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Paavolainen, Olavi

Paavolainen, Olavi

Olavi Paavolainen (1903-1964) wurde 1903 im karelischen Kivennapa unweit von St. Petersburg geboren. Als sein Vater Abgeordneter wurde, zog die Familie 1921 nach Helsinki und Olavi nahm sein Studium der Ästhetik und Literatur auf. Zusammen mit anderen, vom Modernismus durchdrungenen Dichtern gründete er die stark kulturkritische Gruppe Tulenkantajat [Die Fackelträger] 1924-25, die nach Meinungsverschiedenheiten jedoch bald zerfiel. Anfang der Dreißigerjahre zog sich Paavolainen in seine eigentliche Heimat Karelien zurück und schrieb sein erstes größeres Werk Suursiivous eli kirjallisessa lastenkamarissa [Großreinigung oder in der literarischen Kinderstube] 1932, das eine zwiespältige Sensation darstellte.

Aber es wurde ihm zu eng in Finnland, er interessierte sich für die neuen politischen Strömungen und Machtverhältnisse in Europa, vor allem für die antibürgerlichen Ideen im nazistischen Deutschland und in der Sowjetunion. 1936 eröffnete sich ihm die Möglichkeit, auf Einladung der Reichsschrifttumskammer, Deutschland zu besuchen. Höhepunkt seines Aufenthalts waren die Erfahrungen auf den Nürnberger Parteitagen. Nach seiner Rückkehr veröffentlichte er noch im gleichen Jahr zur Weihnachtszeit seine Reportage Kolmannen valtakunnan vieraana [Zu Gast im Dritten Reich]. Wie H.K. Riikonen 2014 in seiner Paavolainen-Biographie Nukuin vasta aamuyöllä [Ich schlief erst im Morgengrauen] festhält, war er dabei höchst begeistert. Es war keine wissenschaftliche Untersuchung zum Nationalsozialismus, vielmehr eine subjektive Beschreibung seiner Erlebnisse und Eindrücke bei den Kultveranstaltungen des Parteikongresses. Paavolainen war weder sonderlich deutschfreundlich noch deutschfeindlich. Es wollte den Lesern lediglich das deutsche „Welterlebnis“ übermitteln. Da das Buch auch eine Reihe satirischer Passagen enthält, war Paavolainen ein weiterer Zugang ins Deutsche Reich versperrt.

Paavolainens Werk ist in der europäischen Reiseliteratur das seltene Beispiel eines Augenzeugen zu den Machtverhältnissen in Nazi-Deutschland. Sensationell dabei ist die kommunikative Visualität, die sogenannte ‚Politik des Auges‘: Inmitten Tausender anderer ausländischer Gäste beobachtete, sah und hörte er und vermittelte diese Eindrücke kritisch. Er beschrieb das Spektakel eines verweltlichten Glaubens in seiner ästhetisch verblüffenden und begeisternden Show mit optischer Schärfe.

In dem Buch Risti ja hakaristi [Kreuz und Hakenkreuz] beschäftigt sich Paavolainen 1938 nochmals mit dem Nationalsozialismus, bevor seine Heimatprovinz Karelien schließlich an die Sowjetunion fällt. Seine Aufzeichnungen zu den eigenen Kriegserfahrungen stellt er dann 1946 in dem Werk Synkkä yksinpuhelu [Finsteres Selbstgespräch] zusammen.

Paavolainen war zu seiner Zeit eine umstrittene Persönlichkeit. Vor allem konservative Kreise lehnten seine schonungslose Offenheit und Ehrlichkeit ab. Andere mochten seinen dandyhaften Habitus nicht: Er kleidete sich extravagant und liebte schicke und schnelle Autos. Im Nachkriegs-Finnland fand er sich zunächst kaum zurecht, mit Hilfe der Direktorin des Finnischen Rundfunks, der Brecht-Freundin Hella Wuolijoki, wurde er 1947 Chefredakteur der Radiozeitung und später Leiter der Theaterabteilung des Rundfunks; diese Stellung bekleidete er bis zu seinem Tode. Er starb 1964 an einer durch Alkoholismus verursachten Leberzirrhose.

Publikationen

Paavolainen, Olavi ; Klemmt, Rolf; Halmesvirta, Anssi

Zu Gast im Dritten Reich 1936. Rhapsodie

Aus dem Finnischen von Rolf Klemmt. Mit einer Einführung von Anssi Halmesvirta

"Auge in Auge mit den Visagen des Dritten Reiches!" Das brisanteste politische Spektakel des vergangenen Jahrhunderts waren die Nationalsozialistischen Parteitage...

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