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Chroniken von Chaos und Ordnung. Band 1 und 2: Thorn Gandir. Aufbruch / Telos Malakin. Prüfung

Chroniken von Chaos und Ordnung. Band 1 und 2: Thorn Gandir. Aufbruch / Telos Malakin. Prüfung

Autor: Praßl, J.H.


lieferbar


Produktart: Buch

Seiten: 1132

Abbildungen: 6

Sprache: deutsch

Auflage: 1 Unveränderte Ausgabe

Verlag: acabus Verlag

ISBN: 9783862824526

Einband: Englische Broschur

EUR 26,90

Artikel


  • Inhalt
  • Leseprobe
  • Rezension
Band 1 und 2 der „ Chroniken von Chaos und Ordnung“ des österreichischen Autorenehepaars J.H. Praßl erzählen vom Beginn der fantastischen Welt Amalea, in der Waldläufer, Assassinen, Priester, Magier und Barbaren für eine neue Welt kämpfen.
"Die Zeit der Dunkelheit ist vorüber. Die Völker Amaleas sind im Begriff, die Welt von den letzten Chaosanhängern zu befreien und den Göttern der Ordnung zu neuer Macht zu verhelfen ..."
CHRONIKEN VON CHAOS UND ORDNUNG. BAND 1: THORN GANDIR
Amalea im Jahre 340 nGF, fünfhundert und sechzig Jahre nach dem Höhepunkt der Chaosherrschaft:
Thorn Gandir, Waldläufer und Krieger, verliert während der Sklavenaufstände im Einsatz für den Senatsvorsitzenden Antonius Virgil Testaceus alles, was je Bedeutung für ihn hatte. Trotzdem lässt er sich dazu hinreißen, für seinen machthungrigen Mäzen Valians Zepter zu finden, das Gerüchten zufolge von einem mächtigen Feind des Imperiums entwendet wurde. Begleitet von der Söldnerin Chara Viola Lukullus, dem Kriegspriester Telos Malakin und dem Barbaren Bargh Barrowsøn macht er sich auf die gefährliche Reise durch die aschranische Wüste. Doch Thorn kann sich nicht sicher sein, wer Freund oder Feind ist ... und welche Rolle er selbst dabei spielt, denn das Chaos ist gerade erst dabei, aus dem Verborgenen ans Licht zu treten.
CHRONIKEN VON CHAOS UND ORDNUNG. BAND 2: TELOS MALAKIN. PRÜFUNG
Amalea im Jahre 342 nach Gründung Fiorinde.
Thorn, Chara, Telos und Bargh haben Al'Jebal die Treue geschworen. Obwohl der Alte vom Berg als Drahtzieher des Chaos und Personifizierung des Bösen gehandelt wird, können sich Telos und Bargh mit ihrem neuen Auftraggeber arrangieren. Und Chara erkennt in ihm sogar ihren wahren Meister. Nur Thorn bleibt misstrauisch und verfolgt eigene Pläne.
Nach einer harten Ausbildung bei Al'Jebals Gefolgsleuten werden die Helden auf eine erste Mission fernab Aschrans und des Valianischen Imperiums geschickt. Was die Vier nicht wissen: Die Mission ist eine von drei Prüfungen des Alten, um sie für ihr jeweiliges Schicksal zu eichen. Telos erkennt im Zuge der ersten tödlichen Mission auf den Kabugna-Inseln seine wahre Bestimmung, Chara wird mit einer verstörenden Einsicht in ihre Natur konfrontiert, und Thorn muss sich seiner Vergangenheit stellen, die ihn direkt ins Valianische Imperium zurückholt, um "etwas zu beenden, was einst begonnen wurde".
Indes werden erste Zeichen sichtbar, die ganz und gar nicht von goldenen Zeitaltern erzählen und während Chara, Telos, Bargh und Thorn ihre jeweilige Zukunft besiegeln, beginnt Al'Jebal die Bühne für einen Krieg zu bereiten, der in naher Zukunft die Welt erschüttern soll …
"Es gibt ein Prinzip, das dem Schicksal sehr ähnlich ist. Es folgt den gleichen Gesetzen, bringt dasselbe Resultat hervor, schickt uns auf dieselbe Reise. Es flüstert von einem Anfang, von einer Veränderung, von einem Ende. Dort, wo die Götter keine Macht haben, ist es das Alpha und Omega. Das Prinzip heißt Strategie.“
Leseprobe aus Band 1: Thorn Gandir. Aufbruch
Fremder
Die Taverne zum Gladiator war zum Bersten voll. Obgleich die Kundschaft, die sich normalerweise hier aufhielt, eher zur oberen Gesellschaftsschicht zählte, trieben sich an diesem Abend die unterschiedlichsten Gestalten herum, darunter manch eine, der man nur ungern in die Quere gekommen wäre. 
Thorn betrat den Gastraum, gab sein Schwert bei den Türstehern ab, behielt aber den Waffengürtel um. Die Atmosphäre der gepflegtesten Taverne Valianors sollte nicht durch Unruhe stiftende Zwischenfälle gestört werden. Darum wurde zumindest pro forma verlangt, die Waffen am Eingang zurückzulassen. 
Thorn mochte weder die auf Hochglanz getrimmte Einrichtung, noch den Umstand, dass die Gaststätte meist überfüllt war. Er schätzte die Ruhe in den kleineren Spelunken am Stadtrand und am Hafen, wo höchstens eine nicht ernstzunehmende Keilerei zwischen zwei Betrunkenen drohte. Doch zum Hafen war es weit. Grund genug, den Gladiator aufzusuchen, sofern man sich im Stadtzentrum aufhielt. 
In der meistbesuchten Taverne der Stadt wurde auf die Etikette Wert gelegt – dementsprechend elitär waren sowohl die Preise als auch die Gesellschaft. Auf jedem Tisch stand eine kleine Öllampe, die den Gästen den Blick auf die opulenten Speisen erleichtern und das allgemeine Wohlbefinden fördern sollte. 
Sanftes Licht hüllte Thorn ein, als er sich einen Weg zwischen den Tischen hindurch bahnte und sich für einen Platz an der Außenwand entschied. Er ließ sich nieder und winkte nach dem Wirt, der ihn umgehend begrüßte und seine Bestellung aufnahm. 
Die Wärme der Gaststube tat Thorn gut und er genoss es, dass ihn hier niemand behelligte, wenn sich auch der eine oder andere nach ihm umdrehte. Immerhin war sein Name in Valianor nicht unbekannt. 
Nachdem er sein Bier bekommen und einen Schluck davon getrunken hatte, entspannte er sich allmählich. 
Die Berichterstattung vor dem Senat hatte ihn wütend gemacht und neuerliche Zweifel in ihm geweckt, die ihn den ganzen Nachmittag über beschäftigt hatten. Jetzt wollte er sich darüber keinen Kopf mehr machen. Es war Zeit, die Gedanken baumeln zu lassen.
Gelassen lehnte er sich zurück und ließ seine Augen durch die Taverne wandern. Die meisten Gäste waren unverkennbar Valiani, aber auch ein paar Südländer, vermutlich Aschraner, waren darunter, außerdem zwei Männer, die aussahen, als kämen sie aus Chryseia und schließlich entdeckte Thorn ein Paar, das allem Anschein nach aus seiner Heimat Alba stammte. Die blasse Haut der Frau und der stolze, aufrechte Gang des Mannes ließen es jedenfalls vermuten. Der Mann war wie für einen Albi üblich in einen grob karierten Kilt gekleidet, während die Frau ein langes, schweres moosgrünes Kleid trug, das unter ihrer Brust von einem seidenen Band zusammengehalten wurde.
Thorns Blick wanderte weiter und fiel auf einen Mann an der Theke, der einen eindeutig südländischen Einschlag hatte, dessen Erscheinung aber nicht in das gepflegte Gasthaus passte. Er sabberte leicht, als er seinen Bierkrug abstellte. Noch anstößiger war die Tatsache, dass sein Hinterteil zu groß für seine zu knapp geratene Leinenhose war, wodurch seine bleichen Pobacken unappetitlich über den Bund hinausquollen. Im Verhältnis zu seinen fast weiblichen Hüften hatte er einen zu schmalen Oberkörper, dafür aber einen umso gewaltigeren Bierbauch. Seine dunklen Haare hatte er in feinen Strähnen über seine Glatze gekämmt. Sein gesamtes Erscheinungsbild wirkte grotesk und Thorn fragte sich, wie er an den beiden Türstehern vorbeigekommen war.
Der Fremde leerte in tiefen Zügen seinen Humpen, während er grinsend über die Theke starrte. Thorn beobachtete, wie einige der Gäste ihn abfällig musterten. Doch der Mann schenkte dem keine Beachtung. Stattdessen wandte er sich seinem Nachbarn zu und zeigte ihm sein zahnloses Lächeln, woraufhin dieser schockiert ans andere Ende der Theke flüchtete. 
Der Südländer drehte sich dem Schankraum zu und beobachtete das Treiben der sich gedämpft unterhaltenden Gäste. Thorn verfolgte interessiert, wie er den Türstehern dabei einen abwägenden Blick zuwarf und mit Genugtuung feststellte, dass diese gerade damit beschäftigt waren, einen betrunkenen Bettler abzuwimmeln. 
„Euren Greifen in allen Ehr’n!“, begann er plötzlich theatralisch und ließ seine Augen über die sich teilweise nach ihm umdrehenden Gäste gleiten. 
„Euren Greifen in Ehr’n!“, wiederholte er lallend, „aber was nützt Euch Euer Vogel, obwohl’n recht stattlicher, wie ich mein’ …“ 
Er brach ab und kicherte, wobei er sich fast an seinem Speichel verschluckte. 
„Was nützt Euch der Vogel, wenn Ihr – die Gödder mög’n ’s verhindern – vor ’ner echt’n Bedrohung steht?“ 
Der Albi und seine Gefährtin senkten peinlich berührt ihre Blicke, während der Rest der Gäste den Südländer beobachtete.
„Ich mein’, kann der Geier auch ’nem schwarzen Magier ’s Früchten, äh, Fürchten lehr’n? Einem Mann, der alles sieht un’ alles weiß?“ 
Er stieß sich schwankend von der Theke ab und stolperte in den Gastraum, wobei er mit weit aufgerissenen Augen flüsterte: „Der Alte, der Alte vom Berg …“ 
Sein irrer Blick veranlasste nun auch die anderen, sich peinlich berührt abzuwenden. Doch letztendlich siegte die Neugier, weshalb nach kurzer Zeit sämtliche Augen wieder gebannt auf das ungewöhnliche Schauspiel gerichtet waren. Inzwischen hatte sich der Südländer unter die Leute gemischt und sich aufdringlich zwischen das Paar aus Alba gedrängt. 
„Was nützt Euch Euer Gryphos“, nuschelte er bedeutungsschwanger, „wenn der Alte – ich mein’ Al’Jeb…“
Er würgte, brachte den Namen nicht über die Lippen und verstummte. 
In der Taverne herrschte plötzlich Totenstille. Alle Augenpaare ruhten auf dem Mann, der sich nun vom Tisch der Albi entfernte und wankend durch den Gastraum schritt. 
Mit unheilvoller Stimme setzte er schließlich seinen Monolog fort: „Er streckt seine Finger nach’m Imperium aus! Und er … Er, der die Macht hat, sich der dunkelst’n aller Kreaturen su bedien’, bekommt immer, was er will! Mag ihm auch nur halb Aschran gehör’n, im Grunde liegt ihm ganz Amalea su Füßen.“ 
Grunzend knallte er seine Handfläche auf Thorns Tischplatte, woraufhin Thorn ein Stück zurückrückte. Es sah ganz danach aus, als würde sich der Mann gleich übergeben. 
Doch er schwankte nur, hielt sich erfolgreich an der Tischkante fest und fuhr lallend fort: „Seine Finger hat er überall, meine Herr’n! Und seh’n tut er weider als das Auge Eurer Gödder – bis hinauf zu den verdammten Spitzohr’n in Albion, wenn nich’ noch weider!“ 
Er machte eine kurze Pause, um Luft zu holen, doch bevor er seinen Mund noch einmal aufmachen konnte, schossen die zwei hünenhaften Türsteher, die den Bettler mittlerweile losgeworden waren, auf ihn zu, packten ihn und zerrten ihn zur Tür. 
„Denkt an meine Worte!“, schrie er, „denkt an Farach, den Händler, der mit sein’ eig’nen Augen geseh’n hat, wie der Alte mit seinen Feinden abrechnet … Er is’n Hexer, n’ Dämon!“ 
Und dann übergab er sich tatsächlich, noch bevor die Türsteher ihn aus der Taverne schmeißen konnten.
Der Wirt, der das Szenario stöhnend aus den Augenwinkeln beobachtet hatte, wies sofort zwei Sklavinnen an, das Erbrochene wegzuwischen. Anschließend stauchte er die beiden Türsteher zusammen, die den unwillkommenen Gast mittlerweile vor die Tür gesetzt hatten, und nickte entschuldigend in die Runde. 
Thorns Blick wanderte von dem Wirt zu den Gästen. Manche von ihnen schüttelten die Köpfe, die meisten aber begannen aufgeregt zu flüstern. Er selbst fühlte sich unangenehm berührt. Er hatte das untrüg¬liche Gefühl, dass hinter dem vordergründig peinlichen Auftritt des Südländers nicht bloß wirres Gerede steckte. 
Irgendetwas in seinem Inneren sagte ihm, dass an dieser Geschichte etwas dran war. Testaceus’ Worte kamen ihm in den Sinn: Im Süden sind dunkle Mächte am Werk … Die Gefahr aus Aschran hatte offenbar einen Namen. […]
Leseprobe aus Band 2: Telos Malakin. Prüfung
Wiedersehen
Als die ersten Sonnenstrahlen die noch kühle Morgenluft des Ljosdags, der ersten Trideade im Kranichmond, zögernd anwärmten, trat Thorn aus dem Tor des Nebenhauses in den Innenhof der Festung. An der Burgmauer entlang steuerte er den Hauptturm an, wo eine der beiden Wachen die schwere Holztür aufschob, die ins Turminnere führte. Bis auf die beiden Männer war ihm keine Menschenseele begegnet. Auch, als er die gewundene Treppe in die siebte Etage hochstieg, kam ihm niemand entgegen. […]
Der halbrunde, karg eingerichtete Besprechungsraum war menschenleer und still. Thorns weiche Lederstiefel verursachten auf dem steinernen Boden ein kaum hörbares Schlurfen, als er um den Tisch herum zu einem der fünf schmalen Fenster schritt, die auf der anderen Seite der Tafel einen Blick ins Freie gewährten. 
Die Öffnungen in der Mauer waren verglast, ein Luxus, den er nur von den aufwändigsten Gebäuden Valianors her kannte. Thorn stieß die beiden Läden des ersten Fensters auf und steckte den Kopf ins Freie. Eine kühle Morgenbrise zerzauste seine Haare, als er seine Augen an der Turmmauer nach unten und schließlich über den Innenhof gleiten ließ. Von hier oben erschloss sich ihm die Verteidigungsanlage der Festung kaum besser als vom Burghof aus. Aber der Anblick der Wachposten, die über die Mauern patrouillierten und das Tor sicherten, vereitelten ohnedies jeden Gedanken an Flucht. 
Flucht … wie oft hatte er in den letzten Monden mit diesem Gedanken jongliert. Flucht, Flucht, Flucht … 
Als er seinen Kopf hob, bot sich Thorn ein neuer faszinierenderer Anblick. Vor seinen Augen breitete sich der dunkelblaue glitzernde Teppich des Meers der Ruhe aus. Das Bild jenseits der Mauern hinterließ eine Ahnung von der Größe und Erhabenheit Amaleas und Thorn wurde es für einen winzigen Augenblick leichter um seine Seele. Freiheit – das war es, was er zu fühlen glaubte, trotz seiner selbst gewählten Gefangenschaft und der trüben Aussicht auf eine Zukunft, die Ungewissheit und Angst versprach. […]
Thorn fühlte sich plötzlich beklommen, als würde ihm die Luft wegbleiben. Hastig zerrte er das Tuch von seinem Hals und klemmte es in seinen Ledergürtel. Als sein Blick daran hängen blieb, blitzte eine Erinnerung in ihm auf :
Es war kurz vor ihrer Gefangennahme gewesen. Sie hatte sich im Kampf gegen einen Ork eine Verletzung am Hals zugezogen. Anstatt sich aus dem Kampf zurückzuziehen, hatte sie Thorn um sein Tuch gebeten und sich die Wunde so fest abgebunden, dass sie die Blutung zwar eindämmen konnte, sich dabei aber fast die Luftzufuhr abschnitt. Danach hatte sie ungerührt weitergekämpft. 
Diese Unvernunft, diese Verbissenheit – es waren nur zwei ihrer sonderbaren Eigenschaften.
Chara …
Die vermeintliche Söldnerin hatte auf Thorn immer den Eindruck gemacht, als würde sie nichts aus der Fassung bringen, nicht einmal die Tatsache, dass sie sterben könnte. Charas Besonderheit war, dass nichts sie zu berühren schien, und es war eben jene Eigenschaft, die Thorn sowohl bewunderte als auch zutiefst verachtete. […]
„Thorn ?“, erklang eine Stimme hinter ihm. Thorn schreckte aus seinem Tagtraum und drehte sich um.
Dort im Eingang stand ein Kriegspriester, schmal und mit erschreckend hässlichem Gesicht. Die tiefe Narbe, die sich über sein Nasenbein zog, und die unschönen Pockennarben, die seine Haut entstellten, verliehen ihm eine beängstigende Aura ; ebenso wie die hohlen Wangen, die dunklen Augenhöhlen und die Asymmetrie, die sein Gesicht wie die fehlerhafte Plastik eines untalentierten Bildhauers wirken ließ. Doch die blassgrauen Augen strahlten Vertrauenswürdigkeit aus, ganz so wie die jenes Priesters, den er einst gekannt hatte. Und dennoch, obwohl dieses vertraute Lächeln auf den Lippen des Mannes lag, wirkte er fremd. 
Telos Malakin hatte sich verändert. Statt der einfachen, weißen Priestertoga trug er eine weiße Toga aus schwerem Wollstoff, die an seiner Hüfte von einem breiten, roten Stoffgürtel gerafft wurde. Der Gürtel war so zusammengeknotet, dass ein Ende im Knoten verschwand, während das andere über Telos’ Schritt an der Robe nach unten fiel und fast bis an seine dunklen Stiefel reichte. In die breite Spitze des Gürtelbandes war ein gut sichtbares schwarzes Symbol gekreuzter Kriegshämmer gestickt. Telos wirkte eindrucksvoll, selbst für jemanden wie Thorn, der ein sehr vertrautes Verhältnis mit ihm gehabt hatte. Der Ausdruck auf seinem Gesicht, seine ganze Körperhaltung wirkten gereift und selbstsicher. Telos machte den Eindruck, als hätte er etwas gefunden, das ihn seinen Zielen ein Stück näher gebracht hatte. 
„Telos“, murmelte Thorn leise aber voller Dankbarkeit. Zögernd ging er auf den schlanken Mann zu und streckte ihm seine Hand entgegen. „Bei Vana, es tut gut, dich wiederzusehen !“ 
Der Priester ergriff seine Hand und schüttelte sie beherzt. „Thorn“, erwiderte er die Begrüßung und in seinem Gesicht zeichnete sich der deutliche Ausdruck von Freude ab.
Thorn trat zurück, um Telos noch einmal in Augenschein zu nehmen, während Telos seinerseits Thorn musterte. 
„Agramon sei Dank, dass du lebst ! Ich dachte schon, man hätte dich aufgrund deiner Haltung …“ Telos räusperte sich. „Nun ja, du weißt … Ich fürchtete, man hätte dich hinrichten lassen, trotz deines Schwurs.“
Thorn schüttelte den Kopf. Es fiel ihm kaum auf, dass sie sich auf Aschranisch unterhielten, so sehr hatte er sich bereits an seine neue Umgebung gewöhnt. 
„Al’Jebal scheint mir mehr abgewinnen zu können, als mir selbst lieb ist.“
„Ich denke, da tut er gut daran. Gute Bogenschützen sind nicht leicht zu finden.“
„Als wäre das mein einziges Talent“, grinste Thorn.
Telos drückte seine Schulter. „So war das nicht gemeint, mein Freund. Dein Eintopf ist auch ganz passabel.“ Er lächelte und nickte Richtung Stühle.
„Weißt du, wer sonst noch an dieser Besprechung teilnehmen wird ?“
„ICH !“, dröhnte eine tiefe Stimme aus dem Gang. „Bargh Barrowsøn, lasst mich durch, Jungs. Macht schon !“ Ein unverschämt breitschultriger Mann mit langem rotblonden Haar und in zwei Zöpfen geflochtenem Bart drängte sich an den Wachen vorbei durch die Tür und fiel Telos um den Hals.
„Mann, Telos, echt …“ Barghs Stimme brach vor Rührung. Er drückte Telos mit einem seiner breiten Arme an sich, dass es diesem die Luft aus den Lungen presste. Als er sich von dem Priester gelöst hatte, verpasste er Thorn einen kräftigen Schlag auf den Rücken. 
„Thorn, auch ’n Weilchen nich’ gesehen !“, brüllte er enthusiastisch, während sich Thorn hustend an die Brust fasste. 
„Ich freue mich auch, Bargh“, presste er hervor. „Wo hat man euch zwei untergebracht ?“
Nachdem Bargh in seiner üblich legeren Art geschildert hatte, dass er wie Thorn in der Festung untergebracht war und sich Thorn darüber wunderte, warum er dennoch nie seine Wege gekreuzt hatte, stapfte Bargh auf den Tisch zu und ließ sich in einen der sieben Stühle fallen. 
„Na sieh mal einer an“, murmelte er zufrieden, „Tee und Feigenbrot ! Da denkt jemand mit.“ 
„Ich war in den Unterkünften für Priester in der Tempelanlage der Monochpriesterschaft einquartiert“, erklärte Telos schließlich. 
Unterdessen griff Bargh nach der dampfenden Kanne und füllte eine der steinernen Schalen mit Tee. Herzhaft biss er in eine Scheibe Brot und wandte sich Thorn und Telos zu, die sich zu ihm an den Tisch gesellten. 
„Habd ihr schod gefrühstückd ?“, fragte er mit vollem Mund. 
Thorn schüttelte den Kopf und spürte augenblicklich ein Knurren in seinem Magen. Es war wohl an der Zeit, auf die Signale seines Körpers zu hören. Ständig in Ohnmacht zu fallen, war auf Dauer kein tragbarer Zustand. Während auch er sich ein Feigenbrot griff, hingen seine Augen an Telos, der sich nur an einem Schluck Tee gütlich tat. Sie waren wieder vereint. Zumindest annähernd … 
„Morgen“, erklang eine heisere Stimme und alle blickten auf. Im Türrahmen stand eine Frau mit schwarzen wirren Haaren, die ihr in widerspenstigen Strähnen bis auf die Schultern hinabfielen. Ihre Augen waren so schwarz wie ihr Haar und der für eine Frau ungewöhnlich muskulöse Körper verbarg sich in einem schwarzen hauchdünnen Leinenhemd und weiten schwarzen Hosen, die in weichen Lederstiefeln steckten. Die bleiche Haut ihres makellosen Gesichts wies wie immer keinerlei Zeichen von Sonneneinwirkung auf, trotz der unsäglichen Hitze, die in diesem Landstrich herrschte. Und der Ausdruck auf ihrem Gesicht zeigte wie gewohnt keinerlei Regung.
„Chara“, kam es hohl aus Thorns Mund. Er legte die angebissene Brotscheibe zur Seite und musterte unbehaglich ihre Gestalt.
Er hatte nicht damit gerechnet, die Assassinin je wiederzusehen. Nach allem, was er gehört hatte, hielten sich Al’Jebals Spione und Mörder unter ihresgleichen auf oder isolierten sich von jedweder Gesellschaft. Warum war Chara also hier ? 
„Deine Freude hält sich in Grenzen, Thorn“, stellte Chara fest, während sie auf den Tisch zuschlenderte. 
Da war er wieder – der Unterton in ihrer Stimme, der ihn maßlos reizte. 
„Telos …“, bemerkte Chara und setzte sich neben Bargh. Telos nickte Chara zu, wobei auch ihm ein leichtes Unbehagen ins Gesicht geschrieben stand. Bargh war der einzige am Tisch, der sich von Charas Erscheinung nicht aus dem Konzept gebracht fühlte. Breit grinsend tätschelte er ihren Unterarm und musterte sie von Kopf bis Fuß. 
„Gut siehst du aus !“, bemerkte er offenherzig. „Irgendwie … ich weiß nich’ … düster.“ Seine Augen blieben an ihrem Gesicht hängen. „Aber trotzdem hübsch.“
Charas Mundwinkel kräuselten sich zu einem kaum merklichen Lächeln. Thorns Blick fiel auf die lange Narbe, die sich über ihre Kehle zog. Das Zeichen würde ihr ein Leben lang bleiben.
„Seltsam, wie schwer es ist, die Gegenwart einer Verräterin zu tolerieren“, bemerkte er kühl. „Ich hatte nicht erwartet, dass ich deinen Anblick als derart abstoßend empfinden könnte.“
„Thorn !“, wies Telos ihn mahnend zurecht. 
„Kein Problem, Telos“, lenkte Chara ein. „Es ist nicht verwunderlich, dass jemand wie ich eine unschöne Irritation in Thorns Wahrnehmung darstellt.“ 
Thorn spürte, wie seine Augen schmal wurden. Er wollte etwas erwidern, doch da vernahm er ein leises Knarzen von Metall auf Leder und spähte zur Tür. […]

Auf http://www.amazon.de von Sursulapitschi (13.11.13)


Band 1 der Chroniken von Chaos und Ordnung ist der Auftakt zu einer epischen Fantasy-Saga.

Die Welt Amalea ist sehr komplex. Und die Reise durch diese Welt beginnt im valerianischen Imperium, einem Land, das deutlich römische Züge hat, in dem aber auch Magie einen Platz hat. Es erhebt für sich den Anspruch, die Ordnung zu vertreten und kämpft erbittert gegen seine Feinde, die das Chaos bringen. Das scheint allerdings nur die Theorie zu sein, denn im führenden Reich der Ordnung gibt es auch reichlich Unterdrückung, politische Intrigen und blutige magische Rituale.
Eine Zweckgemeinschaft von vier ganz unterschiedlichen Recken erhält den Auftrag, das Zepter der Macht zurück zu holen, das dem valerianischen Herrscher gestohlen wurde. Wir verfolgen den Weg von Thorn, dem Waldläufer, Telos, dem Priester und Chara und Bargh, den Söldnern. Da sind einige Schlachten zu schlagen und merkwürdige Kreaturen zu bekämpfen.
Als erstes ist mir an diesem Buch der wunderbare Schreibstil aufgefallen. Man ist ganz nah dran am Geschehen und kann alles sehr gut mitfühlen und nachvollziehen. Das heißt natürlich auch, dass man die ein oder andere grausige Szene sowie gelegentliches Schlachtgetümmel sehr plastisch vor Augen hat. Dieses Buch ist nichts für zarte Gemüter.
Weniger nah dran ist man an den Protagonisten. Man lernt sie sehr langsam kennen. Hier gibt es keine echten Helden. Jeder hat Schwächen und auch Stärken. Erst gegen Ende des Buches wird (weitgehend) klar, wer denn nun auf welcher Seite steht, wobei man trotzdem noch nicht weiß, welche Seite denn die richtige ist. Liegt Chaos und Ordnung vielleicht eher im Auge des Betrachters und ist somit Interpretationssache?
Es hat mir großen Spaß gemacht dieses Buch zu lesen. Trotzdem ziehe ich einen Stern ab für ein reichlich offenes Ende. Natürlich ist das hier der erste Band von voraussichtlich 8 Büchern und da kann man noch nicht alles erfahren. Aber der Klappentext bezieht sich deutlich auf das ganze Werk, was mir zunächst nicht klar war. Die dort angesprochene Dramatik wird in diesem Buch gerade mal angekratzt.
Ich hätte auch sehr gerne mehr Randinformationen zu den Protagonisten gehabt. Im Nachhinein habe ich festgestellt: Die gibt es in unglaublicher Ausführlichkeit auf der Homepage zum Buch, nur leider nicht im Buch selber.
Der zweite Teil erscheint erst Ende nächsten Jahres. Das ist eine ziemlich bittere Pille, hatte ich mich doch gerade erst eingelebt. Da muss ich mich wohl gedulden. Ich bin gespannt!

Online: http://www.amazon.de/Chroniken-von-Chaos-Ordnung-Band/dp/3862822109/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1384435864&sr=8-1&keywords=chroniken+von+chaos+und+ordnung

Auf http://www.amazon.de von Lärche (27.09.15)


Seit ich das Buch beendet habe, frage ich mich wie ich es bewerten soll – dabei ist die Frage „hat es dir gefallen oder nicht“ sehr schnell beantwortet: ich fand es großartig! Aber wie kann ich so ein gelungenes Buch in Worte fassen ohne ihm seine Tiefe und seine Begründungszusammenhänge zu nehmen. Ich habe keine Ahnung. Wie man schon erahnen kann, ist es ein Buch, das zwar oberflächlich betrachtet eine einfache (aus einem Rollenspiel erwachsene) Handlung beinhaltet, aber eigentlich ist es viel mehr. Es stellt sich die Frage: was ist eigentlich Gut und was ist Böse. Was ist Chaos und was ist Ordnung und wie gehören diese Begriffe zusammen. Dabei spielen Fragen nach Zufall, Schicksal, Religion und Liebe eine nicht unerhebliche Rolle. Auf diesen 1.Band – und ich gehe davon aus, dass die anderen Bände ähnlich werden – habe ich mich mit unglaublich viel  Freude eingelassen. Freude an der Handlung, an der Entdeckung der unterschiedlichen Charaktere, des kulturellen und historischen Hintergrundes und auch auf den philosophisch-religiösen Aspekt.
Wer ein Fantasy-Buch mit einem Helden und seinen Gefährten erwartet, der wird nicht unbedingt enttäuscht werden, aber sollte sich bewusst sein, dass es gar nicht so einfach ist ein Held zu sein. Wie sieht es aus mit der Handlungsmotivation eines jeden Helden? Liebe? Rache? Der Wunsch nach einer „besseren“ Welt? Wie weit darf man dafür gehen?
Die Charaktere werden sehr differenziert und menschlich dargestellt. Sie bleiben nicht an der Oberfläche, sondern laden dazu ein sich mit sich selber und seinen Idealen und Werten auseinander zu setzen. Wenn auch nicht jeder Charakter gleich intensiv betrachtet wird – es ist der erste von insgesamt acht Bänden und ich bin mir sicher, dass der ein oder andere Charakter noch eine entsprechende Würdigung enthält.
Bei jeder Seite merkt man den Autoren an, dass sie sich sehr intensiv mit „ihrer“ Welt und den Hintergründen beschäftigt gesetzt haben. Es macht mir als Leser Spaß die kleinen Details in den Beschreibungen der Welt zu entdecken und mich dann doch immer wieder überraschen zu lassen.
So könnte ich noch lange weiterschreiben. Eines ist mir wichtig zu sagen: Vielen Dank für diese Buch. Es ist ein Kleinod unter den Fantasy-Reihen und ich freue mich riesig auf die Fortsetzung!

Online: http://www.amazon.de/Chroniken-von-Chaos-Ordnung-Band/dp/3862822109/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1443509157&sr=8-1&keywords=Thorn+Gandir



Über den Autor

Praßl, J.H.

Praßl, J.H.

Hinter dem Namen J.H. Praßl verbirgt sich das österreichische Autorenehepaar Judith und Heinz Praßl. Zusammen schreiben sie bereits seit Jahren an dem Fantasy-Epos Chroniken von Chaos und Ordnung. Judith Praßl wurde 1979 in Oberösterreich geboren. Sie ist... mehr über den Autor

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