtet gewesen und manches bleibt am Besten der Fantasie des Lesers überlassen. Außerdem gibt es ja immer noch die (wenn auch vage) Hoffnung des Lesers, der Autor möge sich des Settings später noch einmal annehmen. Bisher ist da zwar nichts zu hören, aber man sagt ja, die Hoffnung stirbt zuletzt.

Wieder mal ein rundum gelungener Wurf des Autors, den ich – genau wie die drei Bücher vorher – vorbehaltlos jedem ans Herz legen kann. Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt und meinen Streifzug an der Seite von Cornelis und seinen Gefährten extrem genossen. Danke dafür.

Online: http://www.fandomobserver.de/pdf/284.pdf



Auf PhantaNews.de, von Stefan Holzhauer (05.11.2012)


Vor einiger Zeit habe ich TÍR NA NÓG abgefeiert, den Phantastik-Roman von Sean O’Connell, der sowohl (und zuerst) als Hörbuch im Action-Verlag erschien und danach in zwei Bücher geteilt beim Acabus-Verlag.
TÍR NA NÓG war ein erfrischender Fund: ein Crossgenre-Mix, der sich den bei den Publikumsverlagen so beliebten Schubladen erfreulicherweise verschloss und trotz seiner zahllosen Versatzstücke aus diversen Genre-Spielarten dennoch homogen wirkte und nicht nur höchst lesbar sondern auch äußerst unterhaltsam war.
Umso gespannter war ich auf die Fortsetzung TÚATHA DÉ DANANN, leider fehlte mir allerdings die Zeit mich sofort ans Lesen zu begeben, als der erste Band des Zweiteilers erschienen war. Das hatte allerdings den Vorteil, dass ich nun beide gleich am Stück lesen konnte.

Warnung: diese Rezension enthält Spoiler. Ich versuche so etwas üblicherweise zu vermeiden, hier lässt sich das allerdings nicht ganz umgehen.
In TÚATHA DÉ DANANN verlagert sich die Handlung um Cornelis, Raggah und ihre Begleiter auf den Südkontinent, dorthin fliehen auch viele Bewohner der Nordländer auf der Flucht vor der Entropie, die das Land immer zerstört – und letztendlich auch die Südländer vernichten wird, sollte sich kein Weg finden, das zu unterbinden.
Zudem steht die Wiedergeburt des Gottes Cu Chulainn und damit die Rückkehr der TÚATHA DÉ DANANN unmittelbar bevor. Und hier ergibt sich einer der unerwarteten Twists der Handlung, denn man muss erkennen, dass die »Schöpfungskuhle«, in der die Länder der Romane sich befinden, keinesfalls von den Älteren – eben ehemaligen Wissenschaftlern von der Erde – erschaffen wurde, um die Menschen der von einer Katastrophe epischen Ausmaßes bedrohten Erde zu retten, sondern bereits vorher existierte. Es handelt sich um eine parallele Welt, die offenbar identisch ist mit dem mythologischen sidhe, in das die Túatha Dé Danann gemäß der keltischen Überlieferungen verbannt worden waren. Als die flüchtende Menschheit in diesen parallelen Raum kam (und die Älteren ihn nach ihren Vorstellungen gestalteten), wurde das alte Volk vertrieben und bereitet sich nun auf die Rückkehr vor.

Das war für mich tatsächlich eine unerwartete Wendung, den bisher war ich nach den Erläuterungen des Vorromans davon ausgegangen, dass die Älteren, allen voran Juri-Hiro Ramnarough, tatsächlich in der »Schöpfungskuhle« eine neue Welt nach ihren Vorstellungen geschaffen hatten. Tatsächlich handelt es sich aber nur um einen Teil des Multiversums, der bereits vorhanden war und »nur« umgestaltet wurde. Grandiose Idee.
Der erste Band spielt zum großen Teil in Sternenheim, einem riesigen Stadtmoloch in einem See, der deutliche Parallelen zum heutigen New York aufweist. Dort stehen zum einen Wahlen an, die witzigerweise mit einem schwarzen Hosenanzug bekleidete Kanzlerin bereitet sich auf die Wiederwahl vor, die Bestie Ereschkigal saugt Bewohnern ihren Geist aus und gleichzeitig soll hier Cu Chulainn neu erstehen.
Die Beschreibungen um Sternenheim sind äußerst dicht und trotz der heftigen Diskrepanzen zwischen Low-Tech Schrottmännern, LED-Beleuchtung und Polizisten mit Hightech-Waffen wirkt das Ganze nie zusammen gestückelt, sondern bedrohlich real, es wird eine überaus dichte und bedrückende Atmosphäre aufgebaut, die ihre Plastizität aus den zahllosen Detailbeschreibungen bezieht. Eindrücklich wird hier klar gemacht, dass der größte Teil der Menschen kaum mehr als Spielbälle im Wirken weit größerer Mächte sind.

Etwas gestört hat mich die Tatsache, dass die Handlung sich auf viele Protagonisten und Antagonisten aufteilt und ebenso viele Handlungebenen besprochen werden. Mir war das fast zuviel, auf der anderen Seite sorgte das natürlich dafür, dass nie Langeweile aufkam.
Meiner Ansicht nach ist Band eins – STERNENHEIM – erzählerisch der stärkere der beiden Abschlussromane. Das liegt aber in der Sache, da in Band zwei zum Abschluss gekommen werden muss und viele – fast schon zu viele – lose Fäden zusammengefügt werden müssen.
Im letzten Roman verschiebt sich die Handlung in die Nekropole Bella Constanzia, hier kommt es zur abschließenden Schlacht zwischen den menschlichen Flüchtlinge, den Älteren sowie selbstverständlich Raggah – und Cornelis, dem Auserwählten – gegen die Tùatha de Dànann. Sean verpasst uns noch ein paar Augenöffner, was Charaktere und Entitäten angeht, persönlich muss ich zugeben, dass es fast zu viele dei ex machina waren, die eingesetzt wurden, um die Story zu einem Ende zu bringen.

Als Fazit ist zu sagen, dass weiterhin kurzweilige, anspruchsvolle Unterhaltung geboten wird, die sich insbesondere ob ihrer Breitbandigkeit weit über vieles erhebt, was uns die Publikumsverlage als Phantastik verkaufen wollen. Das Spiel mit uralter Mystik verknüpft mit Wissenschaft und der Frage, wie weit der Mensch mit eigenen Schöpfungen gehen kann, weiss zu faszinieren und wirft zudem etliche ethische und psychologische Fragen auf.
Ich muss allerdings zugeben, dass mich der letzte Roman auch stellenweise leider etwas ratlos zurücklässt. Denn zum einen verändert sich der Fokus unerwartet erheblich und aus dem exakt abgegrenzten Gebiet der Schöpfungskuhle als Handlungsort wird plötzlich ein multiversaler Ansatz. Und in diesem Universum agieren zwei polare Kräfte, die Gestalter und die Entropen, wie sie uns unter anderen Namen auch anderswo im Genre bereits begegnet sind: Ordnung und Chaos oder Kosmokraten und Chaotarchen, um nur mal zwei Beispiele zu nennen. Das geht allerdings noch völlig in Ordnung, denn diese Fokusverschiebung ist unerwartet und sorgt dafür, dass die Romane frisch und interessant bleiben.

Was mich allerdings wirklich gestört hat, ist dass nicht genauer beleuchtet wurde, wass denn nun genau vor 1000 Jahren passiert ist, was die Katastrophe war, die die Erde zwerstört hat und wie die Menschen in die Schöpfungskuhle gelangten.
Nachdem es in TÍR NA NÓG immer wieder mal kleine Einschübe gab, in denen auf Geschehnisse vor dem Kataklysmus eingegangen wurde, hätte ich es mir gewünscht, dass in solchem Rahmen auch die damaligen Geschehnisse nochmals beleuchtet worden wären. Doch da gibt es nur Andeutungen – und das finde ich überaus schade, denn ich gehe davon aus, dass die Forschungen der Älteren auf der Erde für die Katastrophe überhaupt erst verantwortlich waren.
Ein weiterer Kritikpunkt ist für mich die Art und Weise, wie Sean sich diverser Handlungsträger entledigt hat. Die hatten zwar meistens »wichtige Dinge« zu tun, wurden aber dennoch leider gefühlt »im Vorbeigehen« getötet. Hier hätte ich mir mehr Raum für diese Protagonisten und deren Abtreten gewünscht. Auf der anderen Seite musste sich das Geschehen natürlich insbesondere auf den Auserwählten Cornelis konzentrieren. Ein paar Seiten mehr hätten dem letzten Band aber gut getan …

Abschließend möchte ich auch die beiden TÚATHA DÉ DANANN-Romane jedem Phantastik-Freund unbedingt ans Herz legen. Dass insbesondere der letzte in meinen Augen nicht mehr ganz so gelungen ist wie TÍR NA NÓG, mag daran liegen, dass der Reiz des Neuen verflogen ist, und man die Welt, die Figuren und die Rahmenbedingungen bereits kennt. Aber auch mit nach meiner Ansicht kleineren Schwächen im Abschluss bleibt das Gesamtwerk herausragend und muss sich unter den zahllosen deutschsprachigen PhantastikBüchern keinesfalls verstecken; im Gegenteil ragt die Erzählung aus dem Sumpf gleichgeschalteter und immer wieder bekannt anmutender Phantastik weit heraus. Das ändern auch die oben angesprochenen minimalen Schwächen am Ende nicht.

Es bleibt also nach wie vor der Rat: lesen! Allerdings zuerst TÍR NA NÓG, denn es ist nun einmal eine Quadrologie, deren letzte beide Teil nicht für sich allein gelesen werden können und auch gar nicht verständlich wären.

Ich gebe vier von fünf Singularitäten. :)

p.s.: ich möchte an dieser Stelle übrigens mal anmerken, dass ich es ganz großartig finde, was der AcabusVerlag im Bereich Phantastik so alles heraus bringt. Demnächst werde ich mir endlich mal die STADTRomane von Andreas Dresen vornehmen.

Online: http://phantanews.de/wp/aartikel/das-ende-der-saga-sean-oconnells-tuatha-de-danann/

Über den Autor

O´Connell, Sean

O´Connell, Sean

Sean O’Connell, in England geboren und in London und Lindau (Bodensee) aufgewachsen, lebt seit einigen Jahren in Ravensburg/Weingarten. Seine erste Kurzgeschichte schrieb er im Alter von neun Jahren, sechs Jahre später folgten erste Publikationen in Science Fiction- und Fantasy-Fanzines.... mehr über den Autor

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