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Völva - Wodans Seherinnen
Von keltischer Götterdämmerung 2

Völva - Wodans Seherinnen

Autor: Rauner, Astrid

Lieferbar in 48 Stunden


Produktart: Buch

Seiten: 392

Größe: 14,5 x 20,5

Sprache: deutsch

Auflage: 1 Erstausgabe

Verlag: ACABUS Verlag

ISBN: 9783862821617

Einband: Paperback

zum eBook

EUR 14,90

Artikel


  • Inhalt
  • Leseprobe
In den dunklen Winternächten des Nordens liegt das Geheimnis eines Gottes verborgen:

Der Krieg mit den Eichenleuten ist vorüber, doch Aigonn findet in der Heimat keinen Frieden. Kurz vor Wintereinbruch reist er die Küsten der nördlichen Meere entlang, um nach Skandia überzusetzen, der Heimat des Moorsängers, des einzigen Geistersehers, von dem die Legenden der Stämme erzählen. Eine Sklavin, die Aigonn befreit, bringt den jungen Mann auf die richtige Spur. Kaum aber, dass ihre Reise begonnen hat, entfesselt sie sonderbare Fähigkeiten, die mehr Gefahr als Gabe zu sein scheinen.
Währenddessen hat in Aigonns Heimat der Machtkampf um die Stammesherrschaft begonnen. Der Schamane Rowilan versucht den Frieden mit allen Mitteln zu wahren. Doch bald erkennt er zwischen Treuebruch und Habgier seine Verbündeten nicht mehr. Ausgerechnet Anation ist die einzige, die noch helfen kann. Aber welches Geheimnis hütet sie, das der Moorsänger aus seiner alten Heimat zu ihrem Stamm gebracht hat? Und wird es Rowilan wirklich gelingen, seine Leute erneut vor dem drohenden Untergang zu bewahren?

Je tiefer sie nach der Wahrheit graben, desto mehr verstricken sich ihre Wege mit Wode, dem Sturmgeist. Dieser aber, den man „den Zornigen“ nennt, ist kein gnädiger Schutzherr – und er duldet keinen Verrat.
Prolog

Mit der Dämmerung waren die Sturmgeister erwacht. Die eisigen Böen fegten mit solcher Gewalt um die Langhäuser, dass das Stroh-Lehm-Geflecht zuweilen gefährlich bröckelte. Erste Regentropfen prasselten laut wie Hagelkörner auf die Reetdächer und verliehen dieser Szene den Hauch vom Ende aller Tage.
Lorn fehlte der Sinn, um seine Gedanken in solchen Horrorgeschichten zu verlieren. Missmutig umklammerte er sein zur Hälfte geleertes Trinkhorn, während er seinen Schwiegersohn beobachtete, der mit zittriger Stimme seine Kinder zu beruhigen versuchte. Acht Menschen hatten sich in dem winzigen Langhaus zusammengefunden. Lorns eigene Familie – seine Frau, die erwachsene Tochter, deren Ehemann und deren eigene Kinder – drängte sich auf den Schlaflagern zusammen. Weit genug vom zum Innenraum offenen Tierstall entfernt, in welchem die ersten Kühe in Panik ausbrechen wollten. Der Gestank nach Angst erfüllte den Raum. Er mischte sich mit dem Rauch des Torffeuers, das dem alten Fischer seit Stunden in den Augen brannte. Denn wer bei solchem Wetter den Rauchabzug öffnete, riskierte, sein halbes Dach bald fortfliegen zu sehen.
„Bleib ruhig, Kleines, die Sturmgeister sind nur ein wenig übermütig. Sie werden uns nichts tun, wir haben ihnen zu jedem Festtag Opfer gebracht!“ Spöttisch blickte Lorn zu dem Mann seiner Tochter. Der hagere Dreiundzwanzigjährige strich seiner jüngsten Tochter unsicher über das blonde Haar, während sie sich an die Brust ihrer Mutter drückte. Die Angst in seiner Stimme war so deutlich zu hören, dass Lorn an der beruhigenden Wirkung seiner Worte zweifelte.
„Götter, helft mir, das ist ja nicht zum Aushalten!“ Lorn nahm einen ausladenden Schluck Bier aus seinem Horn, sodass ihm der Gerstensaft in Rinnsalen vom struppigen Bart troff. Es war lachhaft! Dieser Junge war ein Schlappschwanz, ein winselnder Feigling aus dem Inland, der die Küste nur vom Hörensagen kannte und nur so lange große Töne spuckte, bis er der Urgewalt der Natur gegenübertreten musste. Wie er dieses ewige Gewinsel hasste!
„Die Sturmgeister sind nicht übermütig, das sind sie nie. Jedes Jahr kommen sie, um uns zu zeigen, wer die wahren Herren dieses Landes sind. Immer dann, wenn wir nahe dran sind, es zu vergessen.“
Ein erschreckend nahes Krachen ließ alle Anwesenden zusammenfahren. Kurz darauf waren von draußen Stimmen zu hören, die in der Sturmnacht verhallten. Eine Stalltür musste aus ihrer Verankerung gerissen worden sein. Lorn bemerkte diesen Umstand mit gieriger Befriedigung. „Hört ihr? Sie hören deine Worte, Rhaldar! Sie wissen, dass du sie verspottet hast und fordern nun den gerechten Tribut! Willst du die Geister des Windes nicht um Vergebung bitten, bevor sie die See zur Hilfe rufen?“
Die Unterlippe seines Schwiegersohns zitterte in der Absicht einer Erwiderung, er brachte jedoch keinen Ton hervor. Die Hilflosigkeit Rhaldars amüsierte Lorn. Er konnte gar nicht verstehen, warum seine Tochter dieses Großmaul geheiratet hatte.
Nachdem nun auch ein Donnern von einem nahen Gewitter kündete, verkrochen die Kinder sich ängstlich unter ihren Fellen. Es bedrückte Lorn, ihnen die Angst nicht nehmen zu können. Doch es gab Erfahrungen, die sie alle hatten machen müssen, die zum Leben in diesem Land gehörten wie das Meer, die Salzwiesen, Moore und Dünen. Wenn sie diese Lehre jetzt nicht erhielten, würden sie als Erwachsene enden wie ihr Vater.
Lorn hatte gerade sein Horn erneut an die Lippen gesetzt, als ihn ein Pochen an der Tür innehalten ließ. Knurrend ließ der Fischer sein Trinkgefäß sinken. Die Herren des nahen Viehhofs mussten nun die Kontrolle über die Sturmschäden verloren haben. Es war abzusehen gewesen.
„Was ist denn?“
Der alte Fischer hievte sich auf die Beine. Seine Knochen schmerzten mit jedem Schritt, als er zur Tür lief. Doch diesen Umstand durfte er sich nicht anmerken lassen. Sonst vergisst das junge Volk auch noch, wer Herr in diesem Haus ist!
Ein Kommentar lag ihm bereits auf der Zunge, als er die Tür öffnete. Die Böe, die ihm jedoch von draußen entgegenschlug, hatte er unterschätzt. Regentropfen, scharf wie Pfeilspitzen, prasselten in das Langhaus hinein. Lorn war binnen weniger  Sekunden an Beinen und Oberkörper durchnässt wie ein vergessener Hund. Fluchend schlug er die Tür bis zu einem winzigen Spalt wieder zu, bevor er durch ihn hindurch blickte und versuchte, in der Schwärze der Nacht etwas zu erkennen.
„Wer ist denn da?“
Vor der Tür stand eine vermummte Gestalt. Ein dunkler Mantel war weit über das Gesicht gezogen, sodass der zuckende Lichtschein des Feuers den Anschein erweckte, es handele sich eher um einen Geist als um einen Menschen. Für einen Moment hielt Lorn bei diesem Gedanken die Luft an. Konnte es sein? Hatte diese Nacht noch andere Wesen geweckt, die auf der Suche nach ihm waren?
Unsinn! Sein Kopfschütteln blieb unbemerkt. Er wagte es, die Tür noch ein Stück weiter zu öffnen, sodass er die Umrisse einer Waffe, eines Messers vermutlich, am Gürtel des Vermummten ausmachen konnte. In der linken Hand umklammerte er ein schäbig wirkendes Bündel, das genauso durchnässt war wie der Rest seines Körpers. Lorns Misstrauen erwachte. Unwillkürlich glitt seine Hand an den eigenen Axtgriff, bevor er noch einmal deutlicher wiederholte: „Wer seid Ihr?“
„Gibt es in einer solchen Nacht Einlass für einen friedlichen Wanderer?“
Mit diesen Worten machte die Gestalt einen Schritt vor und zog sich den Mantel vom Kopf. Widerwillig wich Lorn zurück. Seine Hand zuckte bereits dazu, die Tür vor dem Fremden zuzuschlagen, doch er hielt sich zurück und starrte in das fremde Gesicht, von dem er nicht sagen konnte, ob es Vertrauen weckte oder Gefahr brachte.
Der Fremde war jung, deutlicher jünger, als Lorn zunächst vermutet hatte. Zwanzig vielleicht, womöglich jedoch etwas älter. Die ernsten Züge, die von den Jahren gezeichnet waren, machten es dem alten Fischer schwer, eine sichere Entscheidung zu treffen. Auf den ersten Blick hätte er ein gewöhnlicher Altersgenosse seines jüngsten Sohnes sein können. Doch ein Detail machte alle Verallgemeinerung zunichte.
Zwei Augen sahen ihn an. Eines müde, die Farbe war nicht zu sagen, das andere jedoch von einer weißen Haut überwachsen. Blind mochte man annehmen. Doch je länger Lorn den Fremden anstarrte, desto mehr schien es ihm, als beobachtete ihn dieses genauso wie das Lebende. Schlimmer noch, als dränge es in ihn ein, durch seine Haut tief in seine Seele, von keiner Barriere der Natur zurückgehalten. Unwillkürlich jagte dem Alten ein Schauer über den Rücken. Er war versucht, den jungen Mann einfach davonzujagen und die Tür zuzuschlagen, doch irgendetwas – er wusste es selbst nicht – hatte seine Glieder erstarren lassen. In seinem Zwiespalt gefangen hörte er nur, wie der Fremde sagte, müde, menschlich: „Bitte! Ich verspreche Euch, dass ich keine bösen Absichten hege! Gewährt Ihr mir in einer solch ungemütlichen Nacht Unterkunft? Nur bis zum Morgen?“

Über den Autor

Rauner, Astrid

Rauner, Astrid

Astrid Rauner wurde 1991 in der hessischen Wetterau geboren und hat in Gießen Umwelt- und Ressourcenmanagement studiert. Beruflich ist sie im Bereich Landschaftsökologie und Landschaftsplanung tätig. Ihre große Leidenschaft gilt der Vor- und Frühgeschichte Europas.... mehr über den Autor

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